Aventin Blog: Arbeit
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Samstag, 30. Juni 2018

Dienstag, 5. Juli 2016

Momo | Ein schweigsamer Alter | Michael Ende

http://aventin.blogspot.de/2016/07/momo-ein-schweigsamer-alter-michael-ende.html

Wenn jemand auch sehr viele Freunde hat, so gibt es darunter doch immer einige wenige, die einem ganz besonders nahe stehen und die einem die allerliebsten sind. Und so war es auch bei Momo.

Sie hatte zwei allerbeste Freunde, die beide jeden Tag zu ihr kamen und alles mit ihr teilten, was sie hatten. Der eine war jung, und der andere war alt. Und Momo hätte nicht sagen können, welchen von beiden sie lieber hatte.

Der alte hieß Beppo Straßenkehrer. In Wirklichkeit hatte er wohl einen anderen Namen, aber da er von Beruf Straßenkehrer war und alle ihn deshalb so nannten, nannte er sich selbst auch so.

Beppo Straßenkehrer wohnte in der Nähe des Amphitheaters in einer Hütte, die er sich aus Ziegelsteinen, Wellblechstücken und Dachpappe selbst zusammengebaut hatte. Er war ungewöhnlich klein und ging obendrein immer ein bisschen gebückt, so dass er Momo nur wenig überragte. Seinen großen Kopf, auf dem ein kurzer weißer Haarschopf in die Höhe stand, hielt er stets etwas schräg und auf der Nase trug er eine kleine Brille. Manche Leute waren der Ansicht, Beppo Straßenkehrer sei nicht ganz richtig im Kopf. Das kam daher, dass er auf Fragen nur freundlich lächelte und keine Antwort gab. Er dachte nach. Und wenn er eine Antwort nicht für nötig fand, schwieg er. Wenn er aber eine für nötig hielt, dann dachte er über diese Antwort nach. Manchmal dauerte es zwei Stunden, mitunter aber auch einen  ganzen Tag, bis er etwas erwiderte. Inzwischen hatte der andere natürlich vergessen, was er gefragt hatte, und Beppos Worte kamen ihm wunderlich vor. 

Nur Momo konnte so lange warten und verstand, was er sagte. Sie wusste, dass er sich so viel Zeit nahm, um niemals etwas Unwahres zu sagen. Denn nach seiner Meinung kam alles Unglück der Welt von den vielen Lügen, den absichtlichen, aber auch den unabsichtlichen, die nur aus Eile oder Ungenauigkeit entstehen.

Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quietschenden Fahrrad in die Stadt zu einem großen Gebäude. Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit. 

Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter - Schritt - Atemzug - Besenstrich -.

Während er sich so dahin bewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich sein Zunge, und er fand die richtigen Worte. "Siehst du, Momo, sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten." Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste." Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig."






Montag, 30. Mai 2016

Die beiden Pflugscharen | Fleiß und Faulheit | Fabel von Meissner


Zwei Pflugscharen kamen miteinander neu vom Schmied und waren von völlig gleichem Ansehen. Die eine wurde hingeworfen und lag jahrelang müßig herum, sodass sie vom Rost verunstaltet wurde. Die andere aber kam alsbald an den Pflug und musste das Land pflügen, wobei sie wunderschön blank wurde. 

Als die beiden einmal wieder zusammenkamen, sahen sie einander voll Verwunderung an. Die so lange müßig herum gelegen hatte, sprach zu ihrer fleißigen Schwester: "Sage mir doch, wodurch bist du so schön geworden und ich so hässlich? Ich habe doch lauter gute Tage gehabt und lag still und warm hier in diesem Winkel." --- "Das ist es ja eben", erwiderte die andere, "die träge Ruhe hat dich verunstaltet; ich aber bin schön durch meinen Fleiß geworden."


Lehre: 
Wer rastet, der rostet.





Montag, 11. April 2016

Das Rasiermesser | Fabel von Leonardo da Vinci

Als das Rasiermesser eines schönen Tages aus seinem Griff, der ihm zur Scheide diente, herauskam und sich ins Fenster legte, sah es die Sonne sich in seinem Leib spiegeln. Da fühlte es in sich ungeheuren Glanz, und in Gedanken an sein Handwerk sprach es zu sich selber: "Niemals wieder will ich in die Bude zurück, aus der ich kam! Mögen die Götter verhüten, dass meine glanzvolle Schönheit so erniedrigt werde! Welcher Wahnsinn, die eingeseiften Knasterbärte dummer Bauern zu rasieren, welche Hausknechtsarbeit! Ist dieser Leib dazu geschaffen? O bei Gott, nein! Ich will mich an einem verborgenen Ort verstecken und dort in stiller Ruhe mein Leben verbringen." 

Als das Messer nun einige Zeit in seinem Versteck zugebracht hatte, kehrte es eines Tages wieder an die Luft zurück; aber, o Schreck, da merkte es, dass es aussah wie eine alte verrostete Säge, und die Sonne blitzte nicht mehr auf der stumpfen Fläche. Vergebens war jetzt die Reue und nutzlos die Klage. "Oh, wie viel besser hätte ich getan", sprach das Messer bei sich, "meine scharfe, ach nun verdorbene Schneide beim Barbier zu üben! Wo ist mein glänzender Leib! Weh mir, dieser abscheuliche Rost hat ihn tückisch zerfressen!"

Lehre:
Ganz so wird es denen gehen, die sich dem Müßiggang hingeben, anstatt zu arbeiten. Sie werden, wie unser Rasiermesser, ihre scharfe Schneide verlieren, und der Rost der Unwissenheit wird ihre Form verderben. Wahrlich, wer rastet der rostet!





Montag, 7. Dezember 2015

Der Löwe und der Esel • Teamarbeit • Fabel von Aesop

Der Löwe und der Esel schlossen ein Bündnis und gingen miteinander auf die Jagd. Zufällig kamen sie zu einer Höhle, in welcher wilde Ziegen waren. Da beschlossen sie, dass der Esel in die Höhle treten und ein Geschrei machen solle, um die Ziegen zu erschrecken, damit sie aus der Höhle fliehen und der Löwe sich der Herauskommenden bemächtigen könne. 

Nachdem dies so geschah und der Löwe die meisten ergriffen hatte, trat der Esel wieder ins Freie und fragte seinen Gefährten, ob er denn nicht tapfer gekämpft und die Ziegen ordentlich heraus gescheucht habe. Der Löwe antwortete ihm: "Ich selbst hätte es nicht besser machen können und mich gefürchtet, wenn ich nicht gewusst hätte, dass du es bist." 

Lehre:
Teamarbeit • Ein jeder tue, was er besser kann, ein jeder nach seinem Vermögen.





Donnerstag, 10. September 2015

Die Zentrale • Novelle • Frei nach Kurt Tucholsky


Die Zentrale weiß alles besser. Die Zentrale hat die Übersicht, den Glauben an die Übersicht und eine Mediathek. In der Zentrale sind die Männer und Frauen mit unendlichem Stunk untereinander beschäftigt, aber sie klopfen dir auf die Schulter und sagen: "Lieber Freund, Sie können das von Ihrem Einzelposten nicht so beurteilen! Wir in der Zentrale ..."

Die Zentrale hat zunächst eine Hauptsorge: Zentrale zu bleiben. Gnade Gott dem untergeordneten Organ, das wagte, etwas selbständig zu tun! Ob es vernünftig war oder nicht, ob es nötig war oder nicht, ob es da gebrannt hat oder nicht -: erst muss die Zentrale gefragt werde. Wofür wäre sie denn sonst Zentrale! Dafür, dass sie Zentrale ist! merken Sie sich das. Mögen die draußen sehen, wie sie fertigwerden!

In der Zentrale sitzen nicht die Klugen, sondern die Schlauen. Wer nämlich seine kleine Arbeit macht, der mag klug sein - schlau ist er nicht. Denn wäre er's, er würde sich darum drücken, und hier gibt es nur ein Mittel: das ist der Reformvorschlag. Der Reformvorschlag führt zur Bildung einer neuen Abteilung, die - selbstverständlich - der Zentrale unterstellt, angegliedert, beigegeben wird... Einer hackt Holz, und dreiunddreißig stehen herum - die bilden die Zentrale.

Die Zentrale ist eine Einrichtung, die dazu dient, Ansätze von Energie und Tatkraft der Unterstellten zu deppen. Der Zentrale fällt nichts ein, und die andern müssen es ausführen. Die Zentrale ist eine Einrichtung, unfehlbarer als der Papst, sieht aber lange nicht so gut aus.

Der Mann der Praxis hat's demgemäß nicht leicht. Er schimpft furchtbar auf die Zentrale, zerreißt alle ihre Ukase (Verordnungen, Anweisungen, Erlasse, Befehle) in kleine Stücke und wischt sich damit die Augen aus. Dies getan, heiratet er die Tochter eines Obermimen, avanciert und rückt in die Zentrale auf, denn es ist ein Avancement, in die Mediathek zu kommen. Dortselbst angelangt, räuspert er sich, rückt an der Krawatte, zieht die Manschetten gerade und beginnt, zu regieren: als durchaus gotteingesetzte Zentrale, voll tiefer Verachtung für die einfachen Männer und Frauen der Praxis, tief im unendlichen Stunk mit den Zentral-Kollegen und Kolleginnen - so sitzt er da wie die Spinne im Netz, das die andern gebaut haben, verhindert gescheite Arbeit, gebietet unvernünftige und weiß alles besser.

(Diese Diagnose gilt für Kleinkinderbewahranstalten, Ministerien, Krankenkassen, Versicherungen, Verwaltungen, Banken und Medien aller Klassen, und ist selbstverständlich eine scherzhafte Übertreibung, die für einen Betrieb nicht zutrifft: für deinen.)







Dienstag, 8. September 2015

Der Geist des Salomo • Alles zu seiner Zeit • Fabel von Lessing

Ein ehrlicher Greis trug des Tages Last und Hitze, sein Feld mit eigener Hand zu pflügen und mit eigener Hand den reinen Samen in den lockern Schoß der willigen Erde zu streuen. 

Auf einmal stand unter dem breiten Schatten einer Linde eine göttliche Erscheinung vor ihm da! Der Greis stutzte. "Ich bin Salomo", sagte mit vertraulicher Stimme das Phantom. "Was machst du hier, Alter?"  

"Wenn du Salomo bist", versetzte der Alte, "wie kannst du fragen? Du schicktest mich in meiner Jugend zu der Ameise; ich sah ihren Wandel und lernte von ihr fleißig sein und sammeln. Was ich da lernte, das tue ich immer noch."

"Du hast deine Lektion nur halb gelernt", versetzte der Geist. "Geh noch einmal hin zur Ameise und lerne nun auch von ihr, in dem Winter deiner Jahre zu ruhen und des Gesammelten sich zu erfreuen." 







Samstag, 6. Juni 2015

Skulpturen im Herrschinger Kurpark • Ausstellung 2015


Zum 6. Mal findet in Herrsching am Ammersee im Kurpark die Ausstellung „Skulpturen im Park“ statt. 14 Künstler mit mehreren Werken zeigen ihre aktuellen Arbeiten. 

Die Diskussion über zeitgenössische Kunst sowie die Auseinandersetzung mit den Arbeiten der einzelnen Künstler sollen zu angeregten Gesprächen mit den Besuchern des Herrschinger Kurparks führen.








Montag, 11. Mai 2015

Die Grille und die Spinne • Unbeirrbarkeit • Fabel Scharrelmann

Ein Grille sah einer Spinne zu, die emsig beschäftigt war, ihr halb zerstörtes Netz wieder herzurichten. "Welch unnützer Eifer!" sagte die Grille. "Denn schon der nächste Windstoß wird dein Werk von neuem beschädigen, der nächste Regenguss es vielleicht völlig zerstören."

"Möglich", antwortete die Spinne. "Aber wenn wir jede Arbeit unterließen, nur weil wir wissen, dass unser Werk der Vergänglichkeit unterworfen ist - was meinst du, dass unser aller Schicksal wäre?" (Fabel von Wilhelm Scharrelmann)







Montag, 4. Mai 2015

Der Fuchs und die Statue • Bildung • Fabel von Aesop

Ein Fuchs betrachtete in der Werkstätte eines Bildhauers mit Entzücken verschiedene schöne Statuen. Besonders gefiel ihm eine derselben wegen ihrer vorzüglichen Arbeit und Schönheit. Er untersuchte sie endlich näher und bemerkte nicht das geringste Zeichen von Leben oder Verstand. "Oh!" rief er aus, "wie schade ist, dass ein so schöner Kopf kein Gehirn hat!" 




Die Bildung des Geistes gibt erst 
der Schönheit des Körpers einen Wert.






Montag, 16. März 2015

Ameise und Mistkäfer • Fabelvariation nach Aesop

Im Sommer streifte die Ameise auf dem Land umher und sammelte Weizen und Gerste, um Futter für den Winter aufzuspeichern. Als das der Mistkäfer sah, beklagte er sie, dass sie sich solche Arbeit mache: Gerade in der Jahreszeit, in der die anderen Tiere es sich leicht machten bei der Arbeit und sich erholten, schufte sie sich ab. Die Ameise sagte für den Augenblick nichts, später aber, als der Winter kam und der Mist von den Regengüssen weggeschwemmt war, kam der Käfer zu ihr, hungrig und um Nahrung bettelnd. Da sagte sie zu ihm: "Lieber Mistkäfer, wenn du damals gearbeitet hättest, als ich mir Mühe gab und du mich beschimpftest, würde es dir jetzt nicht an Nahrung fehlen. " 

So geht es denen, die sich im Glück nicht um die Zukunft kümmern: wenn sich die Verhältnisse ändern, kommen sie in Not. 







Mittwoch, 11. März 2015

Vom Großkhan und dem Asketen • Novelle aus dem Maghreb

Der Großkhan hatte befohlen, alle Bücher seines Reiches zusammenzutragen. Es waren zwanzigtausend Kamellasten. Als der Großkhan diesen ungeheuren Berg von Wälzern sah, gab er seinen Gelehrten den Auftrag, alle Weisheit, die in ihnen enthalten wäre, in einem Buche aufzuzeichnen. Die Gelehrten machten sich an die Arbeit, und eines Tages traten sie vor den Großkhan und überreichten ihm das Buch. Der Großkhan wog das Buch in seiner Hand und befahl den Gelehrten, alle Weisheit dieses Buches in einen Satz zu fassen. Die Gelehrten machten sich an die Arbeit, aber soviel sie auch von ihrer Weisheit und Gelehrsamkeit darauf verwendeten, sie mussten verzweifeln. Sie bekannten es dem Großkhan, und er ließ sie alle hinrichten. Darauf befahl er, in allen Provinzen, Städten, Marktflecken, Konaks und Jurten seines Landes bekanntzumachen, dass er jeden Schriftgelehrten töten lassen werde, bis nicht einer von ihnen imstande wäre, ihm den Satz zu sagen - einen Satz nämlich, der eine Weisheit enthalte, welche zu allen Zeiten und bei jeglicher Gelegenheit, in allen Umständen und Wechselfälle des Lebens die größte Einsicht und weiseste Tröstung enthalte. Jahre vergingen, und die Schriftgelehrten starben wie die Stallfliegen bei Frost. Davon hörte ein Asket, der in der Einsamkeit auf einer Säule lebte, und er stieg nieder von seiner Säule und begab sich vor den Herrn der Erde. "Weißt du den Satz", fragte ihn der Großkhan, "in dem alle Weisheit dieser Erde enthalten ist, so dass sie bei jeglicher Gelegenheit und immer, unter allen Umständen und Wechselfällen des Lebens die tiefste Einsicht und tröstlichste der Tröstungen ist?" "Ich weiß ihn", erwiderte der Asket. "So sage ihn!" befahl der Großkhan. Darauf antwortete der Asket: "Auch dieses wird vergehen."





Donnerstag, 19. Februar 2015

Der Hahn und die Mägde | Irrtum | Fabel von Aesop

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Es war einmal eine Witwe, die sehr auf Arbeit aus war. Sie weckte ihre Mägde stets schon, wenn der erste Hahnenschrei ertönte, und trieb sie an, mit ihrem Tagewerk zu beginnen. Endlich waren diese der ewigen Plage satt, und weil sie meinten, der Haushahn sei an ihrem Ungemach schuld, da er ihre Herrin immer schon in der Nacht aufweckte, beschlossen sie ihn umzubringen. Sobald dies aber geschehen war, wurde es weit ärger. Denn weil ihre Herrin nun den Hahn nicht mehr krähen hörte, weckte sie die Mägde noch viel tiefer in der Nacht zur Arbeit auf. 





Freitag, 23. Januar 2015

Der Esel auf Probe | Gesellschaft | Fabel von Aesop

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Ein Mann kaufte einen Esel, aber nicht gleich endgültig, sondern machte mit dem Verkäufer eine Probezeit aus. 

Als er mit dem Esel in seinen Hof kam, wo schon mehrere Esel teils bei der Arbeit, teils bei der Abfütterung waren, ließ er ihn frei. Sogleich trottete der neue zu dem faulsten und gefräßigsten  Gefährten und stelle sich zu ihm an die Futterkrippe. 

Da legte ihm der Mann den Strick wieder um den Hals und brachte ihn dem bisherigen Besitzer zurück. "So schnell kannst du ihn doch gar nicht erprobt haben", wunderte sich der. "Oh, mir genügt, was ich gesehen und erfahren habe. Nach der Gesellschaft, die er sich ausgesucht hat, ist er ein übler Bursche!" 

Lehre: 
Gleich und gleich gesellt sich gern.






Mittwoch, 25. Juli 2012

Utopia gestern und heute | Betrachtung von Thomas Morus


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Wenn ich daher alle die Staaten, welche heutzutage in Blüte stehen, durchnehme und betrachte, so sehe ich, so wahr mir Gott helfe, in ihnen nichts Anderes, als eine Art Verschwörung der Reichen, die unter dem Deckmantel und Vorwand des Staatsinteresses lediglich für ihren eigenen Vorteil sorgen, und sie denken alle möglichen Arten, Weisen und Kniffe aus, wie sie das, was sie mit üblen Künsten zusammen gerafft haben, erstens ohne Furcht es zu verlieren, behalten, sodann wie sie die Arbeit aller Armen um so wenig Entgelt als möglich sich verschaffen mögen, um sie auszunutzen.

Diese Anschläge, welche die Reichen im Namen der Gesamtheit, als auch der Armen aufgestellt und durchzuführen beschlossen haben, wurden dann zu Gesetzen erhoben. Thomas Morus (1478-1535) - Utopia






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