Posts mit dem Label Holz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Holz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 19. Juni 2018

Wie die Menschen entstanden - Sage aus Nordamerika

Wie die Menschen entstanden - Sage aus Nordamerika:

Einst wollte der Große Geist Menschen erschaffen. Er bearbeitete daher Steine und gab ihnen menschliche Gestalten. Dann blies er auf sie, und die Steine


Dienstag, 28. Juni 2016

Der Zauberlehrling | Ballade von Johann Wolfgang Goethe


Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben!
Seine Wort' und Werke
Merkt' ich und den Brauch, 
und mit Geistesstärke
Tu' ich Wunder auch.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! - 
Ach, ich merk' es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Auch, das Wort, worauf am Ende
Es das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich's  lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh' ich über jeder Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen, 
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst's am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.
Wahrlich brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mit, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör' mich rufen! -
Ah, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid's gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu diesem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister."






Mittwoch, 24. Februar 2016

Wer oder was ist das? | Es rührt sich nicht vom Fleck!


Es rührt sich stundenlang nicht vom Fleck
und starrt geistesabwesend Löcher in die Luft!
Es kaut an einem Holz und 
hüpft über Kreuz hin und her!



▃ ▄ ▅ ▆ ▇   Antwort   ▇ ▆ ▅ ▄ ▃







Donnerstag, 10. September 2015

Die Zentrale • Novelle • Frei nach Kurt Tucholsky


Die Zentrale weiß alles besser. Die Zentrale hat die Übersicht, den Glauben an die Übersicht und eine Mediathek. In der Zentrale sind die Männer und Frauen mit unendlichem Stunk untereinander beschäftigt, aber sie klopfen dir auf die Schulter und sagen: "Lieber Freund, Sie können das von Ihrem Einzelposten nicht so beurteilen! Wir in der Zentrale ..."

Die Zentrale hat zunächst eine Hauptsorge: Zentrale zu bleiben. Gnade Gott dem untergeordneten Organ, das wagte, etwas selbständig zu tun! Ob es vernünftig war oder nicht, ob es nötig war oder nicht, ob es da gebrannt hat oder nicht -: erst muss die Zentrale gefragt werde. Wofür wäre sie denn sonst Zentrale! Dafür, dass sie Zentrale ist! merken Sie sich das. Mögen die draußen sehen, wie sie fertigwerden!

In der Zentrale sitzen nicht die Klugen, sondern die Schlauen. Wer nämlich seine kleine Arbeit macht, der mag klug sein - schlau ist er nicht. Denn wäre er's, er würde sich darum drücken, und hier gibt es nur ein Mittel: das ist der Reformvorschlag. Der Reformvorschlag führt zur Bildung einer neuen Abteilung, die - selbstverständlich - der Zentrale unterstellt, angegliedert, beigegeben wird... Einer hackt Holz, und dreiunddreißig stehen herum - die bilden die Zentrale.

Die Zentrale ist eine Einrichtung, die dazu dient, Ansätze von Energie und Tatkraft der Unterstellten zu deppen. Der Zentrale fällt nichts ein, und die andern müssen es ausführen. Die Zentrale ist eine Einrichtung, unfehlbarer als der Papst, sieht aber lange nicht so gut aus.

Der Mann der Praxis hat's demgemäß nicht leicht. Er schimpft furchtbar auf die Zentrale, zerreißt alle ihre Ukase (Verordnungen, Anweisungen, Erlasse, Befehle) in kleine Stücke und wischt sich damit die Augen aus. Dies getan, heiratet er die Tochter eines Obermimen, avanciert und rückt in die Zentrale auf, denn es ist ein Avancement, in die Mediathek zu kommen. Dortselbst angelangt, räuspert er sich, rückt an der Krawatte, zieht die Manschetten gerade und beginnt, zu regieren: als durchaus gotteingesetzte Zentrale, voll tiefer Verachtung für die einfachen Männer und Frauen der Praxis, tief im unendlichen Stunk mit den Zentral-Kollegen und Kolleginnen - so sitzt er da wie die Spinne im Netz, das die andern gebaut haben, verhindert gescheite Arbeit, gebietet unvernünftige und weiß alles besser.

(Diese Diagnose gilt für Kleinkinderbewahranstalten, Ministerien, Krankenkassen, Versicherungen, Verwaltungen, Banken und Medien aller Klassen, und ist selbstverständlich eine scherzhafte Übertreibung, die für einen Betrieb nicht zutrifft: für deinen.)







Mittwoch, 22. Juli 2015

Wie viel Meter Zaun wird für das Grundstück benötigt? • Rätsel




Ein quadratisches Grundstück ist mit 
120 Metern Holzzaun umschlossen.


Wie viel Meter Zaun braucht man, 
um ein viermal so großes, ebenfalls 
quadratisches Grundstück zu umzäunen?





▂ ▃ ▄ ▅ ▆ ▇   Antwort   ▇ ▆ ▅ ▄ ▃ ▂







Donnerstag, 25. Juni 2015

Von der Geburt der Geige • Maghrebinische Geschichte

Ein König hatte drei Söhne: der erste war stolz, der zweite war kühn, der dritte war schön. Als sie herangewachsen waren, zogen sie in die Welt, um ein Handwerk zu erlernen. Der erste kam an den Hof des Großkhans, des Königs der Könige, und nachdem er sieben Jahre im Schatten seines Thrones hingebracht hatte, war er erfahren in aller Weisheit und Würde des Herrschens wie kein anderer. Und er kehrte heim und übernahm Thron und Szepter seiner Vaters und herrschte über sein Volk bis an seines Lebens Ende. 

Der zweite gelangte zu den Kriegern. Und er lernte die Härten des Lagers und das Getümmel der Schlachten ertragen und stärkte seinen Arm und Blick. Und als er ausgelernt hatte, setzte er sich an die Spitze der Truppen und wurde ein Held und Eroberer, wie es seinesgleichen nicht mehr gegeben hat. 

Ihrer beider Namen aber sind vergessen. 

Der dritte endlich zog durch die Welt und fand keinen Aufenthalt, denn er war ungenügsam von Wesen. Einmal aber gelangte er zu einem Asketen, der in der Wüste auf einer Säule lebte, und er blieb bei ihm und diente ihm sieben Jahre lang. Nachdem er ihm sieben Jahre lang gedient hatte, wanderte er weiter. Aber er hatte die Kunst erlernt, sich zu verwandeln in jegliche Gestalt. So ritt er einmal über Land, als er einen Hirsch gewahrte, der vor ihm flüchtete. Von Jagdlust gepackt, setzte er ihm nach. Aber der Hirsch war schneller als sein schnelles Pferd und fast hätte er ihn aus dem Blick verloren. Da erkannte er, dass es kein gewöhnlicher Hirsch war, den er verfolgte, und rasch verwandelte er sich in einen Geparden und setzte in weiten Sprüngen hinter ihm her, bis er ihn erreichte und mit einem Satz in seinem Nacken saß. Kaum aber hatte er ihn gepackt, so verwandelte sich der Hirsch in einen Stichling und schnellte sich in das Wasser des nahen Flusses. Der Königssohn aber verwandelte sich in einen Hecht und hatte ihn bald gefasst. Da verwandelte sich der Stichling in eine Taube, schwang sich von den Wellen des Flusses hoch und entflog mit klatschenden Schwingenschlägen. Der Königssohn aber verwandelte sich in einen Falken und war bald über ihr, stieß zu und hatte sie geschlagen. Die Taube aber verwandelte sich in ein Haar, der Königssohn aber in ein Messer: so spaltete er das Haar. Und als er es gespalten hatte, da verstand er mit einem Male die Sprache aller Dinge. 

So zog er weiter, und die Dinge redeten zu ihm ein jegliches in seiner Sprache und priesen die Schönheit der Schöpfung. Da begann der Königssohn zu singen von der Schönheit der Schöpfung. Dann aber hörte er, wie die Dinge sprachen vom Leid der Welt, und er verstummte. Er blieb in der Einsamkeit, bis er alt und müde wurde. Als er aber spürte, dass er sterben sollte, verfertigte er ein Kästchen aus Holz, und er weinte darüber alle Tränen der Welt und lachte hinein alle Lust und Freude der Welt. Dann zog er vier Haare aus seinem Bart, das eine mit der Stimme der Lerche am frühen Morgen, das andere mit der Stimme der Hummel im hohen Sommer, eines mit der Stimme des singenden Knaben und eines mit der Stimme des stolzen Hahnes. Sie spannte er über das Kästchen und verschloss es so. Dann starb er in der Einsamkeit. Erst viele hundert Jahre später schoss ein Zigeuner seinen Bogen ab, und der Pfeil flog weithin und blieb in der Erde stecken. Und als er hinging, ihn zu holen, fand er daneben das Kästchen mit den vier Haaren. Er verwunderte sich darüber und strich mit der Sehne seines Bogens prüfend über die Haare hin. Da ertönten die Stimmen der Haare und sangen von allem Leid und von aller Freude und Lust der Welt.

Der Zigeuner aber nahm das Kästchen mit sich. So wurde die Geige.





Dienstag, 21. April 2015

Bauer und Schiffsmann • Fabel von Abraham a Sancta Clara

Ein Bauer konnte sich über die Kühnheit der Schiffsleute gar nicht genug wundern, die einem schwachen Holz Leib und Seele anvertrauten und beides so oft an den wilden Meeresklippen einbüßten. Darum fragte er einstmals einen Schiffer, wo denn sein Vater gestorben wäre. "Auf dem Meer", antwortete der Schiffsmann. "Und dein Großvater und dein Urgroßvater?" fragte der Bauer. "Auch auf dem Meer", bekam er zur Antwort. "Auch auf dem Meer?", sagte der Bauer. "Wie kannst du dann so närrisch sein und dich dem Meere anvertrauen, das dir deinen Vater, Großvater und Urgroßvater fortgenommen hat?"

"Und dein Vater und dein Großvater", fragte der Schiffsmann den Bauern, "wo sind die gestorben?" - "In ihrem Bett", erwiderte der Bauer. "Und warum bist du dann ein so großer Narr", sagte der Schiffsmann, "dass du alle Nacht in dasselbe Bett steigst, auf dem deine Vorfahren gestorben sind!"

Es macht weniger etwas aus, wo einer stirbt; wenn er nur selig stirbt. 






Dienstag, 7. April 2015

Der Fuhrmann und Herkules • Fabel von Aesop

Ein Fuhrmann war mit seinem Wagen, welcher mit Holz schwer beladen war, unterwegs nach Hause. Als der Wagen im Morast stecken blieb, flehte sein Lenker, ohne sich selbst auch nur im geringsten zu bemühen, alle Götter und Göttinnen um Hilfe an. Vor allem bat er den wegen seiner Stärke allgemein verehrten Herkules, ihm beizustehen. 

Da soll ihm dieser erschienen sein und ihm seine Lässigkeit also vorgeworfen haben: "Lege die Hände an die Räder und treibe mit der Peitsche dein Gespann an, zu den Göttern flehe jedoch erst dann, wenn du selbst etwas getan hast; sonst wirst du sie vergeblich anrufen."







Freitag, 20. Februar 2015

Das gesamte Leben ist Verwandlung | Marc Aurel


Solltest du dich wirklich vor der Verwandlung fürchten? Es geschieht ja nichts in der Welt ohne Verwandlung. Das eigentliche Wesen der Allnatur ist Verwandlung. Man kann kein Wasser wärmen, ohne dass dabei eine Verwandlung des Holzes vor sich gehe, die Ernährung ist unmöglich, ohne dass die Speisen sich verwandeln. Das gesamte Leben der Welt ist nichts anderes als eine Umwandlung. Begreife also, dass deine eigene Verwandlung ganz denselben Sinn hat, dass sie als eine Folge der Natur der Dinge notwendig ist. Auf eines muss man nur bedacht sein, dass man nicht irgend etwas der wahren Menschennatur zuwider tue, dass man in allem so handle, wie und wann es jener entspricht. 





Mittwoch, 28. Januar 2015

Der Greis und der Tod | Besinnung | Fabel von Aesop

aventin.blogspot.com

Ein alter Mann fällte auf einem Berg Holz und lud es auf seine Schultern. Nachdem er sich mit seiner Last eine schöne weite Strecke ins Tal fort geschleppt hatte und ganz erschöpft war, warf er das Holz ärgerlich von seinem  Rücken ab und rief aus Unmut heraus den Tod herbei. Augenblicklich erschien nun aber dieser und fragte den Greis nach dem Grund seines Rufes. Da besann sich der Greis sichtlich erschrocken eines andern und antwortete verlegen: "Damit du diese Last aufhebst und sie mir wieder auflädst."

Lehre:
Im Angesicht des Todes erscheint manch anderes als geringeres Übel.