Aventin Blog: Fabeln
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Montag, 1. August 2016

Wie der Esel mit dem Löwen jagen ging | Fabel von Lessing


Als der Esel mit dem Löwen des Äsop, der ihn anstatt seines Jägerhorns brauchte, frühmorgens in den Wald zum Jagen ging, begegnete ihm ein anderer Esel von seiner Bekanntschaft und rief ihm freundlich zu: "Guten Tag, mein Bruder!"

"Unverschämter!" war die Antwort. 

"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit einem Löwen unterwegs bist, besser als ich und mehr als ein Esel?"

Lehre:
Hochmut ist der zur Schau getragene Stolz. Echter Stolz verbirgt sich. (Ernst Hohenemser)






Montag, 11. Juli 2016

Der Igel und das Kalb | Leere Drohung und die Folgen | Fabel von Leo Tolstoi

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Ein Kalb entdeckte einen Igel und sprach: "Ich fresse dich!" Der Igel wusste nicht, dass Kälber keine Igel fressen, erschrak, rollte sich ein und fauchte: "Versuch es doch!" Mit erhobenem Schwanz fing das einfältige Kalb an zu hüpfen, stieß mit den Hörnern in die Luft, spreizte die Vorderfüße und beleckte den Igel. 

"Oi, oi, oi", brüllte das Kalb und rannte zur Kuh-Mutter und beklagte sich: "Der Igel hat mich in die Zunge gestochen." Die Kuh hob den Kopf, blickte nachdenklich drein und riss weiter Gras ab. 

Der Igel indes trollte sich in eine dunkle Höhle unter einer Ebereschenwurzel und meinte fröstelnd: "Ich habe ein riesiges Tier besiegt. Ich muss ein Löwe sein!" Und der Ruf über die Tapferkeit des Igels eilte bis weit hinter den blauen See, bis hinter den dunklen Wald. "Wir haben einen Igel, der ist ein Recke", flüsterten ängstlich die Tiere.

Lehre: 
Eine unüberlegte leere Drohung stärkt nur den Widersacher!








Montag, 4. Juli 2016

Stein und Feuer | Die Lernenden | Fabel von Leonardo da Vinci


Der Stein verwunderte sich sehr, als das Feuer ihn schlug, und sagte zu ihm in strenger Stimme: "Was für ein anmaßender Patron bist du, mich zu belästigen. Mir scheint, du warst im Irrtum, als du mich hernahmst. Tu mir nicht Schmerz an; ich vertrug mich noch mit jedermann." 

Da gab das Feuer zur Antwort: "Sei nur geduldig und du wirst sehen, welch wunderbare Frucht ich mit dir erzeuge." Auf diese Worte hin raffte der Stein sich zusammen und hielt geduldig der Marter stand. 

Da sah er, wie aus ihm neues Feuer geboren wurde, und sah, wie die wundervolle Kraft des Feuers in neuen zahllosen Dingen wirkte und wiederum Neues schuf. 

Lehre:
Das Gleichnis hierzu will sagen: Es sind die Lernenden. Zu Anfang ihrer Studien erschrecken sie und verzagen; dann aber nehmen sie sich selbst in Zucht und tun mit Geduld und strengem Fleiß ihre Arbeit. Und so wird in ihren Studien wunderbare Kraft sein und neue überzeugende Gedanken werden aus ihnen entsprießen. (Leonardo da Vinci)






Montag, 27. Juni 2016

Die Fabel von den Fröschen | Suggestion | Allegorische Weisheit


Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf die höchste Spitze eines großen Baumes zu gelangen. Am Tag des Wettlaufs versammelten sich also viele Frösche, um zuzusehen.

Dann endlich - der Wettlauf begann. Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie deshalb "Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!" oder "Das ist einfach unmöglich!" oder "Das schafft Ihr nie!" Und wirklich schien es, als sollte das Publikum Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: "Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!" Und wirklich gaben bald alle Frösche auf - alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Baum hinauf kletterte - und als einziger das Ziel erreichte. 

Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war. Einer der anderen Teilnehmer-Frösche näherte sich ihm deshalb, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Und da erst wurde allen bekannt, dass dieser Frosch taub war!

Lehre: 
Manchmal gereicht ein Mangel auch zum Segen!






Montag, 20. Juni 2016

Die Kaninchen sind schuld | Fabel von James Thurber


Es war einmal eine Kaninchenfamilie, welche unweit von einem Rudel Wölfe lebte. Die Wölfe erklärten, dass die Lebensweise der Kaninchen ihnen nicht gefalle. Die Wölfe waren stolz auf die Art, wie sie selbst lebten, denn jene wäre die einzige richtige Art zu leben, wie sie dachten. 

Eines Nachts wurden einige Wölfe bei einem Erdbeben getötet und die Kaninchen wurden als schuldig erklärt, denn es sei allgemein bekannt, dass Kaninchen mit ihren Hinterbeinen auf den Boden schlügen und damit Erdbeben verursachten. 

In einer anderen Nacht wurde einer der Wölfe von einem Blitz erschlagen, und schuld daran wären natürlich wieder die Kaninchen, denn es sei allgemein bekannt, dass Salatfresser Blitze verursachten. 

Die Wölfe drohten nun, die Kaninchen zu disziplinieren und zu bestrafen, wenn sie sich nicht anständig verhielten und die Kaninchen beschlossen daraufhin, auf eine verlassenen Insel zu fliehen. Aber die anderen Tiere, welche weit entfernt wohnten, beschämten sie, indem sie sagten: "Ihr müsst bleiben, wo ihr seid, und tapfer sein. Dies ist keine Welt für Ausreißer. Wenn die Wölfe euch angreifen, werden wir euch zu Hilfe kommen, aller Wahrscheinlichkeit nach." 

So blieben die Kaninchen in der Nachbarschaft der Wölfe wohnen, aber eines Tages kam eine schreckliche Überschwemmung, welche eine große Anzahl Wölfe ersäufte. Auch daran wären die Kaninchen schuld, denn es sei allgemein bekannt, dass Mohrrübenknabberer mit langen Ohren Überschwemmungen verursachten. 

Die Wölfe fielen nun über die Kaninchen her, wie sie meinten zu ihrem eigenen Besten und sperrten sie in eine finstere Höhle, zu ihrem eigenen Schutz. Als man ein paar Wochen lang nichts mehr von den Kaninchen zu hören bekam, richteten die andern Tiere eine Anfrage an die Wölfe, was mit jenen denn geschehen sei. Die Wölfe erwiderten, die Kaninchen seien gefressen worden und da sie gefressen worden seien, sei der Fall eine rein innere Angelegenheit der Wölfe. Die anderen Tiere drohten jedoch, sie würden sich möglicherweise gegen die Wölfe verbünden, wenn kein plausibler Grund für die Vernichtung der Kaninchen angegeben würde. So gaben die Wölfe einen an. "Sie versuchten auszureißen", sagten die Wölfe, "und wie ihr wisst, ist dies keine Welt für Ausreißer!" 

Moral: 
Man suche beizeiten sein Heil in der Flucht!






Montag, 13. Juni 2016

Der Fuchs und der Storch | Persönliche Interessen | Fabel von Lessing

 

"Erzähle mir doch etwas von den fremden Ländern, die du alle schon gesehen hast", sagte der Fuchs zu dem weit gereisten Storch. 

Daraufhin fing der Storch an weitläufig auszuholen mit seiner Erzählung und jede Lache und jede feuchte Wiese zu benennen, wo er die schmackhaftesten Würmer und die fettesten Frösche gefunden und verspeist hätte. 

Der Fuchs war darüber nicht sehr erfreut und ging seines Weges mit den Abschiedsworten: "wie schön für dich". 

Lehre: 
Jedem Tierchen sein Plaisierchen!






Dienstag, 7. Juni 2016

Der Axtdieb | Vorurteile | Geschichte aus China


Ein Mann hatte seine Axt verloren und vermutete, dass der Sohn des Nachbarn sie ihm gestohlen habe. Er beobachtete ihn daher ganz genau: Sein Gang und sein Blick waren ganz der eines Axtdiebes. Alles, was er tat und auch wie er sich benahm, sah nach einem Axtdieb aus. 

Einige Zeit später fand der Mann zufällig seine Axt unter einem Bretterhaufen wieder.

Am Tag darauf begegnete der Mann wieder dem Sohn des Nachbarn: Sein Gang war nicht der eines Axtdiebes und auch sein Blick war es nicht. Er sah ganz anders aus und benahm sich auch nicht wie ein Axtdieb.  

Lehre: 
Vorurteile machen blind und trüben den Blick!






Montag, 30. Mai 2016

Die beiden Pflugscharen | Fleiß und Faulheit | Fabel von Meissner


Zwei Pflugscharen kamen miteinander neu vom Schmied und waren von völlig gleichem Ansehen. Die eine wurde hingeworfen und lag jahrelang müßig herum, sodass sie vom Rost verunstaltet wurde. Die andere aber kam alsbald an den Pflug und musste das Land pflügen, wobei sie wunderschön blank wurde. 

Als die beiden einmal wieder zusammenkamen, sahen sie einander voll Verwunderung an. Die so lange müßig herum gelegen hatte, sprach zu ihrer fleißigen Schwester: "Sage mir doch, wodurch bist du so schön geworden und ich so hässlich? Ich habe doch lauter gute Tage gehabt und lag still und warm hier in diesem Winkel." --- "Das ist es ja eben", erwiderte die andere, "die träge Ruhe hat dich verunstaltet; ich aber bin schön durch meinen Fleiß geworden."


Lehre: 
Wer rastet, der rostet.





Montag, 23. Mai 2016

Der Löwe mit dem Esel | Begleitung und Gesellschaft | Fabel von Lessing



Als der Löwe des Aesop mit einem Esel, der ihm mittels seiner fürchterlichen Stimme bei der Jagd behilflich sein sollte, in einen nahen Wald ging, rief ihm eine nasenweise Krähe, welche auf dem Ast eines Baumes saß, folgendes zu: "Da hast du ja einen schönen Begleiter und Gesellschafter bei dir! Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?"

Darauf antwortete der Löwe: "Wen ich brauchen kann und wer mir behilflich ist, den kann ich ja wohl auch zeitweise an meiner Seite gehen lassen."

Lehre:
Ehre, wem Ehre gebührt. Recht, wem Recht zusteht





Montag, 9. Mai 2016

Das Geschenk der Feen | Fabel von Gotthold Ephraim Lessing


Zu der Wiege eines jungen Prinzen, der in der Folge einer der größten Regenten seines Landes ward, traten zwei wohltätige Feen. "Ich schenke diesem meinem Liebling", sagte die eine, "den scharfsichtigen Blick des Adlers, dem in seinem weiten Reich auch die kleinste Mücke nicht entgeht."

"Das Geschenk ist schön", unterbrach sie die zweite Fee. "Der Prinz wird ein einsichtsvoller Monarch werden. Aber der Adler besitzt nicht allein Scharfsichtigkeit, die kleinsten Mücken zu bemerken, er besitzt auch eine edle Verachtung, ihnen nicht nachzujagen. Und diese nehme der Prinz von mir zum Geschenk!"

"Ich danke dir, Schwester, für diese weise Einschränkung", versetzte die erste Fee. "Es ist wahr; viele würden weit größere Könige gewesen sein, wenn sie sich weniger mit ihrem durchdringenden Verstand bis zu den kleinsten Angelegenheiten hätten erniedrigen wollen."





Montag, 2. Mai 2016

Die Eidechse | Lebensweisen | Fabel von Hellmut von Cube

Es waren einmal viele Tiere auf dem Wege zum Himmel. Ein Weiser mit dem gleichen Ziel schloss sich ihnen an und fragte sie der Reihe nach nach ihrem Leben. Da zählte ein Fuchs seine Abenteuer auf, ein Eichhörnchen berichtete von seinem beweglichen Dasein, eine Schleie schwamm ihr Leben in großen Zügen vor, ein Hahn tat sich groß mit seinen Pflichten hervor, ein Regenwurm murmelte über dunkle Dinge, und ein Floh wusste viel über Menschen zu erzählen. 

Als es aber an der Eidechse war, zu reden, schwieg sie. Der Weise wartete, die Eidechse schwieg. Der Weise gab ihr gute Worte und die Eidechse schwieg weiter. Da bot der Weise seine ganze Weisheit auf, aber die Eidechse schwieg noch immer. Schließlich, als sie schon fast dem Himmel nahe waren, züngelte sie ein bisschen, blinzelte ein paar Mal und sagte: "Ich habe mich gesonnt!"

Lehre: 
Was dem einen sin Uhl, dem anderen sin Nachtigall! 





Montag, 25. April 2016

Gans bleibt Gans | Mehr scheinen wollen als sein | Fabel von Lessing


Die Federn einer Gans waren so schön weiß, dass sie den neugeborenen Schnee beschämten. Stolz auf dieses blendende Geschenk der Natur, glaubte sie daher, eher zu einem Schwan als zu dem, was sie war, geboren zu sein. 

So sonderte sie sich von ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch  auf dem Teich herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie mit aller Macht abhelfen wollte. Bald suchte sie ihm die prächtige Biegung zu geben, in welcher der Schwan das würdigste Ansehen eines Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; ihr Hals war zu kurz und zu steif, und mit aller ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als dass sie doch nur eine ganz normale Gans blieb, ohne ein Schwan zu werden. 

Lehre:
Schuster bleib bei deinen Leisten!






Montag, 18. April 2016

Vom weiten Gesichtskreis | Fabel Gedicht von Heinrich Seidel

Die Kröte kroch mit großem Schnaufen
bedächtig auf den Maulwurfshaufen
und sah sich um, von Stolz geschwellt:
"Wie groß ist doch die weite Welt!"

(Heinrich Seidel)





Montag, 11. April 2016

Das Rasiermesser | Fabel von Leonardo da Vinci

Als das Rasiermesser eines schönen Tages aus seinem Griff, der ihm zur Scheide diente, herauskam und sich ins Fenster legte, sah es die Sonne sich in seinem Leib spiegeln. Da fühlte es in sich ungeheuren Glanz, und in Gedanken an sein Handwerk sprach es zu sich selber: "Niemals wieder will ich in die Bude zurück, aus der ich kam! Mögen die Götter verhüten, dass meine glanzvolle Schönheit so erniedrigt werde! Welcher Wahnsinn, die eingeseiften Knasterbärte dummer Bauern zu rasieren, welche Hausknechtsarbeit! Ist dieser Leib dazu geschaffen? O bei Gott, nein! Ich will mich an einem verborgenen Ort verstecken und dort in stiller Ruhe mein Leben verbringen." 

Als das Messer nun einige Zeit in seinem Versteck zugebracht hatte, kehrte es eines Tages wieder an die Luft zurück; aber, o Schreck, da merkte es, dass es aussah wie eine alte verrostete Säge, und die Sonne blitzte nicht mehr auf der stumpfen Fläche. Vergebens war jetzt die Reue und nutzlos die Klage. "Oh, wie viel besser hätte ich getan", sprach das Messer bei sich, "meine scharfe, ach nun verdorbene Schneide beim Barbier zu üben! Wo ist mein glänzender Leib! Weh mir, dieser abscheuliche Rost hat ihn tückisch zerfressen!"

Lehre:
Ganz so wird es denen gehen, die sich dem Müßiggang hingeben, anstatt zu arbeiten. Sie werden, wie unser Rasiermesser, ihre scharfe Schneide verlieren, und der Rost der Unwissenheit wird ihre Form verderben. Wahrlich, wer rastet der rostet!





Montag, 4. April 2016

Das Schwein unter der Eiche | Hoffnung und Erwartung | Fabel von Lessing

Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der herabfallenden Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge. 

"Undankbares Vieh!" rief ihr der Eichbaum zu. "Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich zu richten." 

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: "Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."

Lehre:
Die Fabel lehrt uns, dass Erwartungen, die wir in unserem Leben erhoffen, nicht immer mit dem Erlebten übereinstimmen. 






Montag, 21. März 2016

Die Stachelschweine | Höflichkeit und Sitte | Fabel von Arthur Schopenhauer


Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertag recht nahe zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch spürten sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder voneinander entfernte. 

Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, sodass sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden. Dieses Geschehen dauerte solange, bis sie eine mäßige Entfernung voreinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten miteinander aushalten konnten. 

Und diese Entfernung nannten sie Höflichkeit und feine Sitte. 





Montag, 14. März 2016

Wie der Löwe mit anderen Tieren auf die Jagd ging | Fabel von Aesop

Der Löwe, ein Schaf und andere Tiere gingen zusammen auf die Jagd. Der Löwe schwur, er wolle nach ihrer Zurückkunft alles Erbeutete mit ihnen redlich teilen. Als nun ein Hirsch in einem Sumpfe stecken blieb, wo gerade das Schaf Wache hielt, meldete dieses dem Löwen den Vorfall. Der Löwe eilte herbei, erwürgte den Hirsch und teilte die Beute in vier gleiche Teile. 

"Der erste Teil gehört mir", sagte er nun zu den Umstehenden, "weil ich der Löwe bin; der zweite, weil ich der Herzhafteste unter euch bin; den dritten müsst ihr mir als dem Stärksten überlassen, und den werde ich auf der Stelle erwürgen, welcher mir den vierten abspricht." 

So behielt der Löwe den ganzen Hirsch, ohne dass es seine Jagdgenossen auch nur wagen durften, darüber zu klagen. Sein Schwur galt nichts. 

Lehre:
Mit einem starken Gewalttätigen gehe nicht gemeinschaftlich auf Geschäfte aus, er teilet immer zum Nachteil des Schwächeren.





Montag, 7. März 2016

Die Katze und der Hahn | Absicht und Vorsatz | Fabel von Aesop


Eine Katze, der ganz elend war vor Hunger, begegnete einem Hahn. "Gockel!" sagte sie, "du bist des Todes! Die Menschen wollen endlich ihre Ruhe haben! Sie leiden es nicht länger, dass du sie jeden Morgen in der Frühe - fast noch mitten in der Nacht - mit deinem Geschrei aus dem süßen Schlaf reißt." 

"Da irrst du, Katze", widersprach der Hahn, "die Menschen haben mich eigens dazu bestellt, dass ich sie am Morgen beizeiten zu den Geschäften rufe. Wenn ich sie nicht weckte, würden sie die kostbare Zeit verschlafen und wären mir sehr böse."

Die Katze, die auf diese Widerrede nicht vorbereitet war, meinte darauf: "Es gibt noch einen Grund, weshalb du sterben musst. Ein widerlicher Kerl bist du! Was soll man das für einen Betrieb nennen, in dem es Dutzende von Frauen gibt und nur einen einzigen Mann?! Der Anstand verbietet es mir, das Wort in den Mund zu nehmen. Pfui!" 

Der Hahn aber sagte: "Beherrsche dich! Es gibt gar kein Grund, mich zu beschimpfen. Die Natur hat es so gewollt, und die Menschen wollen es auch so. Dank meinem Wirken bekommen sie viele Eier."

Allein die Katze erwiderte: "Entschuldige dich, soviel du willst. Ich -- habe -- Hunger!" Und verzehrte den Hahn. 

Lehre:
Wer sucht, wird immer einen Grund finden.






Montag, 29. Februar 2016

Vom Esel, vom Fuchs und vom Löwen | Falschheit und Verrat | Fabel von Aesop


Ein Esel und ein Fuchs lebten lange freundschaftlich zusammen und gingen auch miteinander auf die Jagd. Auf einem ihrer Streifzüge kam ihnen ein Löwe so plötzlich in den Weg, dass der Fuchs fürchtete, er könne nicht mehr entfliehen. Da nahm er zu einer List seine Zuflucht. Mit erkünstelter Freundlichkeit sprach er zum Löwen: "Ich fürchte nichts von dir, großmütiger König! Kann ich dir aber mit dem Fleische meines dummen Gefährten dienen, so darfst du nur befehlen." Der Löwe versprach ihm Schonung, und der Fuchs führte den Esel in eine Grube, in der er sich fing. Brüllend eilte nun der Löwe auf den Fuchs zu und ergriff ihn mit den Worten: "Der Esel ist mir gewiss, aber dich zerreiße ich wegen deiner Falschheit zuerst." 

Lehre:
Man liebt den Verrat, aber hasst den Verräter.





Montag, 22. Februar 2016

Der Fuchs und der Bock | Von unüberlegtem Handeln | Fabel von Aesop

Ein Bock und ein Fuchs gingen in der größten Hitze miteinander über die Felder und fanden, von Durst gequält, endlich einen Brunnen, jedoch kein Gefäß zum Wasserschöpfen. Ohne sich lang zu bedenken, sprangen sie, der Bock voraus, hinunter und stillten ihren Durst. 

Nun erst begann der Bock umherzuschauen, wie er wieder herauskommen könnte. Der Fuchs beruhigte ihn und sagte: "Sei guten Muts mein Freund, noch weiß ich Rat, der uns beide retten kann! Stelle dich auf deine Hinterbeine, stemme die vorderen gegen die Wand und recke den Kopf recht in die Höhe, dass die Hörner ganz aufliegen, so kann ich leicht von deinem Rücken hinausspringen und auch dich retten!" 

Der Bock tat dies alles ganz willig. Mit einem Sprung war der Fuchs gerettet und spottete nun des Bocks voll Schadenfreude, der ihn hingegen mit Recht der Treulosigkeit beschuldigte. Endlich nahm der Fuchs Abschied und sagte: "Ich sehe schlechterdings keinen Ausweg zu deiner Rettung, mein Freund! Höre aber zum Dank meine Ansicht: Hättest du so viel Verstand gehabt als Haare im Bart, so wärest du nie in diesen Brunnen gestiegen, ohne auch vorher zu bedenken, wie du wieder herauskommen könntest!" 

Lehre:
Bedenke vorher was du tust.

Und die Moral von der Geschicht:
Schlechte Gesellschaft führt ins Elend.





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