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Freitag, 12. Juni 2015

Nibelungen Sage 17/28 | Wie Kriemhild ins Hunnenland fuhr


Kriemhild rüstete nun zu der weiten Reise ins Hunnenland. In ihren Truhen hatte sie noch einen Rest des Nibelungengoldes. Diesen Schatz  wollte sie mitnehmen, um den Hunnen davon zu spenden. Aber auch dieses letzte Gold nahm ihr Hagen, da er argwöhnte, sie wolle ihm zum Schaden mit freigebiger Hand Anhänger werben in der neuen Heimat. Wieder begehrte sie voll Unmut auf, doch Rüdiger tröstete sie heiteren Sinnes: "Weshalb klagt Ihr, edle Herrin, um Eure Schatztruhen? Bei König Etzel findet Ihr so viel Gold, dass Ihr Euer ganzes Leben lang mit vollen Händen davon austeilen könnt."

Ehe Kriemhild aus der Heimat schied, ließ sie noch Seelenmessen lesen für Siegfried. Dann brach sie auf mit Rüdiger und dem getreuen Markgrafen Eckewart, der seit langem in ihren Diensten stand und sich nun erboten hatte, ihr mit fünfhundert Recken ins Hunnenland zu folgen. König Gunther geleitete die scheidende Schwester bis vor die Stadt, Gernot und Giselher aber ritten mit stattlichem Gefolge mit bis zur Donau. Schnelle Boten eilten voraus, um dem König Etzel die frohe Kunde vom Nahen Kriemhilds zu bringen. 

An der Donau kehrten die Brüder um. "Was immer kommen mag, liebe Schwester, meiner Hilfe kannst du stets gewiss sein", versprach Giselher, als er Kriemhild zum Abschied küsste. Durch das Bayernland ging nun die Reise nach Passau, wo Bischof Pilgrim, Frau Utes Bruder, die Gäste freundlich aufnahm, und von dort weiter gen Bechlaren, Rüdigers feste Burg. Mit herzlicher Freude empfingen Frau Gotelind und ihre Tochter Dietlinde die neue Herrin, und frohe Stunden verlebten sie miteinander im festlichen Saal, an dem unten die Donau mächtig vorbeiströmte. Gerne wäre Kriemhild noch länger in Bechlaren geblieben. Zwölf goldene Armspangen schenkte sie zum Abschied der lieblichen Dietlinde, die ihr Herz gewonnen hatte. 

Mit königlichem Gefolge hatte Etzel sich sogleich aufgemacht, als Rüdigers Boten bei ihm eintrafen. Vierundzwanzig Fürsten, darunter sein Bruder Blödel, der kühne Hawart und der schnelle Iring vom Dänenland, Irnfried von Thüringen und der ruhmreiche Dietrich von Bern, und noch Tausende von glänzenden Recken ritten mit ihm, um der neuen Königin zu huldigen. 

Bei Tulln im Donautal trafen sie auf Kriemhild und ihr Geleit. Etzel stieg vom Pferd und grüßte mit edlem Anstand die schöne Braut. Auch die Fürsten kamen zur Begrüßung herbei und empfingen den Dank Kriemhilds. Dann wurden Zelte zur Rast aufgeschlagen und ritterliche Kampfspiele ausgetragen, denen die Frauen zuschauten. Vor allen andern zeichneten sich dabei die jungen Recken des Bernes aus. 

Am nächsten Tag ging es weiter nach Wien, und dort wurde mit königlicher Pracht die Hochzeit des Hunnenkönigs und der Burgundenfürstin gefeiert. Pfingsten begann das Fest, und siebzehn Tage lang dauerte es. Ritterspiele und Lustbarkeiten aller Art folgten einander in buntem Reigen, und nie gab es reichere Geschenke für die Gäste und die Spielleute. Nicht nur Etzel und Kriemhild ließen die Schatztruhen auftun, auch die anderen Fürsten und der Markgraf Rüdiger wetteiferten miteinander an Freigebigkeit. Es war die glanzvollste Hochzeit, die je ein Königspaar beging, und Kriemhild gestand sich, dass sie nie so viel tapfere Recken beisammen gesehen hatte, die ihr dienstbar waren. 

Am achtzehnten Morgen ging die Fahrt weiter, dem Hunnenland zu. Schiffe trugen das königliche Paar und sein Geleit die Donau hinunter bis Etzelnburg, der Hauptstadt des Hunnenreiches. Dort waltete Kriemhild fortan an Frau Helches Statt, und alle, die ihr dienten, rühmten laut ihren hohen Sinn und ihre milde Hand. 






Dienstag, 2. Juni 2015

Nibelungen Sage 27/28 | Wie Dietrichs Recken erschlagen wurden


Das Wehklagen um den edlen Rüdiger vernahm ein Recke Dietrichs. Er vermeinte, König Etzel oder Kriemhild selbst habe der Tod ereilt, und brachte die Kunde eilends seinem Herrn. Der schickte um genaue Nachricht in Etzels Palast und erfuhr nun bald zu seinem Schmerz, dass der blutige Kampf im Saal den Markgrafen und all seine Getreuen hinweg gerafft habe. Allen Amelungen rührte die Unglücksbotschaft ans Herz, denn ein treuer Freund war ihnen der milde Herr von Bechlaren allzeit in der Fremde gewesen.

Traurig sann Dietrich vor sich hin. Wie war es zu diesem unseligen Kampf gekommen, und wie hatte der edle Rüdiger den Tod gefunden? Zu gerne hätte er das gewusst, und so sandte er seinen alten Waffenmeister Hildebrand zu den Burgunden, um nähere Kunde zu holen.

Wie er war, ohne Schild und Waffen, wollte sich der Alte sogleich auf den Weg machen. Aber sein Neffe Wolfhart hielt ihn zurück: "Mit Schimpf und Spott werden Euch die Burgunden zurückschicken, wenn Ihr so unritterlich daherkommt. Bei ihnen gilt nur etwas der Mann mit dem Schwert in der Hand." Da legte der Alte seine Rüstung an, und als er fertig war, standen auch seine Mannen in Wehr und Waffen da. Erstaunt fragte er, wohin sie wollten. "Wir lassen Euch nicht allein gehen, Meister Hildebrand! Hagen möchte sonst seinen Spott mit Euch treiben", war die Antwort. Wohl hätte Hildebrand sich lieber ohne Begleiter aufgemacht, aber um die Getreuen nicht zu kränken, nickte er Gewähr.

Als erster erblickte Volker die Amelungenrecken. "Da kommen in Waffen die Berner", rief er den Freunden zu, "nun wird es uns übel ergehen!" An der Stiege setzte Hildebrand den Schild vor Fuß und richtete die Frage, die sein Herr ihm aufgetragen hatte, an die Burgunden: "Sagt an, wie es um den edlen Markgrafen von Bechlaren steht! Wir hörten, hier im Saal habe er den Tod gefunden."

"So habt ihr recht gehört", antwortete Hagen. "Uns allen ist es leid um den Helden, der seinen Schwur mit dem Leben bezahlen musste. Nie wird man ihn genug beweinen."

Laute Klage ging durch die Reihen der Amelungen, und Hildebrand bat: "Gebt uns die Leiche des edlen Herrn, damit wir ihm die Ehre erweisen, die ihm gebührt!" König Gunther war dazu bereit, aber Volker spottete: "holt ihn euch selbst heraus, wir sind eure Knechte nicht!"

Da brauste der ungestüme Wolfhart auf. Scharfe Worte fielen zwischen ihm und dem Fiedler, und ehe der alte Hildebrand seinen Neffen zu hindern vermochte, war dieser die Stiege hinaufgestürmt und lief Volker wie ein Löwe an. Nun war kein Halten mehr. Hinter dem kühnen Wolfhart kämpften sich die Amelungenrecken in den Saal, auch der alte Hildebrand blieb jetzt nicht zurück, ja, noch vor dem Neffen drang er durch die Tür, und wieder erfüllte der eiserne Kampflärm die Halle. Wieder lohten die Funken aus Brünnen und Schilden, und wieder hielt der Tod furchtbare Ernte.

Volker fiel unter den Schwerthieben des grimmigen Hildebrand, Dankwart erlag dem starken Helfrich, und als Wolfhart mit Giselher aneinandergeriet, war es für beide der letzte Kampf: einer traf den anderen durch Helm und Panzer mit tödlichem Streich, und nebeneinander sanken sie tot auf die blutgetränkte Walstatt. Den Tod seines Streitgefährten, des tapferen Spielmanns, zu rächen, drang der Tronjer mit Ingrimm auf Hildebrand ein. Balmung, das Schwert Siegfrieds, schlug dem Alten eine schwere Wunde, und mit dem Schild den Rücken deckend, entkam er mit knapper Not aus dem Saal.

Keiner der Amelungenrecken konnte ihm folgen, denn sie lagen bereits alle erschlagen. Der Kampf war zu Ende. Von den Burgunden aber lebten nur noch Gunther und Hagen. Auf ihre Schwerter gestützt, hielten sie den Freunden einsame Totenwache.

Der Zorn überkam Dietrich, als Hildebrand mit Blut bespritzter Brünne vor ihn trag. "Befahl ich dir, mit den Burgunden, meinen Freunden, zu kämpfen?" fuhr er ihn an. "Mein Schuld ist es nicht", entgegnete der Alte. "Wir baten um Rüdigers Leiche, und Volker weigerte sie uns mit bösem Spott. Hagen aber war es, der mir diese Wunde schlug."

"So lass denn meine Männer sich waffnen", beschied ihn voll Kummer der Berner, "ich will selbst zu den Burgunden gehen."

"Herr", entgegnete ihm traurig der Alte, "was Ihr an Männern noch habt, das steht hier vor Euch: ich allein bin es, die anderen alle liegen tot im Saal."

Nie hatte der Gotenkönig leidvollere Kunde vernommen. In tiefem Schmerz senkte er das Haupt. Er dachte an Wolfhart und all die kühnen jungen Recken, die seine Freude und sein Stolz gewesen waren. "Und wer lebt noch von den Burgunden?" fragte er.

"Niemand als Gunther und Hagen", antwortete der alte Hildebrand.






Montag, 1. Juni 2015

Nibelungen Sage 28/28 | Wie Gunther, Hagen und Kriemhild endeten

aventin.blogspot.com

Da ging Herr Dietrich selbst zur Rüstkammer und waffnete sich. Hildebrand half ihm die Brünne anlegen und reichte ihm Schwert und Schild. Dann geleitete er seinen Herrn zum Saal der Burgunden.

Gunther und Hagen sahen die beiden kommen. "Da naht der Berner", sagte der Tronjer, "nun wird es sich erweisen, wer der Beste im Kampf ist. Ich getraue mir wohl, ihn zu bestehen."

Der Gotenkönig trat heran und stieß den Schild auf. "Meine Mannen habt ihr erschlagen. Jetzt fordere ich als Sühne, dass ihr euch als Geiseln in meine Hand begebt. Kein Hunne wird dann Gewalt über euch haben."

"Das wird nicht geschehen", antwortete sogleich Hagen, "nie soll man von den Burgunden sagen, dass sie sich mit dem Schwert in der Hand feige ergeben haben."

Kein Zureden Dietrichs und Hildebrands half. Stolz lehnten die beiden Burgundenrecken sogar sicheres Geleit in die Heimat ab, das der Gotenkönig ihnen bot. Wieder mussten die Waffen entscheiden, zum letzten Mal.

Der Berner nahm den Schild hoch und drang auf Hagen ein. Balmung, das Nibelungenschwert, blieb nicht müßig in des Tronjers Hand. Dicht schmetterten seine Hiebe auf des Gegners Schild und Helm, doch was vermochte ein müder Arm gegen die gewaltige und frische Kraft des Gotenhelden? Dietrich schlug dem Burgunden eine tiefe Wunde. Dann ließ er den Schild fallen, sprang auf den Wankenden zu und rang mit ihm, bis der Tronjer gebunden in seiner Hand lag. So führte er ihn vor Kriemhild, deren Augen aufleuchteten in grimmiger Freude. Wie hatte sie diesen Augenblick ersehnt!

Bald stand auch Gunther, der letzte der Burgunden, von Dietrich in hartem Kampf bezwungen, gebunden vor der Königin. Spottend grüßte sie ihn: "Seid mir willkommen, König Gunther! Wie freue ich mich, Euch hier vor mir zu sehen!"

Da bat Dietrich für die Gefangenen: "So edle Helden habt Ihr noch nie als Geiseln gehabt, Frau Königin. Schont ihr Leben, ich bitte Euch in alter Freundschaft."

"Gern tue ich, was ich vermag", erwiderte kalt Kriemhild und ließ die beiden gesondert in den Kerker führen. Traurig wandte der Berner sich ab. Er ahnte, dass die Königin schreckliche Rache sann.

Nicht lange währte es, da trat Kriemhild in Hagens Kerker. In unverhohlener Feindseligkeit sprach sie: "Wenn Ihr mir den Nibelungenhort zurückgebt, Hagen von Tronje, so sollt Ihr das Leben behalten und an den Rhein zurückkehren dürfen."

Verächtlich erwiderte Hagen: "Das sind müßige Worte! Mein Eid bindet mich. So lange einer meiner Herren lebt, darf ich den Ort nicht nennen, wo der Hort verborgen ist."

Da fasste Kriemhild einen furchtbaren Entschluss. Sie ließ ihrem Bruder das Haupt abschlagen und trug es selbst an den Haaren in Hagens Kerker. In wildem Grimm lachte der Tronjer auf, als er das blutige Haupt seines Herrn erblickte, und voll Hohn schleuderte der Kriemhild die Worte entgegen: "So habe ich es mir gedacht: Giselher und Gernot sind tot, und nun ist auch Gunther nicht mehr! Jetzt weiß niemand als Gott und ich allein um den Hort. Dir, du Teufelin, soll er nun für immer verborgen sein!"

"So bleibt mir denn nichts als Siegfrieds Schwert", rief sie in wildem Hass, riss Balmung von des Tronjers Seite und trennte ihm mit einem einzigen Hieb den Kopf vom Rumpf.

Entsetzen ergriff die beiden Berner ob der grausigen Tat. Selbst König Etzel klagte: "Da liegt er, in Fesseln erschlagen, der Erste aller Recken! So feind ich ihm war, solches Ende geht mir nahe!" Und der alte Hildebrand rief: "Er brachte mich in große Not, der schreckliche Tronjer, aber seinen schimpflichen Tod will ich doch rächen!" In grimmigem Zorn griff er nach seinem Schwert und streckte Kriemhild tot neben Hagen hin.

Da lagen sie beide in ihrem Blut, die einander tödlichen Hass im Herzen getragen hatten, und tot lagen sie alle, die herrlichen Helden, die in König Etzels Saal beisammen gesessen hatten: die Burgundenfürsten, die kühnen Streiter Iring und Irnfried, Wolfhart, der junge Degen, und der edle Rüdiger von Bechlaren, und mit ihnen lagen da die Scharen ihrer Getreuen.

So endete in Jammer und Leid das Sonnwendfest im Hunnenland.