Schatzgräber im Weinberg • Gedicht von Gottfried August Bürger | Aventin Blog

Donnerstag, 16. April 2015

Schatzgräber im Weinberg • Gedicht von Gottfried August Bürger


Ein Winzer, der am Tode lag,
Rief seine Kinder an und sprach:
"In unserem Weinberg liegt ein Schatz:
Grabt nur danach!" - "An welchem Platz?",
Schrie alles laut den Vater an. -
"Grabt nur!" - O weh! da starb der Mann.
Kaum war der Alte beigeschafft,
Da grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaten ward
Der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
Man warf die Erde gar durchs Sieb.
Und zog die Harken kreuz und quer
Nach jedem Steinchen hin und her.
Allein da ward kein Schatz verspürt,
und jeder hielt sich angeführt.
Doch kaum erschien das nächste Jahr,
So nahm man mit Erstaunen wahr,
Dass jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
Des Schatzes immer mehr heraus. 






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