Aventin Blog: Europa
Posts mit dem Label Europa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Europa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. April 2016

Was die Satire darf | Auszug | Frei nach Kurt Tucholsky


Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland vor dem Fernseher, dem PC oder dem Handy und nimmt übel. Satire scheint in den Augen vieler Menschen eine durchaus negative Sache zu sein. Sie sagt aber: "Nein!". Eine Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt gegen alles, was falsch, stockt und träge ist.

Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose  schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.

Der Satiriker selbst ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.

Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird. 

Vor allem machen viele Bürger einen Fehler: sie verwechseln das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: "Seht!" - In Deutschland nennt man dergleichen 'Kraßheit'. Trunksucht ist ein böses Ding, sie schädigt das Volk, und nur schonungslose Wahrheit kann da helfen. 

Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: 'Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.' 

Wir sollten also nicht so kleinlich sein. Wir alle - Volksschullehrer und Kaufleute und Professoren und Redakteure und Musiker und Ärzte und Beamte und Angestellte und Frauen und Beauftragte - wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nicht immer gleich aufbegehren, wenn einer wirklich einmal einen guten Witz reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein. Das ist kein rechter Mann und keine rechte Frau, die nicht einen ordentlichen Puff vertragen können. Sie mögen sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, sie mögen widerschlagen - aber sie sollten nicht verletzt, empört oder gekränkt das Haupt wenden. Es würde bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind wehen, wenn nicht alle übel nähmen. 

So aber schwillt der Dünkel zum Größenwahn an. Der Satiriker tanzt zwischen Interessen, Vereinigungen, Klassen, Konfessionen und Einrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend. Die echte Satire ist gesund und wirkt blutreinigend: denn wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.

Was darf die Satire?
Alles!





Freitag, 11. Dezember 2015

Florenz | Hauptstadt der Toskana | Florentia oder die Blühende


Florenz, Provinz-Hauptstadt der Toskana mit Sitz einer bekannten Universität und eines Erzbischofs, wird wegen ihrer malerischen Lage zu beiden Seiten des Arno auch 'la Bella' genannt. Die Stadt war vom Mittelalter an bis zur Neuzeit Mittelpunkt der geistigen Entwicklung Europas. Von hier ging auch die Schöpfung der italienischen Sprache und Literatur aus, man denke dabei an Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio oder Francesco Petrarca, und von hier erwuchs die Blüte der italienischen Kunst.




Sehenswürdigkeiten:


Piazza della Signora  
Palazzo degli Uffizi  
Palazzo Strozzi  
Accademia di Belle Arti  
Ponte Vecchio 
Boboli-Garten 



Zur Geschichte:

  • 50 v. Chr. erhält 'Florentia' die Stadtrechte. 
  • 1282 reißen die Zünfte die Regierung an sich. Ihre Priori (Vorsteher) treten als Signoria an die Spitze der Verwaltung. 
  • 1302 wird Dante auf Lebenszeit aus seiner Heimatstadt Florenz verbannt.
  • 1434 kommt die reiche Kaufmannsfamilie Medici an die Macht. Ihre bedeutendsten Mitglieder sind Cosimo 'Il Vecchio'  und Lorenzo 'Il Magnifico' . Unter diesen beiden wird die Republik Florenz in Europa Mittelpunkt von Kunst, Wissenschaft, Handel und Geldverkehr. 
  • 1494 besetzt Karl VIII.  von Frankreich Florenz und die Medici werden Vertrieben. 
  • 1498 stirbt der Bußprediger Savonarola, ein Gegner der Medici, als Ketzer.
  • 1512 kehren die Medici nach Florenz zurück.
  • 1532 wird Alessandro di Medici von Karl V. als erblicher Herzog eingesetzt, regiert aber nur fünf Jahre. 
  • 1537 wird Alessandro von seinem Vetter Lorenzino ermordet. Nachfolger wird der junge Cosimo I.
  • 1569 wird Cosimo I. von Paps Pius V. als Großherzog bestätigt. 
  • 1737 sterben die Medici aus. Das Haus Lothringen erhält die Toskana als Reichslehen. Habsburg-Lothringen herrscht bis 1859.
  • 1865 Florenz wird Hauptstadt des neuen Königreichs Italien.










Samstag, 17. Januar 2015

Montag, 1. Oktober 2012

Gent in Flandern | Hauptstadt von Ostflandern


aventin.blogspot.com

Gent (niederländisch [ɣɛnt], französisch Gand [gɑ̃]) ist eine Stadt in Flandern. Sie ist zugleich die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern und des Arrondissements und Wahlbezirks. Gent entstand aus keltischen Ansiedlungen im Gebiete des Zusammenflusses von Schelde und Leie. Im Mittelalter wuchs Gent durch den blühenden Tuchhandel zu einer der größten Städte Europas heran. Auch Flachs- und Leinengewerbe und das von der Stadt erworbene Stapelrecht auf Getreide trugen ansehnlich zur Wohlfahrt der Stadt bei. Nach einer kurzen calvinistischen Periode verfiel die Stadt zusehends bis zur erneuten Blüte gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Gent zu einer der ersten industrialisierten Städte auf dem europäischen Festland wurde. Im Hof ten Walle, dem späteren Prinzenhof, wurde am 24. Februar 1500 der spätere Kaiser Karl V. geboren. In der Stadt wurden auch die Pazifikation von Gent (1576) und der Friede von Gent (1814) unterzeichnet. Gent wird auch die stolze Stadt (de fiere stad) oder Arteveldestadt genannt. Aufgrund ihrer Lage in einem ausgedehnten Gebiet von Blumen- und Pflanzenzüchtungsbetrieben wird Gent darüber hinaus auch Blumenstadt genannt. Patronheilige von Gent sind Sankt Lieven und Pharaïldis. Der Heilige Bavo ist Patronheiliger des Bistums Gent, nach ihm ist die Sankt Bavo Abtei benannt. (Wikipedia) 






Mittwoch, 25. Juli 2012

Utopia gestern und heute | Betrachtung von Thomas Morus


aventin.blogspot.com

Wenn ich daher alle die Staaten, welche heutzutage in Blüte stehen, durchnehme und betrachte, so sehe ich, so wahr mir Gott helfe, in ihnen nichts Anderes, als eine Art Verschwörung der Reichen, die unter dem Deckmantel und Vorwand des Staatsinteresses lediglich für ihren eigenen Vorteil sorgen, und sie denken alle möglichen Arten, Weisen und Kniffe aus, wie sie das, was sie mit üblen Künsten zusammen gerafft haben, erstens ohne Furcht es zu verlieren, behalten, sodann wie sie die Arbeit aller Armen um so wenig Entgelt als möglich sich verschaffen mögen, um sie auszunutzen.

Diese Anschläge, welche die Reichen im Namen der Gesamtheit, als auch der Armen aufgestellt und durchzuführen beschlossen haben, wurden dann zu Gesetzen erhoben. Thomas Morus (1478-1535) - Utopia






LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...