Es war keine Liebe darin • Geschichte zum Advent | Aventin Blog

Freitag, 18. Dezember 2015

Es war keine Liebe darin • Geschichte zum Advent


Es war an einem Tag kurz vor Weihnachten. Ich besuchte einen alten Bekannten im Altenheim. Zu dem Zimmer des alten Herrn der alleine für sich wohnte, war gerade eben noch der Paketzustelldienst gekommen. Darum wunderte ich mich nicht, dass auf mein Klopfen zunächst keine Antwort kam. "Aha, das Weihnachtspaket!" dachte ich. Tatsächlich, als es endlich hieß: "Herein!" stand der alte Herr vor dem Tisch und stocherte in dem eben geöffneten Paket. Man sah auf den ersten Blick, dass es ein Paket mit teueren Geschenken war. 

Später hörte ich, dass die Absenderin, die Tochter des alten Herrn, eine reiche Geschäftsfrau sei. Soweit ich sehen konnte, befanden sich im Paket Zigarren, Tabak, Cognac, Kaviar, Sekt, Lederartikel und noch vieles mehr - alles, was man sich nur ersehnen konnte. 

Der alte Herr aber machte zu all dem nur ein mürrisches Gesicht. Kein Fünkchen Freude war zu sehen. "Aber Herr Huber", sagte ich jetzt, "wie kann man vor solch einem Weihnachtspaket ein so  trauriges Gesicht machen? Da sind doch nur gute und wertvolle Sachen darin!" Da sah mich der alte Herr an und sagte: "Da ist keine Liebe darin!" Dann begann er von der reichen Tochter zu erzählen. Augenscheinlich hat sie das Paket von den Angestellten packen lassen. Auf einer billigen vorgedruckten Weihnachtskarte stand geschrieben: "Deine Tochter Luise und Schwiegersohn". Sonst nichts! Kein persönlicher Weihnachtswunsch, kein Besuch und auch keine Einladung wie: "Feiere das Fest mit uns!"







Kommentare :

  1. Eine traurige Geschichte, leider aber nah an der Wirklichkeit, denn vielen Menschen wird es so oder ähnlich ergehen. Leider!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  2. Diese Geschichte zum Advent soll Anlass geben über sein eigenes und das Leben seiner nächsten Mitmenschen nachzudenken und ggfs. etwas zu unternehmen, damit Weihnachten wirklich zum Fest der Liebe wird. Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch, dass jeder mal älter wird und sich bei jedem mal Einsamkeit breit machen könnte. Nur an andere Mitmenschen zu denken und unserer so hektischen Zeit, fällt manchen sehr schwer, weil meist anderen Prioritäten der Vorzug gegeben wird und die Menschlichkeit offensichtlich auf der Strecke bleibt.
    Herzliche Grüße
    Aventin

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  3. Leider kommt so etwas häufiger vor, als man denkt. Ich bin froh, dass wir in unserer Familie einen guten Zusammenhalt haben. Falls du vielleicht noch eine Geschichte hast, die froh macht (darf auch älter sein), kannst du sie in meiner neuen Linkparty verlinken:
    http://ein-kleiner-blog.blogspot.de/2015/12/froh-und-kreativ1linkparty.html
    Ich nehme deinen Blog auch in meine Liste auf die Sidebar.
    LG Elke

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