Aventin Blog: Seele
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Freitag, 13. Mai 2016

Die Menschen haben den Himmel vergessen | Gedanken von Emmrich


Keine einzige Entdeckung hat die Welt des Mittelalters so sehr erschüttert wie die Entdeckung der Tatsache, dass die Erde eine Kugel sei. Die Kardinäle, die den Galilei verbrennen wollten, hatten entschieden ein richtiges Gefühl dafür, wie gefährlich die Wissenschaft dieses Mannes wäre. -- Sie haben ihn nicht verbrannt. Dafür ist die Welt des Mittelalters in Flammen aufgegangen. 

Unterdessen haben die Astronomen Millionen von neuen Sternen entdeckt, unter denen sich möglicherweise einige Dutzend bewohnte Welten befinden. Die Wirkung dieser Entdeckung auf die menschliche Seele ist aber sehr merkwürdig. 

Auch früher war die Welt ein Jammertal. Immerhin lag sie vor den Toren des Paradieses. Das Wichtigste, was es auf ihr gab, war die unsterbliche menschliche Seele. Damals hätten die Leute wohl Grund zu einigem Stolz gehabt. Die Sonne stand am Mittag zu ihren Häupten, und der Mensch war der Mittelpunkt des Kosmos und die Leute waren bescheiden, dankten Gott und dachten an den Himmel. 

Heute, wo wir zu wissen glauben, dass wir lächerliche Mikroben in einer unfassbaren Unendlichkeit sind, haben wir den Himmel vergessen und sind hochmütig geworden. Wir haben allen Respekt vor den irdischen Gegebenheiten verloren und hantieren mit der Welt, als ob sie ein Spielzeug zu unserem Vergnügen wäre. 





Mittwoch, 11. Mai 2016

Nun kenn ich die Himmelsstiege | Gustav Kühne | Foto Aventin


Auch mir hast Du die Erlösung gebracht;
Meine Seele lag tief in der Wiege,
Als Kind schlief ich still, - nun bin ich erwacht,
Nun kenn ich die Himmelsstiege.


Gustav Kühne • Metamorphosen







Donnerstag, 7. Mai 2015

Aus dem Spiegel meiner Seele • Johann Wolfgang von Goethe

Foto piqs.de beate.de
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, dass meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Gras am fallenden Bach liege und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräser mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen näher an meinem Herzen fühle und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; wenn es dann um meine Augen dämmert und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhen wie die Gestalt einer Geliebten, dann sehne ich mich oft und denke: Ach, könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papier das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, dass es werden würde wie der Spiegel deiner Seele. (frei aus: Die Leiden des jungen Werthers)








Dienstag, 21. April 2015

Bauer und Schiffsmann • Fabel von Abraham a Sancta Clara

Ein Bauer konnte sich über die Kühnheit der Schiffsleute gar nicht genug wundern, die einem schwachen Holz Leib und Seele anvertrauten und beides so oft an den wilden Meeresklippen einbüßten. Darum fragte er einstmals einen Schiffer, wo denn sein Vater gestorben wäre. "Auf dem Meer", antwortete der Schiffsmann. "Und dein Großvater und dein Urgroßvater?" fragte der Bauer. "Auch auf dem Meer", bekam er zur Antwort. "Auch auf dem Meer?", sagte der Bauer. "Wie kannst du dann so närrisch sein und dich dem Meere anvertrauen, das dir deinen Vater, Großvater und Urgroßvater fortgenommen hat?"

"Und dein Vater und dein Großvater", fragte der Schiffsmann den Bauern, "wo sind die gestorben?" - "In ihrem Bett", erwiderte der Bauer. "Und warum bist du dann ein so großer Narr", sagte der Schiffsmann, "dass du alle Nacht in dasselbe Bett steigst, auf dem deine Vorfahren gestorben sind!"

Es macht weniger etwas aus, wo einer stirbt; wenn er nur selig stirbt. 






Freitag, 17. April 2015

Lieben und dabei sich selbst finden • Hermann Hesse

Foto ravens_legacy
Es war ein Liebender, der ohne Hoffnung liebte. Er zog sich ganz in seine Seele zurück und meinte vor Liebe zu verbrennen. Die Welt ging ihm verloren, er sah den blauen Himmel und den grünen Wald nicht mehr, der Bach rauschte ihm nicht, die Harfe klang ihm nicht, alles war versunken, und er war arm und elend geworden. Seine Liebe aber wuchs, und er wollte viel lieber sterben und verkommen, als auf den Besitz der schönen Frau verzichten, die er liebte. Da spürte er, wie seine Liebe alles andre in ihm verbrannt hatte, und er wurde wieder mächtig und zog und zog, und die schöne Frau musste folgen, sie kam, er stand mit ausgebreiteten Armen, um sie an sich zu ziehen. Wie sie aber vor ihm stand, da war sie ganz verwandelt, und mit Schauern fühlte und sah er, dass er die ganze verlorene Welt zu sich her gezogen hatte. Sie stand vor ihm und ergab sich ihm, Himmel und Wald und Bach, alles kam in neuen Farben frisch und herrlich ihm entgegen, gehörte ihm, sprach seine Sprache. Und statt bloß eine Frau zu gewinnen, hatte er die ganze Welt am Herzen, und jeder Stern am Himmel glühte ihm und funkelte Lust durch seine Seele.

Die meisten lieben, um sich dabei zu verlieren. Er aber hatte geliebt und dabei sich selbst gefunden. (Hermann Hesse)





Sonntag, 11. März 2012

Sag doch, wer ist's | Rätsel von Hieronymus Emser



aventin.blogspot.com

Er trägt eine Königskrone, sagt die Zeit voraus 
und trägt als Kämpfer einen goldenen Sporn.
Sag doch, wer ist's?


Glatt und rund kommt er aus dem Mutterleib hervor, 
ohne Kopf, Glieder und Lebenshauch. 
Sag doch, wer ist's? 

Wenn die Natur ihm dann hold ist, 
bekommt er Empfindung, Seele, Gestalt, 
nimmt teil am Leben und verfällt auch dem Tod. 
Sag doch, wer ist's? 

Bevor er stirbt, wird er mit heiligem Wasser 
entsühnt und schön weiß gemacht; 
dann geht er für uns Arme ins Feuer. 
Sag doch, wer ist's?


▃ ▅ ▆ ▇   Antwort   ▇ ▆ ▅ ▃







Samstag, 26. November 2011

Die Rose | Gedicht | Quelle unbekannt

aventin.blogspot.com

Weißt du, wie die Rose spricht,
wenn sie so sanft mit ihren Dornen sticht,
dich weckt in allen Sinnen
so kannst du nicht entrinnen.

Sie spricht in tausend Worten,
von hier und andren Orten
in deines tiefsten Herzens Grund
tut sie dir ihr´ Weisheit kund.

Ihr Duft wird dich betören,
so du weißt auf sie zu hören.
Hast einmal ihn gerochen,
so sie zu dir gesprochen.

Sie tut dir ihre Wahrheit kund,
die kommt aus innerer Seele Grund.
So freue dich in dem Wissen,
dass sie dich wird auf ewig küssen.

(Quelle unbekannt)









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