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Montag, 8. Juni 2015

Nibelungen Sage 21/28 | Wie Kriemhild die Burgunden empfing


König Etzel selbst brachte Kriemhild die Kunde, dass die Burgunden nahten. "Aufs beste wollen wir deine Brüder empfangen", sagte er, "so, wie es Königen und lieben Verwandten geziemt."

"Wie freue ich mich über diese Nachricht!" entgegnete sie und eilte sogleich ans Fenster, um nach den Burgunden Ausschau zu halten. Bei sich aber dachte sie: "Nun ist die Stunde da, auf die ich so lange gewartet habe. Der mir so unermessliches Leid zugefügt hat, dem will ich heimzahlen, was ich vermag." In diesen Gedanken stand sie am Fenster und blickte ins Land hinaus, der Straße nach, auf der nun Hagen gegen Etzelnburg ritt.

Auch Hildebrand, der alte Waffenmeister Dietrichs von Bern, erfuhr von der Ankunft der Burgunden, und ohne Säumen ging er mit der Neuigkeit zu seinem Herrn. Dem Berner wurde das Herz schwer, als er die Kunde des getreuen Alten vernahm. Sogleich ließ er satteln und ritt den Nahenden entgegen.

Hagen erkannte den Gotenkönig schon von weitem. "Da kommt Dietrich von Bern mit seinen tapferen Amelungenrecken", sagte er zu Gunther. "Guter Dienste dürfen wir von ihnen gewiss sein, und wir müssen sie mit allen Ehren empfangen."

So geschah es, und Dietrich dankte mit freundlichen Worten: "Seid mir willkommen, ihr Herren vom Rhein, Herr Gunther, Gernot und Giselher, und auch ihr alten Freunde Hagen, Volker und Dankwart! Doch das sei euch gesagt: gerne sehe ich euch nicht hier im Hunnenland, denn immer noch weint Kriemhild um Siegfried, jeden Morgen höre ich sie klagen."

"Mag sie noch lange weinen und klagen", erwiderte hart und höhnisch Hagen, "Siegfried ist viele Jahre schon tot und begraben, und sie ist nun König Etzels Frau, der mag sie trösten."

Doch der Berner blieb bei seiner Warnung: "Hütet euch vor Kriemhild, das ist mein Rat. Nie wird sie vergessen, wie Siegfried zu Tode kam, und Ihr, König Gunther, solltet das wohl bedenken." Aber Gunther meinte: "Ihr seht wohl zu schwarz, edler Herr von Bern. König Etzel entbot uns zum Sonnwendfest nach Etzelnburg, und auch von meiner Schwester kam uns gute Botschaft. Als willkommene Gäste sind wir ins Hunnenland geladen", und Volker fügte hinzu: "Mag es nun so sein oder anders, jetzt bleibt uns nichts übrig, als an Etzels Hof zu reiten und zu sehen, was uns dort beschieden ist."

So setzten sie unverzagt die Reise fort und langten bald in Etzelnburg an. In geschlossenem Zug ritten sie dort ein, und Kopf an Kopf drängten sich in den Gassen die Hunnen. Alle wollten sie Hagen von Tronje sehen, der Siegfried von Niederland, den stärksten der Helden, erschlagen hatte. Stolz saß er auf seinem Ross, der hochgewachsene grimmige Recke mit den mächtigen Schultern und dem ergrauten Haar unter dem Eisenhelm, und Furcht überlief die Hunnen, als er so mit starrem Antlitz an ihnen vorüberritt.

Kriemhild trat den Burgunden schon im Burghof entgegen, als verlangte es sie, die Gäste mit aufrichtiger Freude zu begrüßen. Aber nur Giselher bot sie die Hand und küsste ihn. Hagen sah es und band sich den Helm fester. "Mit ungleichem Gruß empfängt man uns hier", spottete er, "es scheint, wir haben keine gute Reise getan."

"Man grüßt nur, wen man gerne sieht", antwortete Kriemhild mit kaltem Blick. "Weshalb sollte ich mich über Eure Ankunft freuen, Herr Hagen? Habt Ihr mir etwa den Nibelungenhort aus Worms mitgebracht?" Da lachte der Tronjer grimmig: "Ich hatte an meinem Harnisch, meinem Schild und Schwert genug zu schleppen. Das Gold liegt schon lange im Rhein, und es mag da lieben bleiben bis zum Jüngsten Tag!"

"Nun, um Gold ist es mir nicht zu tun", entgegnete die Königin drohend, "aber noch warte ich auf Vergeltung für einen Mord und Raub." Dann forderte sie die Burgunden auf, die Waffen abzulegen, ehe sie die Königshalle betreten. Sie selbst werde sie in gute Obhut nehmen.

"Nein", gab ihr abermals Hagen spottend zur Antwort, "das geschieht nicht. Es wäre zuviel der Ehre für mich, wenn eine Königin mit eigener Hand meinen Schild zur Herberge trüge. Mein Vater lehrte mich, selbst meine Waffen zu hüten."

Da merke Kriemhild, dass die Burgunden gewarnt waren, und zornig rief sie aus: "Wenn ich den Verräter wüsste, es sollte ihm den Kopf kosten!" Sogleich trat Dietrich von Bern vor: "Ich bin es, der sie gewarnt hatte, aber ich fürchte Eure Rache nicht, Königin." Beschämt wandte Kriemhild sich ab und ging ohne ein Wort der Erwiderung in den Palast zurück.

Dort stand Etzel noch am Fenster und blickte in den Hof hinab. "Wer ist der mächtige Recke dort neben Herrn Dietrich?" fragte er einen seiner Getreuen. -- "Das ist Hagen von Tronje, Aldrians Sohn. So freundlich er jetzt mit dem Fürsten von Bern spricht, er ist ein grimmiger Mann, und wir werden es noch erfahren."

Da erkannte der König den Tronjer wieder, der in jungen Jahren mit Walter und Hildegunde am Hunnenhof geweilt hat, und er dachte zurück an vergangene schöne Zeiten.







Dienstag, 2. Juni 2015

Nibelungen Sage 27/28 | Wie Dietrichs Recken erschlagen wurden


Das Wehklagen um den edlen Rüdiger vernahm ein Recke Dietrichs. Er vermeinte, König Etzel oder Kriemhild selbst habe der Tod ereilt, und brachte die Kunde eilends seinem Herrn. Der schickte um genaue Nachricht in Etzels Palast und erfuhr nun bald zu seinem Schmerz, dass der blutige Kampf im Saal den Markgrafen und all seine Getreuen hinweg gerafft habe. Allen Amelungen rührte die Unglücksbotschaft ans Herz, denn ein treuer Freund war ihnen der milde Herr von Bechlaren allzeit in der Fremde gewesen.

Traurig sann Dietrich vor sich hin. Wie war es zu diesem unseligen Kampf gekommen, und wie hatte der edle Rüdiger den Tod gefunden? Zu gerne hätte er das gewusst, und so sandte er seinen alten Waffenmeister Hildebrand zu den Burgunden, um nähere Kunde zu holen.

Wie er war, ohne Schild und Waffen, wollte sich der Alte sogleich auf den Weg machen. Aber sein Neffe Wolfhart hielt ihn zurück: "Mit Schimpf und Spott werden Euch die Burgunden zurückschicken, wenn Ihr so unritterlich daherkommt. Bei ihnen gilt nur etwas der Mann mit dem Schwert in der Hand." Da legte der Alte seine Rüstung an, und als er fertig war, standen auch seine Mannen in Wehr und Waffen da. Erstaunt fragte er, wohin sie wollten. "Wir lassen Euch nicht allein gehen, Meister Hildebrand! Hagen möchte sonst seinen Spott mit Euch treiben", war die Antwort. Wohl hätte Hildebrand sich lieber ohne Begleiter aufgemacht, aber um die Getreuen nicht zu kränken, nickte er Gewähr.

Als erster erblickte Volker die Amelungenrecken. "Da kommen in Waffen die Berner", rief er den Freunden zu, "nun wird es uns übel ergehen!" An der Stiege setzte Hildebrand den Schild vor Fuß und richtete die Frage, die sein Herr ihm aufgetragen hatte, an die Burgunden: "Sagt an, wie es um den edlen Markgrafen von Bechlaren steht! Wir hörten, hier im Saal habe er den Tod gefunden."

"So habt ihr recht gehört", antwortete Hagen. "Uns allen ist es leid um den Helden, der seinen Schwur mit dem Leben bezahlen musste. Nie wird man ihn genug beweinen."

Laute Klage ging durch die Reihen der Amelungen, und Hildebrand bat: "Gebt uns die Leiche des edlen Herrn, damit wir ihm die Ehre erweisen, die ihm gebührt!" König Gunther war dazu bereit, aber Volker spottete: "holt ihn euch selbst heraus, wir sind eure Knechte nicht!"

Da brauste der ungestüme Wolfhart auf. Scharfe Worte fielen zwischen ihm und dem Fiedler, und ehe der alte Hildebrand seinen Neffen zu hindern vermochte, war dieser die Stiege hinaufgestürmt und lief Volker wie ein Löwe an. Nun war kein Halten mehr. Hinter dem kühnen Wolfhart kämpften sich die Amelungenrecken in den Saal, auch der alte Hildebrand blieb jetzt nicht zurück, ja, noch vor dem Neffen drang er durch die Tür, und wieder erfüllte der eiserne Kampflärm die Halle. Wieder lohten die Funken aus Brünnen und Schilden, und wieder hielt der Tod furchtbare Ernte.

Volker fiel unter den Schwerthieben des grimmigen Hildebrand, Dankwart erlag dem starken Helfrich, und als Wolfhart mit Giselher aneinandergeriet, war es für beide der letzte Kampf: einer traf den anderen durch Helm und Panzer mit tödlichem Streich, und nebeneinander sanken sie tot auf die blutgetränkte Walstatt. Den Tod seines Streitgefährten, des tapferen Spielmanns, zu rächen, drang der Tronjer mit Ingrimm auf Hildebrand ein. Balmung, das Schwert Siegfrieds, schlug dem Alten eine schwere Wunde, und mit dem Schild den Rücken deckend, entkam er mit knapper Not aus dem Saal.

Keiner der Amelungenrecken konnte ihm folgen, denn sie lagen bereits alle erschlagen. Der Kampf war zu Ende. Von den Burgunden aber lebten nur noch Gunther und Hagen. Auf ihre Schwerter gestützt, hielten sie den Freunden einsame Totenwache.

Der Zorn überkam Dietrich, als Hildebrand mit Blut bespritzter Brünne vor ihn trag. "Befahl ich dir, mit den Burgunden, meinen Freunden, zu kämpfen?" fuhr er ihn an. "Mein Schuld ist es nicht", entgegnete der Alte. "Wir baten um Rüdigers Leiche, und Volker weigerte sie uns mit bösem Spott. Hagen aber war es, der mir diese Wunde schlug."

"So lass denn meine Männer sich waffnen", beschied ihn voll Kummer der Berner, "ich will selbst zu den Burgunden gehen."

"Herr", entgegnete ihm traurig der Alte, "was Ihr an Männern noch habt, das steht hier vor Euch: ich allein bin es, die anderen alle liegen tot im Saal."

Nie hatte der Gotenkönig leidvollere Kunde vernommen. In tiefem Schmerz senkte er das Haupt. Er dachte an Wolfhart und all die kühnen jungen Recken, die seine Freude und sein Stolz gewesen waren. "Und wer lebt noch von den Burgunden?" fragte er.

"Niemand als Gunther und Hagen", antwortete der alte Hildebrand.






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