Aventin Blog: Menschen
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Dienstag, 2. August 2016

Warum es keinen Krieg geben darf | Chinesisches Märchen | Ernst Pezoldt


Als ein Krieg zwischen zwei benachbarten Völkern unvermeidlich schien, schickten die feindlichen Feldherrn Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könne. 

Als die Kundschafter dann zurück kehrten, berichteten sie ihren Vorgesetzten, dass es nur eine Stelle an der Grenze gäbe, wo man in das andere Land einzubrechen könne. "Dort aber", sagten sie, "wohnt ein braver kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie lieben einander und es heißt, dass sie die glücklichsten Menschen auf der Welt seinen, da sie ein Kind hätten. Wenn wir nun über das kleine Grundstück in das Feindesland einmarschieren, dann würden wir das große Glück zerstören. Also darf es keinen Krieg geben".

Das sahen die Feldherren dann auch wohl ein, und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen kann. 






Freitag, 29. Juli 2016

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis | Goethe - Faust


Die schönste Frucht von Goethes Lebensweisheit war die Erkenntnis, dass 'alles Vergängliche nur ein Gleichnis' ist. So steht es in Schlußchor des Faust. 

Gewiss wollte der greise Meister mit dem beigefügten 'NUR' nicht seine Geringschätzung für das 'Vergängliche' ausdrücken. Von einer Geringschätzung, wie wir sie bei manchen Heiligen finden, die sich von den Schönheiten des Daseins abwenden und alles Sichtbare für Blendwerk und Verführung halten, war Goethe weit entfernt. 

Goethe liebte das Vergängliche und konnte in Andacht vor einer blühenden Blume verweilen, die doch in wenigen Stunden oder Tagen nicht mehr vorhanden war. Seine Andacht vor dem Vergänglichen, sein unermüdlicher Eifer in der Erforschung alles Erforschbaren galt im Grunde nicht der einzelnen Blume und nicht dem einzelnen Gegenstand seiner Beobachtung, sondern dem Formgedanken, dem geistigen Prinzip, das sich darin manifestierte. Er schaute in allem Individuellen ein Allgemeines und in allem Gesonderten einen großen lebendigen Zusammenhang. 

Metamorphosen, die Verwandlung und Entwicklung, der Durchgang und der Übergang, wurden für den Forscher Goethe, aber auch für den künstlerisch gestaltenden, die Hauptanhaltspunkte, mit deren Hilfe er das Wesen der Welt zu erfassen und sich selber ihm einzufügen suchte. 







Freitag, 17. Juni 2016

Farbenphänomene | Mennig | Johann Wolfgang Goethe


Wie das reine Gelb sehr leicht in das Orange hinübergeht, so ist die Steigerung dieses letzten ins Mennig (Gelbrote) nicht aufzuhalten. Das angenehme heitere Gefühl, das uns das Orange noch gewährt, steigert sich bis zum unerträglich Gewaltsamen im hohen Gelbroten. 

Die aktive Seite ist hier in ihrer höchsten Energie, und es ist kein Wunder, dass energische, gesunde, rohe Menschen sich besonders an dieser Farbe erfreuen. Man hat die Neigung zu derselben bei wilden Völkern durchaus bemerkt. Und wenn Kinder, sich selbst überlassen, zu illuminieren anfangen, so werden sie Zinnober und Mennig nicht schonen.

Man darf eine vollkommen gelbrote Fläche starr ansehen, so scheint sich die Farbe wirklich ins Organ zu bohren. Sie bringt eine unglaubliche Erschütterung hervor und behält diese Wirkung bei einem ziemlichen Grade von Dunkelheit.

Die Erscheinung eines gelbroten Tuches beunruhigt und erzürnt die Tiere. Auch habe ich gebildete Menschen gekannt, denen es unerträglich fiel, wenn ihnen an einem sonst grauen Tag jemand im Scharlachrock begegnete. 
  

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Montag, 23. Mai 2016

Der Löwe mit dem Esel | Begleitung und Gesellschaft | Fabel von Lessing



Als der Löwe des Aesop mit einem Esel, der ihm mittels seiner fürchterlichen Stimme bei der Jagd behilflich sein sollte, in einen nahen Wald ging, rief ihm eine nasenweise Krähe, welche auf dem Ast eines Baumes saß, folgendes zu: "Da hast du ja einen schönen Begleiter und Gesellschafter bei dir! Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?"

Darauf antwortete der Löwe: "Wen ich brauchen kann und wer mir behilflich ist, den kann ich ja wohl auch zeitweise an meiner Seite gehen lassen."

Lehre:
Ehre, wem Ehre gebührt. Recht, wem Recht zusteht

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Freitag, 13. Mai 2016

Die Menschen haben den Himmel vergessen | Gedanken von Emmrich


Keine einzige Entdeckung hat die Welt des Mittelalters so sehr erschüttert wie die Entdeckung der Tatsache, dass die Erde eine Kugel sei. Die Kardinäle, die den Galilei verbrennen wollten, hatten entschieden ein richtiges Gefühl dafür, wie gefährlich die Wissenschaft dieses Mannes wäre. -- Sie haben ihn nicht verbrannt. Dafür ist die Welt des Mittelalters in Flammen aufgegangen. 

Unterdessen haben die Astronomen Millionen von neuen Sternen entdeckt, unter denen sich möglicherweise einige Dutzend bewohnte Welten befinden. Die Wirkung dieser Entdeckung auf die menschliche Seele ist aber sehr merkwürdig. 

Auch früher war die Welt ein Jammertal. Immerhin lag sie vor den Toren des Paradieses. Das Wichtigste, was es auf ihr gab, war die unsterbliche menschliche Seele. Damals hätten die Leute wohl Grund zu einigem Stolz gehabt. Die Sonne stand am Mittag zu ihren Häupten, und der Mensch war der Mittelpunkt des Kosmos und die Leute waren bescheiden, dankten Gott und dachten an den Himmel. 

Heute, wo wir zu wissen glauben, dass wir lächerliche Mikroben in einer unfassbaren Unendlichkeit sind, haben wir den Himmel vergessen und sind hochmütig geworden. Wir haben allen Respekt vor den irdischen Gegebenheiten verloren und hantieren mit der Welt, als ob sie ein Spielzeug zu unserem Vergnügen wäre. 

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Dienstag, 3. Mai 2016

Das alte Mühlrad | Parabel | Zusammenhalt und Gemeinsamkeit


In einem weit entlegenen Dorf stand an einem reißenden Bach eine alte Mühle, die immer sehr gehegt und gepflegt wurde. Seit Jahrzehnten wurde sie angetrieben von einem mächtigen Wasserrad. Jetzt aber bebauten die Bauern ihre Felder nicht mehr, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnte. Man konnte das fertige Mehl jetzt billiger im Laden kaufen, als man es hätte selber herstellen können. 

So bekam die alte Mühle eine neue Aufgabe zugewiesen. Statt Getreide zu mahlen, trieb sie jetzt wartungsfrei und voll automatisiert einen riesigen Generator an, einen sogenannten Stromerzeuger. Dieser versorgte das ganze Dorf mit seinen zweihundert Einwohnern mit Strom. Wenn abends die Sonne unterging und die Lichter eingeschaltet wurden, kam der Strom dazu von der alten Mühle am Bach.

Da nahte eine seltsame Nacht. Wie von einem Zauber berührt, wurden die einzelnen Teile des Rades mit einem Male mit Leben erfüllt und sie begannen zu reden, die Speichen, die Schaufeln, die Nabe und die Hölzer des Reifens. Das war kein schönes Reden, da wurde geschimpft und gemault. Eine Speiche donnerte los: "Wir drehen uns ganz verkehrt, ab morgen bewege ich mich rückwärts." Und die andere meinte: "Nein, das ist falsch, seitwärts müssen wir uns neigen." Da begannen auch die Schaufeln zu klagen, die eine wollte mehr nach links, die andere mehr nach rechts schauen. Da waren sogar die Hölzer dabei, die riefen. "Ich will kein Wasserrad mehr sein, ich will an einem Wagen sitzen und auf der Straße fahren", und ein anderes wollte sogar zu einer Windmühle gehören. Ein paar Stimmen hörte man auch warnen: "Seid doch zufrieden! Bleibt zusammen!" Doch der Streit wurde immer fürchterlicher. Auch der Bach toste jetzt ganz grausig und mit einem lauten Lärm barst plötzlich das alte Mühlrad auseinander. Jedes Teil ging seine Wege.

Der Generator blieb stehen, der Strom fiel aus und in den Häusern wurde es dunkel.

Lehre:
Nur gemeinsam sind wir stark, wenn alle an einem Strang ziehen und Zufriedenheit ist ein sehr wertvolles Gut. 

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Freitag, 25. März 2016

Über Aufklärung und Fundamentalismus oder Freiheit und Unfreiheit


Fundamentalismus ist das Gegenteil von Aufklärung. Während die Aufklärung die Menschen zum selbstständigen Denken anregt, ihre Mündigkeit will und sie von geistiger und körperlicher Unterdrückung zu befreien versucht, fordert der Fundamentalismus absoluten und widerspruchslosen Gehorsam. 

Für Freiheit, Eigenständigkeit und Toleranz gab und gibt es in fundamentalistischen Systemen keinen Platz. Und weil zudem alle Fundamentalisten davon überzeugt sind, die einzig richtige Wahrheit und Ordnung beziehungsweise die einzig richtige Philosophie oder den einzig richtigen Glauben über etwas oder von etwas zu besitzen, wird alles, was nicht ihren Denkmustern entspricht, fanatisch verfolgt, bekämpft und niedergemacht. Mit beeindruckender Gestik und Symbolik vermitteln sie Andersdenkenden, einer falschen Überzeugung anzuhängen oder an Idiotie zu leiden. Ihren vermeintlichen Gegner versuchen sie permanent in eine gesellschaftliche Außenseiterrolle zu drängen, um ihn unglaubwürdig erscheinen zu lassen und damit zu isolieren. Es wird ihm von ihnen zudem das Recht auf eigene Meinung und das Wort versagt. 

Gefährlichen Fundamentalismus gab es früher, gibt es jetzt und wird es wohl auch in Zukunft geben. 

Es (über)lebe die Aufklärung!  



Dienstag, 15. März 2016

Berggeist Domine Johannes - Rübezahl - und seine Schatzkammer | Sage aus dem Riesengebirge

Im Riesengebirge wissen die Leute von mehreren Orten zu erzählen, die nach dem Berggeist benannt sind. 

Da ist Rübezahls Garten, in dem wertvolle Heilkräuter wachsen. Rübezahl wacht sorgfältig über sie und hat schon manchem Wurzelsammler oder gelehrten Botaniker übel mitgespielt, der in seinen Bereich eingedrungen ist, um kostbare Kräuter oder Wurzeln zu holen. 

Dann trifft man Rübezahls Schatzkammer, seine Kanzel, seine Kegelbahn, seinen Teich und seinen Rosengarten. Dieser hat eine aus Felsblöcken aufgemauerte, kreisrunde Einfriedung. Von seiner Entstehung erzählt man: eine Komtess wurde von einem Bären angefallen, aber durch einen Jäger gerettet. Sie verliebte sich in den Jäger. Ihr Vater zwang sie aber, ins Kloster zu gehen. Aus Gram darüber verstarb der Jäger. An der Stelle, wo er begraben wurde, legte darauf hin die Komtess den Rosengarten an. 

Viele fremde Leute kamen einst ins Riesengebirge, besonders Venetianer, um dort nach Gold oder anderen wertvollen Metallen zu suchen. Wenn sie die Schätze nicht auf natürliche Weise erlangen konnten, so erzählt man, suchten sie sie durch Zauberkünste und Teufelsbeschwörungen vom Berggeist zu erzwingen. Sie bekamen aber jedes Mal den Zorn Rübezahls in schrecklicher Weise zu spüren: unter gewaltigem Donnern und Blitzen wandte er sich gegen sie und oft konnten sie nur mit Mühe und Not unter großem Schrecken ihr Leben retten.


Montag, 7. März 2016

Die Katze und der Hahn | Absicht und Vorsatz | Fabel von Aesop


Eine Katze, der ganz elend war vor Hunger, begegnete einem Hahn. "Gockel!" sagte sie, "du bist des Todes! Die Menschen wollen endlich ihre Ruhe haben! Sie leiden es nicht länger, dass du sie jeden Morgen in der Frühe - fast noch mitten in der Nacht - mit deinem Geschrei aus dem süßen Schlaf reißt." 

"Da irrst du, Katze", widersprach der Hahn, "die Menschen haben mich eigens dazu bestellt, dass ich sie am Morgen beizeiten zu den Geschäften rufe. Wenn ich sie nicht weckte, würden sie die kostbare Zeit verschlafen und wären mir sehr böse."

Die Katze, die auf diese Widerrede nicht vorbereitet war, meinte darauf: "Es gibt noch einen Grund, weshalb du sterben musst. Ein widerlicher Kerl bist du! Was soll man das für einen Betrieb nennen, in dem es Dutzende von Frauen gibt und nur einen einzigen Mann?! Der Anstand verbietet es mir, das Wort in den Mund zu nehmen. Pfui!" 

Der Hahn aber sagte: "Beherrsche dich! Es gibt gar kein Grund, mich zu beschimpfen. Die Natur hat es so gewollt, und die Menschen wollen es auch so. Dank meinem Wirken bekommen sie viele Eier."

Allein die Katze erwiderte: "Entschuldige dich, soviel du willst. Ich -- habe -- Hunger!" Und verzehrte den Hahn. 

Lehre:
Wer sucht, wird immer einen Grund finden.







Freitag, 26. Februar 2016

Psychologie Alltag | Beispiel 10€ Schein | Menschen verlieren nie ihren Wert

In einer Klasse hält ein Lehrer einen 10€ Schein in die Luft und fragt : "Wer will ihn haben?" Natürlich heben alle Schüler die Hand. Dann zerknittert der Lehrer den Schein und fragt: "Wollt ihr den immer noch?" Wieder heben alle die Hände. Der Lehrer wirft den zerknüllten Schein auf den Boden, trampelt darauf und fragt weiter: "Wollt ihr ihn denn jetzt immer noch?" Und wieder heben alle Schüler die Hände. Dann sagt der Lehrer: "Ihr habt heute eine wichtige Lektion gelernt! Egal was ich mit diesem 10€ Schein mache, ihr wollt ihn trotzdem immer haben, weil sein Wert sich nicht verändert. Er ist immer 10 Euro wert. 
In Eurem Leben werdet ihr mehrmals verzweifelt sein und von manchen Menschen weg gestoßen, verarscht oder sogar gehasst werden und ihr werdet das Gefühl haben, Nichts mehr wert zu sein. Doch seid Euch immer eines bewusst - egal welche Qualen ihr erleben müsst, wie viele Menschen Euch auch wegstoßen mögen... - für Menschen, die Euch lieben, werdet ihr nie weniger wert sein! Auch wenn ihr arm seid, keinen Reichtum besitzt oder nichts mehr habt, verliert ihr nie Euren Wert."






Sonntag, 14. Februar 2016

Von Herren und Sklaven | Weltlüge | Theresia von Avila



Eine der Lügen der Welt ist es,
Menschen Herren zu nennen, 
da sie doch in Wirklichkeit
 nur Sklaven sind 
von tausend Dingen.

(Theresia von Avila)






Montag, 21. Dezember 2015

Schon wieder ist fast ein Jahr vorbei ⋅ Adventgedanken


Schon wieder ist fast ein Jahr vorbei, ein Jahr unseres Lebensweges, den wir mit den verschiedensten Menschen gegangen sind. Wen haben wir, wer hat uns begleitet? Wen oder was haben wir gesucht? Gefunden? Verloren?

Manche suchen auf ihren Wanderungen auch gern nach den unscheinbaren Dingen. Es muss nicht immer alles großartig, zauberhaft oder überwältigend sein. Was wir an unseren Mitmenschen besonders gern mögen, sind doch die Kleinigkeiten. Und gerade diese sind so wichtig, weil sie das Leben ausmachen. Da sein dürfen, wach sein, lebendig sein in einer Welt, die uns immer tristere Zukunftsvisionen einräumen will. Ganz Mensch sein dürfen, mit Herz und Verstand, mit Gefühl, Vertrauen und Toleranz. Aber auch NEIN sagen können inmitten einer so geschäftigen, gar nicht adventlichen Zeit. Wütend werden über all das, was das Leben bedroht. Doch dabei auch zart bleiben, weich sein und das ganz ohne Gewalt. Leise Worte und sanfte Gesten finden und zeigen, dass man auch verletzlich ist. Sich den Mitmenschen, einem Kind, einsamen oder alten Menschen zuwenden, besonders jenen, die in Not sind. Den Boden wieder unter den Füßen spüren und sich dabei selbst wiederfinden.

Was will man uns heute nicht alles einreden! Das Ego ist gefragt! Man müsse sich selbst behaupten, brauche Stehvermögen und Emanzipation! Gebrauche deine Ellenbogen, zu was hat man sie denn! Erfolg, Macht und Ansehen sind von Nöten um vorwärts zu kommen!

Aber das geht nur auf Kosten seiner Selbst und der Anderen. Ist das der Sinn des Lebens? Und wo bleibt die Liebe?

Um sich von all dem zu lösen, dazu gehört schon ein großes Stück Verwegenheit. Der Verfasser wünscht deshalb allen Lesern den Mut, diese Verwegenheit, welche letztendlich zur Freiheit für sich und alle anderen führt, zu finden und zu gewinnen. Die Freiheit eines neuen verantwortlichen Bewusstseins mit dem Blick auf das Ganze!





Freitag, 11. September 2015

Vom Suchen und Finden • Philosophie • Hermann Hesse


"Wenn jemand sucht", sagte Siddhartha, "dann geschieht es leicht, dass sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. 

Suchen heißt: ein Ziel haben. 

Finden aber heißt viel mehr: frei sein, offen stehen und kein bestimmtes Ziel haben. 

Viele Menschen sind in der Tat nur Suchende, denn, nur einem bestimmten Ziel nachstrebend, sehen sie manches nicht, was nah vor ihren Augen steht." 



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Montag, 27. Juli 2015

Ameisendank • Dankbarkeit und Vergeltung • Fabel Steinhöwel

Eine Ameise, vom Durst geplagt, krabbelte an seinem Rand in einen Brunnen hinab, aber als sie trinken wollte, stürzte sie in das Wasser. Nun stand da über dem Brunnen ein hoher Baum, auf dem eine Taube hockte. Als diese die Ameise auf dem Wasser liegen sah, brach sie mit ihrem Schnabel ein Blatt von dem Baum und warf es in den Brunnen hinab, und die Ameise kletterte hinauf und brachte sich in Sicherheit. 

Als später ein Vogelsteller des Weges kam, und weil er die Taube fangen wollte, steckte er eine Kleberute an eine lange Stange. Als die Ameise das bemerkte, biss sie den Vogelfänger in seinen Fuß. Davon zuckte dieser zusammen und die Stange fiel ihm aus den Händen. Von dem Lärm aber erschrak die Taube und schwang sich sogleich von dem Baum in die Lüfte, und da war sie nun auch vom Tode errettet.

Was die Taube an der Ameise getan hat, das wird ihr mit Gleichem vergolten. Wenn die Tiere sich für empfangene Wohltat dankbar erweisen, um wie viel mehr sollten es die vernünftigen Menschen sein und das Gute mit Gutem zu vergelten lernen. 



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Freitag, 17. Juli 2015

Die vier Weltalter • Metamorphosen von Ovid



Und es entstand die erste, die goldene Zeit: ohne Rächer, ohne Gesetz, von selber bewahrte man Treue und Anstand. Strafe und Angst waren fern; kein Text von drohenden Worten stand an den Wänden auf Tafeln von Erz; es fürchtete keine flehende Schar ihren Richter: man war ohne Rächer gesichert. Fichten fällte man nicht, um die Stämme hernieder von ihren Höhn in die Meere zu rollen, nach fremden Ländern zu fahren; außer den ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade. Keinerlei steil abschüssige Gräben umzogen die Städte; keine geraden Posaunen, nicht eherne Hörner, gekrümmte, gab es, nicht Helme noch Schwert, des Soldaten bedurften die Völker nicht: sie lebten dahin sorglos in behaglicher Ruhe. Selbst die Erde, vom Dienste befreit, nicht berührt von der Hacke, unverwundet vom Pflug, so gewährte sie jegliche Gabe, und die Menschen, zufrieden mit zwanglos gewachsenen Speisen, sammelten Früchte des Erdbeerbaums, Erdbeeren der Berge, Kornelkirschen, in stachligen Brombeersträuchern die Früchte und die Eicheln, die Jupiters Baum, der breite, gespendet. Ewiger Frühling herrschte, mit lauem und freundlichem Wehen fächelten Zephyrlüfte die Blumen, die niemand gesäet. Ja, bald brachte die Erde, von niemand bepflügt, das Getreide: ungewendet erglänzte das Feld von gewichtigen Ähren. Hier gab's Ströme von Milch, dort ergossen sich Ströme von Nektar, und es troff von der grünenden Eiche der gelbliche Honig.

Aber nachdem man Saturn in des Tartarus Dunkel geworfen, und die Welt unter Jupiter stand, erschien ein Geschlecht von Silber, geringer als jenes von Gold, wertvoller als Bronze. Jupiter kürzte den einstigen Frühling: durch Winter und heiße Sommer, durch wetterwendische Herbste und einen gar kurzen Frühling ließ er das Jahr in vier Perioden verlaufen. Damals erglühte die Luft in trockener Hitze zum ersten Mal, und es hingen Zapfen von Eis, von den Winden gefroren; jetzt erst suchte man Obdach: die Häuser bestanden aus Höhlen, auch aus dichtem Gesträuch und aus Ruten, von Rinde umkleidet; Jetzt erst warf man die Samen der Ceres in längliche Furchen, und es stöhnten die Stiere, die jungen, vom Joche geknechtet. 

Drittens folgte auf dieses sodann ein ehern Geschlecht nach, grimmiger schon im Gemüt, zu den schaurigen Waffen bereiter, aber noch ohne Verbrechen. Das letzte Geschlecht ist von hartem Eisen. Da brachen sogleich in die Zeit des geringern Metalles jegliche Frevel; es flohen die Scham, die Wahrheit, die Treue. Dafür erwuchsen die Laster: Betrug und allerlei Ränke, Hinterlist und Gewalt und die frevle Begier nach Besitztum. Segel bot man den Winden - noch kannte der Schiffer sie wenig -, und die Kiele, die lang in den hohen Gebirgen gestanden, munter tanzten sie jetzt auf unbekannten Gewässern; und der Boden, der früher Gemeingut war wie die Lüfte und wie das Licht, jetzt ward er genau mit Grenzen bezeichnet. Nicht nur Saaten verlangte der Mensch von dem üppigen Boden, Nahrung, die zu gewähren er schuldete, nein, in der Erde Tiefen drang man, die Schätze zu graben, Lockmittel des Bösen, die sie im Innern verwahrte, zunächst bei den stygischen Schatten. Schon ist das schädliche Eisen erschienen und, schlimmer als Eisen, Gold; nun erscheint auch der Krieg: er kämpft ja mit beiden Metallen, und er schüttelt mit blutiger Hand die klirrenden Waffen. Also lebt man vom Raub: nicht trauen sich Wirte und Gäste, nicht der Schwäher dem Eidam, auch Bruderliebe ist selten. Gatte und Gattin, sie trachten nach wechselseitigem Morde; für Stiefkinder mischen die Mütter entsetzliche Gifte; frühe erforscht der Sohn die Todesstunde des Vaters; Ehrfurcht und Rechtlichkeit liegen zertreten; Astraea, die Jungfrau, hat, die letzte der Götter, die blutige Erde verlassen.


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Montag, 13. Juli 2015

Die Schwalbe und die anderen Vögel • Fabel von Aesop

Ein Vogel, welcher glaubte, dass er die Denk- und Handlungsweise der Menschen genau kenne, versammelte eines Tages eine Menge Vögel um sich und sprach zu ihnen: "Die Menschen säen den Hanf in keiner andern Absicht, als um Schlingen daraus zu machen und uns einzufangen. Daher ist es unsere Pflicht, diesen Samen beizeiten auszurotten." Die Schwalbe, die auch zugegen war, entgegnete, dass sie es für weit besser halte, die Freundschaft der Menschen zu suchen. Als ihr Rat keine Zustimmung fand, verließ sie ihre Waldgenossen, flog in die Stadt und vertilgte dort die schädlichen Insekten. Die Menschen sahen bald ihre Nützlichkeit ein und ließen sie ungestört ihr Nest an den Häusern bauen. Die anderen Vögel schadeten den Menschen, wo sie nur konnten, und wurden allerdings auch stark und oft fett dabei. Aber es reifte auch der Hanf und der wurde zu Schlingen verarbeitet, mit denen täglich eine Menge Vögel gefangen wurde, welche mit den Menschen hätten in Ruhe und Freundschaft leben können. 

Besser ist es in Harmonie und Frieden zu leben und nützlicher Tätigkeit, als Wohlleben auf unrechtem Weg mit Gefahr.


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Donnerstag, 18. Juni 2015

Nibelungen Sage 11/28 | Wie die Königinnen in Streit gerieten


Die beiden Königinnen saßen beisammen und sahen den ritterlichen Spielen im Burghof zu. Stolz blickten sie auf ihre Männer, die sich durch Kraft und Kühnheit vor allen anderen hervortaten, und Kriemhild sagte: "Sieh nur, wie Siegfried der Herrlichste unter allen Recken ist! Ihm müssten all diese Lande hier untertan sein." --- "Ja", entgegnete unwillig Brunhild, "wenn Gunther nicht wäre! Er ist hier der Herr, und er geht als König Siegfried voran." Das wollte Kriemhild nicht zugeben. "Nein", wandte sie ein, "so mächtig und berühmt ist Siegfried, dass er Gunther durchaus ebenbürtig ist."  Hochmütig erwiderte Brunhild: "Als dein Bruder auf dem Isenstein um mich warb, sagte Siegfried selbst, er sei Gunthers Lehnsmann; ich erinnere mich noch ganz genau seiner Worte."

Da begehrte Kriemhild auf: "Nie hätten meine Brüder mich einem Eigenmanne gegeben! Ich bitte dich sehr, solche Worte in Zukunft zu lassen!" Doch Brunhild gab nicht nach in ihrem stolzen Sinn. "Keineswegs lass ich sie" erwiderte sie, "ebenso wenig wie ich verzichten will auf die Dienste der Männer, die uns lehnspflichtig sind." "Auf Siegfrieds Dienste wirst du wohl immer verzichten müssen", gab Kriemhild zornig zurück, "er ist der Erste der Helden, weit vor Gunther, meinem Bruder. Im Übrigen aber wundert es mich, dass er euch zehn Jahre lang nicht dienstbar war, wenn er doch, wie du sagst, euer Lehnsmann ist."

"Überhebe dich nur mit Worten", höhnte Brunhild, "wer von uns beiden den Vorrang hat, das wird sich ja erweisen!"

"Gewiss, heute noch beim Kirchgang wird es sich zeigen!" entgegnete Kriemhild mit zornfunkelndem Blick. In feindlichem Groll schieden die Königinnen voneinander.

Kriemhild liess ihre Frauen die kostbarsten Gewänder und den reichsten Schmuck anlegen. Dann ging sie an ihrer Spitze in königlicher Pracht zur Kirche. An den Stufen des Münsters stand bereits mit ihren Begleiterinnen Brunhild. Hochmütig herrschte sie die Schwägerin an, als diese vorüberschreiten wollte: "Nichts da! Eine Eigenholdin soll nie vor der Königin gehen!" Da loderte Kriemhilds Zorn auf: "Hättest du doch geschwiegen! Jetzt sollst du vor allem Volke hören, was ich seit langem weiß: nicht Gunther hat dich bezwungen, Siegfried war es, der dir zum Herrn und Meister wurde und deinen hochfahrenden Sinn beugte. Willst du ihn und mich jetzt noch deine Eigenholden nennen?"

Tränen stürzten aus Brunhilds Augen, als sie diese Worte vernahm. "Das will ich Gunther sagen!" klagte sie laut.

"Tue es nur", erwiderte Kriemhild, "unsere Freundschaft hat ohnehin ein Ende", und stolzen Schrittes betrat sie mit ihren Frauen vor der Burgundenkönigin das Münster.

Wie lang währten Brunhild diesmal Gesang und Gebete! Nach der Messe wartete sie inmitten ihres Gefolges auf dem Münsterplatz. Kriemhild sollte ihr Rede und Antwort stehen, und hatte Siegfried sich wirklich solcher Tat gerühmt, so konnte es für ihn nur den Tod geben.

Als Kriemhild durch das hohe Portal des Münsters schritt, trat Brunhild ihr entgegen und forderte sie auf, stehen zu bleiben. "Wo sind die Beweise für die bösen Worte, die ich eben von Euch hören musste?" fragte sie mit kalter Stimme. Da wies Kriemhild ihr Ring und Gürtel, die sie einst von Siegfried erhalten hatte, und sprach: "Da habt Ihr die Beweise, die Ihr fordert! Kennt Ihr diesen Ring und diesen Gürtel noch? Siegfried nahm sie Euch in der Nacht, da er Euch bezwang!"

Weinend wandte Brunhild sich ab und ließ Gunther herbeirufen. "In Schimpf und Schande hat mich deine Schwester gestürzt", klagte sie ihm. "Meinen Ring und Gürtel zeigte sie mir zum Zeichen, dass Siegfried mich bezwungen habe. Nimmst du diese Schmach nicht von mir, so kann ich nicht länger mehr hier Königin sein."

Sogleich ließ der König Siegfried kommen und erzählte ihm von dem Streit der beiden Königinnen. "Dass es so weit gekommen ist, tut mir von Herzen leid", sprach Siegfried, "und ich schäme mich der übermütigen Worte, mit denen Kriemhild dein Weib gekränkt hat. Halten wir doch die Frauen an, dass sie in Zukunft alle heftigen Reden lassen!"

Damit schien ihm die Sache abgetan, und auch Gunther wusste keinen besseren Rat.  

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Montag, 20. April 2015

Die Taube und die Krähe • Freude und Leid • Fabel von Aesop

Eine Taube brüstete sich unter andern Vögeln mit ihrer Fruchtbarkeit: "Ich brüte", sagte sie, "jährlich acht bis zwölf Junge aus, füttere sie, lehre sie fressen und fliegen, fliege mit ihnen auf die Kornfelder und lebe froh mit Kindern, Enkeln und Urenkeln, während ihr andern Vögel kaum ein Paar aushecket!" "Still!" sagte eine Krähe, die dies mit anhörte, "prahle nicht mit etwas, was dir so unendlich viel Kummer und Leid verursachen kann! So viele Junge du hast, so viele Male könntest du auch Kummer und Trauer anlegen müssen. Kaum haben sie die ersten Federn, liegen sie womöglich schon auf den Tafeln der Menschen." 

So kann es manchmal im Leben sein: Kurze Freude und viel Leid - und doch halten Freuden im Gedächtnis länger Stand.


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Dienstag, 24. Februar 2015

Büffel- oder Ziegenbraten | Entscheidung | Fabel Indonesien


Ein Indonesier erhielt für den gleichen Tag zwei Einladungen: Ein Freund an der Flussmündung veranstaltete ein Ziegenschlachtfest, ein anderer am Oberlauf des Wassers versprach Büffelbraten und leckeren Klebereis. "Wohin gehe ich nun?", sprach der Geladene zu sich selbst und schnalzte mit der Zunge, denn Ziegenfleisch war sein Lieblingsessen. Auf Büffelbraten mit Klebereis wollte er aber auch nicht verzichten. Nachdem er lange hin und her überlegt hatte, schritt er endlich flussaufwärts. Nach einer Stunde aber hielt er inne und sagte zu sich: "Ein Büffel ist ein gewaltiges Tier, das nicht so rasch verzehrt werden kann. Da komme ich später immer noch zurecht. Ich nehme zunächst den süßen Ziegenbraten als Vorgericht." Also wendete er und lief der Mündung zu. 

Als er nach einem langen Marsch eben das Dorf des Freundes erreicht hatte, begegnete ihm eine lustige Gruppe von Menschen, und er fragte sie, woher sie kämen. "Vom herrlichen Ziegenschlachtfest - es ist eben vorüber -, wir sind satt und fröhlich!" Da bekam der Mann einen großen Schreck, machte kehrt und eilte spornstreichs zum Dorf am Oberlauf. "Da werde ich mich am Büffelfleisch mit Klebereis doppelt schadlos halten. Und die Anstrengung gibt guten Hunger!" 

Endlich langte er schweißbedeckt am Ziele an. Rings um die Hütte des Freundes duftete es wundervoll nach Büffelbraten und Klebereis; doch drinnen war es merkwürdig still. Da trat auch schon der Gastgeber heraus, freudig rot im Gesicht, und rief verwundert: "Warum kommst du so spät? Die Geladenen sind eben fortgegangen und alles ist aufgegessen worden." 






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