Aventin Blog: Gedicht
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Mittwoch, 18. Juli 2018

Der Jaguar - Gedicht von Rainer Maria Rilke

Der Jaguar:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so mild geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.


Donnerstag, 12. Juli 2018

Ein Meister ländlicher Schule

Ein Meister ländlicher Schule:

Ein Meister einer ländlichen Schule Erhob sich einst von seinem Stuhle, Und hatte fest sich vorgenommen In bessere Gesellschaft zu kommen; Deswegen er, im nahen Bad, In den sogenannten Salon eintrat.


Mittwoch, 23. Mai 2018

Die arme Frau Gedicht von Kurt Tucholsky

Die arme Frau - Gedicht von Kurt Tucholsky:


Mein Mann? Mein dicker Mann, der Dichter? Du lieber Gott, da seid mir bitte still! Ein Don Juan? Ein braver, schlichter Bourgeois - wie Gott ihn haben will. Da steht in seinen schmalen Büchern, wieviele Frauen er geküsst; von seidenen Haaren, seidenen Tüchern, Begehren, Kitzel, Brunst, Gelüst...


Dienstag, 24. November 2015

Erlkönig • Ballade • Johann Wolfgang von Goethe


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

"Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
Manch' bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
In dürren Blättern säuselt der Wind.

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt."
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan"

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.







Sonntag, 2. Juni 2013

Monat November | Monat der Gespenster | Herbert Fritsche


Nebel und Nässe, frühes Dunkel und unwirtliche Witterung --: es ist der Monat der Gespenster. Aber "wer ins Dunkel schaut, wird immer etwas sehen", heißt es bei Williman Butler Yeats, dem englischen Dichter des Weltgeheimnisses. 

Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise
von allen ihn trennt,

so lautet eine Strophe aus einem Novembernebel-Gedicht von Hermann Hesse. War der Sommer uns gegeben, damit wir die Weiten erleben, die Hingegossenheit kosmischer Fluten über das irdische Gelände, so ist es der Winter um des Heims willen, der Höhle und Zelle. Wege durch den tropfenden Nebel des Novembers aber weisen uns, auch wenn wir draußen in den einst überschaubaren Weiten sind, auf diejenige Höhle und Zelle zurück, die wir als letzte Zuflucht mit uns umhertragen, wo immer wir auch sind: auf das eigene Dasein als Individualität.

Ist Ich-Überwindung das hohe Ziel aller echten Religionen und Erlösungspfade, so setzt sie eine Ich-Findung voraus, die erst einmal erreicht werden muss. Der Termitenmensch, der vom jämmerlichsten Wörtchen unserer Sprache beherrscht wird, dem Wörtchen "man", der konventionelle Durchschnitts-Typus, dessen Bestimmung allein schon von den Inhalten der öffentlichen Meinung, von Mode, Politik, Klatsch und Kommandiertwerden durch irgendwelche Machthaber und Medien her möglich ist, hat kein Ich und kann mithin auch keins überwinden. Er ist auswechselbar zu jeder Zeit und muss sich gefallen lassen, auch ohne viel Federlesens ausgewechselt zu werden, so bald es irgendeiner der ihm übergeordneten Instanzen gefällt. Jedoch auch fortgeschrittenere Menschen sind oft noch weit, weit fern vom bewussten Erkennen und Realisieren ihrer Einmaligkeit im All. Das uralte Weisheitswort "Werde, der du bist!" lässt sich erst nach langer Einsamkeit erfüllen. Dazu taugt der November.

Birgt der November den Sinn, uns zu den Gespenstern zu führen, damit wir - statt nur das Gruseln zu lernen - uns des Gespenstischen unserer eigenen Existenz bewusst werden, um, erschrocken infolge solcher Erkenntnis, sie alsdann mehr und mehr zum lebendigen Leben einer echten Individualität zu erlösen, so soll er uns willkommen sein.





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