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Mittwoch, 23. September 2020

Frieden schaffen

 Frieden schaffen - Bewusstsein Welt Leben Menschen




Mittwoch, 6. Mai 2020

TaoTeKing - 3 - Frieden auf Erden

TaoTeKing - 3 - Frieden auf Erden - Laotse - Ordnung schaffen - Ying-Yang



Samstag, 26. Mai 2018

Freitag, 10. Juni 2016

Die letzte Blume | Zufriedenheit | Parabel von James Thurber


Wie jedermann weiß, verursachte Weltkrieg XII den Zusammenbruch der Zivilisation. Städte und Dörfer verschwanden von der Erde. Alle Haine und Wälder wurden zerstört und alle Gärten und alle Kunstwerke.

Männer, Frauen und Kinder sanken auf eine tiefere Stufe herab, als die primitivsten Tiere. Entmutigt und enttäuscht verließen die Hunde ihre gefallenen Herren. Der bedauernswerte Zustand der einstigen Erdgebieter machte die Kaninchen so kühn, dass sie über sie herfielen.

Bücher, Gemälde und auch die Musik verschwanden von der Erde, und die Menschen saßen herum und taten nichts. Jahre um Jahre verstrichen. Sogar die paar Generäle, die übrig geblieben waren, vergaßen, worum es im letzten Krieg eigentlich gegangen war. Es wuchsen Knaben und Mädchen heran, die einander ausdruckslos anstarrten, denn die Liebe hatte die Erde verlassen. Eines Tages fand ein junges Mädchen, das noch niemals eine Blume gesehen hatte, zufällig die letzte Blume der Erde. Sie erzählte es den anderen Menschen, dass die letzte Blume verwelke. Der einzige, der zuhörte, war ein junger Mann, dem sie beim Herumwandern begegnete. Der junge Mann und das Mädchen pflegten die Blume gemeinsam, und sie begann sich wieder zu erholen.

Eines Tages besuchten eine Biene und ein Kolibri die Blume. Bald darauf waren zwei Blumen da, und dann vier und dann eine große Menge. Haine und Wälder wuchsen wieder. Das junge Mädchen fing an, sich für das Aussehen des jungen Mannes zu interessieren. Der junge Mann entdeckte, dass es angenehm war, das junge Mädchen zu berühren. Die Liebe kam wieder auf die Erde. Ihre Kinder wuchsen kräftig und gesund heran und lernten zu springen und zu lachen. Die Hunde kehrten aus ihrem Exil zurück. Der junge Mann entdeckte, dass man einen Unterschlupf bauen konnte, wenn man einen Stein auf den anderen legte. Bald darauf baute sich jedermann solche Unterkünfte. Städte und Dörfer entstanden. Das Lied kehrte auf die Erde zurück und Troubadoure und Gaukler und Schuster und Schneider und Maler und Dichter und Bildhauer und Wagenschmiede und Soldaten und Leutnants und Hauptleute und Generalmajore und Generale und die Befreier. Manche Leute beschlossen hier zu leben und andere dort. Bald darauf wollten die, welche in die Täler gezogen waren, auf den Hügeln leben und die, welche auf die Hügel gezogen waren, wollten in den Tälern leben. 

Dann aber schürten die Befreier wieder das Feuer der Unzufriedenheit. Und so gab es wieder Krieg auf der Erde.

Diesmal war die Zerstörung so vollständig, dass nichts mehr auf der Erde übrigblieb, außer einem Mann und einer Frau und einer Blume.






Montag, 21. September 2015

Das Rebhuhn und die Hühner • Missgunst • Fabel von Aesop

Ein Hühnerfreund kaufte ein Rebhuhn, um es in seinem Hof mit seinem andern Geflügel laufen zu lassen, allein die Hühner bissen und trieben es stets vom Fressen ab. Dies schmerzte das Tier sehr, denn es glaubte, es geschehe ihm diese Zurücksetzung, weil es fremd sei; betrübt zog es sich in einen Winkel zurück. Bald aber tröstete es sich, als es sah, dass sich die Hühner untereinander ebenso bissen und sprach zu sich: Wenn diese schlechten Tiere Feindseligkeiten sogar gegen sich selbst ausüben, so werde ich wohl eine solche Behandlung mit Gleichmut ertragen können. 

Geiz und Missgunst sind die größten Feinde des Friedens.






Freitag, 5. Juni 2015

Nibelungen Sage 24/28 | Wie die Burgunden mit den Hunnen im Saal stritten


Das Schwert in der Hand und die Brünne mit Blut überronnen, trat Dankwart in die Tür und rief seinem Bruder Hagen zu: "Wie sitzt du so ruhig da? Gott vom Himmel sei es geklagt: all unsere Knechte liegen tot in der Herberge, erschlagen von den Hunnen!"

"Dann ist jetzt unsere Stunde da!" rief Hagen zurück und sprang auf. "Hüte die Tür, Bruder Dankwart, und lass keinen Hunnen aus dem Saal!" Und schon fuhr das Schwert des grimmigen Tronjers aus der Scheide. Sein erstes Opfer wurde Ortlieb, das Söhnchen Etzels und Kriemhilds, das eben an den Tischen herumgetragen wurde. Dann streckte er den Wärter des Knaben nieder, und mit einem dritten Streich schlug er dem Spielmann Werbel die rechte Hand ab: "Das hast du für die Botschaft, die du uns ins Burgundenland brachtest!"

Nun war kein Halten mehr. Volker sprang auf und stürzte sich in das Getümmel, und als die Burgundenfürsten sahen, dass Streit nicht mehr zu schlichten war, zogen auch sie die Schwerter und griffen in den Kampf ein. Allen voran drang Giselher auf die Hunnen ein, und schrecklich dröhnte der Kampflärm durch den Saal. Besonders an der Tür, wo Dankwart stand, ging es heiß her. Von draußen und von drinnen warfen sich die Hunnen gegen den kühnen Torhüter, um den Ausgang freizumachen, aber Volker eilte ihm zur Hilfe, und nun schirmten die beiden den Saal besser, als es tausend eiserne Riegel vermocht hätten.

In ihrer Not flehte Kriemhild den Gotenkönig an: "Hilf uns, edler Fürst von Bern! Wenn Hagen mich erreicht, ist es um mich geschehen. Hilf mir und dem König aus dem Saal!" Da stieg der Berner auf einen Tisch und ließ seine Stimme mächtig wie den Klang eines Büffelhornes über die Streitenden hin erschallen. Sogleich senkte König Gunther das Schwert, und die Burgunden folgten seinem Beispiel. Der Kampflärm verstummte, und in die Stille hinein rief Dietrich: "Gebt mir und den Meinen Frieden, ihr Recken vom Rhein, und lasst uns ungefährdet aus dem Saal gehen!"

Dazu erklärte König Gunther sich sogleich bereit: "In Frieden mögt Ihr, edler Herr von Bern, den Saal verlassen und alle mitnehmen, die unter eurem Schutz stehen. Nur die Hunnen, unsere Feinde, müssen bleiben!" Da nahm Dietrich Kriemhild und den König Etzel bei der Hand und führte sie mit seinen Amelungenrecken davon. Ihnen durfte sich auch Markgraf Rüdiger mit seinen Mannen anschließen. Als dem Vater Dietlindes und treuen Freund der Burgunden gewährte der junge Giselher ihm freien Abzug. Im Saal aber entbrannte nun der Kampf aufs neue, und nicht eher ruhten die Waffen, als bis der letzte Hunne erschlagen lag. Doch neuen Angriff befürchtend, riet Gieselher seinen Gefährten, die Toten beiseite zu schaffen, und so warfen sie denn die Leichen die Stiege hinunter vor den Saal.

Dann traten Hagen und Volker vor die Tür, und auf ihre Schilde gelehnt, höhnten sie übermütig die Hunnen. Volker warf einen Speer nach ihnen, dass sie erschreckt zurückwichen, und Hagen verspottete Etzel als Feigling. Ein schlechtes Beispiel habe er gegeben und nicht wie die Burgundenfürsten an der Spitze seiner Mannen gefochten.

Da fasste Etzel seinen Schild und wollte den Tronjer angehen, aber Kriemhild hielt ihn zurück und rief: "Wer mir Hagens Haupt bringt, dem fülle ich des Königs Schild mit rotem Gold, und dazu soll er noch Land haben und reiche Burgen!" Doch vergebens bat sie. Keiner der Hunnen, die um König Etzel standen, wagte es, die grimmigen Recken an der Tür des Saales anzugreifen, und von neuem spottete Volker über hunnische Feigheit: "Das Brot ihres Herrn essen sie Tag für Tag, aber in der Not steht niemand ihm bei!"

Auch dieser Vorwurf blieb ohne Wirkung auf die Mannen Etzels. Da waffnete sich der Markgraf Iring vom Dänenland und trat zum Kampf gegen Hagen an. Seinen Dänen voraus stürmte er gegen den Saal, schoss die Lanze auf Hagens Schild, dass sie splitternd brach, und griff dann gleichzeitig mit dem Tronjer zum Schwert. Dröhnend hallten die Schläge der beiden Kämpen gegen die Mauern des Saales, aber Hagen stand unerschütterlich wie ein Turm. Da lief Iring den Spielmann an, darauf Gunther und Gernot, und immer wieder sprühten die Funken aus Helmen und Panzerringen, ohne dass dem tapferen Dänen ein tödlicher Streich gelang. Schließlich wandte er sich gegen Giselher, und da war es der junge Burgundenheld, der dem Kühnen eine tiefe Wunde schlug, dass er strauchelte und niedersank. Doch mit letzter Kraft sprang er wieder auf, drang abermals auf Hagen ein und traf ihn mit seinem Schwert Waske durch den Helm, dass das Blut hervorschoss.

Wie grimmig verhalt der Tronjer ihm diesen Hieb! Mit gewaltigen Schwertschlägen, die rote Funken aus Schild und Helm stieben ließen, trieb er den Dänen die Stiege hinab und seinen Mannen zu, die bei Kriemhild standen. Die Königin selbst, voll Freude darüber, dass Hagens Streitgewand von Blut gerötet war, nahm dem Tapferen den Schild von der Hand, und dieser band sich zur Kühlung den Helm ab. Bald aber war er von neuem gewaffnet und lief wieder gegen Hagen an.

Doch nun wandte sich das Kampfglück gegen den heldenmütigen Iring. Ein mächtiger Schwerthieb traf ihn durch den Helm, und ehe er den Schild zur Deckung heben konnte, saß Hagens Speer, mit voller Wucht geschleudert, ihm im Haupt, dass der Schaft weit herausragte. Todwund brach der Dänenfürst zusammen.

Laute Klage erhob sich nun unter seinen Mannen. Auch Kriemhild jammerte um den Helden, der von Hagens Hand gefallen war. Noch einmal schlug der Sterbende die Augen auf und mahnte seine Gefährten, um des Goldes der Königin willen nicht ihr Leben einzusetzen. Doch seine Worte waren vergeblich. Ihren toten Herrn zu rächen, stürmten die Dänen gegen den Saal. Sie fielen bis auf den letzten Mann, und mit ihnen gingen in den Tod ihre treuen Waffenbrüder, die Thüringer, unter der Führung des kühnen Irnfried.







Donnerstag, 4. Juni 2015

Nibelungen Sage 25/28 | Wie Kriemhild Feuer an den Saal legen ließ


Endlich durften die Burgunden die Helme abbinden. Auf den Haufen der Gefallenen ließen sie sich zur Rast nieder. Wieder übernahmen Hagen und Volker die Wacht an der Tür vor einem neuen Angriff der Feinde.

Sie brauchten nicht lange zu warten. Ein ganzes Hunnenheer zog heran. Schar auf Schar stürmte gegen den Saal, und den ganzen langen Sommertag hindurch währte der erbitterte Kampf. Erst die anbrechende Nacht setzte dem Ringen ein Ende.

Da standen sie, erschöpft an die Schilde gelehnt, auf dem blutgetränkten Kampfplatz, die streitmüden Recken, und mancher Panzerring war rot verfärbt, aus mancher Wunde sickerte das Blut. Die Not seiner Getreuen ging König Gunther zu Herzen. Mit lauter Stimme rief er nach Etzel und bot ihm Frieden an.

Doch der Hunnenkönig antwortete: "Frieden könnt ihr nun nicht mehr haben. Mein Kind habt ihr erschlagen, und so viele meiner Freunde liegen tot. Keiner von euch soll mit dem Leben davonkommen." Vergebens erinnerte Gunther ihn daran, dass das Unheil mit dem Überfall Blödels auf die Knechte seinen Anfang genommen habe. Etzel, vordem der mildeste aller Wirte, verlangte nach Rache.

Da wandte Gieselher sich an Kriemhild, die zur Seite Etzels stand: "Liebste Schwester, nie hätte ich geglaubt, dass du mich einmal in solche Not brächtest! Stets hielt ich dir die Treue, und kein Leid geschah dir je von mir. Dafür erweise uns jetzt deine Huld und lass uns ziehen!"

Giselhers flehende Worte rührten das steinerne Herz der Königin. "Nun wohl", entgegnete sie, "wenn ihr mir Hagen als Geisel ausliefert, sollt ihr das Leben haben und in die Heimat zurückkehren dürfen, denn ihr seid meine Brüder, und die gleiche Mutter haben wir."

"Das verhüte Gott im Himmel!" rief Gernot. "Und wären wir tausend Brüder, wir gingen alle lieber in den Tod, als dir einen einzigen unserer Mannen als Geisel zu lassen!" Auch Giselher, der junge, bedachte sich keinen Augenblick und stimmte dem Bruder bei: "Nie brach ich einem Freund die Treue, und so soll es bleiben bis in den Tod!"

Nun kannte Kriemhild kein Mitleid mehr mit den Brüdern, die von Hagen nicht lassen wollten. Sie befahl, die Burgungen in den Sall zurückzutreiben, und ließ dann Feuerbrände an seine vier Ecken legen. Bald loderten die Flammen, vom Wind getrieben, hoch auf und ergriffen das Dach. Gierig fraßen sie sich weiter an Stützen und Sparren und schossen zu einem einzigen wabernden Feuermeer zusammen. Brennend stürzte das Gebälk in die Tiefe, Funkengarben regneten herab, beißender Rauch zog in dichten Schwaden durch den Saal, und höllische Glut dörrte den Männern die Kehle.

"An die Wände!" rief Hagen den Gefährten zu. "Und die Schilde hoch, dass die Balken euch nicht erschlagen! Stoßt sie mit den Füßen in die Blutlachen, dann werden die Brände rascher verlöschen!"

So standen sie die ganze Nacht unter ihren Schilden, während das Feuer raste, das glühende Dachwerk herunterprasselte und der Brandrauch ihnen den Atem nahm. Es war eine Nacht des Grauens und des Todes.

Endlich brach der Tag an, und ein kühler Morgenwind kam daher. Giselher verspürte ihn zuerst und rief den Freunden zu: "Es will tagen! Gebe Gott, dass wir noch einmal bessere Stunden erleben, als diese Nacht sie uns brachte!"

Die Gesichter schwarz vom Flammenruß, traten die Überlebenden über verkohltes Gebälk und schwelende Trümmer zusammen und reichten sich die Hände. Sechshundert waren es noch, die das Feuer verschont hatte.







Donnerstag, 12. März 2015

Desiderata • Wünschenswertes • Weisheit von Max Ehrmann

Geh deinen Weg ohne Eile und Hast und suche den Frieden in dir selbst zu finden. Und wenn es dir möglich ist, versuche den Anderen zu verstehen.

Sag ihm die Wahrheit – ruhig und besonnen und höre ihm zu! Auch wenn er gleichgültig und unwissend ist, denn auch er hat seine Sorgen, egal ob er noch jung und aggressiv, oder ob er schon alt und müde ist.

Wenn du dich mit all den anderen vergleichst, wirst du feststellen, du lebst unter Menschen, die entweder größer oder kleiner, besser oder schlechter sind, als du selbst.

Sei stolz auf deinen Erfolg und denke auch an deine Karriere. Aber bleibe bescheiden! Denn das Schicksal kann sich jederzeit wenden. Sei vorsichtig in deinen Geschäften, denn die Welt ist voller List und Tücke. Aber lass dich trotz allem nicht von deinem Weg ablenken!

Viele Leute reden von hohen Idealen und überall wird Heldenmut angepriesen; bleibe du selber und heuchle nicht mit Gefühlen! Steh der Liebe nicht zynisch gegenüber, denn sie ist das Einzige, was wahr und unvergänglich ist.

Sei dankbar über jedes Jahr, das du erleben darfst, auch wenn mit jedem Jahr ein Stück deiner Jugend entschwindet. Bereite dich auf den Augenblick vor, indem etwas Unvorhergesehenes in dein Leben tritt, aber zerstöre dich selbst nicht aus Angst vor der Einsamkeit! Sei immer so, dass du vor dir selbst bestehen kannst.

Du hast ein Recht auf dieser Welt zu sein, genau wie die Blume, die blüht und wie ein Stern in der Nacht. Doch auf dieser Welt lebst du nicht allein! Hast du schon irgendwann mal darüber nachgedacht?

Darum schließe Frieden mit Gott, wo immer er dir auch begegnet; ganz gleich, was das Leben dir auch an Schwierigkeiten auferlegt. Lass nicht durch Lug und Trug deine Ideale zerbrechen – Die Welt ist immer noch schön. Versuche auf ihr zu leben und glücklich zu werden.







Donnerstag, 5. März 2015

Zwei Momente der Weltgeschichte • Maximen und Reflexionen • Johann Wolfgang von Goethe

Es gibt zwei Momente der Weltgeschichte, die bald aufeinander folgen, bald gleichzeitig, teils einzeln und abgesondert, teils höchst verschränkt, sich an Individuen und Völkern zeigen.

Der erste ist derjenige, in welchem sich die Einzelnen nebeneinander frei ausbilden; dies ist die Epoche des Werdens, des Friedens, des Nährens, der Künste, der Wissenschaften, der Gemütlichkeit, der Vernunft. Hier wirkt alles nach innen und strebt in den besten Zeiten zu einem glücklichen, häuslichen Aufbauen; doch löst sich dieser Zustand zuletzt in Parteisucht und Anarchie auf.

Die zweite Epoche ist die des Benutzens, des Kriegens, des Verzehrens, der Technik, des Wissens, des Verstandes. Die Wirkungen sind nach außen gerichtet; im schönsten und höchsten Sinne gewährt dieser Zeitpunkt Dauer und Genuss unter gewissen Bedingungen. Leicht artet jedoch ein solcher Zustand in Selbstsucht und Tyrannei aus, wo man sich aber keineswegs den Tyrannen als eine einzelne Person zu denken nötig hat; es gibt eine Tyrannei ganzer Massen, die höchst gewaltsam und unwiderstehlich ist.

Man mag sich die Bildung und Wirkung der Menschen unter welchen Bedingungen auch immer denken wie man will, so schwanken beide doch durch Zeiten und Länder, durch Einzelheiten und Massen, die proportionierlich und unproportionierlich aufeinander wirken; und hier liegt das Inkalkulable, das Inkommensurable der Weltgeschichte. Gesetz und Zufall greifen ineinander, der betrachtende Mensch aber kommt oft in den Fall, beide miteinander zu verwechseln, wie sich besonders an parteiischen Historikern bemerken lässt, die zwar meistens unbewusst, aber doch künstlich genug sich eben dieser Unsicherheit zu ihrem Vorteil bedienen. (Goethe)






Freitag, 27. Februar 2015

Der Teufel hole Grenzen • Novelle von Hermann Hesse

Foto kordi@uwe
Bei diesem Hause nehme ich Abschied. Lange werde ich kein solches Haus mehr zu sehen bekommen. Denn ich nähere mich dem Alpenpass, und hier nimmt die nördliche, deutsche Bauart ein Ende, samt deutscher Landschaft und deutscher Sprache. Wie schön ist es, solche Grenzen zu überschreiten! Der Wanderer ist in vielen Hinsichten ein primitiver Mensch, so wie der Nomade primitiver ist als der Bauer. Die Überwindung der Sesshaftigkeit aber und die Verachtung der Grenzen machen Leute meines Schlages trotzdem zu Wegweisern in die Zukunft. Wenn es viele Menschen gäbe, in denen eine  so tiefe Verachtung für Landesgrenzen lebte wie in mir, dann gäbe es keine Kriege und Blockaden mehr. Es gibt nichts Gehässigeres als Grenzen, nichts Stupideres als Grenzen. Sie sind wie Kanonen, wie Generale:  solange Vernunft, Menschlichkeit und Friede herrscht, spürt man nichts von ihnen und lächelt über sie - sobald aber Krieg und Wahnsinn ausbricht, werden sie wichtig und heilig. Wie sind sie uns Wanderern in den Kriegsjahren zur Pein und zum Kerker geworden! Der Teufel hole sie! (Hermann Hesse)