Aventin Blog: Balmung
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Freitag, 26. Juni 2015

Nibelungen Sage 3/28 | Wie Siegfried den Hengst Grani, das Schwert Balmung und den Nibelungenhort gewann


Nur mühsam verbarg Mime sein Erschrecken, als er Siegfried wohlbehalten wieder in die Schmiede treten sah. Jetzt musste er für seinen hinterhältigen Mordplan büßen! Angst im Herzen, bot er dem Eintretenden einen freundlichen Gruß, doch Siegfried blickte ihn verächtlich an und sagte: "Der Drache liegt im Waldtal unter der Linde erschlagen, und ich selbst will keine Stunde länger unter einem Dach blieben, wo böse Gedanken und falsche Worte wohnen!"

Das war dem Schmied eine Freudenbotschaft, und eiligst brachte er eine funkelnde Brünne, einen Helm und einen Schild herbei: "Dies schenke ich dir zum Abschied! Nie hat ein Held herrlichere Wehr getragen, und ich weiß dir auch ein Ross, wie es kein zweites in der Welt gibt. Unten am Rhein in der Herde auf den Uferwiesen weidet es, grau von Farbe wie Wotans Hengst und schnell wie der Falke in der Luft. Es wird dich zu Kampf und Sieg tragen!"

Siegfried legte die Rüstung an und gürtete sein gutes Schwert um, Gram hatte er es genannt. Dann machte er sich auf zu den Uferwiesen. 

Unterwegs begegnete ihm ein Wanderer, ein großer alter Mann mit greisem Bart. Der fragte nach Weg und Ziel, und Siegfried antwortete: "Ein Ross will ich mir holen auf den Weiden am Strom." - "Folge mir", sagte der Alte und schritt kräftig voran.

Am grünen Saum des Flusses fanden sie eine Koppel edler Pferde. Mähnen und Schweife standen wie Fahnen im Wind, wenn sie in übermütigem Spiel dahinjagten. Auf den Rat des Alten trieb Siegfried die Herde in den Strom. Doch nur ein einziges Tier, ein grauer Hengst, vermochte sich gegen den reißenden Wogengang in der Mitte des Flusses zu halten, die übrigen wendeten bald schon zum Ufer zurück. Der Hengst kam erst an Land, als Siegfrieds Begleiter ihm zurief.

"Nimm ihn", sagte der Alte mit dunkler Stimme, "sein Name ist Grani, er stammt von Sleipnir, Wotans Ross, und ist noch nie unter einem Reiter gegangen. Bis ans Ende der Welt wird er dich tragen, und kein Ross vermag ihn einzuholen."

Als Siegfried aufblickte, war der Alte verschwunden. Da bestieg er den Hengst Grani und ritt zu neuen Abenteuern in die Welt.

Er ritt gegen Norden, Tag für Tag, und kam endlich in das Reich der dunklen Waldberge, in das Land der Nibelungen. Das waren reiche und kunstfertige Zwerge, die in tiefen Berghöhlen und verborgenem Geklüft wohnten und zwölf starke Riesen in ihrem Dienst hatten. Einen unermesslichen Schatz an Gold und Silber und edlem Gestein hatten sie unter der Erde aufgehäuft: den Nibelungenhort, und Alberich, der listigste der Zwerge, war sein Hüter.

Als Siegfried in den Waldbergen anlangte, war eben der alte Zwergenkönig gestorben, und seine beiden Söhne Schilbung und Nibelung hatten beschlossen, den Hort unter sich zu teilen. Sie ließen ihn aus den unterirdischen Schatzkammern heraustragen, und da wuchs es höher und höher: ein Berg von goldenem Geschmeide und Gerät, von Silber und Waffen und Edelgestein, und dies alles funkelte und blitzte in der Sonne, dass das Auge fast geblendet wurde. Hundert Wagen hätten nicht gereicht, den Wunderhort fortzuschaffen.

Doch Schilbung und Nibelung konnten nicht einig werden über die Verteilung des Schatzes, so tief saß die Habgier in ihrem Herzen. Jeder fürchtete, der andere könne eine Handvoll Gold oder ein paar silberne Spangen mehr bekommen, und so baten sie Siegfried, Richter zu sein in ihrem Streit und den Hort gerecht zu teilen. Als Lohn boten sie ihm im voraus das Schwert Balmung, das ihr Vater getragen und das nicht seinesgleichen hatte unter den Waffen der Männer.

Siegfried nahm das angetragene Amt an und schied den Schatz redlich in zwei gleiche Hälften. Aber er machte es den beiden Brüdern, die mit gierigen Blicken einer des andern Schätze maßen, nicht zu Dank, und sie forderten ihn auf, nochmals zu teilen, jeder in der Hoffnung, den eigenen Anteil zu mehren. Doch Siegfried durchschaute ihre Absicht und lehnte solches Ansinnen ab. Da riefen die tückischen Zwergenfürsten ihre Riesen herbei. Mit gewaltigen Eisenstangen stürmten die ungeschlachten Gesellen tobend heran. Aber Siegfried wich keinen Schritt zurück. Das Schwert Balmung fuhr blitzend aus der Scheide, und jeder Streich mähte das Haupt eines Riesen auf den Plan, bis alle zwölf leblos in ihrem Blute lagen.

Noch wilder entbrannte darob der Grimm der Zwergenkönige. Siebenhundert Recken, die ebenfalls in ihrem Dienste standen, boten sie nun gegen Siegfried auf, und aufs neue hub der Kampf an. Unverwundbar in seinem Hornpanzer stand Siegfried da und ließ den Balmung kreisen. Die Siebenhundert fielen bis auf den letzten Mann, und dann mussten auch Schilbung und Nibelung ihre verräterische Tücke mit dem Leben büßen. Das Volk der Zwerge aber erkannte Siegfried nun als seinen König an und gab ihm den Hort zu eigen. 

Nur Alberich, der Hüter des Schatzes, sann auf Rache für den Tod seiner beiden Herren. Er besaß eine Tarnkappe, die war von wunderbarer Macht. Wer sie aufsetzte, der wurde unsichtbar und gewann die Kraft von zwölf Männern, auch war er geschützt gegen Hieb und Stich, und kein Ohr vermochte ihn zu hören.

Im Schutz dieser Tarnkappe fiel er über Siegfried her und umklammerte mit Zwölfmännerkraft seinen Hals. Vergebens zog Siegfried das Schwert und hieb verzweifelt um sich. Fester und fester würgten ihn die unsichtbaren gewaltigen Hände. Da endlich gelang es ihm mit letzter Anstrengung, dem Zwerg die Tarnkappe abzureißen, und nun fiel dieser ihm zu Füßen und bat flehentlich um sein Leben.

Siegfried gewährte ihm Schonung, doch behielt er die Tarnkappe zu eigen und ließ sich von Alberich unverbrüchliche Treue geloben. Dann hieß er die Zwerge den Hort wieder in die Tiefe des Berges schaffen und setzte Alberich aus neue zu seinem Hüter ein.

Niemand machte ihm nunmehr die Herrschaft über das Nibelungenland streitig, und bis an sein Ende hätte er dort als König die Krone tragen können, wenn nicht das Verlangen nach der Heimat über ihn gekommen wäre. So nahm er eines Tages Abschied von den Zwergen und verließ die dunklen Waldberge. Er wandte sein treues Ross Grani dem Rhein zu, und froher Jubel grüßte bald in der väterlichen Burg zu Xanten den heimkehrenden jungen Helden, den Drachenbezwinger und Herrn des unermesslichen Hortes der Nibelungen.







Sonntag, 7. Juni 2015

Nibelungen Sage 22/28 | Wie Hagen und Volker Schildwacht hielten


Als der Berner mit seinen Mannen den Hof der Königsburg verlassen hatte, suchten Hagen und Volker eine Steinbank auf, die den Gemächern der Königin gegenüber stand. Dort setzten sie sich nieder, und die Hunnen umdrängten die beiden, als wären sie seltene Tiere aus fernen Ländern. Auch Kriemhild bemerkte vom Fenster aus den Tronjer und den Spielmann auf der Bank, und Tränen kamen ihr in die Augen. "Hat jemand Euch betrübt, Herrin?" fragten die Ritter ihres Gefolges. "Wer es auch sein mag, wir rächen Euer Leid mit seinem Tod!"

"Da unten sitzt er, der Tronjer, der Siegfried meuchlings erschlug", klagte sie, "wer mir die Meintat mit dem Blut des Mörders vergilt, dem werde ich auf den Knien danken, und königlich soll sein Lohn sein!"

Da waffneten sich sechzig Recken zum Kampf mit Hagen und Volker. Kriemhild aber hielt sie zurück. Zu wenige schienen es ihr, um die beiden grimmen Kämpen zu bestehen. Vierhundert Hunnen legten darauf ihre Rüstungen an, und an der Spitze dieser reisigen Schar schritt Kriemhild selbst, die Krone auf dem Haupt, in den Burghof hinab. Noch einmal wollte sie aus dem Munde Hagens das Geständnis seiner Schuld vernehmen, ehe der Tod ihn ereilten sollte.

Volker erblickte sie zuerst. "Da kommt sie, die uns treulos in dieses Land geladen hat, mit ihren Schwertdegen, und Euch gilt es wohl, Herr Hagen", sagte er. "Das weiß ich gewiss, dass sie es auf mich abgesehen hat", erwiderte der Tronjer, "aber wenn Ihr mir zur Seite steht, Freund Volker, werden sie vergeblich gegen uns anrennen." -- An meiner Hilfe soll es nicht fehlen, und käme Etzel selbst an der Spitze seines ganzen Heeres", versicherte der Spielmann. -- "Das lohne Euch Gott, vieledler Volker", dankte ihm der Tronjer, "nichts weiter ist mir not. Mögen sie sich jetzt nur heranwagen, die Hunnenrecken!"

Als Kriemhild näher kam, wollte Volker sich von seinem Sitz erheben, aber Hagen wehrte es ihm: "Nein Freund Volker! Die Hunnen möchten glauben, wir sollten uns furchtsam davonmachen, und der Königin, unserer Todfeindin, wollen wir nicht die Ehre antun, sie nach Rittersitte zu grüßen."

Breit legte er sein Schwert über die Knie. Es war vordem Siegfrieds Schwert gewesen, Balmung hieß es. Kriemhild erkannte es an dem grünen Edelstein, der als Knauf auf dem goldenen Griff saß, und an der rotverzierten Scheide, und wieder kamen ihr die Tränen. Auch Volker griff nach seiner Waffe. Sie lag ihm ebensogut in der Hand wie der Fiedelbogen.

Feindselig blickte die Königin den Tronjer an: "Euer böser Geist hat Euch geraten, in dieses Land zu reiten nach allem, was Ihr mir angetan habt. Niemand hat Euch geladen." -- "Meine Herren sind hierhin geladen", entgegnete Hagen, "und wo sie sind, da bin auch ich."

"Weshalb ich Euch hasse, das wisst Ihr wohl, Herr Hagen von Tronje" fuhr Kriemhild fort, "Siegfried, meinen Mann, habt Ihr gemordet, oder wollt Ihr das leugnen?" -- "Nichts leugne ich", gab Hagen zurück, "ja, ich war es, der Siegfried im Odenwald erschlug. Er musste es entgelten, dass Frau Kriemhild meine Herrin Brunhild beleidigte, und nun räche es, wer da kann!"

"Ihr habt es gehört, ihr Recken", wandte Kriemhild sich an ihre Mannen, "nun ist es an euch, ihm mit dem Schwert zu antworten!" Aber die Hunnen sahen einander mit ängstlichen Blicken an. Sie dachten an die Taten, die vor Zeiten schon der junge Hagen in Etzels Dienst vollbracht hatte, und jetzt saß da ein Mann, ein gewaltiger Recke mit Siegfrieds Schwert, und neben ihm Volker, der kühne Spielmann. Und hätte die Königin Säle voll Gold geboten, niemand fand sich da bereit, in den sicheren Tod zu gehen. Wie Kriemhild auch bat und flehte, einer nach dem anderen wandte sich ab und kehrte in den Palast zurück.

Da gingen die beiden Burgunden wieder zu Gunther und den Seinen, die immer noch wartend im Burghof standen, und Volker forderte sie auf, König Etzels Saal zu betreten. Der Hunnenkönig erhob sich von seinem Sitz, als die Burgundenfürsten mit ihren Begleitern nahten, und grüßte sie mit herzlicher Freude: "Nichts Lieberes konnte mir geschehen, als dass ich so tapfere Recken hier im Hunnenland sehe. Auch die Königin wird euch Dank wissen für euer Kommen." In goldnen Schalen wurde den Gästen Wein gereicht, und in reicher Fülle trugen die Diener köstliche Speisen zu den Tischen. So saßen die Recken vom Rhein mit den Hunnen einträchtig zusammen bis zum Abend.

Den Burgundenfürsten und ihren Rittern war in der Königsburg selbst Herberge bereitet in einem großen Saal, den Etzel für Gäste hatte erbauen lassen. Die Knechte aber wurden auf Kriemhilds Rat außerhalb des Burgbereichs untergebracht, und König Gunther gab ihnen Dankwart als Führer und Schützer mit.

Als die Nacht anbrach, erhoben sich die wegmüden Recken, um ihre Herberge aufzusuchen. Wohlgemut entließ König Etzel sie, aber als sie aus dem Saal kamen, drängten die Hunnen so dicht heran, dass Volker ihnen eiserne Fiedelschläge androhte, wenn sie den Weg nicht freigäben, und Hagen rief: "Gebt uns jetzt Nachtruhe, ihr Hunnenmänner! Morgen in der Frühe sind wir zu allem bereit!"

Der Saal war mit Betten und Decken aufs reichste ausgestattet, aber eine Ahnung kommenden Unheils erfasste Giselher, als er in den weiten Raum eintrat. "Wie prächtig auch die Herberge ist", rief er aus, "ich fürchte, meine Schwester sinnt uns allen Verderben."

"Legt Euch ohne Sorgen zur Ruhe", sprach Hagen ihm zu, "ich will diese Nacht Schildwacht halten und getraue mir wohl, euch zu behüten bis an den Morgen."

Alle sagten ihm Dank, und er nahm Schwert und Schild zur Hand, wie es auf Schildwacht Brauch ist. Da trat Volker zu ihm und bat: "Lasst mich diese Nacht mit Euch wachen, Freund Hagen!"

Was konnte dem Tronjer lieber sein! In Waffen gingen die beiden vor den Saal, um die Nachtruhe der Burgunden zu hüten. Volker aber tat seinen Gefährten noch einen weiteren Liebesdienst. Er lehnte den Schild an die Wand und griff nach seiner Fiedel. Auf der Treppe sitzend, strich er die Saiten, dass die Töne voll und mächtig in den Saal drangen. Sanfter und lieblicher wurde dann sein Spiel, bis auch dem Letzten da drinnen die sorgenvollen Gedanken vergingen und der Schlummer kam. Da nahm er wieder den Schild zur Hand und trat auf seinen Platz an Hagens Seite.

Mitten in der Nacht sah er plötzlich in der Ferne Helme im Sternenlicht glänzen. Eine Hunnenschar schlich heran, die Kriemhild ausgesandt hatte, den schlafenden Hagen zu töten. Abermals schlug der Plan fehl. Einer der Hunnen entdeckte die Schildwachen an der Tür und erkannte den Tronjer und den schwertmächtigen Fiedler. Da machten sie sich sogleich verstohlen davon. Volker rief ihnen noch nach: "Im Dunkel schleicht ihr heran, um uns im Schlaf zu morden! Feige Bösewichter seid ihr, aber keine Recken!"

Keine Antwort kam aus der Nacht. Kriemhild aber erfuhr noch vor Tagesanbruch, dass auch dieser zweite Anschlag misslungen war.







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