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Freitag, 10. August 2018

Farbenphänomene | Grün

Farbenphänomene | Grün:

Wenn man Gelb und Blau, welche wir als die ersten und einfachsten Farben ansehen, gleich bei ihrem Erscheinen, auf der ersten Stufe ihrer Wirkung zusammenbringt, so entsteht diejenige Farbe, welche wir Grün nennen.


Samstag, 7. Juli 2018

Farbenphänomene | Blau

Farbenphänomene | Blau:

So wie Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, dass das Blau immer etwas Dunklers mit sich führe. Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung.


Mittwoch, 27. Juni 2018

Farbenphänomene | Gelb | Johann Wolfgang von Goethe

Farbenphänomene | Gelb:

Gelb ist die nächste Farbe am Licht. Sie entsteht durch die gelindeste Mäßigung desselben, es sei durch trübe Mittel oder durch schwache Zurückwerfung


Freitag, 17. Juni 2016

Farbenphänomene | Mennig | Johann Wolfgang Goethe


Wie das reine Gelb sehr leicht in das Orange hinübergeht, so ist die Steigerung dieses letzten ins Mennig (Gelbrote) nicht aufzuhalten. Das angenehme heitere Gefühl, das uns das Orange noch gewährt, steigert sich bis zum unerträglich Gewaltsamen im hohen Gelbroten. 

Die aktive Seite ist hier in ihrer höchsten Energie, und es ist kein Wunder, dass energische, gesunde, rohe Menschen sich besonders an dieser Farbe erfreuen. Man hat die Neigung zu derselben bei wilden Völkern durchaus bemerkt. Und wenn Kinder, sich selbst überlassen, zu illuminieren anfangen, so werden sie Zinnober und Mennig nicht schonen.

Man darf eine vollkommen gelbrote Fläche starr ansehen, so scheint sich die Farbe wirklich ins Organ zu bohren. Sie bringt eine unglaubliche Erschütterung hervor und behält diese Wirkung bei einem ziemlichen Grade von Dunkelheit.

Die Erscheinung eines gelbroten Tuches beunruhigt und erzürnt die Tiere. Auch habe ich gebildete Menschen gekannt, denen es unerträglich fiel, wenn ihnen an einem sonst grauen Tag jemand im Scharlachrock begegnete. 
  




Freitag, 29. April 2016

Farbenphänomene | Blaurot | Johann Wolfgang Goethe


Jene Unruhe nimmt bei der weiter schreitenden Steigerung zu, und man kann wohl behaupten, dass eine Tapete von einem ganz reinen gesättigten Blaurot eine Art von unerträglicher Gegenwart sein müsse. Deswegen es auch, wenn es als Kleidung, Band, oder sonstiger Zierrat vorkommt, sehr verdünnt und hell angewendet wird, da es denn seiner bezeichneten Natur nach einen ganz besonderen Reiz ausübt. 

Indem die hohe Geistlichkeit diese unruhige Farbe sich angeeignet hat, so dürfte man wohl sagen, dass sie auf den unruhigen Staffeln einer immer vordringenden Steigerung unaufhaltsam zu dem Kardinalpurpur hinaufstrebe. 






Freitag, 18. März 2016

Farbenphänomene | Orange | Johann Wolfgang Goethe

Da sich keine Farbe als stillstehend betrachten lässt, so kann man das Gelbe sehr leicht durch Verdichtung und Verdunklung ins Rötliche steigern und erheben. Die Farbe wächst an Energie und erscheint im Orange (Rotgelben) mächtiger und herrlicher. 

Alles was wir vom Gelben gesagt haben, gilt auch hier, nur im höheren Grade. Das Orange gibt eigentlich dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne, indem es die Farbe der höheren Glut sowie den milderen Abglanz der untergehenden Sonne repräsentiert. Deswegen ist sie auch bei Umgebungen angenehm und als Kleidung in mehr oder minderem Grade erfreulich oder herrlich. Ein kleiner Blick ins Rote gibt dem Gelben gleich ein anderes Aussehen; und wenn Engländer und Deutsche sich noch an blassgelben hellen Lederfarben genügen lassen, so liebt der Franzose, wie Pater Castel schon bemerkt, das ins Rot gesteigerte Gelb, wie ihn überhaupt an Farben alles erfreut, was sich auf der aktiven Seite befindet.





Freitag, 29. Januar 2016

Farbenphänomene | Rot | Johann Wolfgang Goethe

Man entferne bei dieser Benennung alles, was im Roten einen Eindruck von Gelb oder Blau machen könnte. Man denke sich ein ganz reines Rot, einen vollkommenen, auf einer weißen Porzellanschale aufgetrockneten Karmin. Wir haben diese Farbe ihrer hohen Würde wegen manchmal Purpur genannt, ob wir gleichwohl wissen, dass der Purpur der Alten sich mehr nach der blauen Seite hinzog. 

Wer die prismatische Entstehung des Purpurs kennt, der wird nicht paradox finden, wenn wir behaupten, dass dieser Farbe teils actu, teils potentia alle anderen Farben enthalte. Wenn wir beim Gelben und Blauen eine strebende Steigerung ins Rote gesehen und dabei unsere Gefühle bemerkt haben, so lässt sich denken, dass nun in der Vereinigung der gesteigerten Pole eine eigentliche Beruhigung, die wir eine ideale Befriedigung nennen möchten, stattfinden könne. Und so entsteht bei physischen  Phänomenen diese höchste aller Farbenerscheinungen aus dem Zusammentreten zweier entgegengesetzten Enden, die sich zu einer Vereinigung nach und nach selbst vorbereitet haben. 





Donnerstag, 14. Januar 2016

Farbenphänomene ⋅ Grün ⋅ Johann Wolfgang Goethe


Wenn man Gelb und Blau, welche wir als die ersten und einfachsten Farben ansehen, gleich bei ihrem ersten Erscheinen, auf der ersten Stufe ihrer Wirkung zusammenbringt, so entsteht diejenige Farbe, welche wir Grün nennen. 

Unser Auge findet in derselben eine reale Befriedigung. Wenn beide Mutterfarben sich in der Mischung genau das Gleichgewicht halten, dergestalt, dass keine vor der anderen bemerklich ist, so ruht das Auge und das Gemüt auf diesem Gemischten wie auf einem Einfachen. Man will nicht weiter und man kann nicht weiter. Deswegen für Zimmer, in denen man sich immer befindet, die grüne Farbe zur Tapete meist gewählt wird. 








Freitag, 27. November 2015

Farbenphänomene • Blau • Johann Wolfgang Goethe

So wie das Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, dass das Blau immer etwas Dunklers mit sich führe. Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie; allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick.

Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.

Das Blaue gibt uns ein Gefühl von Kälte, so wie es uns auch an Schatten erinnert. Wie es vom Schwarzen abgeleitet sei, ist uns bekannt. Zimmer, die rein blau austapeziert sind, erscheinen gewissermaßen weit, aber eigentlich leer und kalt. Blaues Glas zeigt die Gegenstände im traurigen Licht. Es ist nicht unangenehm, wenn das Blau einigermaßen vom Plus partizipiert. 






Freitag, 13. November 2015

Farbenphänomene • Gelb • Johann Wolfgang Goethe

Gelb ist die nächste Farbe am Licht. Sie entsteht durch die gelindeste Mäßigung desselben, es sei durch trübe Mittel oder durch schwache Zurückwerfung von weißen Flächen. Bei den prismatischen Versuchen erstreckt sie sich allein breit in den lichten  Raum und kann dort, wenn die beiden Pole noch abgesondert voneinander stehen, ehe sie sich mit dem Blauen zum Grünen vermischt, in ihrer schönsten Reinheit gesehen werden. Wie das chemische Gelb sich an und über dem Weißen entwickelt, ist gehörigen Orts meist umständlich vorgetragen worden.

Das Gelb führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft.

In diesem Grade ist sie als Umgebung, es sei als Kleid, Vorhang, Tapete, angenehm. Das Gold in seinem ganz ungemischten Zustand gibt uns, besonders wenn der Glanz hinzukommt, einen neuen und hohen Begriff von dieser Farbe; so wie ein starkes Gelb, wenn es auf glänzender Seide, zum Beispiel auf Atlas erscheint, eine prächtige und edle Wirkung tut. 

So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck macht. Daher kommt es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zu. Diesen erwärmenden Effekt kann man am lebhaftesten bemerken, wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns direkt anzuwehen. 







Donnerstag, 30. April 2015

Du wurdest mit Flügeln geboren • Lerne sie zu nutzen und flieg!

Ulrike Barbara von Radichevich
Du bist gleich einem Vogel im Käfig, der zwar oft vom Fliegen, vom sich erheben und von der Weite des Himmels träumt, die geöffnete Käfigtür aber ängstlich ignoriert. Der Käfig steht offen, warum willst du nicht ins Freie? Im Käfig ist das Leben einsam, kalt und dunkel und es gibt immer das gleiche Futter. Flieg hinaus! Draußen scheint die Sonne, und die Vögel ziehen große Kreise der Freiheit durch das Blau des Himmels, flieg zu ihnen, du bist frei! So flieg doch zur Wärme der Sonne zur Farbe des Firmaments! Sicherheit ist die Kleidung des Lichts, hülle dich ganz darin ein, und du wirst das Licht, ja selbst die Sonne, wirst du sein! Der Käfig steht offen, flieg hinaus, draußen wärmen weissgoldene Strahlen das Kleid der Federn und der Wind trägt dich bis in den Siebenten Himmel. Wage es, ergreife den Mut, und lass dich ins Leben fallen. Im Käfig kannst du die Flügel bewegen, doch die Freiheit des Fliegens zu fühlen ist dort unmöglich. Komm nur, komm heraus, komm heraus aus dir selbst, der Käfig steht offen, stürze dich ins Leben ohne Vorsicht, lass dich fallen in das Meer aus Licht. Wie oft muss der Käfig noch in den Staub zu Boden fallen, ehe du ihn verlässt? Du bist frei, die Tür steht offen, flieg hinaus. Jene Stätte die du ersehnst ist außerhalb allgegenwärtig, die Stäbe deines Käfigs verdecken dir die wahre Sicht. Flieg hinaus und sieh den Käfig von außen, Tränen des Glücks wirst du vergießen und lachen über die zahlreichen Schatten die dich umgaben. Erhebe dich aus dem Staub, erblicke das Blau des Himmels und spüre der Sonnenstrahlen Wärme Licht! Erhebe dich aus des Lebens Flammenmeer und werde grenzenlos frei wie der Himmel! Zerbrich diese Welt der Täuschung, wie ein Küken das Ei. Verlasse den Käfig! JETZT! Du - bist - Frei! 






Freitag, 7. Juni 2013

Monat Juni | Sommersonnenwende | Herbert Fritsche


Die längsten Tage, die kürzesten Nächte überwandern das Land. Es wird nicht mehr ganz dunkel des Nachts, der Untergangspunkt der Sonne hat sich weit vom Westen zum Norden hin verschoben, vom späten Abend bis zum Morgengrauen bleibt der Nordhorizont, den als einsamer Stern Capella im Fuhrmann durchfunkelt, Träger eines gläsern klaren oder eines milchigen Glanzes. 

Der Sommer ist jetzt bei sich selber zu Tisch geladen. Ein reicher Tisch: alle Wiesen sind übersät mit Blütensternen oder vom Duft des Heus betäubt, die Rosen glühen aus den Gärten, und der Abendweg durch die Hecken, zum sanften Schwung der Hügel hin, ist eingesäumt von Heckenrosen und von den im warmen Wind hin- und hergewiegten weißen, duftenden Doldentellern des Holunders. Kein noch so kärgliches Winkelchen der Welt bleibt ohne Blüten, die winzigen weißen Blütensternchen der Vogelmiere durchschimmern das zertretene Gras der Wege, auf knochentrockenem Lehm am Rande des Ackers gedeiht die kleine scharlachfarbene Blume Gauchheil, das gilbende Getreide hat den Boden nicht so leer gesogen, dass nicht der feuerrote Mohn bunt ins Land leuchten könnte aus dem Wogengang der Halme. 

Wir hätte kein Hausmittel zur Verfügung, wäre der Mensch nicht seit jeher ein Witternder, Deutender, der Physiognomie der Dinge ihr Wesengeheimnis Ablesender gewesen. Die Heilpflanzen tragen ihr Etikett: Lebensweise,Farbe, Form, Duft und andere Qualitäten gaben dem Menschen der Zeitenfrühe Auskunft über ihre therapeutische Verwertbarkeit und vermögen es dem Menschen unserer Zeit noch immer zu geben. Der homöopathische Arzt Emil Schlegel schrieb unter dem Titel "Religion der Arznei" ein ganzes Lehrbuch dieser medizinischen Signaturenlehre. Es ist eine Deutungswissenschaft, die wir besonders im Juni gut gebrauchen können, denn die meisten Heilpflanzen unserer Heimat wollen vor dem Tag der Sommersonnenwende geerntet sein.

Indem nun, von der Höhe des entfalteten Sommers her, die Rückwanderung zum Dunkel anhebt, die Heimkehr des offenbaren ins Verborgene, das Schwächerwerden des äußeren Lichtes zugunsten des inneren, geschieht vom Jahreslauf her ähnliches wie beim Überschreiten der Lebensmitte im menschlichen Schicksalslauf. Nicht ins Sterben wendet sich der Weg, sondern ins Reifen: die bunte Fülle ist nicht das Eigentliche --: der leuchtende Weisheitsgewinn, die Heiligung des Wandels über den Planeten ist das Ziel. So weist die Johanniszeit auf Kosmisches hin, um dessentwillen irdische Daseinsmacht ihren Abbau erleiden muss. Wenn zur Weihnacht, aus dem dunkelsten Dunkel, das Fünklein des Erlösungslichtes geboren werden soll, dann ist es die Predigt der Johanniszeit, auf rechte Weise die Kraft zu entfachen, die das Reifen und Welken erträgt um des inneren Wachstums willen.

Die Heckenrose des Juni ist für den wahrhaft Wachsamen ausersehen, zur Rosa mystica zu werden, so wie der Holunder der Baum der Einweihung ist, der mit den tausend kleinen weißen Pentagrammen jeder seiner Blütendolden auf den unsterblichen Menschen hinweist.