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Die Frage nach dem Zweck der Welt

Die Frage nach dem Zweck der Welt - R.M.F - Alltagspsychologie
Die Frage nach dem Zweck  

Die Frage nach dem Zweck der Welt - R.M.F - Alltagspsychologie


Gesetzt ein Gott, der nicht wie die meisten Götter von Menschen nach ihrem Bild geschaffen wäre und deshalb nicht menschliche Gedanken dächte, gesetzt ein solches, allem Menschlichen völlig fernes Wesen würde aus seinem jenseits unserer Welt gelegenen Utopien auf diese Erde herabsteigen: was würde er finden?

Betreten würde er einen in der Gesamtheit des Universums recht winzigen Planeten, der sich in gleichmäßigen Kreisen durchs dunkle Weltall wälzt, stets halb in Nacht getaucht, halb vom Licht der Sonne gerötet, von schimmernden Wolkenschleiern umflattert und von bläulichen Ozeanen umbraust.

Und auf der grauen oder grünen Kruste dieser Kugel würde unser Gast inmitten der mannigfachen Formen des Pflanzen- und Tierlebens uns selber bemerken, das Menschengeschlecht, das da Häuser, Kirchen, Theater, Museen baut, das Staaten gründet und zerstört, Kinder zeugt und erzieht und sich von morgens bis abends unablässig um tausenderlei Dinge müht, die, von außen gesehen, jenem Besucher so sinnlos scheinen müssten wie uns das Spiel von Mücken im Abendlicht oder das Zerschäumen der Wellen am Meeresstrand.

Gesetzt nun fernen, jener Gast aus Utopien wäre neugierig genug, wissen zu wollen, was all dies Treiben bedeutet, und er würde uns fragen, was das Ziel unserer Hast und Mühe sei, welchem Endzweck das alles zustrebe: was würden wir antworten? Müssten wir nicht dastehen wie die Schauspieler einer Schmiere, die nur den Wortlaut ihrer eigenen Rolle dürftig herunterzusagen vermögen und den Sinn des Ganzen nicht ahnen?

Denn, Hand aufs Herz, darüber, was unsere Rolle (einerlei, ob wir sie tragisch oder komisch finden, ob wir uns als Helden oder Statisten in diesem Spiel dünken) im Ganzen des Weltalls bedeutet, darüber haben wir wenig begründete Wissenschaft.

Wohl sind immer wieder unter uns Menschen aufgestanden, die da behaupteten, einen Sinn dieses Ganzen zu kennen, Starke und Kühne auch, die sich unterfingen, selbst diesem Spiel einen Sinn zu setzen: aber halten wirklich die Grundlagen und Gründe, auf die solcher Glaube sich stützt, scharfer Kritik stand? Stößt nicht jede solche Behauptung auf unentwirrbare Widersprüche?

Wer sagt, ob das, was jene als rechte Richtung preisen, kein Irrweg ist und in der Wüste endet? Und wer entscheidet, ob das, was sie als Sinn ins Leben hineintragen, nicht eine belanglose Szene ist in einem Zusammenhang, den wir nie überschauen, ja ob nicht all dieser Sinn wieder sinnlos wird, weil er sich verliert in einem chaotischen Ganzen?

Wohl mahnt uns ein dumpfes Gefühl, dass dem nicht so sei, dass der Fleiß der Millionen Hände, der Geist der Millionen denkender Hirne nicht sinnloses Zufallsspiel sein könne, sinnlos und spurlos im Weltall entschwindend wie die Bahnen von Schneeflocken im Wind.

Wohl brauchen wir den Glauben, dass ein Sinn sei, wenn wir nicht verzweifeln wollen, und doch haben wir keine beweisbare Lösung für jene Frage, und die einzige Haltung, die die meisten annehmen, wenn in stilleren Stunden jenes Problem an ihre Pforten pocht, ist die, sich abzuwenden und in blinder Geschäftigkeit zu vergessen, dass sie nicht wissen, was dieser Geschäftigkeit eigentlicher Sinn ist.

Und doch ist die Frage wichtig, nicht nur für müssige Weltdurchwanderer und behagliche Betrachter der Komödie oder Tragödie des Lebens, wichtig gerade für die, die selbst auf der Bühne agieren.

Sie wird nicht gelöst, indem wir vor ihrem drohenden Ernst den Kopf in den Sand stecken, wie der Strauß es tun soll, wenn ihn Feinde verfolgen, sie wird nicht gelöst, wenn wir, an die Brust schlagend, mit lauter Stimme für Wahrheit ausgeben, was wir kritiklos anderen nachreden, die nicht selber weiter schauen als wir selbst?

Die Frage ist fesselnd selbst dann, wenn wir niemals die Antwort finden können, wenn wir wirklich nur Schachfiguren wären in einem Spiel, das von Mächten gespielt wird, deren Willen, ja deren Dasein wir niemals begreifen könnten.

Aber wenigstens versuchen sollten wir es alle einmal, heraus treten aus der von flimmernden Rampenlichtern höchst trügerisch erhellten Bühne des Daseins und dem zuschauen, was unseresgleichen da alles spielen.

Versuchen sollten wir es wenigstens, einige Szenen zu begreifen von dem, was da mit soviel Leidenschaft und sowenig letzter Überlegung eigentlich gespielt wird. Versuchen sollten wir es, selbst wenn sich das Verständnis des Ganzen uns niemals erschließen sollte.

Die Frage nach dem Zweck der Welt – Vom Sinn des Lebens – R.M.F – Alltagspsychologie 

Autor*in: R.M.F

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