Aventin Blog: Treue
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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Nur - Ein Irrtum • Novelle • Kurt Tucholsky


"Es ist ein Irrtum zu glauben", habe ich neulich bei einem hochfeinen Schriftsteller gelernt, "dass die Arbeiter die Türme erbaut haben; sie haben sie nur gemauert."

Nur - <nur> ist gut.

Es ist immer wieder bewundernswert, dass nicht viel mehr Türme einstürzen, Eisenbahnbrücken zusammenkrachen, Räder aus den Gleisen springen ... auf wem ruht das alles? Auf einem Zwiefachen.

Auf dem Geist, der es ersonnen hat - und auf der unendlichen Treue, die es ausführte. Der geistige Mitarbeiter hat, manchmal wenigstens, noch mehr als eine innerliche Befriedigung von seinem Werk; er ist an den Überschüssen beteiligt, er kann sich Aktien kaufen, er hat den Ruhm, er macht seinen Namen bekannt ... manchmal. (Obgleich die großen Konzerne es verstanden haben, auch den Ingenieur, den Erfinder, den geistigen Bastler in ein trostloses Angestelltenverhältnis hinabzudrücken - der Arbeiter überschätze ja nicht den weißen Kragen: der täuscht.) Aber was hat der Arbeiter - ? 

Den unzulänglichen Lohn. Wenig Befriedigung. Im allerbesten Fall das verständnisvolle Lob des Werkmeister, der seine Leute kennt und der von Schulz IV weiß: "Der Junge ist richtig. Wo ich den hinstelle, da klappst." Das ist denn aber auch alles.

Um so beachtlicher, mit welcher Lust, mit welcher Treue im kleinen, mit welcher ernsten Fach- und Sachkenntnis dennoch alle diese Arbeiten ausgeführt werden. Es ist natürlich in erster Reihe Überlegung: Mache ich das hier nicht gut, fliege ich auf die Straße ... und dann - ? Aber daneben ist es doch auch der Stolz des Fachmannes; die Freude an der Sache, trotz alledem, obgleich sich so viele bemühen, sie dem Arbeiter auszutreiben. Er vergisst mitunter, für wen er da eigentlich arbeitet, denn der Mensch ist schon so, dass ihn die Arbeit gefangennehmen kann, und er zieht die Schrauben an, als wären es seine eigenen, und als bekäme er es bezahlt. Er bekommt es nicht bezahlt; er bekommt nur seinen Wochenlohn.

Da hängen sie auf den Türmen, da liegen sie auf den Brücken, da lassen sie sich an Stellings herunter und pinseln auf schwanken Gerüsten - ich vergaß hinzuzufügen: NUR! Sie mauern nur. Sie sorgen nur dafür, dass sich die geistige Vision des Erbauers auch verwirkliche - was ist denn das schon, nicht wahr, das kann doch jeder ... Ob es auch der feine Schriftsteller kann, der dieses <nur> hingeschrieben hat, das möchte ich bezweifeln. Daher ich der Meinung bin:

Der Handarbeiter ist dem Kopfarbeiter gleichzusetzen. Der eine ist unfähig, einen Turm auf dem Papier zu konstruieren, kennt nicht die heißen Nächte, wo das Werk, noch in den Wolken schwebend, nach Erfüllung ruft; der andere kann nicht jeden Morgen um fünf aufstehen, bei jedem Wetter zur Stelle sein, schwindelfrei arbeiten, seine Körperkraft drangeben ... jeder seins.

<Nur> ? - Das Überflüssigste auf der Welt ist ein kleinbürgerlicher Philosoph.





Freitag, 17. Juli 2015

Die vier Weltalter • Metamorphosen von Ovid



Und es entstand die erste, die goldene Zeit: ohne Rächer, ohne Gesetz, von selber bewahrte man Treue und Anstand. Strafe und Angst waren fern; kein Text von drohenden Worten stand an den Wänden auf Tafeln von Erz; es fürchtete keine flehende Schar ihren Richter: man war ohne Rächer gesichert. Fichten fällte man nicht, um die Stämme hernieder von ihren Höhn in die Meere zu rollen, nach fremden Ländern zu fahren; außer den ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade. Keinerlei steil abschüssige Gräben umzogen die Städte; keine geraden Posaunen, nicht eherne Hörner, gekrümmte, gab es, nicht Helme noch Schwert, des Soldaten bedurften die Völker nicht: sie lebten dahin sorglos in behaglicher Ruhe. Selbst die Erde, vom Dienste befreit, nicht berührt von der Hacke, unverwundet vom Pflug, so gewährte sie jegliche Gabe, und die Menschen, zufrieden mit zwanglos gewachsenen Speisen, sammelten Früchte des Erdbeerbaums, Erdbeeren der Berge, Kornelkirschen, in stachligen Brombeersträuchern die Früchte und die Eicheln, die Jupiters Baum, der breite, gespendet. Ewiger Frühling herrschte, mit lauem und freundlichem Wehen fächelten Zephyrlüfte die Blumen, die niemand gesäet. Ja, bald brachte die Erde, von niemand bepflügt, das Getreide: ungewendet erglänzte das Feld von gewichtigen Ähren. Hier gab's Ströme von Milch, dort ergossen sich Ströme von Nektar, und es troff von der grünenden Eiche der gelbliche Honig.

Aber nachdem man Saturn in des Tartarus Dunkel geworfen, und die Welt unter Jupiter stand, erschien ein Geschlecht von Silber, geringer als jenes von Gold, wertvoller als Bronze. Jupiter kürzte den einstigen Frühling: durch Winter und heiße Sommer, durch wetterwendische Herbste und einen gar kurzen Frühling ließ er das Jahr in vier Perioden verlaufen. Damals erglühte die Luft in trockener Hitze zum ersten Mal, und es hingen Zapfen von Eis, von den Winden gefroren; jetzt erst suchte man Obdach: die Häuser bestanden aus Höhlen, auch aus dichtem Gesträuch und aus Ruten, von Rinde umkleidet; Jetzt erst warf man die Samen der Ceres in längliche Furchen, und es stöhnten die Stiere, die jungen, vom Joche geknechtet. 

Drittens folgte auf dieses sodann ein ehern Geschlecht nach, grimmiger schon im Gemüt, zu den schaurigen Waffen bereiter, aber noch ohne Verbrechen. Das letzte Geschlecht ist von hartem Eisen. Da brachen sogleich in die Zeit des geringern Metalles jegliche Frevel; es flohen die Scham, die Wahrheit, die Treue. Dafür erwuchsen die Laster: Betrug und allerlei Ränke, Hinterlist und Gewalt und die frevle Begier nach Besitztum. Segel bot man den Winden - noch kannte der Schiffer sie wenig -, und die Kiele, die lang in den hohen Gebirgen gestanden, munter tanzten sie jetzt auf unbekannten Gewässern; und der Boden, der früher Gemeingut war wie die Lüfte und wie das Licht, jetzt ward er genau mit Grenzen bezeichnet. Nicht nur Saaten verlangte der Mensch von dem üppigen Boden, Nahrung, die zu gewähren er schuldete, nein, in der Erde Tiefen drang man, die Schätze zu graben, Lockmittel des Bösen, die sie im Innern verwahrte, zunächst bei den stygischen Schatten. Schon ist das schädliche Eisen erschienen und, schlimmer als Eisen, Gold; nun erscheint auch der Krieg: er kämpft ja mit beiden Metallen, und er schüttelt mit blutiger Hand die klirrenden Waffen. Also lebt man vom Raub: nicht trauen sich Wirte und Gäste, nicht der Schwäher dem Eidam, auch Bruderliebe ist selten. Gatte und Gattin, sie trachten nach wechselseitigem Morde; für Stiefkinder mischen die Mütter entsetzliche Gifte; frühe erforscht der Sohn die Todesstunde des Vaters; Ehrfurcht und Rechtlichkeit liegen zertreten; Astraea, die Jungfrau, hat, die letzte der Götter, die blutige Erde verlassen.





Mittwoch, 17. Juni 2015

Nibelungen Sage 12/28 | Wie Siegfried verraten wurde


Die Schmach, die Kriemhild ihr angetan hatte, brannte in Brunhilds Herzen. Weinend saß sie den ganzen Tag in ihrer Kemenate und sann auf Rache. Da ging Hagen zu ihr und fragte nach der Ursache ihres Kummers. Sie verbarg ihm ihre Gedanken und Wünsche nicht, und Hagen nahm ihre Hand: "Ich gelobe es Euch mit meinem Wort, Herrin, dass Siegfried für seine Freveltat büßen soll. Niemand wird mich wieder fröhlich sehen, ehe dieser Schwur eingelöst ist."

Auch Gernot und Ortwin, die unterdessen hinzugekommen waren, stimmten für Siegfrieds Tod. Giselher aber, der den beiden folgte, riet ab von solcher Tat: "Warum wollt ihr Siegfried ans Leben? Er verdient nicht unseren Hass. Frauen streiten oft um nichtige Dinge." Doch Hagen widersprach ihm in seinem starren Sinn: "Lieber will ich sterben, als dass diese Schande ungerächt bleibt."

König Gunther hielt sich vorerst zurück, als er von des Tronjers Absicht hörte. "Weshalb sollte ich Hass hegen gegen Siegfried?" sagte er. "Er war uns stets ein treuer Freund, und wir haben nur Liebes und Gutes von ihm erfahren. Sein Tod ist für uns kein Gewinn." Aber Hagen ließ nicht ab, auf seinen Herrn einzureden. "Denkt daran, wie viele Länder Euer eigen sind, wenn Siegfried nicht mehr lebt!" Mit solchen Worten brachte er Gunther schließlich dahin, dass er einwilligte in die Ermordung des Helden. Der Tronjer hatte auch schon einen tückischen Plan bereit: "Wir lassen Boten kommen, die uns zum Schein Krieg ansagen. Ihr bietet dann sogleich  Euren Heerbann auf, und Siegfried wird nicht zögern, mit in den Kampf zu ziehen. Ich aber werde Kriemhild das Geheimnis entlocken, wo ihr Mann verwundbar ist, und dann geht es ihm ans Leben."

So wurde es beschlossen, und so geschah es bald. Zweiunddreißig Boten erschienen eines Morgens bei Hof und sagten den Burgunden Fehde an. "Lüdeger und Lüdegast", erklärten sie Gunther, "ziehen mit gewaltiger Heeresmacht heran, um Vergeltung zu üben für das, was Ihr ihnen einst angetan habt."

Gunther zeigte sich bestürzt und zog die Freunde zu Rate. Siegfried aber trat hinzu und fragte: "Weshalb diese besorgten Mienen, König Gunther? Sinnt jemand Böses gegen Euch, so seid meiner Hilfe versichert." Da berichteten der König, Lüdeger und Lüdegast wollten das Burgundenland wieder mit Krieg überziehen, und sofort bot Siegfried ihm an: "Lasst mich mit meinen Mannen gegen sie reiten und ihnen Land und Burgen verheeren, wie es vormals geschah. Ihr aber mögt bis zur Grenze mitziehen, um Eure Mark zu schützen."

Gunther heuchelte Dank und verneigte sich tief vor Siegfried. Der aber ließ gleich seine Schar, Mann und Ross, zur Heerfahrt rüsten. Auch die Burgunden waffneten sich, und Hagen ging zur Kriemhild, als wollte er Abschied nehmen vor ihr. Er traf sie in großer Sorge um Siegfried an. "Wäre er nicht so ungestüm im Kampf", klagte sie dem Tronjer, "dann wäre mir leichter ums Herz. Du bist mein Verwandter, ich empfehle ihn deiner Treue und deinem Schutz."

"Welchen Schutz sollte Siegfried brauchen?" entgegnete Hagen. "Kein Schwert und kein Speer kann ihm doch etwas anhaben, das ist jedermann bekannt." Da gab Kriemhild im Glauben an Hagens Treue das Geheimnis preis: "Als Siegfried sich im Blut des Drachen badete, fiel ihm ein Lindenblatt zwischen die Schultern, und an dieser einzigen Stelle ist er verwundbar, dort musst du ihn schützen."

"Gern", versprach Hagen mit falschem Sinn, "wenn Ihr mir die Stelle durch ein Zeichen kenntlich macht." --- "So will ich mit Seide ein Kreuzchen auf sein Gewand nähen", erbot sich Kriemhild, "das zeigt dir die Stelle an, die des Schutzes bedarf."

Besser hätte Hagens tückische List nicht gelingen können. Wohlgemut ging er zu Gunther und sagte: "Von Kriemhild habe ich verfahren, was ich wissen wollte. Auf den Kriegszug können wir nun verzichten; ich rate Euch, statt dessen eine Jagd anzusagen."

Der König war damit einverstanden, und kaum war Siegfried, Kriemhilds Kreuz an der Schulter, am nächsten Morgen zur Heerfahrt ausgeritten, da ließ Hagen ihm Boten nacheilen und ausrichten: "Lüdeger und Lüdegast haben die Fehde abgesagt, sie wollen Frieden halten mit den Burgunden."

Ungern vernahm Siegfried diese Kunde und wandte sich mit seinen Recken zurück zum Rhein. Gunther empfing ihn mit heuchlerischem Dank: "Gott lohne es Euch, Herr Siegfried, dass Ihr uns Eure Hilfe nicht versagtet. Des Krieges sind wir nun ledig, aber dafür wollen wir morgen in der Frühe ausziehen zur Jagd auf Bären und Wildschweine im Odenwald. Ich bitte Euch von Herzen, unser Jagdgefährte zu sein."

Der Vorschlag war recht nach Siegfrieds Sinn, und frohgemut versprach er, mitzureiten zur Jagd in den Odenwald. 






Mittwoch, 3. Juni 2015

Nibelungen Sage 26/28 | Wie Rüdiger erschlagen ward


Kriemhild glaubte die Burgunden seien alle in den Flammen umgekommen. Doch ihre Späher brachten am Morgen die Kunde, dass viele noch lebten, darunter auch Hagen von Tronje. Da bot sie aufs neue die Hunnenscharen auf und ließ Schilde voll Gold herbeitragen, um die Kämpfer anzuspornen. Mit unermesslichen Schätzen wollte sie dem lohnen, der ihr das Haut des Todfeindes, des verhassten Tronjers, brächte!

Wieder begann das Morden, und wieder sanken Hunderte dahin. Vor der Stiege des Saales häuften sich abermals die Toten, aber keiner der Hunnen kam über die Schwelle, so erbarmungslos mähten die Schwerter Hagens und Volkers und der anderen Burgunden. Zwölfhundert Hunnen vermochten nichts auszurichten gegen sie.

In höchster Not rief da König Etzel den Markgrafen Rüdiger, der voll Kummer dem blutigen Spiel zusah, um Hilfe an. "Wie könnte ich gegen Männer kämpfen, die ich als Gäste in dieses Land brachte und die mir liebe Freunde wurden!" entgegnete ihm fest der edle Rüdiger. Aber Etzel ließ nicht ab mit seinen Bitten, und Kriemhild mahnte den Markgrafen an den Eid, den er ihr bei der Werbung in Worms geleistet hatte: "Ihr habt mir Treue geschworen bis in den Tod, Herr Rüdiger, und als Ritter müsst Ihr diesen Schwur halten!"

"Ja, Leben und Ritterehre habe ich Euch verpfändet, Frau Kriemhild, aber nicht meine Seele", entgegnete er in tiefstem Schmerz, "denkt daran, dass ich meine Tochter Dietlinde dem Fürsten Giselher verlobte! In meinem Haus waren die Burgunden liebe Gäste. Wie könnte ich ihnen Freundschaft und Treue brechen und Unheil bringen über die Meinen?"

"Zum König will ich dich machen, wenn du unser Leid rächst", rief Etzel, "zum König über reiche Länder, und neben mir sollst du herrschen!"

Vergebens beschwor ihn Rüdiger: "Erlasst mir den Kampf! Eine Krone begehre ich nicht." Ja, vergebens erbot er sich, alles zurückzugeben, was er je von Etzel erhalten habe, Land und Burgen; arm wolle er mit seiner Frau und Tochter in die Fremde gehen. Der König und die Königin fielen flehend vor ihm auf die Knie, und wiederum mahnte ihn Kriemhild an seinen Eid.

Da erkannte der treue Mann, dass sein Wort ihn zu dunklem Verhängnis band, und das Herz von Jammer und Qual zerrissen, sprach er: "So sei es denn! Mein Ritterwort löse ich heute mit dem Leben ein. Meine Frau und meine Tochter empfehle ich Eurer Huld."

Traurig wandte er sich zu seinen Recken: "Wir müssen uns waffnen; er geht gegen die Burgunden im Saal." Er legte seine Rüstung an, und an der Spitze seiner Fünfhundert trat er den schweren Gang an.

"Da kommt Rüdiger, der Freund, als Retter in der Not!" frohlockte Giselher, als er ihn erblickte. Aber der Markgraf trat an die Stiege, stellte den Schild vor sich hin und rief in den Saal: "Ihr kühnen Nibelungen, nehmt Schwert und Schild zur Hand! Bisher waren wir Freunde. Nun muss ich euch die Treue aufsagen."

Wie erschraken die Burgunden ob dieser Worte! Vergebens erinnerten Gunther und Gernot den Markgrafen an die Tage der Eintracht und Freundschaft in Bechlaren, vergebens rief Giselher ihm zu: "Wie könnt Ihr mit eigener Hand das Glück Eurer Tochter zerstören?" Rüdiger blieb fest: "Der Schwur, den ich der Königin geleistet habe, bindet mich. Als Mann und Ritter kann ich nicht anders: ich muss mit euch streiten, so schwer es mir ums Herz ist. Gott, der Herr, möge uns gnädig sein!"

Schon hob er den Schild und setzte den Fuß auf die Stiege, da rief Hagen ihm von oben zu: "Auf ein Wort noch, Herr Rüdiger! Den Schild, den Frau Gotelind mir gab, haben die Hunnen mir zerhauen. Hätt ich einen solchen, wie du ihn an der Hand trägst, dann wäre ich mancher Sorgen ledig!" Nicht zweimal brauchte er zu bitten. Rüdiger reichte ihm den eigenen Schild: "Nimm ihn hin, Hagen, und möchtest du ihn glücklich heimführen ins Burgundenland!"

Es war die letzte Gabe, die der Markgraf einem Freund bot. Keiner der Recken schämte sich der Tränen, die ihm in die Augen stiegen. Der grimme Hagen aber dankte bewegt: "Nie wird es solche Milde mehr geben, edler Markgraf. Und solltet Ihr alle Burgunden in den Tod schicken, meine Hand wird nicht das Schwert gegen Euch erheben." Er und auch Volker traten beiseite und gaben Rüdiger den Weg in den Saal frei. Mit ihrem Herrn drangen auch die Fünfhundert aus Bechlaren ein.

Wieder hallten die Schilde von den Schwerthieben, wieder barsten die Helme und rieselte das rote Blut aus den Panzerringen. Hin und Her wogte das grausige Würgen. Immer wieder brach Rüdiger sich Bahn durch das Wilde Getümmel, bis er auf Gernot stieß. Da fuhren beider Schwerter empor, und beiden gelang der tödliche Streich durch Brünne und Helm. Miteinander sanken die Helden in den Tod. Rüdigers Wunde aber hatte das gleiche Schwert geschlagen, das er selbst Gernot in Bechlaren als Gastgeschenk gab.

Laute Klage erscholl von beiden Seiten, und für eine Weile schieg der Lärm der Waffen. Dann tobte der Kampf um so erbitterter weiter, und wie tapfer die Mannen Rüdigers auch stritten, keiner entkam dem grimmigen Wüten Hagens und seiner Gefährten.

Als der letzte Gegner gefallen war, hielten die Burgunden stumme Rast. Müde saßen sie auf Balken und Trümmern, und kein Schwerterklirren, kein Kampflärm drang mehr nach draußen. Da glaubten Etzel und Kriemhild, Rüdiger habe ihnen die Treue gebrochen und wolle den Burgunden freien Abzug geben. Doch als Volker den toten Markgrafen aus dem Saal tragen ließ, erkannten sie, welches Unheil geschehen war, und in bitterem Leid beklagten sie den Tod des Besten, der ihrem Thron nahegestanden hatte.







Sonntag, 26. Februar 2012

Zwei Freunde und ein Bär | Freundschaft | Fabel von Aesop

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Zwei Freunde gelobten gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an. Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. 

Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, dass der Bär keine Toten verzehre. Der Bär kam nun herbei, leckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt. 

Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baum herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm denn der Bär zugeflüstert habe? "Eine vortreffliche Warnung", antwortete dieser, "nur schade, dass ich sie nicht früher gewusst habe." 

Lehre:
Man solle sich nie mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.






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