Aventin Blog: Goethe
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Donnerstag, 12. Juli 2018

Ein Meister ländlicher Schule

Ein Meister ländlicher Schule:

Ein Meister einer ländlichen Schule Erhob sich einst von seinem Stuhle, Und hatte fest sich vorgenommen In bessere Gesellschaft zu kommen; Deswegen er, im nahen Bad, In den sogenannten Salon eintrat.


Samstag, 7. Juli 2018

Farbenphänomene | Blau

Farbenphänomene | Blau:

So wie Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, dass das Blau immer etwas Dunklers mit sich führe. Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung.


Freitag, 6. Juli 2018

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.


Werther in der Schweiz – Zufriedenheit

Werther in der Schweiz – Zufriedenheit:

Man sagt mir wieder, dass die Menschen, die mich unterwegs gesehen haben, sehr wenig mit mir zufrieden sind. Ich will es gerne glauben, denn auch niemand von ihnen hat zu meiner Zufriedenheit beigetragen.


Mittwoch, 27. Juni 2018

Samstag, 5. Mai 2018

Vom Irrtum befangen Betrachtung von Johann Wolfgang von Goethe

Vom Irrtum befangen Betrachtung von Johann Wolfgang von Goethe:


Vom Irrtum befangen | Gar oft im Laufe des Lebens, mitten in der größten Sicherheit des Wandels bemerken wir auf einmal, dass wir in einem Irrtum befangen sind, dass wir uns für Personen, für Gegenstände einnehmen ließen, ein Verhältnis zu ihnen erträumten, das dem erwachten Auge sogleich verschwindet



Freitag, 29. Juli 2016

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis | Goethe - Faust


Die schönste Frucht von Goethes Lebensweisheit war die Erkenntnis, dass 'alles Vergängliche nur ein Gleichnis' ist. So steht es in Schlußchor des Faust. 

Gewiss wollte der greise Meister mit dem beigefügten 'NUR' nicht seine Geringschätzung für das 'Vergängliche' ausdrücken. Von einer Geringschätzung, wie wir sie bei manchen Heiligen finden, die sich von den Schönheiten des Daseins abwenden und alles Sichtbare für Blendwerk und Verführung halten, war Goethe weit entfernt. 

Goethe liebte das Vergängliche und konnte in Andacht vor einer blühenden Blume verweilen, die doch in wenigen Stunden oder Tagen nicht mehr vorhanden war. Seine Andacht vor dem Vergänglichen, sein unermüdlicher Eifer in der Erforschung alles Erforschbaren galt im Grunde nicht der einzelnen Blume und nicht dem einzelnen Gegenstand seiner Beobachtung, sondern dem Formgedanken, dem geistigen Prinzip, das sich darin manifestierte. Er schaute in allem Individuellen ein Allgemeines und in allem Gesonderten einen großen lebendigen Zusammenhang. 

Metamorphosen, die Verwandlung und Entwicklung, der Durchgang und der Übergang, wurden für den Forscher Goethe, aber auch für den künstlerisch gestaltenden, die Hauptanhaltspunkte, mit deren Hilfe er das Wesen der Welt zu erfassen und sich selber ihm einzufügen suchte. 






Dienstag, 28. Juni 2016

Der Zauberlehrling | Ballade von Johann Wolfgang Goethe


Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben!
Seine Wort' und Werke
Merkt' ich und den Brauch, 
und mit Geistesstärke
Tu' ich Wunder auch.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! - 
Ach, ich merk' es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Auch, das Wort, worauf am Ende
Es das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich's  lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh' ich über jeder Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen, 
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst's am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.
Wahrlich brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mit, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör' mich rufen! -
Ah, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid's gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu diesem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister."






Freitag, 24. Juni 2016

Ein sorglicher Hausgeist | Novelle von Goethe


Ein junger Landmann pachtete einen ansehnlichen Gasthof, der sehr gut gelegen war. Von den Eigenschaften, die zu einem Wirt gehören, besaß er vorzüglich die Behaglichkeit, und weil es ihm von Jugend auf in den Trinkstuben auch wohl gewesen war, mochte er wohl deshalb ein Metier ergriffen haben, das ihn nötigte, den größten Teil des Tages darin zu verbringen. Er war sorglos ohne Liederlichkeit, und sein Behagen breitete sich über alle Gäste aus, die sich bald häufig bei ihm versammelten.

Er hatte eine junge Person geheiratet, eine stille leidliche Natur. Sie versah ihre Geschäfte gut und pünktlich, sie hing an ihrem Hauswesen, sie liebte ihren Mann; doch musste sie ihn bei sich im Stillen tadeln, dass er mit dem Geld nicht sorgfältig genug umging. Das bare Geld nötigte ihr eine gewisse Ehrfurcht ab, sie fühlte ganz den Wert desselben, sowie die Notwendigkeit sich überhaupt in Besitz zu setzen, sich dabei zu erhalten. Ohne eine angeborene Heiterkeit des Gemüts hätte sie alle Anlagen zum strengen Geiz gehabt. Doch ein wenig Geiz schadet nichts. 

Margarete, so will ich meinen sorglichen Hausgeist nennen, war mit ihrem Mann sehr unzufrieden, wenn er zu große Zahlungen machte. Freigiebigkeit ist eine Tugend, die dem Mann ziemt, und Festhalten ist die Tugend einer Frau. So hat es die Natur gewollt, und unser Urteil wird im ganzen naturgemäß ausfallen, wenn er erhaltene aufgekaufte Fourage von Fuhrleuten und Unternehmern, aufgezählt wie sie waren, eine Zeitlang auf dem Tisch liegen ließ, das Geld alsdann in Körbchen einstrich und daraus wieder ausgab und auszahlte, ohne Pakete gemacht zu haben und ohne Rechnung zu führen. Verschiedene ihrer Erinnerungen waren fruchtlos, und sie sah wohl ein, dass, wenn er auch nicht verschwendete, manches in einer solchen Unordnung verschleudert werden müsse. Der Wunsch ihn auf bessere Wege zu leiten war so groß bei ihr, der Verdruss zu sehen, dass manches, was sie im Kleinen erwarb und zusammen hielt, im Großen wieder vernachlässigt wurde und auseinander floss, dass sie sich zu einem gefährlichen Versuch bewogen fühlte, wodurch sie ihm über diese Lebensweise die Augen zu öffnen gedachte. 

Sie nahm sich vor, ihm so viel Geld als möglich aus den Händen zu spielen, und bediente sich dazu einer sonderbaren List. Sie hatte bemerkt, dass er das Geld, das einmal auf dem Tisch aufgezählt war, wenn es eine Zeitlang gelegen hatte, nicht wieder nachzählte, ehe er es aufhob; sie bestrich daher den Boden eines Leuchters mit Talg und setzte ihn, in einem Schein von Ungeschicklichkeit, auf die Stelle, wo die Dukaten lagen, eine Geldsorte, der sie eine besondere Freundschaft gewidmet hatte. Sie erhaschte ein Stück und nebenbei einige kleine Münzsorten und war mit ihrem ersten Fischfang wohl zufrieden; sie wiederholte diese Operation mehrmals; und ob sie sich gleich über ein solches Mittel zu einem guten Zweck kein Gewissen machte, so beruhigte sie sich doch über jeden Zweifel vorzüglich dadurch, dass diese Art der Entwendung für keinen Diebstahl angesehen werden könne, weil sie das Geld nicht mit den Händen weggenommen habe. So vermehrte sich nach und nach ihr heimlicher Schatz, und zwar um desto reichlicher, als sie alles, was bei der inneren Wirtschaft von barem Geld ihr in die Hände floss, auf das strengste zusammenhielt. 

Schon war sie beinahe ein ganzes Jahr ihrem Plan treu geblieben, und hatte indessen ihren Mann sorgfältig beobachtet, ohne eine Veränderung in seinem Humor zu spüren, bis er endlich einmal höchst übler Laune war. Sie suchte ihm die Ursache dieser Veränderung abzuschmeicheln und erfuhr bald, dass er in großer Verlegenheit sei. Es hätte ihm nach der letzten Zahlung, die er an Lieferanten getan, seine Pachtgelder übrig bleiben sollen, sie fehlten aber nicht allein völlig, sondern er habe sogar die Leute nicht ganz befriedigen können. Da er alles im Kopf rechne und wenig aufschreibe, so könne er nicht nachkommen, wo ein solcher Verstoß herrühre. 

Margarete schilderte ihm darauf sein Betragen, die Art, wie er einnehme und ausgebe, den Mangel an Aufmerksamkeit; selbst seine gutmütige Freigebigkeit kam mit in Anschlag, und freilich ließen ihn die Folgen seiner Handelweise, die ihn so sehr drückten, keine Entschuldigung aufbringen.

Margarete konnte ihren Gatten nicht lange in dieser Verlegenheit lassen, um so weniger, als es ihr so sehr zur Ehre gereichte, ihn wieder glücklich zu machen. Sie setzte ihn in Verwunderung, als sie zu seinem Geburtstag, der eben eintrat, und an dem sie ihn sonst mit etwas Brauchbarem anzubinden pflegte, mit einem Körbchen voll Geldrollen ankam. Die verschiedenen Münzsorten waren besonders gepackt, und der Inhalt jedes Röllchens war, mit schlechter Schrift, jedoch sorgfältig, darauf gezeichnet. Wie erstaunte nicht der Mann, als er beinahe die Summe, die ihm fehlte, vor sich sah, und die Frau ihm versicherte, das Geld gehöre ihm. Sie erzählte darauf umständlich, wann und wie sie es genommen, was sie ihm entzogen, und was durch ihren Fleiß erspart worden sei. Sein Verdruss ging in Entzücken über, und die Folge war, wie natürlich, dass er Ausgabe und Einnahme der Frau völlig übertrug, seine Geschäfte vor wie nach, nur mit noch größerem Eifer besorgte, von dem Tag an aber keinen Pfennig Geld mehr in die Hände nahm. Die Frau verwaltete das Amt eines Kassiers mit großen Ehren, kein falscher Laubtaler, ja kein verrufener Sechser ward angenommen, und die Herrschaft im Hause war, wie billig, die Folge ihrer Tätigkeit und Sorgfalt, durch die sie nach dem Verlauf von zehn Jahren ihren Mann in den Stand setzte, den Gasthof mit allem, was dazu gehörte, zu kaufen und zu behaupten.






Freitag, 17. Juni 2016

Farbenphänomene | Mennig | Johann Wolfgang Goethe


Wie das reine Gelb sehr leicht in das Orange hinübergeht, so ist die Steigerung dieses letzten ins Mennig (Gelbrote) nicht aufzuhalten. Das angenehme heitere Gefühl, das uns das Orange noch gewährt, steigert sich bis zum unerträglich Gewaltsamen im hohen Gelbroten. 

Die aktive Seite ist hier in ihrer höchsten Energie, und es ist kein Wunder, dass energische, gesunde, rohe Menschen sich besonders an dieser Farbe erfreuen. Man hat die Neigung zu derselben bei wilden Völkern durchaus bemerkt. Und wenn Kinder, sich selbst überlassen, zu illuminieren anfangen, so werden sie Zinnober und Mennig nicht schonen.

Man darf eine vollkommen gelbrote Fläche starr ansehen, so scheint sich die Farbe wirklich ins Organ zu bohren. Sie bringt eine unglaubliche Erschütterung hervor und behält diese Wirkung bei einem ziemlichen Grade von Dunkelheit.

Die Erscheinung eines gelbroten Tuches beunruhigt und erzürnt die Tiere. Auch habe ich gebildete Menschen gekannt, denen es unerträglich fiel, wenn ihnen an einem sonst grauen Tag jemand im Scharlachrock begegnete. 
  




Freitag, 29. April 2016

Farbenphänomene | Blaurot | Johann Wolfgang Goethe


Jene Unruhe nimmt bei der weiter schreitenden Steigerung zu, und man kann wohl behaupten, dass eine Tapete von einem ganz reinen gesättigten Blaurot eine Art von unerträglicher Gegenwart sein müsse. Deswegen es auch, wenn es als Kleidung, Band, oder sonstiger Zierrat vorkommt, sehr verdünnt und hell angewendet wird, da es denn seiner bezeichneten Natur nach einen ganz besonderen Reiz ausübt. 

Indem die hohe Geistlichkeit diese unruhige Farbe sich angeeignet hat, so dürfte man wohl sagen, dass sie auf den unruhigen Staffeln einer immer vordringenden Steigerung unaufhaltsam zu dem Kardinalpurpur hinaufstrebe. 






Freitag, 18. März 2016

Farbenphänomene | Orange | Johann Wolfgang Goethe

Da sich keine Farbe als stillstehend betrachten lässt, so kann man das Gelbe sehr leicht durch Verdichtung und Verdunklung ins Rötliche steigern und erheben. Die Farbe wächst an Energie und erscheint im Orange (Rotgelben) mächtiger und herrlicher. 

Alles was wir vom Gelben gesagt haben, gilt auch hier, nur im höheren Grade. Das Orange gibt eigentlich dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne, indem es die Farbe der höheren Glut sowie den milderen Abglanz der untergehenden Sonne repräsentiert. Deswegen ist sie auch bei Umgebungen angenehm und als Kleidung in mehr oder minderem Grade erfreulich oder herrlich. Ein kleiner Blick ins Rote gibt dem Gelben gleich ein anderes Aussehen; und wenn Engländer und Deutsche sich noch an blassgelben hellen Lederfarben genügen lassen, so liebt der Franzose, wie Pater Castel schon bemerkt, das ins Rot gesteigerte Gelb, wie ihn überhaupt an Farben alles erfreut, was sich auf der aktiven Seite befindet.





Freitag, 29. Januar 2016

Farbenphänomene | Rot | Johann Wolfgang Goethe

Man entferne bei dieser Benennung alles, was im Roten einen Eindruck von Gelb oder Blau machen könnte. Man denke sich ein ganz reines Rot, einen vollkommenen, auf einer weißen Porzellanschale aufgetrockneten Karmin. Wir haben diese Farbe ihrer hohen Würde wegen manchmal Purpur genannt, ob wir gleichwohl wissen, dass der Purpur der Alten sich mehr nach der blauen Seite hinzog. 

Wer die prismatische Entstehung des Purpurs kennt, der wird nicht paradox finden, wenn wir behaupten, dass dieser Farbe teils actu, teils potentia alle anderen Farben enthalte. Wenn wir beim Gelben und Blauen eine strebende Steigerung ins Rote gesehen und dabei unsere Gefühle bemerkt haben, so lässt sich denken, dass nun in der Vereinigung der gesteigerten Pole eine eigentliche Beruhigung, die wir eine ideale Befriedigung nennen möchten, stattfinden könne. Und so entsteht bei physischen  Phänomenen diese höchste aller Farbenerscheinungen aus dem Zusammentreten zweier entgegengesetzten Enden, die sich zu einer Vereinigung nach und nach selbst vorbereitet haben. 





Donnerstag, 14. Januar 2016

Farbenphänomene ⋅ Grün ⋅ Johann Wolfgang Goethe


Wenn man Gelb und Blau, welche wir als die ersten und einfachsten Farben ansehen, gleich bei ihrem ersten Erscheinen, auf der ersten Stufe ihrer Wirkung zusammenbringt, so entsteht diejenige Farbe, welche wir Grün nennen. 

Unser Auge findet in derselben eine reale Befriedigung. Wenn beide Mutterfarben sich in der Mischung genau das Gleichgewicht halten, dergestalt, dass keine vor der anderen bemerklich ist, so ruht das Auge und das Gemüt auf diesem Gemischten wie auf einem Einfachen. Man will nicht weiter und man kann nicht weiter. Deswegen für Zimmer, in denen man sich immer befindet, die grüne Farbe zur Tapete meist gewählt wird. 








Dienstag, 8. Dezember 2015

Ein Meister ländlicher Schule ⋅ Johann Wolfgang Goethe


Ein Meister einer ländlichen Schule
Erhob sich einst von seinem Stuhle,
Und hatte fest sich vorgenommen
In bessere Gesellschaft zu kommen;
Deswegen er, im nahen Bad,
In den sogenannten Salon eintrat.

Verblüfft war er gleich an der Tür,
Als wenn's ihm zu vornehm widerführ;
Macht daher dem ersten Fremden rechts
Einen tiefen Bückling, es war nichts Schlechts,
Aber hinten hätt er nicht vorgesehen,
Dass da auch wieder Leute stehen,
Gab einem zur Linken in den Schoß
Mit seinem Hintern einen derben Stoß.

Das hätt er schnell gern abgebüßt;
So stößt er rechts einen andern an,
Er hat wieder jemand was Leids getan.
Und wie er's  diesem wieder abbittet,
Er's wieder mit einem andern verschüttet.
Und komplimentiert sich zu seiner Qual,
Vor vorn und hinten, so durch den Saal,
Bis ihm endlich ein derber Geist
Ungeduldig die Türe weist.

Da er nun seine Straße ging,
Dacht er: ich machte mich zu gering;
Will mich aber nicht weiter schmiegen;
Denn wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.
So ging er gleich frisch querfeldein,
Und zwar nicht über Stock und Stein;
Sondern über Äcker und gute Wiesen,
Zertrat das alles mit latschen Füßen.

Ein Bauer begegnet ihm so
Und fragt nicht weiter wie? noch wo?
Sondern schlägt ihm tüchtig hinter die Ohren.
Bin ich doch gleich wie neugeboren!
Ruft unser Wandrer hochentzückt.
Wer bist du Mann, der mich beglückt?
Möchte mich Gott doch immer segnen,
Dass mir so fröhlich Gesellen begegnen!






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