Aventin Blog: Dänen
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Mittwoch, 24. Juni 2015

Nibelungen Sage 5/28 | Wie Siegfried mit den Sachsen und Dänen stritt


Eines Tages ritten Boten des Sachsenkönigs Lüdeger und des Königs Lüdegast vom Dänenland in Worms ein und sagten den Burgunden Krieg an. Binnen zwölf Wochen wollten die feindlichen Könige mit Heeresmacht am Rhein sein und die Burgen brechen, falls die Burgunden nicht bereit seinen, um Frieden zu verhandeln. Voll Sorge berief Gunther seine Brüder und seine Getreuen zur Beratung. Gernot war sogleich für den Kampf: die Ehre lasse keine andere Wahl. Hagen dagegen mahnte zur Vorsicht: "Wir können in so kurzer Zeit nicht unser ganzes Aufgebot an den Feind bringen. Deshalb schlage ich vor, uns die Hilfe Siegfrieds zu sichern, ehe wir den Boten eine Antwort geben."

Siegfried ließ sich nicht zweimal bitten. Er reichte Gunther die Hand: "Gebt mir nur tausend Mann, dann wird es keinem Feind gelingen, Euer Land zu verheeren, und rückte er auch mit dreißigtausend Gewappneten heran!"

Da dankte ihm Gunther frohen Herzens und entließ die fremden Boten mit der Antwort: "Wir sind bereit, die beiden Könige mit Waffen zu empfangen, falls ihnen die Heerfahrt ins Burgundenland nicht noch leid werden sollte!"

Nach Rückkehr der Boten zogen Lüdeger und Lüdegast sogleich mit vierzigtausend Mann zu Felde. Doch auch die Burgunden säumten nicht. Siegfried und Hagen führten ihre Kampfschar über den Rhein, und Volker, der kühne Spielmann, trug die Fahne. Gunther aber blieb auf Siegfrieds Rat daheim in Worms.

Das gab ein rasches Reiten durch den Hessengau bis an die Grenze des Sachsenlandes. Dort ließ Siegfried die Streitmacht in der Obhut Hagens und Gernots zurück und ritt allein auf Kundschaft in die feindliche Mark. Bald traf er auf einen Späher, der dem Heer der Gegner voraus ritt. Einen goldenen Schild trug er an der Linken. Es war Lüdegast, der Dänenkönig.

Kaum hatten die Helden einander erblickt, so spornten sie die Rosse zu ritterlichem Kampf. Die Lanzen zerspellten an den Schilden, aber keiner wankte im Sattel. Nun zogen sie die Schwerter, und dicht stoben die roten Funken aus Helmen und Schilden. So tapfer Lüdegast auch stritt, Siegfried schlug ihm drei tiefen Wunden, und besiegt gab sich der Dänenkönig schließlich in Siegfrieds Hand. Auch dreißig Dänenrecken, die ihm zur Hilfe heransprengten, vermochten sein Los nicht zu wenden. Mann für Mann fielen sie bis auf einen; den ließ Siegfried entkommen, dass er mit zerhauenem und blutigem Helm die schlimme Kunde ins Dänenlager bringen konnte.

Lauter Jubel erhob sich, als Siegfried mit dem gefangenen Dänenkönig bei den Burgunden eintraf. Sogleich wurde der Aufbruch befohlen, und hochgemut trug Volker die Heerfahne voran. Nicht lange brauchten sie zu reiten, da hatten sie vor sich die reisigen Scharen der Sachsen und Dänen. Die Schlacht hub an. Lanzen und Schwerter machten sich an ihr blutiges Werk. Waren die Burgunden auch an Zahl weit unterlegen, Hagen und Volker, Gernot und Ortwin und Dankwart ließen sich nicht schrecken. Durch das wildeste Kampfgetümmel brachen sie sich mit schmetternden Schwerthieben Bahn. Am weitesten aber drang Siegfried mit seinen zwölf Getreuen vor, dorthin, wo Lüdeger, der Sachsenkönig, unter den Seinen hielt. Der stritt ingrimmig, um den Waffenbruder aus dem Nordlande zu rächen; als er aber das Wappenzeichen auf Siegfrieds Schild erkannte, gebot er dem Kampf Einhalt und ließ die Fahne senken: gegen einen solchen Gegner vermochte niemand aufzukommen.

Der Friede wurde den Sachsen und Dänen gewährt, aber die beiden Könige und fünfhundert Mann mussten den Burgunden als Gefangene an den Rhein folgen. Siegesboten eilten dem heimkehrenden Heer voraus. Gernot hatte sie abgesandt, den stolzen Ausgang des Heerzuges in Worms zu melden. Einen von ihnen ließ Kriemhild heimlich zu sich kommen, und sie vernahm, dass Siegfried am herrlichsten von allen gestritten und mit eigener Hand die beiden Könige bezwungen hatte. Mit reichen Geschenken entließ sie den Boten, ihre Freude verschloss sie tief im Herzen. 

Eine frohe Menge säumte die Straßen, als die Sieger mit ihren Gefangenen in Worms einzogen. Auch mancher Kampfverwundete war dabei, und manches Schwert war schartig, mancher Helm und Schild zerhauen. König Gunther bot seinen Getreuen Willkommen und Dank, auch die beiden Könige grüßte er und reichte ihnen die Hand. Frei durften sie umher gehen, nachdem sie gelobt hatten, nicht heimlich aus dem Burgundenland zu entweichen.

Nach sechs Wochen aber sollte vor den Toren der Stadt am Rheinstrand ein Siegesfest gefeiert werden. So hatte König Gunther auf Gernots Vorschlag hin beschlossen. Manch kampfmüder Recke nahm Urlaub bis zu diesem Tag, um daheim seine Wunden zu pflegen. Auch Siegfried kam das Verlangen an, nach Hause zu ziehen, und selbst Gunthers inständige Bitten hätten nicht vermocht, ihn zu halten, wäre nicht der Gedanke an Kriemhild, die Holdselige, gewesen. So blieb er denn mit seinen Gefährten in Worms.





Freitag, 5. Juni 2015

Nibelungen Sage 24/28 | Wie die Burgunden mit den Hunnen im Saal stritten


Das Schwert in der Hand und die Brünne mit Blut überronnen, trat Dankwart in die Tür und rief seinem Bruder Hagen zu: "Wie sitzt du so ruhig da? Gott vom Himmel sei es geklagt: all unsere Knechte liegen tot in der Herberge, erschlagen von den Hunnen!"

"Dann ist jetzt unsere Stunde da!" rief Hagen zurück und sprang auf. "Hüte die Tür, Bruder Dankwart, und lass keinen Hunnen aus dem Saal!" Und schon fuhr das Schwert des grimmigen Tronjers aus der Scheide. Sein erstes Opfer wurde Ortlieb, das Söhnchen Etzels und Kriemhilds, das eben an den Tischen herumgetragen wurde. Dann streckte er den Wärter des Knaben nieder, und mit einem dritten Streich schlug er dem Spielmann Werbel die rechte Hand ab: "Das hast du für die Botschaft, die du uns ins Burgundenland brachtest!"

Nun war kein Halten mehr. Volker sprang auf und stürzte sich in das Getümmel, und als die Burgundenfürsten sahen, dass Streit nicht mehr zu schlichten war, zogen auch sie die Schwerter und griffen in den Kampf ein. Allen voran drang Giselher auf die Hunnen ein, und schrecklich dröhnte der Kampflärm durch den Saal. Besonders an der Tür, wo Dankwart stand, ging es heiß her. Von draußen und von drinnen warfen sich die Hunnen gegen den kühnen Torhüter, um den Ausgang freizumachen, aber Volker eilte ihm zur Hilfe, und nun schirmten die beiden den Saal besser, als es tausend eiserne Riegel vermocht hätten.

In ihrer Not flehte Kriemhild den Gotenkönig an: "Hilf uns, edler Fürst von Bern! Wenn Hagen mich erreicht, ist es um mich geschehen. Hilf mir und dem König aus dem Saal!" Da stieg der Berner auf einen Tisch und ließ seine Stimme mächtig wie den Klang eines Büffelhornes über die Streitenden hin erschallen. Sogleich senkte König Gunther das Schwert, und die Burgunden folgten seinem Beispiel. Der Kampflärm verstummte, und in die Stille hinein rief Dietrich: "Gebt mir und den Meinen Frieden, ihr Recken vom Rhein, und lasst uns ungefährdet aus dem Saal gehen!"

Dazu erklärte König Gunther sich sogleich bereit: "In Frieden mögt Ihr, edler Herr von Bern, den Saal verlassen und alle mitnehmen, die unter eurem Schutz stehen. Nur die Hunnen, unsere Feinde, müssen bleiben!" Da nahm Dietrich Kriemhild und den König Etzel bei der Hand und führte sie mit seinen Amelungenrecken davon. Ihnen durfte sich auch Markgraf Rüdiger mit seinen Mannen anschließen. Als dem Vater Dietlindes und treuen Freund der Burgunden gewährte der junge Giselher ihm freien Abzug. Im Saal aber entbrannte nun der Kampf aufs neue, und nicht eher ruhten die Waffen, als bis der letzte Hunne erschlagen lag. Doch neuen Angriff befürchtend, riet Gieselher seinen Gefährten, die Toten beiseite zu schaffen, und so warfen sie denn die Leichen die Stiege hinunter vor den Saal.

Dann traten Hagen und Volker vor die Tür, und auf ihre Schilde gelehnt, höhnten sie übermütig die Hunnen. Volker warf einen Speer nach ihnen, dass sie erschreckt zurückwichen, und Hagen verspottete Etzel als Feigling. Ein schlechtes Beispiel habe er gegeben und nicht wie die Burgundenfürsten an der Spitze seiner Mannen gefochten.

Da fasste Etzel seinen Schild und wollte den Tronjer angehen, aber Kriemhild hielt ihn zurück und rief: "Wer mir Hagens Haupt bringt, dem fülle ich des Königs Schild mit rotem Gold, und dazu soll er noch Land haben und reiche Burgen!" Doch vergebens bat sie. Keiner der Hunnen, die um König Etzel standen, wagte es, die grimmigen Recken an der Tür des Saales anzugreifen, und von neuem spottete Volker über hunnische Feigheit: "Das Brot ihres Herrn essen sie Tag für Tag, aber in der Not steht niemand ihm bei!"

Auch dieser Vorwurf blieb ohne Wirkung auf die Mannen Etzels. Da waffnete sich der Markgraf Iring vom Dänenland und trat zum Kampf gegen Hagen an. Seinen Dänen voraus stürmte er gegen den Saal, schoss die Lanze auf Hagens Schild, dass sie splitternd brach, und griff dann gleichzeitig mit dem Tronjer zum Schwert. Dröhnend hallten die Schläge der beiden Kämpen gegen die Mauern des Saales, aber Hagen stand unerschütterlich wie ein Turm. Da lief Iring den Spielmann an, darauf Gunther und Gernot, und immer wieder sprühten die Funken aus Helmen und Panzerringen, ohne dass dem tapferen Dänen ein tödlicher Streich gelang. Schließlich wandte er sich gegen Giselher, und da war es der junge Burgundenheld, der dem Kühnen eine tiefe Wunde schlug, dass er strauchelte und niedersank. Doch mit letzter Kraft sprang er wieder auf, drang abermals auf Hagen ein und traf ihn mit seinem Schwert Waske durch den Helm, dass das Blut hervorschoss.

Wie grimmig verhalt der Tronjer ihm diesen Hieb! Mit gewaltigen Schwertschlägen, die rote Funken aus Schild und Helm stieben ließen, trieb er den Dänen die Stiege hinab und seinen Mannen zu, die bei Kriemhild standen. Die Königin selbst, voll Freude darüber, dass Hagens Streitgewand von Blut gerötet war, nahm dem Tapferen den Schild von der Hand, und dieser band sich zur Kühlung den Helm ab. Bald aber war er von neuem gewaffnet und lief wieder gegen Hagen an.

Doch nun wandte sich das Kampfglück gegen den heldenmütigen Iring. Ein mächtiger Schwerthieb traf ihn durch den Helm, und ehe er den Schild zur Deckung heben konnte, saß Hagens Speer, mit voller Wucht geschleudert, ihm im Haupt, dass der Schaft weit herausragte. Todwund brach der Dänenfürst zusammen.

Laute Klage erhob sich nun unter seinen Mannen. Auch Kriemhild jammerte um den Helden, der von Hagens Hand gefallen war. Noch einmal schlug der Sterbende die Augen auf und mahnte seine Gefährten, um des Goldes der Königin willen nicht ihr Leben einzusetzen. Doch seine Worte waren vergeblich. Ihren toten Herrn zu rächen, stürmten die Dänen gegen den Saal. Sie fielen bis auf den letzten Mann, und mit ihnen gingen in den Tod ihre treuen Waffenbrüder, die Thüringer, unter der Führung des kühnen Irnfried.







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