Von den Feldfrüchten im Garten | Gedicht von Kurt Tucholsky | Aventin Blog

Freitag, 1. Juli 2016

Von den Feldfrüchten im Garten | Gedicht von Kurt Tucholsky


Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß,
Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.
Ja, und hier -? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh ...
Ja, und hier -? Die ganz verbockte
liebe gute S P D.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.






Kommentare :

  1. Einfach großartig, dieser Tucholsky, genial. :o)))).
    Zeigt es doch, dass sich in der Politik nichts geändert hat und niemals ändern wird.
    Ich kannte dieses Gedicht nicht, deshalb danke dafür, lieber Ave von Aventin und liebe Grüße verbunden mit den besten Wünschen für ein entspanntes und erholsames Wochende.
    Laura

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  2. Bescheidene Radieschen, außen rot und innen weiß, sehr schön. Da muss man erst drauf kommen, eine Partei mit einem Radieschen zu vergleichen. Das Gedicht kannte ich auch noch nicht.
    LG Elke

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