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Dienstag, 17. November 2015

Der Bergmönch im Harz • Sage • Brüder Grimm

Zwei Bergleute arbeiteten immer gemeinschaftlich. Einmal als sie anfuhren und vor Ort kamen, sahen sie an ihrem Geleucht, dass sie nicht genug Öl zu einer Schicht auf den Lampen hatten. "Was fangen wir da an?" sprachen sie miteinander, "geht uns das Öl aus, so dass wir im Dunkeln sollen zutag fahren, sind wir gewiss unglücklich, da der Schacht alleine schon gefährlich ist. Fahren wir aber jetzt gleich aus, um von zu Haus Öl zu holen, so straft uns der Steiger und das mit Lust, denn er ist uns nicht gut." Wie sie also besorgt standen, sahen sie ganz fern in der Strecke ein Licht, das ihnen entgegenkam. Anfangs freuten sie sich, als es aber näher kam, erschraken sie gewaltig, denn ein ungeheurer, riesengroßer Mann ging, ganz gebückt, in der Strecke herauf. Er hatte eine große Kappe auf dem Kopf und war auch sonst wie ein Mönch angetan, in der Hand aber trug er ein mächtiges Grubenlicht. Als er bis zu den beiden , die in Angst und Schrecken da stillstanden, geschritten war, richtete er sich auf und sprach: "Fürchtet euch nicht, ich will euch kein Leid antun, vielmehr Gutes", nahm ihr Geleucht und schüttete Öl von seiner Lampe darauf. Dann aber griff er ihr Gezäh und arbeitete ihnen in einer Stunde mehr, als sie selbst in der ganzen Woche bei allem Fleiß herausgearbeitet hätten. Nun sprach er: "Sagt's keinem Menschen je, dass ihr mich gesehen habt", und schlug zuletzt mit der Faust links an die Seitenwand; sie tat sich auseinander, und die Bergleute erblickten eine lange Strecke, ganz von Gold und Silber schimmernd. Und weil der unerwartete Glanz ihre Augen blendete, so wendeten sie sich ab; als sie aber wieder hinschauten, war alles verschwunden. Hätten sie ihre Bilhacke (Hacke mit einem Beil) oder sonst nur einen Teil ihres Gezähs hineingeworfen, wäre die Strecke offen geblieben und ihnen viel Reichtum und Ehre zugekommen; aber so war es vorbei, wie sie die Augen davon abgewendet. 

Doch blieb ihnen auf ihrem Geleucht das Öl des Berggeistes, das nicht abnahm und darum noch immer ein großer Vorteil war. Aber nach Jahren, als sie einmal am Sonnabend mit ihren guten Freunden im Wirtshaus zechten und sich lustig machten, erzählten sie die ganze Geschichte, und Montagsmorgen, als sie anfuhren, war kein Öl mehr auf der Lampe, und sie mussten nun jedesmal wieder, wie die andern, frisch aufschütten.






Montag, 1. Juni 2015

Der alte Mann und der Esel • Sklave • Fabel von Phaedrus

Beim Wechsel eines Herrschers ist oft kein Gewinn angesagt, als dass der Untergebene nur den Namen tauscht. Dass dieses so ist, erzählt folgende Geschichte. 

Es trieb einst den Esel ein alter Mann, da schallte plötzlich Waffenlärm, und er aus Furcht, dass man sie fangen könnte,  trieb zu schneller Flucht. Doch träge sprach der Esel: "Meinest du denn gar, dass ich zwei Sättel bei dem Sieger tragen muss?" "Nein!", sprach der Greis. - "Was kümmert es mich also denn, wessen Sklave ich bin? Den Sattel trag ich so und so."






Freitag, 20. März 2015

Bäume sind Heiligtümer • Urgesetz des Lebens • H. Hesse

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethofen und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum. Wenn ein Baum umgesägt worden ist und seine nackte Todeswunde der Sonne zeigt, dann kann man auf der lichten Scheibe seines Stumpfes und Grabmals seine ganze Geschichte lesen: in den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, dass das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat, dass hoch auf Bergen und in immerwährender Gefahr die unzerstörbarsten, kraftvollsten, vorbildlichsten Stämme wachsen. Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens. (Hermann Hesse)







Donnerstag, 19. März 2015

Über die Verantwortung bei der Erziehung • Novelle aus dem Maghreb

Es versteht sich, dass in Maghrebinien, wo so gründliches Augenmerk auf die Bildung der Jugend geworfen wird, ein edler Wettstreit zwischen den Vätern herrsche: jeder nämlich wünscht seinem Sohn die beste und umfassendste der Erziehungen angedeihen zu lassen. 

So berichtet man von einem Mann, dem ein Sohn geboren worden war. Voll Stolz und voll von dem Bewusstsein der Verantwortung, die nunmehr auf ihm lastete, begab er sich in seinen Garten und schritt grübelnd auf und ab, beständig überlegend, welches die allerbeste und umfassendste der Erziehungen wäre, die er seinem Nachkommen geben könnte. So schritt er Stunde um Stunde und Tag um Tag in seinem Garten auf und ab, und eines Tages trat ein junger Mensch an ihn heran und klopfte ihm auf die Schulter -: Es war sein Sohn, der inzwischen zum Manne herangewachsen war.








Dienstag, 3. März 2015

Das Einhorn im Garten • Fabel von James Thurber

Ein Mann sieht ein Einhorn in seinem Vorgarten und geht sofort zu seiner Frau ins Schlafzimmer, um ihr das mitzuteilen. Diese sieht ihn verschlafen an und sagt: „Das Einhorn ist ein Fabelwesen.“ Dann dreht sie sich wieder um. Der Mann geht wieder in den Garten und gibt dem Einhorn eine Lilie zu fressen. Dann weckt er seine Frau noch einmal und sagt: „Das Einhorn hat eine Lilie gefressen.“ Doch seine Frau erklärt ihn für verrückt und droht ihm an, ihn in die Klapsmühle zu bringen. Darauf geht der Mann zurück in den Garten, doch das Einhorn ist verschwunden. So setzt er sich zwischen die Rosen und schläft ein.

Da steht die Frau rasch auf und ruft die Polizei und einen Psychiater an. Die Polizei und der Psychiater kommen und betrachten die Frau aufmerksam, als diese sagt "Mein Mann hat heute morgen ein Einhorn gesehen." Sie lassen sie noch weiter erzählen, dann gibt der Psychiater den Polizisten ein Zeichen, diese ergreifen die Frau und stecken sie in die Zwangsjacke. Als ihr Mann ins Haus zurückkommt, fragen ihn die Polizisten, ob er seiner Frau gesagt habe, er hätte ein Einhorn gesehen. Doch dieser antwortet nur kurz: „Wie kommen Sie denn darauf? Das Einhorn ist doch ein Fabelwesen!“ Auf diese Aussage hin lässt der Psychiater die heftig schimpfende Frau in eine Anstalt bringen. Der Mann aber lebt fröhlich und zufrieden weiter. (James Thurber)

Als Moral stellt James Thurber folgende Erkenntnis an das Ende seiner Geschichte: „Des Bären Fell soll man nicht zu Markte tragen, bevor man ihn nicht Jemandem aufgebunden hat.“ (Wikipedia)





Samstag, 24. Januar 2015

Fabeln von Aesop | Wer war Aesop und wo und wann lebte er?


Äsop (griechisch Αἴσωπος Aísōpos, latinisiert Aesopus, eingedeutscht Aesop, Aisop) war ein berühmter griechischer Dichter. Bei seinen Fabeln handelt es sich um mythische und säkulare kurze Geschichten, die als Gleichnisse in Erscheinung treten. 

Die angesprochenen menschlichen Schwächen wie Neid, Dummheit, Geiz oder Eitelkeit und die Stoffe und Figuren stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr in Griechenland. Handlungsträger sind Tiere, Pflanzen, Götter und bekannte Menschen seiner Zeit. Äsops Fabeln werten, urteilen und demaskieren zwar, vernichten oder verdammen aber nicht. Seine Geschichten waren in den mittelalterlichen Klosterschulen ein sehr häufig verwendeter Lesestoff. (Wikipedia)






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