Aventin Blog: Leben
Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 3. August 2016

Aus dem Tagebuch eines Hundes 1 von 37 | Oskar Panizza


Wurde heute an meinen neuen Herrn verkauft. Ich komme vom Land. Seit gestern bin ich in der Stadt. Alles ist mir, neu und drängt sich in Form merkwürdiger Eindrücke auf. Ich kann sagen, seit gestern fühle ich, dass ich ein Hund bin. Ich denke. Früher tat ich dies Alles unbewusst. Ich sehe, Denken ist eine Arbeit, die oft Schmerz bereitet. Was mich beunruhigt, ist, dass man sie nicht freiwillig verrichtet. Ich bin nicht mehr so glücklich wie früher, aber stolzer.

Dass die Menschen in kleinen Hüttchen beieinander wohnen, wusste ich aus meinem früheren Aufenthaltsort. Aber hier geht Alles ins Schauerliche, Steinerne, Unermessliche. Ganze Äcker lang dehnen sich hier die Straßen, beiderseits mit wuchtigen, pfundigen Stein-Anlagen besetzt, die weit über die Baugeschicklichkeit des Dachses hinausgehen. Diese Stein-Anlagen sind mit Gucklöchern versehen, aus denen die Menschen oft blitzschnell den Kopf herausstrecken. Dabei kommt es vor, dass, während auf der einen Seite Einer einen Kopf herausstreckt, auf der andern Seite Jemand antwortet. Der Eine nimmt dann einen weißen Fetzen, und streckt ihn in kurzen, unbeholfenen Stößen zum Vis-à-vis hinüber. Die Person drüben steht erst lang steif und regungslos dort; dann hebt sich bei ihr die Oberlippe und die obere Reihe weißer Zähne wird sichtbar. Wozu? Was soll das dumme Zeug?

Wie die Häuser sind auch die Menschen hier von meinem früheren Aufenthaltsort sehr verschieden. Dort schlappte Alles ruhig gleichmäßig durcheinander, dieselben spitzen Gesichter, die gleiche meckernde Sprechmanier. Hier die entsetzlichsten Gegensätze; der Eine hüpft, der Andere scharrt; der Eine treibt das Hinterteil hinaus, der Andere die Brust nach vorn; Der wackelt, Jener zirpt; Dieser zeigt fortwährend Zunge und Zähne, Der dort stiert mit weißen Augäpfeln durch künstlich angeschnallte kleine Guck-Fensterchen. Welcher Wirrwarr! Welche unübersehbare Verschiedenheit! Anfangs wollte ich mich nicht drum kümmern. Doch sehe ich, ich muss. Ich muss diese ganze Bagage registrieren, einteilen und schablonieren. Einteilung der Menschenbagage! Wo fang ich nur an? Wo find ich das Allen gemeinsame Moment, um daran die Veränderungen anzuschließen? – Ich glaub, ich fang beim Hinterteil an.







Freitag, 29. Juli 2016

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis | Goethe - Faust


Die schönste Frucht von Goethes Lebensweisheit war die Erkenntnis, dass 'alles Vergängliche nur ein Gleichnis' ist. So steht es in Schlußchor des Faust. 

Gewiss wollte der greise Meister mit dem beigefügten 'NUR' nicht seine Geringschätzung für das 'Vergängliche' ausdrücken. Von einer Geringschätzung, wie wir sie bei manchen Heiligen finden, die sich von den Schönheiten des Daseins abwenden und alles Sichtbare für Blendwerk und Verführung halten, war Goethe weit entfernt. 

Goethe liebte das Vergängliche und konnte in Andacht vor einer blühenden Blume verweilen, die doch in wenigen Stunden oder Tagen nicht mehr vorhanden war. Seine Andacht vor dem Vergänglichen, sein unermüdlicher Eifer in der Erforschung alles Erforschbaren galt im Grunde nicht der einzelnen Blume und nicht dem einzelnen Gegenstand seiner Beobachtung, sondern dem Formgedanken, dem geistigen Prinzip, das sich darin manifestierte. Er schaute in allem Individuellen ein Allgemeines und in allem Gesonderten einen großen lebendigen Zusammenhang. 

Metamorphosen, die Verwandlung und Entwicklung, der Durchgang und der Übergang, wurden für den Forscher Goethe, aber auch für den künstlerisch gestaltenden, die Hauptanhaltspunkte, mit deren Hilfe er das Wesen der Welt zu erfassen und sich selber ihm einzufügen suchte. 







Mittwoch, 1. Juni 2016

An was allem zu zweifeln ist | Zitat von Renatus Cartesius


An allem ist zu zweifeln!

Da wir als unwissende Kinder geboren werden und von den sinnlichen Dingen vielerlei Urteile vor dem Erwachsen werden gefällt haben, ehe wir den vollkommenen Gebrauch unserer Vernunft hatten, werden wir durch viele uns in der Kindheit zugelegten Vorurteile von der Kenntnis des Wahren abgestoßen. 

Von eben diesen Vorurteilen scheinen wir uns nicht anders befreien zu können, als dass wir im Leben an allem zweifeln, worin wir nur den geringsten Verdacht einer Ungewissheit zu erkennen vermögen. (René Descartes)

Sparen mit täglich neuen ebay Sonder-Angeboten

Montag, 30. Mai 2016

Die beiden Pflugscharen | Fleiß und Faulheit | Fabel von Meissner


Zwei Pflugscharen kamen miteinander neu vom Schmied und waren von völlig gleichem Ansehen. Die eine wurde hingeworfen und lag jahrelang müßig herum, sodass sie vom Rost verunstaltet wurde. Die andere aber kam alsbald an den Pflug und musste das Land pflügen, wobei sie wunderschön blank wurde. 

Als die beiden einmal wieder zusammenkamen, sahen sie einander voll Verwunderung an. Die so lange müßig herum gelegen hatte, sprach zu ihrer fleißigen Schwester: "Sage mir doch, wodurch bist du so schön geworden und ich so hässlich? Ich habe doch lauter gute Tage gehabt und lag still und warm hier in diesem Winkel." --- "Das ist es ja eben", erwiderte die andere, "die träge Ruhe hat dich verunstaltet; ich aber bin schön durch meinen Fleiß geworden."


Lehre: 
Wer rastet, der rostet.

Sparen mit täglich neuen ebay Sonder-Angeboten

Montag, 2. Mai 2016

Die Eidechse | Lebensweisen | Fabel von Hellmut von Cube

Es waren einmal viele Tiere auf dem Wege zum Himmel. Ein Weiser mit dem gleichen Ziel schloss sich ihnen an und fragte sie der Reihe nach nach ihrem Leben. Da zählte ein Fuchs seine Abenteuer auf, ein Eichhörnchen berichtete von seinem beweglichen Dasein, eine Schleie schwamm ihr Leben in großen Zügen vor, ein Hahn tat sich groß mit seinen Pflichten hervor, ein Regenwurm murmelte über dunkle Dinge, und ein Floh wusste viel über Menschen zu erzählen. 

Als es aber an der Eidechse war, zu reden, schwieg sie. Der Weise wartete, die Eidechse schwieg. Der Weise gab ihr gute Worte und die Eidechse schwieg weiter. Da bot der Weise seine ganze Weisheit auf, aber die Eidechse schwieg noch immer. Schließlich, als sie schon fast dem Himmel nahe waren, züngelte sie ein bisschen, blinzelte ein paar Mal und sagte: "Ich habe mich gesonnt!"

Lehre: 
Was dem einen sin Uhl, dem anderen sin Nachtigall! 


Sparen mit täglich neuen ebay Angeboten

Freitag, 22. April 2016

Die Oase | Die Legende von einem modernen Menschen


Ein "moderner" Mensch verirrte sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn fast ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da.

Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und vor allem die Quelle. Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Solche Fantasien hat man bekanntlich in meinem Zustand. Jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur doch ist.

Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. "Kannst du so etwas verstehen?" sagte der eine zum anderen, "die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet! Wie ist das möglich?"

Da antwortete der andere: "Er war ein moderner Mensch."

Sparen mit täglich neuen ebay Angeboten

Freitag, 8. April 2016

Vom Leben nach der Geburt | Zwillinge | Allegorische Weisheit

Ungeborene Zwillinge unterhalten sich: "Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" "Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet." "Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?" "Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?" "So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz." "Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders. "Es ist noch nie einer zurückgekommen von „ nach der Geburt “. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel... "Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen. "Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?" "Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!" "Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht." "Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt.

Sparen mit täglich neuen ebay Angeboten

Mittwoch, 6. April 2016

Wie man eine bessere Welt erbauen kann | Zitat von Marie Curie


"Wir dürfen nicht hoffen, eine bessere Welt zu erbauen, ehe nicht die Individuen besser werden. In diesem Sinn soll jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung arbeiten, indem er auf sich nimmt, was ihm im Lebensganzen der Menschheit an Verantwortlichkeit zukommt, und sich seiner Pflicht bewusst bleibt, denen zu helfen, denen er am ehesten nützlich sein kann."


Montag, 4. April 2016

Das Schwein unter der Eiche | Hoffnung und Erwartung | Fabel von Lessing

Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der herabfallenden Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge. 

"Undankbares Vieh!" rief ihr der Eichbaum zu. "Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich zu richten." 

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: "Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."

Lehre:
Die Fabel lehrt uns, dass Erwartungen, die wir in unserem Leben erhoffen, nicht immer mit dem Erlebten übereinstimmen. 



Dienstag, 22. März 2016

Ein schwedisches Waldmärchen | Was ist das Leben?


An einem schönen Sommertag war um die Mittagszeit eine große Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten ihre Köpfe unter die Flügel und alles ruhte.

Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: "Was ist das Leben?" Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine Rose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: "Das Leben ist eine Entwicklung." Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: "Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."

Drunten am Boden schleppte sich ein Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: "Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit." Geschäftig kam ein Biene mit ihrer Tracht von einer Blume zurück und meinte dazu: "Das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen."

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und sagte: "Das Leben ist ein Kampf im Dunkeln." Die Elster, die selbst nichts weiß und nur vom Spott der anderen lebt, sagte: "Was ihr für weise Reden führt! Man sollte meinen, was ihr für gescheite Leute seid!" 

Es hätte nun einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: "Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen." Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen, kletterten daran in die Höhe und warfen sich dann wieder mit gebrochener Kraft ins Meer zurück und stöhnten: "Das Leben ist ein stetes vergebliches Ringen nach Freiheit."

Hoch über ihnen zog majestätisch ein Adler seine Kreise, der frohlockte: "Das Leben ist ein Streben nach oben." Nicht weit davon stand eine Weide, die hatte der Sturm schon zur Seite geneigt. Sie sprach: "Das Leben ist ein Sich-Neigen unter eine höhere Macht."

Dann kam die Nacht ---

In lautlosem Flug glitt ein Uhu durch das Geäst des Waldes und krächzte: "Das Leben heißt, die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen." Schließlich wurde es wieder ganz still im Wald.

Spät nach Mitternacht ging ein Mann durch die menschenleeren Straßen einer Stadt nach Hause. Der kam von einer Lustbarkeit und sagte so vor sich hin: "Das Leben ist ein ständiges Suchen nach Glück und eine Kette von Enttäuschungen."

Da flammte die Morgenröte auf in ihrer vollen Pracht und sprach: "Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit."




Dienstag, 8. März 2016

Der Garten des Herrn Ming | Von der Liebe | Gedicht von James Krüss


Im stillen Gartenreiche
Des alten Gärtners Ming,
Da schwimmt in einem Teiche
Ein Wasserrosending.

Den alten Ming in China
Entzückt sie ungemein,
Er nennt sie Cathrina,
Chinesisch: Ka-Ta-Rain.

Mit einer Pluderhose
Und sehr verliebtem Sinn
Geht er zu seiner Rose hin.

Er singt ein Lied und fächelt
Der Rose Kühlung zu.
Die Rose aber lächelt
Nur für den Goldfisch Wu.

Sie liebt das goldne Fischchen,
Das oft vorüberschießt
Und auf den Blättertischchen
Den Rosenduft genießt.

Doch Wu, der Goldfisch-Knabe,
Der lockre Bube, gibt
Ihr weder Gruß noch Gabe,
Weil er ein Hühnchen liebt.

Er liebt Shu-Shu, das kleine,
Goldrote Hühnerding.
Jedoch Shu-Shu, die Feine,
Liebt nur den Gärtner Ming.

So liebt Herr Ming Cathrina,
Cathrina liebt den Wu
Wu liebt Shu-Shu aus China,
Den Gärtner liebt Shu-Shu.

Man liebt sich sanft und leise.
Doch keiner liebt zurück.
Und niemand in dem Kreise
Hat in der Liebe Glück.

Sie leben und sie warten,
Sind traurig und verliebt
In diesem kleinen Garten,
Von dem es viele gibt.






Freitag, 26. Februar 2016

Psychologie Alltag | Beispiel 10€ Schein | Menschen verlieren nie ihren Wert

In einer Klasse hält ein Lehrer einen 10€ Schein in die Luft und fragt : "Wer will ihn haben?" Natürlich heben alle Schüler die Hand. Dann zerknittert der Lehrer den Schein und fragt: "Wollt ihr den immer noch?" Wieder heben alle die Hände. Der Lehrer wirft den zerknüllten Schein auf den Boden, trampelt darauf und fragt weiter: "Wollt ihr ihn denn jetzt immer noch?" Und wieder heben alle Schüler die Hände. Dann sagt der Lehrer: "Ihr habt heute eine wichtige Lektion gelernt! Egal was ich mit diesem 10€ Schein mache, ihr wollt ihn trotzdem immer haben, weil sein Wert sich nicht verändert. Er ist immer 10 Euro wert. 
In Eurem Leben werdet ihr mehrmals verzweifelt sein und von manchen Menschen weg gestoßen, verarscht oder sogar gehasst werden und ihr werdet das Gefühl haben, Nichts mehr wert zu sein. Doch seid Euch immer eines bewusst - egal welche Qualen ihr erleben müsst, wie viele Menschen Euch auch wegstoßen mögen... - für Menschen, die Euch lieben, werdet ihr nie weniger wert sein! Auch wenn ihr arm seid, keinen Reichtum besitzt oder nichts mehr habt, verliert ihr nie Euren Wert."






Donnerstag, 24. Dezember 2015

Ich sehn' mich so nach einem Land ⋅ Weihnachten ⋅ Hermann Hesse


Ich sehn' mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit.
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.

Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
dass alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl,
dass Regen, Schnee und jede Wolk,
dass all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön.

Ich muss gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
eines jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.

Ich glaube, das war der Moment,
den sicher jeder von uns kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit! 

Montag, 21. Dezember 2015

Schon wieder ist fast ein Jahr vorbei ⋅ Adventgedanken


Schon wieder ist fast ein Jahr vorbei, ein Jahr unseres Lebensweges, den wir mit den verschiedensten Menschen gegangen sind. Wen haben wir, wer hat uns begleitet? Wen oder was haben wir gesucht? Gefunden? Verloren?

Manche suchen auf ihren Wanderungen auch gern nach den unscheinbaren Dingen. Es muss nicht immer alles großartig, zauberhaft oder überwältigend sein. Was wir an unseren Mitmenschen besonders gern mögen, sind doch die Kleinigkeiten. Und gerade diese sind so wichtig, weil sie das Leben ausmachen. Da sein dürfen, wach sein, lebendig sein in einer Welt, die uns immer tristere Zukunftsvisionen einräumen will. Ganz Mensch sein dürfen, mit Herz und Verstand, mit Gefühl, Vertrauen und Toleranz. Aber auch NEIN sagen können inmitten einer so geschäftigen, gar nicht adventlichen Zeit. Wütend werden über all das, was das Leben bedroht. Doch dabei auch zart bleiben, weich sein und das ganz ohne Gewalt. Leise Worte und sanfte Gesten finden und zeigen, dass man auch verletzlich ist. Sich den Mitmenschen, einem Kind, einsamen oder alten Menschen zuwenden, besonders jenen, die in Not sind. Den Boden wieder unter den Füßen spüren und sich dabei selbst wiederfinden.

Was will man uns heute nicht alles einreden! Das Ego ist gefragt! Man müsse sich selbst behaupten, brauche Stehvermögen und Emanzipation! Gebrauche deine Ellenbogen, zu was hat man sie denn! Erfolg, Macht und Ansehen sind von Nöten um vorwärts zu kommen!

Aber das geht nur auf Kosten seiner Selbst und der Anderen. Ist das der Sinn des Lebens? Und wo bleibt die Liebe?

Um sich von all dem zu lösen, dazu gehört schon ein großes Stück Verwegenheit. Der Verfasser wünscht deshalb allen Lesern den Mut, diese Verwegenheit, welche letztendlich zur Freiheit für sich und alle anderen führt, zu finden und zu gewinnen. Die Freiheit eines neuen verantwortlichen Bewusstseins mit dem Blick auf das Ganze!





Mittwoch, 2. Dezember 2015

Was ist das • Rätsel • Es ist im Wasser und man sieht es nicht!


Im Wasser wird es geboren,
Im Wasser lebt es fort,
Kaum dass es Wasser fühlt,
Verschwindet es sofort!



▂ ▃ ▄ ▅ ▆ ▇   Antwort   ▇ ▆ ▅ ▄ ▃ ▂






Dienstag, 1. Dezember 2015

Altes Lied über die Liebe • Ballade • Heinrich Heine


Es war ein alter König,
Sein Herz war schwer, 
Sein Haupt war grau;
Der arme alte König,
Er nahm eine junge Frau.

Es war ein schöner Page,
Blond war sein Haupt, 
Leicht war sein Sinn;
Er trug die seidene Schleppe
Der jungen Königin.

Kennst du das alte Lied?
Es klingt so süß, 
Es klingt so trüb!
Sie mussten beide sterben,
Sie hatten sich viel zu lieb.






Donnerstag, 22. Oktober 2015

Über die Wunder dieser Welt • Novelle von Ralph Waldo Emerson

Foto: pigs.de - FZ18
"Es gibt keine Wunder mehr." Gibt es sie wirklich nicht mehr? Seit wann? Heute Nachmittag gab es sie noch, als ich in den Wald ging und, vor dem tosenden Wind geschützt, in einen hellen, wundersamen Sonnenschein trat. 

Wer kann einen Tannenzapfen betrachten oder das Harz, das aus der Rinde tropft, oder ein Blatt, dieses in sich vollkommene Stück der Pflanzenwelt, wie es im Sonnenlicht leuchtet; wer kann in dem stillen, bewaldeten Tal das fröhliche Zirpen der Grillen hören oder über einen hohen Felsgrat gehen, der wie ein natürlicher Damm das Moor überquert; wer kann den ziehenden Wolken nachsehen oder zu seinen Füßen ein Moos oder einen Stein anschauen und behaupten, es gebe keine Wunder mehr? Sag mir, guter Freund und gute Freundin, wann dieser Hügel, auf dem du stehst, durch vulkanische Kraft aus der Erdoberfläche getrieben wurde. Hebe den Kieselstein auf, betrachte seine grauen Flächen und scharfen Kristalleinschlüsse, und sage mir, durch welch feurige Sintflut die Minerale wie Wachs zerschmolzen und wie dieser Stein, als wäre der Erdball ein glühender Mörser, seine Gestalt erhielt. Der Kiesel selbst spricht die Wahrheit aus und bezeugt endlosen Zeitaltern, dass es also geschah. Sag mir, wo wird diese Luft erzeugt, die so dünn und blau und beweglich ist, die dich umfächelt, in der dein Leben schwebt und die sich der Lungen nur als eines Organs bedient, diese Luft, aus der du melodische Worte bildest? 

Mich drängt mein Wissensdurst, das Geheimnis der Natur zu ergründen. Warum kann die Geologie, warum kann die Botanik nicht sprechen und mir sagen, was früher war und was jetzt ist, während ich durch die Wälder gehe und mich frage, wann das Vorgebirge sich aufwarf wie eine Blase auf glühendem Stahl? Dann blickte ich nach oben und sah, wie die Sonne am weiten Himmel stand. Ich hörte den Wind brausen, und das Wasser glitzerte im Tal. Das sind die Kräfte, die jene Erscheinungen hervorbrachten und die immer noch tätig sind. Ja, sie sprechen noch immer mit mächtiger, klarer Stimme für diejenigen, die sie verstehen.


DaWanda - Products with Love


LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...