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Montag, 30. September 2019

Donnerstag, 7. Juni 2018

Ein reizender Abend - Geschichte von Erich Kästner

Ein reizender Abend - Geschichte von Erich Kästner:

Einladungen sind eine schreckliche Sache. Für die Gäste. Der Gastgeber weiß immerhin, wer ins Haus und was auf den Tisch kommen wird. Ihm ist, im Gegensatz zu mir, bekannt, dass Frau Ruckteschel, meine Nachbarin zur Linken, taub ist, aber zu eitel, die kleine Schwäche zuzugeben.


Donnerstag, 17. Mai 2018

Unberechenbare Gäste Novelle von Heinrich Böll

Unberechenbare Gäste - Novelle von Heinrich Böll:


Ich habe nichts gegen Tiere, im Gegenteil: ich mag sie, und ich liebe es, abends das Fell unseres Hundes zu kraulen, während die Katze auf meinem Schoß sitzt. Es macht mir Spaß, den Kindern zuzusehen, die in der Wohnzimmerecke die Schildkröte füttern. Sogar das kleine Nilpferd, ist mir ans Herz gewachsen.



Dienstag, 6. März 2018

Das Hochzeitsgeschenk Parabel aus China

Das Hochzeitsgeschenk Parabel aus China:


Einmal hatten Brautleute nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass möglichst viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen vielen Gästen.



Montag, 11. Januar 2016

Der Fuchs und der Storch ⋅ Goldene Regel ⋅ Fabel von Aesop


Ein Fuchs hatte einen Storch zu Gast gebeten, und setzte die leckersten Speisen vor, aber nur auf ganz flachen Schüsseln, aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressen konnte. Gierig fraß der Fuchs alles allein, obgleich er den Storch unaufhörlich bat, es sich doch schmecken zu lassen. 

Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter, lobte außerordentlich die Bewirtung und bat seinen Freund auf den andern Tag zu Gast. Der Fuchs mochte wohl ahnen, dass der Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab. Der Storch ließ aber nicht nach, ihn zu bitten, und der Fuchs willigte endlich ein. 

Als der Fuchs nun anderen Tages zum Storch kam, fand er alle möglichen Leckerbissen aufgetischt, aber nur in langhalsigen Geschirren. "Folge meinem Beispiele", rief ihm der Storch zu, "tue, als wenn du zu Hause wärest." Und er schlürfte mit seinem Schnabel ebenfalls alles allein, während der Fuchs zu seinem größten Ärger nur das Äußere der Geschirre belecken konnte und nur das Riechen hatte. 

Hungrig stand er vom Tisch auf und gestand zu, dass ihn der Storch für seinen Mutwillen hinlänglich gestraft habe. 

Lehre:
Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu.







Dienstag, 24. Februar 2015

Büffel- oder Ziegenbraten | Entscheidung | Fabel Indonesien


Ein Indonesier erhielt für den gleichen Tag zwei Einladungen: Ein Freund an der Flussmündung veranstaltete ein Ziegenschlachtfest, ein anderer am Oberlauf des Wassers versprach Büffelbraten und leckeren Klebereis. "Wohin gehe ich nun?", sprach der Geladene zu sich selbst und schnalzte mit der Zunge, denn Ziegenfleisch war sein Lieblingsessen. Auf Büffelbraten mit Klebereis wollte er aber auch nicht verzichten. Nachdem er lange hin und her überlegt hatte, schritt er endlich flussaufwärts. Nach einer Stunde aber hielt er inne und sagte zu sich: "Ein Büffel ist ein gewaltiges Tier, das nicht so rasch verzehrt werden kann. Da komme ich später immer noch zurecht. Ich nehme zunächst den süßen Ziegenbraten als Vorgericht." Also wendete er und lief der Mündung zu. 

Als er nach einem langen Marsch eben das Dorf des Freundes erreicht hatte, begegnete ihm eine lustige Gruppe von Menschen, und er fragte sie, woher sie kämen. "Vom herrlichen Ziegenschlachtfest - es ist eben vorüber -, wir sind satt und fröhlich!" Da bekam der Mann einen großen Schreck, machte kehrt und eilte spornstreichs zum Dorf am Oberlauf. "Da werde ich mich am Büffelfleisch mit Klebereis doppelt schadlos halten. Und die Anstrengung gibt guten Hunger!" 

Endlich langte er schweißbedeckt am Ziele an. Rings um die Hütte des Freundes duftete es wundervoll nach Büffelbraten und Klebereis; doch drinnen war es merkwürdig still. Da trat auch schon der Gastgeber heraus, freudig rot im Gesicht, und rief verwundert: "Warum kommst du so spät? Die Geladenen sind eben fortgegangen und alles ist aufgegessen worden." 





Freitag, 13. Februar 2015

Von schlechten Sitten bei Tisch | Text aus "Das Narrenschiff"

aventin.blogspot.com

Wenn ich die Narrheit ganz durchsuche,
setz billig ich zuletzt im Buche
etliche, die für Narren man acht
an die zuvor ich nicht gedacht.

Denn ob sie schon viel Missbrauch treiben
und feiner Hofzucht treu nicht bleiben,
auch grob und ungezogen sind,
so sind sie doch nicht also blind,
dass sie die Ehrbarkeit verletzten,
wie die, die wir zuvor hinsetzten,
sie haben auch nicht Gott vergessen,
sondern beim Trinken und beim Essen
sind sie so grob und unerfahren,
dass man sie heißt bäurische Narren.

Sie waschen ihre Hände nicht,
wenn man die Mahlzeit zugericht,
oder wenn sie sich zu Tische setzen,
sie andre in dem Platz verletzen,
die vor ihnen sollten sein gesessen;
Vernunft und Hofzucht sie vergessen,
dass man muss rufen: "Heda, munter,
mein guter Freund, rück weiter runter!

Lass den dort sitzen an deiner Statt!"
Ein andrer nicht gesprochen hat
den Segen über Brot und Wein,
eh er bei Tische Gast will sein,
ein andrer greift zuerst in die Schüssel
und stößt das Essen in den Rüssel
von ehrbarn Leuten, Frauen Herrn,
die er vernünftig sollte ehrn,
dass sie zum Ersten griffen an
und er nicht wär zuvorderst dran.

Der auch so eilig essen muss,
dass er so bläst in Brei und Mus,
strengt an die Backen ungeheuer,
als setzte er in Brand 'ne Scheuer.
Mancher beträuft Tischtuch und Kleid,
legt auf die Schüssel wieder breit,
was ihm ist ungeschickt entfallen,
Unlust bringt es den Gästen allen.

Andre hinwieder sind so faul,
wenn sie den Löffel führen zum Maul,
dann hängen sie den offnen Rüssel
so über Platte, Mus und Schüssel,
dass, fällt ihnen etwas dann darnieder,
dasselbe kommt in die Schüssel wieder.

Etliche sind so naseweise,
sie riechen vorher an der Speise
und machen sie den andern Leuten
zuwider, die sie sonst nicht scheuten.
Etliche kauen etwas im Munde
und werfen das von sich zur Stunde
auf Tischtuch, Schüssel oder Erde,
dass manchem davon übel werde.
Wer einen Mundvoll gegessen hat
und legt es wieder auf die Platt',
oder lehnt sich über den Tisch
und lugt, wo sei gut Fleisch und Fisch,
wenn das auch andern näher lag.

Ein andrer füllt die Backen so,
als ob sie steckten ihm voll Stroh,
er pflegt beim Essen rings zu gaffen
in alle Winkel wie die Affen
und schaut auf jeden mit Begehr,
ob der vielleicht mehr isst als er,
und eh der einen Mund voll zuckt,
hat er vier oder fünf verschluckt,
und dass ihm sonst auch nichts gebreste,
trägt er noch Teller voll zum Neste,
und dass er sich ja nicht versäume,
lugt er, wie er die Platten räume.

Eh er die Speis herunterschluckt,
er einen Stich in den Becher guckt,
macht sich 'ne Suppe mit dem Wein
und schwenkt damit die Backen rein,
und hat damit oft solche Eil,
dass aus der Nas ihm rinnt ein Teil,
oder spritzt gar einem andern wohl
das Trinkgeschirr und Antlitz voll.

Den schmutzgen Mund wischt keiner mehr,
im Becher schwimmt das Fett umher,
schmatzen beim Trinken ist nicht fein,
kann andern Leuten nur widrig sein.
Durch die Zähne sürfeln klingt nicht schön,
solch Trinken gibt ein schlecht Getön.
Manch einer trinkt mit solchem Geschrei
als käme eine Kuh vom Heu.

Nachtrinken Ehre sonst gebot,
jetzt ist dem Weinschlauch nur noch Not,
dass er schnell möge trinken vor,
Das Trinkgeschirr hebt er empor
und bringt dir einen "frohen Trunk",
damit sein Becher macht glunk, glunk.
Er meint, dass er den andern ehrt,
wenn er den Humpen leer umkehrt.

Ich misse gern die feine Sitte,
dass man vor mir das Glas umschütte
oder dass man mich zu trinken bitte,
ich trink für mich, doch keinem zu,
wer sich gern füllt, ist eine Kuh.

Ein andrer schätzt bei Tisch allein,
lässt nicht das Wort sein allgemein,
es muss vielmehr ihm jedermann
zuhörn, wie er gut schätzen kann.
Keinem andern er das Wort vergönnt,
doch sein Wort gegen jeden rennt
und verleumdet gern zu jeder Frist
manchen, der nicht zugegen ist. 

So gibt's bei Tisch seltsamen Brauch,
wenn alles ich erzählen sollte,
ein ganzes Buch ich schreiben wollte,
wie man sieht in den Becher pfeifen,
mit Fingern in das Salzfass greifen,
was mancher achtet für sehr grob,
doch hat dasselbe mehr mein Lob,
als dass man Salz nimmt mit dem Messer,
gewaschene Hand ist wahrlich besser
und sauberer als jene Klingen,
die wir in der Scheide mit uns bringen
und wissen nicht, ob wir vor Stunden
vielleicht 'ne Katze damit geschunden.

Für Unvernunft kann man auch halten
die Eier zu schlagen und zu spalten
und ander dergleichen Gaukelspiel,
wovon ich jetzt nicht schreiben will,
denn das soll feine Sitte sein,
ich schreib von Grobheit hier allein,
nicht von subtilen, feinen Sachen,
ich müsst sonst eine Bibel machen,
sollt ich den Missbrauch all beschreiben,
denn man beim Essen pflegt zu treiben.

Sebastian Brant - Das Narrenschiff





Freitag, 6. Februar 2015

Das Unendliche und das Ich | Kurzgeschichte von Goethe

aventin.blogspot.com

Nach einigen Stunden ließ der Astronom seinen Gast die Treppen zur Sternwarte sich hinaufwinden und zuletzt auf die völlig freie Fläche eines runden hohen Turmes heraustreten. Die heiterste Nacht, von allen Sternen leuchtend und funkelnd, umgab den Schauenden, welcher zum ersten Male das hohe Himmelsgewölbe in seiner ganzen Herrlichkeit zu erblicken glaubte. Denn im gemeinen Leben, abgerechnet die ungünstige Witterung, die uns so oft den Glanzraum des Äthers verbirgt, hindern uns zu Hause bald Dächer und Giebel, auswärts bald Wälder und Felsen, am meisten aber überall die inneren Beunruhigungen  des Gemüts, die, uns alle Umwelt mehr als Nebel und Misswetter zu verdüstern, sich hin und her bewegen. 

Ergriffen und erstaunt hielt er sich beide Augen zu. Das Ungeheure hört auf, erhaben zu sein, es übersteigt unsre Fassungskraft, es droht, uns zu vernichten. Was bin ich denn gegen das All? sprach er zu seinem Geiste; wie kann ich ihm gegenüber, wie kann ich in seiner Mitte stehen? Nach einem kurzen Überdenken jedoch fuhr er fort: Das Resultat unsres heutigen Abends löst ja auch das Rätsel gegenwärtigen Augenblicks. Wie kann sich der Mensch gegen das Unendliche stellen, als wenn er alle geistigen Kräfte, die von vielen Seiten hingezogen werden, in seinem Innersten, Tiefsten versammelt, wenn er sich fragt: darfst du dich in der Mitte dieser ewig lebenden Ordnung auch nur denken, sobald sich nicht gleichfalls in dir ein herrlich Bewegtes um einen reinen Mittelpunkt kreisend hervortut? Und selbst wenn es dir schwer würde, diesen Mittelpunkt in deiner Brust aufzufinden, so würdest du ihn daran erkennen, dass eine wohlwollende, wohltätige Wirkung von ihm ausgeht und von ihm Zeugnis gibt. 

Wer soll, wer kann aber auf sein vergangenes Leben zurückblicken, ohne gewissermaßen irre zu werden, da er meistens finden wird, dass sein Wollen richtig, sein Tun falsch, sein Begehren tadelhaft und sein Erlangen dennoch erwünscht gewesen?

Wie oft hast du diese Gestirne leuchten gesehen, und haben sie dich nicht jederzeit anders gefunden? Sie aber sind immer dieselben und sagen immer dasselbige. Wir bezeichnen, wiederholen sie durch unsern gesetzmäßigen Gang Tag und Stunde; frage dich auch, wie verhältst du dich zu Tag und Stunde? 





Mittwoch, 7. März 2012

Philemon und Baucis | Mythologie | Metamorphosen von Ovid


aventin.blogspot.comAlle erstarrten und billigten mitnichten solcherlei Worte. Besonders Lelex, ein Mann in Jahren und im Geiste gereift, erzählte folgendes: „Des Himmels Gewalt ist unendlich und grenzenlos. Was immer die Götter nur wollen, sogleich ist es vollendet. Hört, damit ihr nicht zweifelt! Es stehen auf dem phrygischen Hügel, von mittlerer Mauer umschlossen, nebeneinander Eiche und Linde. Ich selber sah den Ort, denn Pittheus sandte mich einstmals in die Gefilde des Pelops, die sein Vater früher regierte. Nahe dabei befindet sich ein Teich, einst wohnliche Gegend, doch jetzt hausen dort im Wasser sumpfliebende Hühner und Taucher. Jupiter kam einmal in Menschengestalt dorthin, wie auch der Enkel des Atlas, der Stabsträger, welcher ohne Flügel erschien, mit seinem Vater. Sie gingen tausend Behausungen ab, ein Obdach zu finden, tausend Behausungen wurden ihnen versperrt. Nur eine Behausung, klein, mit Stroh und mit Schilfrohr gedeckt, empfing sie. Dort hausten die alte fromme Baucis und der gleichfalls betagte Philemon, welche seit ihrer frühen Jugend verbunden waren. Sie waren in dieser Hütte gealtert und machten aus ihrer Armut kein Hehl, sie ertrugen sie mit Gelassenheit. Egal, ob man nach Herr oder Diener hier fragte, es blieb sich gleich: Diese Zwei waren die ganze Familie, beide befehligten und beide gehorchten.

Wie nun die Himmelsbewohner das winzige Häuschen erreichten und mit gesenktem Kopfe die niedere Türe durchschritten, lud sie der Greis sofort ein, es sich auf dem bereiteten Sitz behaglich zu machen. Die emsige Baucis breitete darüber schnell ein raues Gewebe und zerteilte im Herde die laue Asche. Sie schürte das vorherige Feuer an, legte Blätter und trockene Rinde nach und entfachte es mit altersgeschwächtem Atem zu Flammen. Sie holte vom Estrich ganz klein gespaltenes Kienholz und dürres Reisig und schob es dem ehernen Kessel zerkleinert unter. Dann entblätterte sie den Kohl, den der liebe Gemahl im bewässertem Garten eingesammelt hatte, mit doppelzinkiger Gabel, hob den schwärzlichen Schweinerücken vom finsteren Balken, der schon lange aufbewahrt wurde, und schnitt ein kleines Stück davon ab, um es hernach im siedenden Wasser auf dem Herd zu kochen. 

Beide verkürzten den Gästen mit Geplauder die Zeit, damit ihnen nicht langweilig wurde. Sie füllten eine Wanne mit großem Henkel aus Buchenholz, welche am Pflocke hing, mit lauem Wasser, damit sich die Gäste die Glieder wärmen konnten. Im Raume gab es noch eine weiche Seegras Matratze, welche auf dem Divan lag, dessen Gestell und Füße aus Weidenholz bestanden. Diese war mit Decken zugedeckt, da sie nur an festlichen Tagen gebraucht wurde. Alles war billiges, altes Zeug und passte irgendwie zum Divan aus Weidenholz. Sodann legten sich die Götter dort hin. Die Alte, bekleidet mit Schürze, stellte zitternd den Tisch vor die Gäste. Doch es hinkte ein Tischbein, eine Scherbe ward aber schnell unter gelegt und beseitigte die Neigung. Alsdann fegte sie die Tischplatte mit grünem Pfefferminzkraut und tischte auf in irdenen Gefäßen: Grüne und schwarze Oliven der keuschen Minerva, späte Kornelkirschen in flüssige Hefe gelegt, Endivien, Rettich, Käse und Eier, welche man nur leicht in nicht mehr glühender Asche gewendet hatte. Auch ward ein aus Silber getriebener Mischkrug und Becher aus geschnitztem Buchenholz aufgestellt, welche innen mit gelblichem Wachs bestrichen waren. Nach einer kurzen Weile holte sie das warme Essen vom Herde und kredenzte einen noch sehr jungen Wein. Nach dem Essen ward alles zur Seite geräumt und der Nachtisch wurde serviert. Da gab es Nüsse und Feigen, gemischt mit runzligen Datteln, und Pflaumen, duftende Äpfel und frisch gepflückte, purpurne Trauben. Alles ward in weiten Körbchen gebettet und in der Mitte prangte eine glänzende Honigwabe. Zu allem gesellten sich freundliche Mienen und ein guter, nicht geizender Wille. 

aventin.blogspot.comIndes bemerkten sie aber, dass der Krug, der so manchmal geleert ward, sich ganz von selber wieder füllte und dass der Wein sich sachte mehrte. Ängstlich erhoben sie die beiden, bestürzt ob dem Wunder, und die arme Baucis und der ebenso erschrockene Philemon stammelten nun Gebete und flehten für das Mahl und den bescheidenen Tisch um Vergebung. Sogleich schickten sie sich an ihre einzige Gans, die ihnen zu eigen war, welche auch das winzige Häuschen hütete, den göttlichen Gästen zu opfern. Doch die Gans wehrte sich mit regem Flügelschlag und spielte gar lange mit ihnen, sodass die schwächlichen Alten schnell ermüdeten. Just flüchtete die Gans zu den Göttern, die die Schlachtung nun verwehrten und sprachen: „Ja, wir sind Götter. Die bösen Nachbarn werden die Strafe erleiden, die sie verdienen. Doch euch ist vergönnt, frei und ledig vom Unheil zu bleiben. Nur müsst ihr euer Haus verlassen, uns begleiten und mit uns zusammen die steile Höhe dort drüben ersteigen!“ Beide gehorchten und die Götter schritten voran. Sie folgten langsam und, alt wie sie waren auf Stäbe gestützt, erklommen sie sacht die ansteigende Höhe. Wie sie nur noch einen Pfeilschuss weit vom Gipfel des Berges entfernt waren, blickten sie um sich um und sahen, dass die ungastlichen Häuser alle versunken waren. Suchend spähten sie nach dem First ihrer freundlichen Hütte. Ihr Häuschen, das den mächtigen Göttern ein Obdach gewährt hatte, war noch da. Während sie staunend alles sahen und das Unglück der Ihren beklagten, wandelte sich indessen das alte Gebäude, das selbst den Besitzern zu eng war, zum Tempel. Die Holzstützen waren zu Säulen geworden, das einstige rot-gelbe Strohdach schimmerte nun golden und es glänzten Marmorböden und prächtig getriebene Türen. 

Alsdann sprach der Sohn des Saturn in friedlichen Worten: „Sagt, rechtschaffener Greis, und du, würdiges Weib eines solchen Gemahls, was wünscht ihr?“ Philemon besprach sich kurz mit Baucis und teilte sodann den Himmlischen ihrer beider Entscheidung mit: „Priester wollen wir sein und euren Tempel behüten. Und da wir stets die Jahre in Eintracht gelebt haben, soll, wenn wir sterben, uns beide dieselbe Stunde treffen. Ich möchte nie das Grab meiner Gemahlin erblicken, noch sie ihres Gatten Begräbnis vollziehen!“ 

aventin.blogspot.comSprach und der Wunsch ward ihnen erfüllt. Sie waren die Hüter des Tempels, solange sie lebten. Und später, da standen sie von Alter geschwächt einmal vor den heiligen Stufen und besprachen, was hier früher geschah, da sah Philemon, wie Baucis sich umlaubte, und Baucis sah an Philemon dasselbe. Und als schon über beider Gesichter der Wipfel empor wuchs, tauschten sie, solange es noch möglich war, folgende Worte: „Leb wohl, oh du mein Gatte!“ Beide riefen sie zugleich und zugleich verbarg und umhüllte das Laubwerk ihr Antlitz. Noch jetzt zeigen Bewohner von Thynien Fremden die Stämme, die einst aus den beiden Körpern entstanden. Wahrheitsliebende Greise haben mir solches erzählt, was hätten sie mich täuschen sollen? Und wirklich, ich sah um die Äste Kränze geschlungen und sprach und befestigte ebenfalls neue Gewinde: „Gott sei, wenn Götter umsorgten, verehrt soll werden, wer ehrte!“