Aventin Blog: Vergänglichkeit
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Freitag, 29. Juli 2016

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis | Goethe - Faust


Die schönste Frucht von Goethes Lebensweisheit war die Erkenntnis, dass 'alles Vergängliche nur ein Gleichnis' ist. So steht es in Schlußchor des Faust. 

Gewiss wollte der greise Meister mit dem beigefügten 'NUR' nicht seine Geringschätzung für das 'Vergängliche' ausdrücken. Von einer Geringschätzung, wie wir sie bei manchen Heiligen finden, die sich von den Schönheiten des Daseins abwenden und alles Sichtbare für Blendwerk und Verführung halten, war Goethe weit entfernt. 

Goethe liebte das Vergängliche und konnte in Andacht vor einer blühenden Blume verweilen, die doch in wenigen Stunden oder Tagen nicht mehr vorhanden war. Seine Andacht vor dem Vergänglichen, sein unermüdlicher Eifer in der Erforschung alles Erforschbaren galt im Grunde nicht der einzelnen Blume und nicht dem einzelnen Gegenstand seiner Beobachtung, sondern dem Formgedanken, dem geistigen Prinzip, das sich darin manifestierte. Er schaute in allem Individuellen ein Allgemeines und in allem Gesonderten einen großen lebendigen Zusammenhang. 

Metamorphosen, die Verwandlung und Entwicklung, der Durchgang und der Übergang, wurden für den Forscher Goethe, aber auch für den künstlerisch gestaltenden, die Hauptanhaltspunkte, mit deren Hilfe er das Wesen der Welt zu erfassen und sich selber ihm einzufügen suchte. 






Montag, 11. Mai 2015

Die Grille und die Spinne • Unbeirrbarkeit • Fabel Scharrelmann

Ein Grille sah einer Spinne zu, die emsig beschäftigt war, ihr halb zerstörtes Netz wieder herzurichten. "Welch unnützer Eifer!" sagte die Grille. "Denn schon der nächste Windstoß wird dein Werk von neuem beschädigen, der nächste Regenguss es vielleicht völlig zerstören."

"Möglich", antwortete die Spinne. "Aber wenn wir jede Arbeit unterließen, nur weil wir wissen, dass unser Werk der Vergänglichkeit unterworfen ist - was meinst du, dass unser aller Schicksal wäre?" (Fabel von Wilhelm Scharrelmann)







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