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Freitag, 19. Januar 2018

Damals in Odessa Novelle von Heinrich Böll

Damals in Odessa Novelle von Heinrich Böll:

Novelle von Heinrich Böll - Damals in Odessa war es sehr kalt. Wir fuhren jeden Morgen mit großen rappelnden Lastwagen über das Kopfsteinpflaster zum Flugplatz


Dienstag, 21. Juni 2016

Geschichte vom Mäuseturm zu Bingen | Sage aus Deutschland


Wo aus dem Rheinstrom unterhalb von Bingen weiße Klippen gefahrdrohend emporragen und nur einen schmalen Raum -- Binger Loch -- für die Durchfahrt freilassen, da erhebt sich in der Nähe der Ruine Ehrenfels und unweit des Rheinsteins inmitten der schäumenden Fluten ein finsteres Gemäuer. Es ist 'Hattos Turm'. Von Eulen und Fledermäusen umflattert, erscheint er dem Beschauer wie das Haus eines Bösen, wie das Denkmal eines ungeheuren Frevels. 'Mäuseturm' nennt die Sage jenes Gemäuer, von dem der Schiffer mit Grauen das Gesicht abwendet. 
  
Einst lebte zu Mainz ein Erzbischof namens Hatto, dessen Herz rauh, hart und unempfänglich war gegen die Not der Bedrängten. Um diese Zeit brach am Rhein und rings in der Gegend eine große Hungersnot aus, so dass viele Menschen umkamen. Der Bischof jedoch, dessen Speicher voll mit Korn gefüllt waren, öffnete diese nur dem Wucher, aber nicht den Armen seines weiten Sprengels. Als die Not seiner Untertanen größer und größer wurde, fanden sich die hungernden Menschen in Scharen zusammen und flehten den gefühllosen Mann um Erbarmen und Nahrung an. Als sie merkten, dass dies umsonst war, murrten sie und fluchten dem Tyrannen in ohnmächtiger Wut. Aber das Herz des Bischofs regte sich nicht vor Mitleid sondern vor Zorn. Er ergrimmte so sehr, dass er seine Schergen ausschickte, die Murrenden zu fangen und sperrte sie sodann in eine große Scheune ein und ließ Feuer legen. Als die Unglücklichen von den Flammen ergriffen wurden und ihr Todesgeschrei bis in den Bischofspalast drang, bis an die Ohren des Unmenschen und aller derjenigen, die mit ihm an der üppigen Tafel saßen, da rief dieser in teuflischem Hohn: "Hört ihr die Kornmäuslein unten pfeifen?" Da wurde es plötzlich ganz still und die Sonne verhüllte ihr Antlitz. Im Saal wurde es dunkel, und die angezündeten Kerzen vermochten nicht mehr die Dämmerung zu durchbrechen, die den finsteren Mann von nun an umlagerte. Und siehe da! Im Saal begann es sich zu regen, und aus allen Winkeln, aus den Ritzen des Fußbodens, zu den Fenstern herein und von der Decke herab krochen und liefen Scharen nagender Mäuse und erfüllten alsbald alle Gemächer des Palastes. Ohne Scheu sprangen sie auf die Tische und benagten die Speisen vor den Augen der erstaunten Versammlung. Immer neue kamen hinzu, und kein Brotkrümel auf der Tafel blieb verschont und kein Bissen, der zum Mund geführt werden sollte. Da ergriffen Furcht und Entsetzen sie alle, die das sahen, und seine Freunde, seine Knechte und Mägde flohen in die Nähe des Geächteten. Der  aber wollte nur entrinnen, bestieg sodann eilends allein ein Schiff und fuhr den Rhein hinab bis zu jenem Turm, der von den Wellen des Stroms umspült wird. Dort wähnte er sich vor seinen unersättlichen Peinigern sicher. Doch auch hier wiederum krochen Tausende von Mäusen mit Gepfeife aus alIen Wänden hervor. Vergebens erstieg der Erzbischof Hatto, bebend vor Angst und stumm vor Entsetzen, die höchste Warte. Auch dahin folgten sie ihm, und heißhungrig fielen sie den unmenschlichen Spötter an. Bald war nichts mehr von ihm übrig. So lautet die Sage von jenem einsamen Turm mitten im Rhein.







Montag, 7. März 2016

Die Katze und der Hahn | Absicht und Vorsatz | Fabel von Aesop


Eine Katze, der ganz elend war vor Hunger, begegnete einem Hahn. "Gockel!" sagte sie, "du bist des Todes! Die Menschen wollen endlich ihre Ruhe haben! Sie leiden es nicht länger, dass du sie jeden Morgen in der Frühe - fast noch mitten in der Nacht - mit deinem Geschrei aus dem süßen Schlaf reißt." 

"Da irrst du, Katze", widersprach der Hahn, "die Menschen haben mich eigens dazu bestellt, dass ich sie am Morgen beizeiten zu den Geschäften rufe. Wenn ich sie nicht weckte, würden sie die kostbare Zeit verschlafen und wären mir sehr böse."

Die Katze, die auf diese Widerrede nicht vorbereitet war, meinte darauf: "Es gibt noch einen Grund, weshalb du sterben musst. Ein widerlicher Kerl bist du! Was soll man das für einen Betrieb nennen, in dem es Dutzende von Frauen gibt und nur einen einzigen Mann?! Der Anstand verbietet es mir, das Wort in den Mund zu nehmen. Pfui!" 

Der Hahn aber sagte: "Beherrsche dich! Es gibt gar kein Grund, mich zu beschimpfen. Die Natur hat es so gewollt, und die Menschen wollen es auch so. Dank meinem Wirken bekommen sie viele Eier."

Allein die Katze erwiderte: "Entschuldige dich, soviel du willst. Ich -- habe -- Hunger!" Und verzehrte den Hahn. 

Lehre:
Wer sucht, wird immer einen Grund finden.






Montag, 19. Oktober 2015

Vom Wolf und dem Kranich • Dank & Undank • Fabel von Aesop


Ein Wolf riss einstmals ein Schaf und da er sehr großen Hunger hatte und zu gierig fraß, blieb ihm ein Knochen im Hals stecken. Deswegen hatte er Angst und auch großes Leid zu spüren. So erbot er sich, demjenigen großen Lohn und ein üppiges Geschenk zu geben, der ihm helfen würde, ihn von diesem Knochen zu befreien. Sodann kam ein Kranich des Weges und bot ihm seine Hilfe an. Der Wolf sagte zu und der Kranich stieß mit seinem langen Schnabel und Hals dem Wolf in den Rachen und zog den quer liegenden Knochen heraus. Als er aber den verheißenen Lohn forderte, sprach der Wolf: "Du willst noch Lohn haben? Danke Gott, dass ich dir nicht den Hals abgebissen habe! Nicht ich sondern Du solltest mir etwas schenken, weil ich Dich nicht gefressen habe."

Lehre: Wer anderen Leuten in der Welt will Gutes tun, muss unter Umständen auch damit rechnen, Undank zu ernten. 







Montag, 12. Oktober 2015

Der kleine Hund und der Wolf • Einladung zur Rettung • Fabel

Es war in einem strengen Winter. Ein Wolf hatte schon seit Tagen vom Hunger geplagt den Wald durchzogen und nach Nahrung gesucht. Jeder Bissen hätte ihn erfreuen können, selbst der Rest einer verwesenden Maus, so ausgehungert war er. Ein mageres Hündchen lief im unvorsichtigerweise über den Weg. Es bibberte vor Furcht und Kälte. "Du kommst mir wie gerufen", freute sich der Wolf und packte den ängstlichen Dreikäsehoch beim Fell. "Halt, lieber Wolf, nicht so unüberlegt, siehst du denn nicht, wie ausgezehrt ich bin? Du musst dich ja vor mir ekeln!" "Quatsch keinen Unsinn, ich bin nicht wählerisch", knurrte der Wolf verärgert. "Du bringst dich um den besten Bissen deines Lebens!" kläffte das Hündchen. "Du müsstest mich erst einmal sehen, wenn ich mich morgen von den unzähligen Köstlichkeiten des Hochzeitsmahls gemästet habe. Morgen werde ich wohlgenährt sein und strotzen vor Fett. Denn dann heiratet die Tochter meines Herrn einen steinreichen Gutsbesitzer. Speisen gibt es dort, Speisen! Feinster Rehbraten, würziger Schinken, Kalbsnieren und Hammelkeulen, Rindsbraten und duftende Mettwürste!" 

Der pfiffige Köter machte dem Wolf den Mund wässrig mit einer endlosen Aufzählung auserwählter Leckereien. "Das wäre ein Essen für dich", schloss er seine Schilderung, "und nicht meine miese Figur von heute. Komm morgen Nacht auf unseren Hof, dann will ich dir dienen. Aber sei leise, mein Herr hat gute Ohren." 

Der Wolf war ganz verrückt geworden von all den herrlichen Speisen, die der kleine Schlauberger ihm vorgesponnen hatte. Er ging auf den Vorschlag des Hündchens ein und ließ es laufen. In der folgenden Nacht schlich er behutsam auf den Hof, um ein Festmahl zu halten. Der kleine Hund lag auf einem Vordach und rief: "Willkommen, lieber Wolf! Ich freue mich, dass du meine Einladung angenommen hast. Warte einen Augenblick, ich will meinem Herrn sofort Bescheid geben, damit er kommt und dich festlich bewirtet." Und er bellte aus Leibeskräften. 

Sofort schlugen auch die Wachthunde an, und der Herr stürmte bald darauf aus dem Haus, um die Hunde loszulassen. Aber der Wolf war schon laut schimpfend davon geflüchtet.









Montag, 29. Juni 2015

Drei Stiere und der Löwe • Eintracht • Fabel von Aesop

Drei Stiere schlossen miteinander ein Bündnis, jede Gefahr auf der Weide mit vereinten Kräften abzuwehren; so vereinigt, trotzten sie sogar dem Löwen, dass dieser sich nicht an sie wagte. 

Als ihn aber eines Tages der Hunger arg plagte, stiftete er Uneinigkeit unter den Stieren. Diese trennten sich, und nach nicht acht Tagen hatte er alle drei, jeden einzeln, angegriffen und verzehrt. 

Eintracht gibt Stärke und Sicherheit, Zwietracht bringt Schwäche und Verderben.





Dienstag, 9. Juni 2015

Der Wolf und die Tiere • Unersättlichkeit • Fabel von Hanakdan

Der Kanzler des Löwen, der Wolf, ward von allen Tieren verklagt, dass kein lebendiges Geschöpf vor seinem Räuberzahn sicher sei. "Der Unersättliche", klagten sie, "macht den Wald zur Einöde, unsere Weiber zu Witwen und unsere Kinder zu Waisen." Der König zürnte und verwies dem Wolf seine Grausamkeit mit harten Worten. "Das Vergangene ist nicht mehr zu ändern", setzte er königlich hinzu; "aber in Zukunft hüte dich vor Gewalttätigkeit. Begnüge dich mit den toten Tieren, die du auf dem Felde findest, und schwöre, dich zwei ganze Jahre alles Fleisches zu enthalten für jedes lebendige Tier, das du dich zu erwürgen gelüsten lässest." Der Wolf schwur und ging von dannen. 

Wenige Tage nachher überfiel ihn ein grausamer Hunger, und er sah ein fettes Schaf auf der Wiese weiden. Da kämpften in ihm Gedanken mit Gedanken. "Zwei Jahre kein Fleisch zu genießen. - Die Strafe ist hart, und ich habe geschworen. - Doch in jedem Jahre sind dreihundertundfünfsechzig Tage. Tag ist, wenn ich sehen, und Nacht, wenn ich nicht sehen kann. So oft ich also die Augen verschließe, ist Nacht, und wenn ich sie wieder auftue, so wird es Tag." - Schnell blinzte er die Augen zu und tat sie wieder auf; da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Er zählte zwei volle Jahre. "Nun", sprach er, habe ich für die Sünde zum Voraus gebüßt", ergriff das Schaf und würgte es. 

Die Fabel lehrt, dass ein Räuber leicht Mittel findet, den kräftigsten Eid zu vereiteln.