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Samstag, 23. Dezember 2017

Weihnachtserinnerung Denke ich an Weihnachten - Geschichte von Karl Krolow

Weihnachtserinnerung Denke ich an Weihnachten - Geschichte von Karl Krolow:

Geschichte von Karl Krolow - Weihnachtserinnerung - Denke ich an Weihnachten


Samstag, 14. Oktober 2017

Der Zwerg von Volkringhausen Sage aus Deutschland

Dienstag, 14. Juni 2016

Der Zwerg von Volkringhausen und das Hirtenmädchen


In der Nähe von Volkringhausen liegt eine Höhle. Dort wohnte vor Zeiten ein Zwerg, dem ein Hirtenkind aus Volkringhausen gar wohl gefiel. Das Mädchen fand einst am Berghang ein zierliches Hämmerchen. Da es glaubte, das müsse einem Zwerg gehören, legte es das Werkzeug in den Eingang der Höhle. Als das Mädchen sich umdrehte, stand plötzlich der Zwerg vor ihr, der sie aus dem Gebüsch heraus still beobachtet hatte. Er bedankte sich bei der ehrlichen Finderin und schenkte ihr ein Paar Schuhe mit silbernen Spangen. Das Mädchen war darüber so überrascht, dass es ganz vergaß, dem Männlein zu danken. Und als sie sich darauf besann, war der Zwerg verschwunden. Da wand sie einen Strauß von Immergrün, Engelsüss und Tausendschön, legte ihn vor der Höhle nieder und trieb dann die Herde heim. 

Am anderen Morgen, als die Hirtin wieder oben auf dem Felsen saß, wo sie ihre Herde am besten überschauen konnte und wo sie auch gern ihre frohen Lieder sang, stand, wie aus den Wolken gefallen, wieder der Zwerg vor ihr. Er reichte ihr einen silbernen Haarreifen und sprach: "Du bist ein gutes Kind. Bring mir in jedem Sommer einen Strauß, wie du es gestern getan hast, und ich will es dir lohnen. Den frischen Blumenstrauß aber lege unter den Rosendorn, der dort am Felsen steht." 

Das Hirtenkind erfüllte nun alljährlich den bescheidenen Wunsch des Zwerges, pflückte Immergrün und Engelsüss am Felshang und Tausendschön im Tal, trug den Strauß zur rechten Stelle hin und erhielt ein jedes Mal reichen Lohn. 

Nach sieben Jahren aber, als das Mädchen zur blühenden Jungfrau herangewachsen war, bat es den Zwerg, er möge sie doch einmal in das Reich der Zwerge führen und ihr zeigen, wo seine Wohnung sei. Das bekümmerte den guten Zwerg gar sehr, und er warnte es eindringlich und sprach: "Kind, lass ab von deinem Begehren, oder es wird dein Unglück sein!" Doch das Mädchen bestand auf ihrem Willen, denn die Schätze hatten ihr das Herz betört. Da nahm der Zwerg ein Eibenreis, steckte es ihr ins Haar, dass sie die Heimat nicht vergäße, hauchte ihr auf die Augen, damit ihr das unterirdische Licht nicht schade, und ging dann voran in den Berg. Das Mädchen schaute sich noch einmal um, ließ ihre Herde im Tal und folgte ihm. 

Als die Hirtin durch eine Pforte von leuchtendem Bergkristall geschritten war, stand sie ganz im Zauber der Unterwelt. Ihre Sinne waren verwirrt von all der Pracht und Herrlichkeit. Sprachlos folgte sie ihrem Führer und wanderte weiter und immer weiter. Und sie sah auch den König der Zwerge in Gold und Purpur auf dem Thron sitzen. Wie sie zuletzt an einen kleinen See kam, in welchem sich tausend farbige Lichter widerspiegelten, erblickte sie im Wasser ihr eigenes Bild. Und als sie das Eibenreis im Haar sah, gedachte sie der Mutter daheim und der trauten Gespielinnen und der Wiese im Tal. Und sie wünschte sich fort aus der Unterwelt, damit sie wieder unter Menschen wäre. 

Daraufhin wurde sie zurückgeführt und sah bald wieder das Sonnenlicht und stand am Berghang, dort, wo sonst der Rosendorn grünte. Aber der Dorn stand nicht mehr am Felsen, und die Bäumchen, die sonst am Berg wuchsen, waren in haushohe Stämme mit ausgedehnten Kronen verwandelt, und von der Herde war kein einziges Tier mehr zu finden. Da stand das Mädchen wie im Traum und glaubte, sie befände sich an einem fremden Ort. Schnell eilte sie hinunter ins Tal und suchte das Haus ihrer Mutter. Das Heimatdorf lag im stillen Frieden der Abendsonne, aber an der Stelle, wo sonst die Mutter wohnte, befand sich nur zerfallenes Gemäuer, und Brombeerranken legten sich darüber. Nur der alte Birnbaum mit der breiten Bank aus Stein war noch da. 

Wie das Mädchen nun auf der Bank saß, die Hände rang und klagte, kamen die Nachbarn herbei und fragten, was ihr Begehren sei; denn sie war allen fremd und unbekannt. Als sie aber ihren Namen nannte und erzählte, sie sei am Morgen in den Berg gestiegen, und nun nach wenigen Stunden habe sich alles so verändert, trat eine alte Frau hervor, schloss das Mädchen unter Tränen in die Arme und sprach: "Kind, Kind, was ist mit dir geschehen? Vor vielen Jahren bist du verschwunden, und alles Suchen war umsonst. - Deine Mutter ist gestorben, und als nach Jahren euer Haus in Rauch und Flammen aufging, sind Bruder und Schwester in die weite Welt gezogen, und keiner weiß wohin." Da wollte dem Mädchen die Brust zerspringen, und sie starb noch  am gleichen Tag vor lauter Herzeleid.






Dienstag, 1. März 2016

Die Zwerge vom Goldberg bei Hagen | Sage aus Deutschland


In alter Zeit lebten bei Hagen in einer Höhle im Goldberg Zwerge. Heimlich halfen sie den Menschen bei ihrer Arbeit. Am Fuße des Goldbergs lag eine Schmiede. Oft kamen die Zwerge des Nachts aus ihrer Höhle und gingen in die Schmiede. Dort fachten sie die Glut wieder an und schmiedeten Schwerter, Messer und Sensen. Sie verschwanden wieder, ehe die Schmiede am Morgen zur Arbeit kamen. 

Die Schmiede freuten sich über ihre unsichtbaren Helfer, denn die Zwerge schmiedeten viel bessere Klingen als sie selbst. Der Schmiedemeister verkaufte all diese Klingen mit sehr hohem Gewinn. Die Leute glaubten auch, dass die Zwerge einen goldenen Schatz in ihrer Höhle hüten würden. Zu gern hätten sie diesen Schatz gehabt. Deshalb beschlossen sie, den Schatz zu rauben. Eines Nachts beobachteten so die Schmiede, wie die Zwerge morgens die Werkstatt verließen und hielten den letzten der Zwerge fest. Der Zwerg bat inständig darum, sie möchten ihn doch bitte frei lassen. Dafür wollte er sie in die Höhle führen und reich beschenken. Nur  dürften sie dort aber weder sprechen noch streiten. Die Schmiede stimmten zu und der Zwerg führte sie sodann in die Höhle. Als die Schmiede aber die goldenen Schätze entdeckten, stürzten sie sich darüber her und jeder wollte am meisten raffen. Sie stritten sehr laut untereinander  und schrien sich giftig an. Da stieß der Zwerg mit einem Stock an die Decke der Höhle, welche über den Schmieden herabstürzte und alle tötete. 

Kein Zwerg wurde seitdem mehr gesehen. Die freundlichen Helfer waren und blieben für immer verschwunden.





Montag, 7. Dezember 2015

Der Löwe und der Esel • Teamarbeit • Fabel von Aesop

Der Löwe und der Esel schlossen ein Bündnis und gingen miteinander auf die Jagd. Zufällig kamen sie zu einer Höhle, in welcher wilde Ziegen waren. Da beschlossen sie, dass der Esel in die Höhle treten und ein Geschrei machen solle, um die Ziegen zu erschrecken, damit sie aus der Höhle fliehen und der Löwe sich der Herauskommenden bemächtigen könne. 

Nachdem dies so geschah und der Löwe die meisten ergriffen hatte, trat der Esel wieder ins Freie und fragte seinen Gefährten, ob er denn nicht tapfer gekämpft und die Ziegen ordentlich heraus gescheucht habe. Der Löwe antwortete ihm: "Ich selbst hätte es nicht besser machen können und mich gefürchtet, wenn ich nicht gewusst hätte, dass du es bist." 

Lehre:
Teamarbeit • Ein jeder tue, was er besser kann, ein jeder nach seinem Vermögen.





Dienstag, 26. Mai 2015

Der Löwe und der Fuchs • Verräterische Spuren • Fabel Babrios

Der Löwe war alt geworden und so entkräftet, dass er nicht mehr zur Jagd ausziehen konnte. Wie ein Kranker lag er in seiner Felsenhöhle, keuchte, als wäre es schlecht mit ihm bestellt, und tat, als könne er nur ganz leise sprechen. Zu allen Tieren kam die Botschaft von der Krankheit des Königs, und in ihrer Betrübnis eilten sie herbei, um ihn zu besuchen. Wie sie aber so einzeln in seine Höhle kamen, packte sie der Löwe und fraß sie auf, sodass es ihm trotz seinem Alter recht wohl erging. 

Auch der schlaue Fuchs kam zur Löwenhöhle, aber er durchschaute den Löwen, blieb am Eingang stehen und fragte teilnahmsvoll: "Wie geht es dir, mein König?" Der Löwe hieß ihn willkommen und nannte ihn seinen Liebling, den er von allen Tieren am meisten schätze. "Aber tritt doch ein", fuhr er fort, "komm doch und heitere mich mit deinen Scherzen auf - es geht mit mir zu Ende!" - "Mögest du doch genesen!" wünschte ihm der Fuchs. "Mir aber verzeihe, wenn ich mich entferne. Ich sehe hier die Spuren so vieler Tiere, die in deine Höhle führen; zeige mir doch eine, die aus deiner Höhle wieder herausführt!" 







Montag, 26. Januar 2015

Der Löwe, der Wolf und der Fuchs | Gute Gesinnung | Fabel von Aesop

aventin.blogspot.com

Ein alter Löwe lag krank in seiner Höhle. Alle Tiere erschienen, um den König zu besuchen, nur der Fuchs nicht. Dies bot dem Wolf die Gelegenheit, den Fuchs bei dem Löwen zu verleumden. Er sagte dem Löwen, dass der Fuchs den Herrscher über alle Tiere nicht achte und deshalb nicht zu Besuch käme.

Mittlerweile war aber auch der Fuchs erschienen und hatte die letzten Worte des Wolfes noch vernommen. Der Löwe brüllte den Fuchs an. Der aber bat um Frist zu seiner Verteidigung und sprach: "Wer von allen hier Versammelten hat dir so viel genützt wie ich, der ich überall herumgegangen bin, um mir von einem Arzt ein Heilmittel für dich empfehlen zu lassen?" 

Als nun der Löwe befahl, dieses Heilmittel auf der Stelle zu nennen, antwortete der Fuchs: "Es besteht darin, dass du einem Wolf lebendig das Fell abziehst und dich darin hüllst, solange es noch ganz warm ist." Im Nu lag der Wolf niedergestreckt am Boden. 

Da sagte der Fuchs scheinheilig: "Man muss nicht üble, sondern gute Gesinnung bei den Herrschern erwecken." 

Lehre: 
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein oder wer zuletzt lacht, lacht am besten.






Dienstag, 10. April 2012

Das Höhlengleichnis | Antike Philosophie

aventin.blogspot.com

Das Höhlengleichnis ist eines der bekanntesten Gleichnisse der antiken Philosophie. Es dient bis heute als Standardlehrbeispiel zur Einführung in die Erkenntnistheorie. Platons Lehrer Sokrates verdeutlicht im Gleichnis seinem Gesprächspartner Glaukon den Bildungsweg des Philosophen. Eingebettet ist dieses Gleichnis in die Frage Glaukons nach dem Wesen des Guten und in den Kontext der beiden vorhergehenden Gleichnisse, des Sonnengleichnisses und des Liniengleichnisses, die beide das Verständnis des Höhlengleichnisses vorbereiten. (Wikipedia)

„Und jetzt will ich dir ein Gleichnis für uns Menschen sagen, wenn wir wahrhaft erzogen sind und wenn wir es nicht sind. Denke dir, es lebten Menschen in einer Art unterirdischer Höhle, und längs der ganzen Höhle zöge sich eine breite Öffnung hin, die zum Licht hinaufführt. In dieser Höhle wären sie von Kindheit an gewesen und hätten Fesseln an den Schenkeln und am Hals, so dass sie sich nicht von der Stelle rühren könnten und beständig geradeaus schauen müssten. Oben in der Ferne sei ein Feuer, und das gebe ihnen von hinten her Licht. Zwischen dem Feuer aber und diesen Gefesselten führe oben ein Weg entlang. Denke dir, dieser Weg hätte an seiner Seite eine Mauer, ähnlich wie ein Gerüst, das die Gaukler vor sich, den Zuschauern gegenüber, zu errichten pflegen, um darauf ihre Kunststücke vorzuführen.“ „Ja, ich denke es mir so.“ „Weiter denke dir, es trügen Leute an dieser Mauer vorüber, aber so, dass es über sie hinweg ragt, allerhand Geräte, auch Bildsäulen von Menschen und Tieren aus Stein oder Holz und überhaupt Erzeugnisse menschlicher Arbeit. Einzige dieser Leute werden sich dabei vermutlich unterhalten, andere werden nichts sagen.“ „Welch seltsames Gleichnis! Welch seltsame Gefangene!“ „Sie gleichen uns! Haben nun diese Gefangenen wohl von sich selber und voneinander etwas anderes gesehen als ihre Schatten, die das Feuer auf die Wand der Höhle wirft, der sie gegenüber sitzen?“ „Wie sollten sie! Sie können ja ihr Leben lang nicht den Kopf drehen!“ „Ferner: Von den Gegenständen, die oben vorüber getragen werden? Doch ebenfalls nur den Schatten?“ „Zweifellos.“ „Und wenn sie miteinander sprechen können, so werden sie in der Regel doch wohl von diesen Schatten reden, die da auf ihrer Wand vorüber gehen.“ „Unbedingt.“ „Und wenn ihr Gefängnis auch ein Echo von der Wand zurück wirft, sobald ein Vorübergehender spricht, so werden sie gewiss nichts anderes für den Sprecher halten, als den vorüber kommenden Schatten.“ „Entschieden nicht.“ „Überhaupt, sie werden nichts anderes für wirklich halten als diese Schatten von Gegenständen menschlicher Arbeit.“ „Ja, ganz unbedingt“. „Nun denke dir, wie es ihnen ergeht, wenn sie frei werden, die Fesseln abstreifen und von der Unwissenheit geheilt werden. Es kann doch nicht anders sein als so. Wenn einer losgemacht wird, sofort aufstehen muss, den Hals wenden, vorwärst schreiten und hinauf nach dem Lichte schauen muss – das alles aber verursacht ihm natürlich Schmerzen, und das Licht blendet ihn so, dass er die Gegenstände, deren Schatten es bis dahin sah, nicht erkennen kann -, was wird es dann wohl sagen, wenn man ihm erklärt: bis dahin habe er nur eitlen Tand gesehen; jetzt sei er der Wahrheit viel näher und sähe besser; denn die Gegenstände hätten höhere Wirklichkeit, denen er jetzt zugewendet sei! Und weiter, wenn man auf die einzelnen Gegenstände hin zeigt und ihn fragt, was sie bedeuten. Er würde doch keine einzige Antwort geben können und würde glauben, was er bis dahin gesehen, hätte mehr Wirklichkeit, als was man ihm jetzt zeigt.“ „Weit mehr.“ „Und zwingt man ihn, das Licht selber anzusehen, so schmerzen ihn doch die Augen. Er wird sich umkehren, wird zu den alten Schatten eilen, die er doch ansehen kann, und wird sie für heller halten als das, was man ihm zeigt.“ „Ja, das wird es tun.“ „Und zieht man ihn gar den rauen steilen Aufgang mit Gewalt hinauf und lässt nicht ab, bis man ihn hervor ins Sonnenlicht gezogen hat, so steht er doch Qualen aus, wehrt sich unwillig, und, ist er oben im Licht, so hat er die Augen voller Glanz und kann kein einziges von den Dingen sehen, die wir wirklich nennen.“ „Nein, wenn es plötzlich geschieht, nicht.“ „Er muss sich erst an das Licht gewöhnen, wenn er die Gegenstände oben sehen will. Zuerst wird er wohl am besten die Schatten erkennen, später die Spiegelungen von Menschen und anderen Gegenständen im Wasser, dann sie selber. Weiter wird er die Himmelskörper sehen und den Himmel selber, und zwar besser bei Nacht die Sterne und den Mond, als bei Tage die Sonne und ihre Strahlen.“ „Freilich.“ Schließlich wird er in die Sonne selber sehen können, also nicht bloß ihre Spiegelbilder im Wasser und anderswo hier unten erblicken, sondern sie selber oben an ihrem Ort. Er wird ihr Wesen begreifen.“ „Unbedingt.“ „Und dann vermag er den Schluss zu ziehen, dass sie es ist, die Jahreszeiten und Jahre hervor bringt, die über die ganze sichtbare Welt waltet und von der im gewissen Sinne alles, was man sieht, ausgeht.“ „Es ist klar, dass er hierhin zuletzt gelangt.“ „Nun weiter! Wenn er jetzt an die alte Wohnung zurück denkt und an die dortige Weisheit und an seine Mitgefangenen, so preist er sich doch glücklich über den Wechsel und bedauert jene.“ „Gewiss.“ „Und wie denkt er über die Ehrungen und Lobsprüche und Geschenke, die man dort unten voneinander erhielt? Nämlich dann, wenn einer die vorbei kommenden Schatten recht genau erkannte und sich am besten einprägte, welche zuerst, welche nachher und welche zu gleicher Zeit zu erscheinen pflegten, wodurch er dann die in Aussicht stehenden gut erraten konnte. Wird es ihn nun noch danach verlangen? Wird er die Leute beneiden, die unten in Ansehen stehen und die Macht in Händen haben? Oder wird es ihm so ergehen, wie es bei Homer steht? D.h. Wird er weiter lieber Ackerknecht bei einem armen Manne sein und alles aushalten wollen, als jenen Wahn teilen und jene Reden führen?“ „Ja, ich glaube, er erträgt lieber alles, als dass er jenes Leben führt.“ „Denke dir nun auch dies: Er würde hinunter steigen und sich auf den alten Platz setzen. Wird er nicht die Augen voller Finsternis haben, wenn er so plötzlich aus der Sonne kommt?“ „Ganz und gar.“ „Und während seine Augen noch stumpf sind und hin und her irren, muss er um die Wette mit den dauernd Gefangenen wieder jene Schatten zu erkennen suchen. Nehmen wir nun noch die Zeit, bis er sich an das Dunkel gewöhnt hat, nicht ganz kurz an, so wird man ihn doch auslachen und sagen, er käme von seinem Aufstieg mit schlechten Augen zurück. Es lohne sich nicht, den Versuch zum Aufstieg zu machen. Wer aber andere frei machen und hinauf führen will, den wird man töten, wenn man seiner habhaft wird und ihn töten kann.“ „Gewiss.“ 

„Nun musst du dies ganze Gleichnis mit unserer voraus gegangenen Darlegung zusammen halten, lieber Glaukon. Setze an Stelle der Gefängniswohnung die durch den Gesichtssinn geoffenbarte Welt und an Stelle des Licht spendenden Feuers die Kraft der Sonne. Wenn du dir fernen unter dem Aufstieg und dem Kennenlernen der Oberwelt die Wanderung der Seele zur denkbaren Welt hinauf denkst, so verstehst du meine Meinung, die du ja zu hören wünschst, durchaus richtig. Gott weiß, ob ich die Wahrheit gefunden habe! Meine Ansicht jedenfalls geht dahin, dass es in der erkennbaren Welt die Idee des Guten ist, die man zuletzt und mit Mühe gewahr wird. Ist man aber ihrer ansichtig geworden, so muss man zu der Überzeugung kommen, dass alles Rechte und Schöne in der ganzen Welt von ihr ausgeht. In der sichtbaren Welt schafft sie das Licht und den Herren des Lichts; in der denkbaren Welt ist sie selber Herrin und gibt Wahrheit und Vernunft. Und wer mit Vernunft handeln will, in seinem persönlichen Leben oder als Staatsmann, der muss sie sehen lernen.“