Aventin Blog: Geld
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Montag, 4. Juni 2018

Der Treuhänder und der Eid - Fabel von Aesop

Der Treuhänder und der Eid - Fabel von Aesop:

Ein Händler in der Stadt, der auch als Treuhänder tätig war, hatte einmal von seinem Freund eine Menge Geld zur Verwahrung genommen und trachtete aber danach, ihn zu betrügen. Als der Freund nun eines Tages sein Geld zurück forderte, leugnete dieser vehement, jemals von ihm Geld bekommen zu haben.


Montag, 19. März 2018

Der Geizige | Fabel von Aesop

Der Geizige | Fabel von Aesop:

Fabel von Aesop - Der Geizige - Ein Geiziger machte sein gesamtes Vermögen zu Geld, kaufte sich einen Klumpen Gold und vergrub diesen außerhalb seines Hauses. Täglich ging er nun ununterbrochen zu der Stelle hin und sah sich dort um. Aber einer von denen, die in der Nähe dieser Stelle ihre Arbeit taten, beobachtete ihn



Freitag, 24. Juni 2016

Ein sorglicher Hausgeist | Novelle von Goethe


Ein junger Landmann pachtete einen ansehnlichen Gasthof, der sehr gut gelegen war. Von den Eigenschaften, die zu einem Wirt gehören, besaß er vorzüglich die Behaglichkeit, und weil es ihm von Jugend auf in den Trinkstuben auch wohl gewesen war, mochte er wohl deshalb ein Metier ergriffen haben, das ihn nötigte, den größten Teil des Tages darin zu verbringen. Er war sorglos ohne Liederlichkeit, und sein Behagen breitete sich über alle Gäste aus, die sich bald häufig bei ihm versammelten.

Er hatte eine junge Person geheiratet, eine stille leidliche Natur. Sie versah ihre Geschäfte gut und pünktlich, sie hing an ihrem Hauswesen, sie liebte ihren Mann; doch musste sie ihn bei sich im Stillen tadeln, dass er mit dem Geld nicht sorgfältig genug umging. Das bare Geld nötigte ihr eine gewisse Ehrfurcht ab, sie fühlte ganz den Wert desselben, sowie die Notwendigkeit sich überhaupt in Besitz zu setzen, sich dabei zu erhalten. Ohne eine angeborene Heiterkeit des Gemüts hätte sie alle Anlagen zum strengen Geiz gehabt. Doch ein wenig Geiz schadet nichts. 

Margarete, so will ich meinen sorglichen Hausgeist nennen, war mit ihrem Mann sehr unzufrieden, wenn er zu große Zahlungen machte. Freigiebigkeit ist eine Tugend, die dem Mann ziemt, und Festhalten ist die Tugend einer Frau. So hat es die Natur gewollt, und unser Urteil wird im ganzen naturgemäß ausfallen, wenn er erhaltene aufgekaufte Fourage von Fuhrleuten und Unternehmern, aufgezählt wie sie waren, eine Zeitlang auf dem Tisch liegen ließ, das Geld alsdann in Körbchen einstrich und daraus wieder ausgab und auszahlte, ohne Pakete gemacht zu haben und ohne Rechnung zu führen. Verschiedene ihrer Erinnerungen waren fruchtlos, und sie sah wohl ein, dass, wenn er auch nicht verschwendete, manches in einer solchen Unordnung verschleudert werden müsse. Der Wunsch ihn auf bessere Wege zu leiten war so groß bei ihr, der Verdruss zu sehen, dass manches, was sie im Kleinen erwarb und zusammen hielt, im Großen wieder vernachlässigt wurde und auseinander floss, dass sie sich zu einem gefährlichen Versuch bewogen fühlte, wodurch sie ihm über diese Lebensweise die Augen zu öffnen gedachte. 

Sie nahm sich vor, ihm so viel Geld als möglich aus den Händen zu spielen, und bediente sich dazu einer sonderbaren List. Sie hatte bemerkt, dass er das Geld, das einmal auf dem Tisch aufgezählt war, wenn es eine Zeitlang gelegen hatte, nicht wieder nachzählte, ehe er es aufhob; sie bestrich daher den Boden eines Leuchters mit Talg und setzte ihn, in einem Schein von Ungeschicklichkeit, auf die Stelle, wo die Dukaten lagen, eine Geldsorte, der sie eine besondere Freundschaft gewidmet hatte. Sie erhaschte ein Stück und nebenbei einige kleine Münzsorten und war mit ihrem ersten Fischfang wohl zufrieden; sie wiederholte diese Operation mehrmals; und ob sie sich gleich über ein solches Mittel zu einem guten Zweck kein Gewissen machte, so beruhigte sie sich doch über jeden Zweifel vorzüglich dadurch, dass diese Art der Entwendung für keinen Diebstahl angesehen werden könne, weil sie das Geld nicht mit den Händen weggenommen habe. So vermehrte sich nach und nach ihr heimlicher Schatz, und zwar um desto reichlicher, als sie alles, was bei der inneren Wirtschaft von barem Geld ihr in die Hände floss, auf das strengste zusammenhielt. 

Schon war sie beinahe ein ganzes Jahr ihrem Plan treu geblieben, und hatte indessen ihren Mann sorgfältig beobachtet, ohne eine Veränderung in seinem Humor zu spüren, bis er endlich einmal höchst übler Laune war. Sie suchte ihm die Ursache dieser Veränderung abzuschmeicheln und erfuhr bald, dass er in großer Verlegenheit sei. Es hätte ihm nach der letzten Zahlung, die er an Lieferanten getan, seine Pachtgelder übrig bleiben sollen, sie fehlten aber nicht allein völlig, sondern er habe sogar die Leute nicht ganz befriedigen können. Da er alles im Kopf rechne und wenig aufschreibe, so könne er nicht nachkommen, wo ein solcher Verstoß herrühre. 

Margarete schilderte ihm darauf sein Betragen, die Art, wie er einnehme und ausgebe, den Mangel an Aufmerksamkeit; selbst seine gutmütige Freigebigkeit kam mit in Anschlag, und freilich ließen ihn die Folgen seiner Handelweise, die ihn so sehr drückten, keine Entschuldigung aufbringen.

Margarete konnte ihren Gatten nicht lange in dieser Verlegenheit lassen, um so weniger, als es ihr so sehr zur Ehre gereichte, ihn wieder glücklich zu machen. Sie setzte ihn in Verwunderung, als sie zu seinem Geburtstag, der eben eintrat, und an dem sie ihn sonst mit etwas Brauchbarem anzubinden pflegte, mit einem Körbchen voll Geldrollen ankam. Die verschiedenen Münzsorten waren besonders gepackt, und der Inhalt jedes Röllchens war, mit schlechter Schrift, jedoch sorgfältig, darauf gezeichnet. Wie erstaunte nicht der Mann, als er beinahe die Summe, die ihm fehlte, vor sich sah, und die Frau ihm versicherte, das Geld gehöre ihm. Sie erzählte darauf umständlich, wann und wie sie es genommen, was sie ihm entzogen, und was durch ihren Fleiß erspart worden sei. Sein Verdruss ging in Entzücken über, und die Folge war, wie natürlich, dass er Ausgabe und Einnahme der Frau völlig übertrug, seine Geschäfte vor wie nach, nur mit noch größerem Eifer besorgte, von dem Tag an aber keinen Pfennig Geld mehr in die Hände nahm. Die Frau verwaltete das Amt eines Kassiers mit großen Ehren, kein falscher Laubtaler, ja kein verrufener Sechser ward angenommen, und die Herrschaft im Hause war, wie billig, die Folge ihrer Tätigkeit und Sorgfalt, durch die sie nach dem Verlauf von zehn Jahren ihren Mann in den Stand setzte, den Gasthof mit allem, was dazu gehörte, zu kaufen und zu behaupten.






Dienstag, 26. April 2016

Der Schimmelreiter | Zeiningen | Sage aus der Schweiz


Einst lebte in Zeiningen ein reicher, äußerst geiziger Mann. Täglich reitet er auf einem Schimmel über seine Güter. Er lieh zu Zeiten der Not den bedrängten Bauern Geld zu Wucherzinsen aus, und wehe ihnen, wenn sie nicht just auf den Tag zahlen konnten. Mit unbarmherziger Härte jagte er sie von Haus und Hof und nahm die Güter selber in Besitz.

Fast der ganze Grundbesitz von Zeiningen war ihm so in die Klauen geraten. Aber als er sein Ende herannahen fühlte, packte ihn die Reue über sein ruchloses Leben. Es war zu spät. Er starb, und der Fluch der armen Leute folgte ihm übers Grab hinaus. Er wurde nicht wie ehrliche Leute auf dem Friedhof beerdigt, sondern man verscharrte ihn droben auf der „Eggmatt“, da, wo früher die vier Eichen standen. Seither reitet er jede Nacht auf einem Schimmel in der Geisterstunde um den Berg. Wenn die Glocke in Zeiningen ein Uhr schlägt, verschwindet er wieder. Wer Erbarmen hat mit ihm, der möge an seinem Grab suchen, bis er eine Schnur findet. Daran möge er dreimal ziehen, dann ist der nächtliche Reiter erlöst.






Dienstag, 5. April 2016

Der Berggeist Rübezahl und der Bauer | Sage aus dem Riesengebirge


Ein Bauer war einst in große Geldnot geraten. In seiner Bedrängnis wagte er es, sich an den Berggeist Rübezahl zu wenden. Er wanderte ins Gebirge, um ihn aufzusuchen. Dieser erschien dort auch dem Bauern und fragte ihn was sein Anliegen sei. Darauf antwortete der Bauer: "Ich möchte den Beherrscher des Riesengebirges untertänigst bitten, ob er mir nicht etwas Geld vorstrecken wollte." "Gern", erwiderte der Berggeist, "wieviel brauchst du denn?" Darauf der Bauer: "Großmächtiger Herr, könntet Ihr mir vielleicht hundert Taler borgen? Ich will sie Euch als ein redlicher Mann übers Jahr hier wieder zustellen." Hierauf entfernte sich Rübezahl und kam nach einem Weilchen wieder zurück. Er brachte einen Beutel mit dem Geld, das er dem Bauern lieh. 

Nach einem Jahr erschien der Bauer von neuem im Gebirge, am gleichen Ort wie im Vorjahr. Dort traf er einen Mann, der ganz anders aussah als jener, der ihm das Geld geliehen hatte. Daher stutzte der Bauer und war sich nicht sicher, ob es auch Rübezahl sei. Auf die Frage des Mannes: "Wo willst du denn hin, Bauer?" antwortete er daher "Ich wollte zum mächtigen Herrn des Riesengebirges und ihm, wie ausgemacht, das Geld zurückbringen, das ich im Vorjahr von ihm geliehen bekam." Darauf erwiderte der verkleidete Geist: "Mein lieber Bauer, der Rübezahl ist schon lange tot; geh mit deinem Geld wieder nach Hause und behalte es." Wer war da fröhlicher als unser Bauer! 






Freitag, 19. Februar 2016

Das Testament | Novelle von Jeremias Gotthelf

Schon manchen haben einige bei dem Tode eines Menschen wohl angewandte Minuten wohlhabend gemacht. Die Erben sind oft nicht gleich bei der Hand, und wer sich nicht fürchtet, aus dem noch nicht erkalteten Hosensack die Schlüssel zu nehmen, kann bis zu ihrer Ankunft viel auf die Seite schaffen. Fatal ist es aber, wenn der Verstorbene so plötzlich von hinnen gerufen wird, dass er für die, welche zunächst um ihn sind, nicht testamentlich sorgen konnte, und das geschieht oft; denn solche Leute testamentieren nicht gern, sie hoffen noch der Tage viele.

Aber auch da wussten sich schlaue Leute einmal wohl zu helfen. Sie schleppten den Verstorbenen in eine Rumpelkammer, und in das noch nicht erkaltete Bett legten sie einen vertrauten Knecht, setzten ihm die Nachtkappe des Verstorbenen auf und liefen nach Schreiber und Zeugen. Schreiber und Zeugen setzten sich an den Tisch am Fenster, rüsteten das Schreibzeug und probierten, ob guter Wein in den Karaffen sei. Unterdessen ächzet und stöhnt es im dunklen Hintergrund hinter dem dicken Umhang, und eine schwache Stimme fragt, ob der Schreiber nicht bald fertig sei - es geht nicht mehr lange mit ihm. Der Schreiber nimmt hastig das Glas vom Mund und ergreift die Feder und lässt diese flüchtig übers Papier gleiten, aber immer halblinks schauend, wo das Glas Wein steht.

Da diktiert, leise hüstelnd, die Stimme hinter dem Umhang das Testament, und der Schreiber schreibt, und freudig hören die Anwesenden, wie sie Erben würden von vielem Gut und Geld. Aber blasser Schrecken fährt über ihre Gesichter, und faustdicke Flüche quellen ihnen im Halse, als die Stimme spricht: „Meinem getreuen Knecht aber, der mir so viele Jahre treu gedient hat, vermache ich achttausend Pfund.“ Der Schalk im Bett hatte sich selbst nicht vergessen und bestimmte für sich selbst seinen Lohn für die gut gespielte Rolle.

Er war aber noch bescheiden; er hätte sich gut zum Haupterben machen können, und was hätten die andern sagen sollen?






Samstag, 5. Dezember 2015

Der Heilige Nikolaus • Patron der Pfandleiher und Bankiers


Der Hl. Nikolaus war der Überlieferung zufolge der Bischof von Myra.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. Der Kult um Nikolaus entwickelte sich erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm eine Kirche in Konstantinopel - dem heutigen Istanbul. Der Kult verbreitete sich über Griechenland, wo er als "Hyperhagios", "Überheiliger", verehrt wird, in die ganze Welt. In der orthodoxen Tradition gilt Nikolaus als einer der am meisten verehrten Heiligen. Nikolaus ist unter anderem auch Patron der Pfandleiher und Bankiers.

Legende:
Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, im Namen des heiligen Nikolaus versprochen das Geld pünktlich zurückzuzahlen. Aber er tat es nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung dann zum Schwur kam, benutzte der Christ einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann wieder den Stab zu sich und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Wie das Schicksal es so wollte, kam der Christ später unter die Räder eines Wagens und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn der Hl. Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.





Donnerstag, 2. Juli 2015

Der kluge Richter • Novelle von Johann Peter Hebel

Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, weIche in ein Tuch eingenäht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern, an. Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. „Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird's wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!“ So sprach er mit dem Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte. „Guter Freund“, sprach er hierauf, „es waren eigentlich achthundert Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch siebenhundert Taler. Ihr werdet also eine Naht aufgetrennt und eure hundert Taler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt ihr wohl daran getan. Ich danke euch.“ Das war nicht schön. Aber wir sind auch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.

Der ehrliche Finder, dem es weniger um die hundert Taler als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu tun war, versicherte, dass er das Päcklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie er's gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestanden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, dass achthundert Taler seien eingenäht gewesen, der andere, dass er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe. Da war guter Rat teuer. 

Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des anderen zum voraus zu kennen schien, griff die Sache so an: Er ließ sich von beiden über das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und tat hierauf folgenden Ausspruch: „Demnach, wenn der eine von euch achthundert Taler verloren, der andere aber ein Päcklein mit nur siebenhundert Talern gefunden hat, so kann auch das Geld des letzteren nicht das nämliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurück und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur siebenhundert Taler verloren hat. Und dir da weiß ich keinen Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine achthundert Taler findet.“ So sprach der Richter, und dabei blieb es.





Dienstag, 30. Juni 2015

Doktor Allwissend | Märchen der Gebrüder Grimm


Es war einmal ein armer Bauer namens Krebs, der fuhr mit zwei Ochsen in die Stadt und verkaufte ein Fuder Holz für zwei Taler an einen Doktor. Wie ihm nun das Geld ausbezahlt wurde, saß der Doktor gerade zu Tisch; da sah der Bauer, wie er schön aß und trank, und das Herz ging ihm danach auf, und er wäre auch gern ein Doktor gewesen. Also blieb er noch ein Weilchen stehen und fragte endlich, ob er nicht auch könnte ein Doktor werden. „O ja", sagte der Doktor, „das ist bald geschehen." „Was muss ich tun?" fragte der Bauer. „Erstens kauf dir ein ABC-Buch, so eins, wo vorn ein Gockelhahn drin ist; zweitens mache deinen Wagen und deine zwei Ochsen zu Geld und schaff dir damit Kleider an und was sonst zur Doktorei gehört; drittens lass dir ein Schild malen mit den Worten: ,Ich bin der Doktor Allwissend’ und lass das oben über deine Haustür nageln!" Der Bauer tat alles, wie es ihm geheißen war. Als er nun ein wenig gedoktert hatte, aber noch nicht viel, ward einem reichen, großen Herrn Geld gestohlen. Da ward ihm von dem Doktor Allwissend gesagt, der in dem und dem Dorfe wohnte und auch wissen müsste, wo das Geld hingekommen wäre. Also ließ der Herr seinen Wagen anspannen, fuhr hinaus ins Dorf und fragte bei ihm an, ob er der Doktor Allwissend wäre. Ja, der wäre er. So sollte er mitgehen und das gestohlene Geld wieder her schaffen. O ja, aber die Grete, seine Frau müsste auch mit. Der Herr war damit zufrieden und ließ sie beide in den Wagen sitzen, und sie fuhren zusammen fort. Als sie auf den adligen Hof kamen, war der Tisch gedeckt; da sollte er erst mitessen. Ja, aber seine Frau, die Grete, auch, sagte er und setzte sich mit ihr hinter den Tisch. Wie nun der erste Bediente mit einer Schüssel schönem Essen kam, stieß der Bauer seine Frau an und sagte: „Grete, das war der erste", und meinte, es wäre derjenige, welcher das erste Essen brächte. Der Bediente aber meinte, er hätte damit sagen wollen: Das ist der erste Dieb; und weil er es nun wirklich war, ward ihm angst, und er sagte draußen zu seinen Kameraden: „Der Doktor weiß alles, wir kommen übel an; er hat gesagt, ich wäre der erste." Der zweite wollte gar nicht herein, er musste aber doch. Wie er nun mit seiner Schüssel herein kam, stieß der Bauer seine Frau an: „Grete, das ist der zweite." Dem Bedienten ward ebenfalls angst, und er machte, dass er hinauskam. Dem dritten ging es nicht besser; der Bauer sagte wieder: „Grete, das ist der dritte." Der vierte musste eine verdeckte Schüssel hereintragen, und der Herr sprach zum Doktor, er sollte seine Kunst zeigen und raten, was darunter läge; es waren aber Krebse. Der Bauer sah die Schüssel an, wusste nicht, wie er sich helfen sollte, und sprach: „Ach, ich armer Krebs!" Wie der Herr das hörte, rief er: „Da, er weiß es, nun weiß er auch, wer das Geld hat."  
Dem Bedienten aber ward gewaltig angst, und er blinzelte den Doktor an, er möchte einmal herauskommen. Wie er nun hinauskam, gestanden sie ihm alle viere, sie hätten das Geld gestohlen; sie wollten es ja gerne herausgeben und ihm eine schwere Summe dazu, wenn er sie nicht verraten wollte; es ginge ihnen sonst an den Hals. Sie führten ihn auch hin, wo das Geld versteckt lag. Damit war der Doktor zufrieden, ging wieder hinein, setzte sich an den Tisch und sprach: „Herr, nun will ich in meinem Buch suchen, wo das Geld steckt." Der fünfte Bediente aber kroch in den Ofen und wollte hören, ob der Doktor noch mehr wüsste. Der saß aber und schlug sein ABC-Buch auf, blätterte hin und her und suchte den Gockelhahn. Weil er ihn nicht gleich finden konnte, sprach er: „Du bist doch darin und musst auch heraus." Da glaubte der im Ofen, er wäre gemeint, sprang voller Schrecken heraus und rief: „Der Mann weiß alles." Nun zeigte der Doktor Allwissend dem Herrn, wo das Geld lag, sagte aber nicht, wer es gestohlen hatte, bekam von beiden Seiten viel Geld zur Belohnung und ward ein berühmter Mann.





Donnerstag, 14. Mai 2015

Der überlistete Teufel • Sage aus Deutschland

In Soest lebte ein Schuster, ein armer Tropf zwar, aber ein Kerl, der nicht auf den Kopf gefallen war. Obwohl er sein Handwerk verstand wie nur wenige in der Stadt, gelang es ihm nicht, auf einen grünen Zweig zu kommen. Er wusste kaum noch das Leder zu bezahlen, und schon lange war Schmalhans Küchenmeister im Hause und setzte den Kindern ein dünnes Süppchen auf den Tisch. 

Eines Abends hatte der Meister wiederum bis Mitternacht den Pechdraht gezogen bis ihm die Arme lahm waren. Er saß auf dem Schemel und sann über sein Elend nach. Und wie es so geht, wenn einem Menschen die Verzweiflung ankommt, ohne es recht zu bedenken, sagte er vor sich hin: "Geld muss mir her, und wenn es vom Teufel kommt." 

Er hatte wohl selbst nicht geglaubt, dass ein solches Wort Wahrheit werden könnte. Als er aufblickte, stand wirklich der Belzebub vor ihm, aber bekleidet wie ein vornehmer Herr im Wams mit Silberknöpfen und Schuhen mit kostbaren Spangen, begrüßte ihn lächelnd, tat, als sähe er das Erschrecken des Meisters gar nicht und sprach: "Ihr habt von mir gesprochen, und nun bin ich da. Das Geld, das ihr begehrt, habe ich gleich mitgebracht, erst in zehn Jahren muss ich es zurückhaben." Dabei stellte er ein Maß auf den Tisch, das bis über den Rand hinaus mit blanken Goldstücken gefüllt war. "Nehmt das", sagte er, "und wenn ihr es mir zurückgebt, braucht es nicht gerade so gehäuft zu sein wie jetzt, sondern nur gestrichen voll. Ich will nicht so genau rechnen, weil ihr mir in eurem Jammer leid tut. Und nun unterschreibt mir den Vertrag." 

Der Schuster wollte wohl oder übel schon die Feder nehmen, die er ihm hinhielt. Da aber schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, und den sprach er auch aus. "Darf ich euch das Geld auch schon früher zurückgeben?" fragte er. "Das dürft ihr zu jeder Zeit, Meister. Aber in zehn Jahren muss ich es bestimmt wieder haben, sonst gehört mir eure Seele." Damit schob der Teufel ihm das Maß mit dem Gold zu. Der Meister aber fuhr mit seiner großen Hand darüber hin und wischte alle Stücke, die über den Rand quollen, weg, so dass sie auf den Tisch fielen, strich sie zusammen, steckte sie zu sich und gab dem Teufel das Maß selber zurück. "Hier", sagte er, "ich bedanke mich auch schön. Das brauche ich nicht mehr. Ich habe an dem, was Ihr nicht wiederhaben wolltet, genug", und er klopfte auf seine Tasche. 

So war denn der Teufel in Soest an einen geraten, der klüger war als er selber. Es blieb ihm nach seinen Worten nichts anders übrig, als zu gehen, woher er gekommen war. Dem Meister aber, der sich so klug wie bescheiden gezeigt hatte, war das Glück wieder hold und verhalf ihm zu dem alten Wohlstand.






Montag, 30. März 2015

Der Vater, die Söhne und die drei Ringe • Fabel aus der Türkei

Dem Sultan, der in Geldnöten war, wurde geraten, einen Vorwand zu suchen, um gegen einen reichen Juden vorzugehen, der in seinem Lande wohnte, und ihm seine Habe zu nehmen, die über alle Maßen groß war. Der Sultan schickte nach jenem Juden und fragte ihn, welcher der beste Glaube sei, wobei er dachte: Wenn er sagt, der jüdische, so werde ich ihm sagen, dass er sich gegen den meinigen vergeht; und wenn er sagt, der mohammedanische, so werde ich ihn fragen: Warum hältst du dich dann an den jüdischen? Als der Jude die Frage des Sultans hörte, antwortete er: "Ein Vater hatte drei Söhne. Er besaß einen Ring mit einem kostbaren Stein, dem besten, der auf der Welt war. Jeder der Söhne bat den Vater, er möge ihm bei seinem Ende diesen Ring hinterlassen. Als der Vater hörte, dass jeder ihn wollte, schickte er nach einem Goldschmied und sagte: "Meister, mache mir zwei Ringe, geradeso wie dieser ist, und versieh sie mit einem Stein, der diesem gleicht." Der Meister machte die Ringe geradeso, dass keiner den wahren Ring erkannte als der Vater allein. Er ließ einen seiner Söhne nach dem anderen kommen und gab im Geheimen jedem einen Ring, und jeder glaubte, den kostbaren zu haben, und keiner kannte den richtigen als der Vater allein. Und so, sage ich, ist es auch mit den drei Glauben. Der Vater im Himmel kennt den wahren Glauben und die Söhne, das sind wir; jeder glaubt den richtigen zu haben." Als der Sultan hörte, wie sich der Jude so aus der Schlinge zog, wusste er nicht, was er antworten sollte, und ließ in gehen.







Mittwoch, 25. Juli 2012

Utopia gestern und heute | Betrachtung von Thomas Morus


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Wenn ich daher alle die Staaten, welche heutzutage in Blüte stehen, durchnehme und betrachte, so sehe ich, so wahr mir Gott helfe, in ihnen nichts Anderes, als eine Art Verschwörung der Reichen, die unter dem Deckmantel und Vorwand des Staatsinteresses lediglich für ihren eigenen Vorteil sorgen, und sie denken alle möglichen Arten, Weisen und Kniffe aus, wie sie das, was sie mit üblen Künsten zusammen gerafft haben, erstens ohne Furcht es zu verlieren, behalten, sodann wie sie die Arbeit aller Armen um so wenig Entgelt als möglich sich verschaffen mögen, um sie auszunutzen.

Diese Anschläge, welche die Reichen im Namen der Gesamtheit, als auch der Armen aufgestellt und durchzuführen beschlossen haben, wurden dann zu Gesetzen erhoben. Thomas Morus (1478-1535) - Utopia






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