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Mittwoch, 4. Mai 2016

Berlin - Ein großes Dorf | Redegewandtheit | Johann Wilhelm von Archenholtz


Eine preußische Hofdame, die einst in dem Gemach der Königin einen französischen Obersten unterhielt, fragte ihn, was er von Berlin dächte. Die Antwort des Franzosen war: "Ich betrachte es wie ein großes Dorf."

Die durch diese so unerwartete Grobheit beleidigte Hofdame hatte aber Gegenwart des Geistes genug, um folgende schöne Antwort zu geben: "Sie haben wohl recht, mein Herr, seitdem die französischen Bauern in Berlin sind, hat es mit einem Dorf viel Ähnliches, sonst aber ist es eine recht gute Stadt."





Donnerstag, 18. Juni 2015

Nibelungen Sage 11/28 | Wie die Königinnen in Streit gerieten


Die beiden Königinnen saßen beisammen und sahen den ritterlichen Spielen im Burghof zu. Stolz blickten sie auf ihre Männer, die sich durch Kraft und Kühnheit vor allen anderen hervortaten, und Kriemhild sagte: "Sieh nur, wie Siegfried der Herrlichste unter allen Recken ist! Ihm müssten all diese Lande hier untertan sein." --- "Ja", entgegnete unwillig Brunhild, "wenn Gunther nicht wäre! Er ist hier der Herr, und er geht als König Siegfried voran." Das wollte Kriemhild nicht zugeben. "Nein", wandte sie ein, "so mächtig und berühmt ist Siegfried, dass er Gunther durchaus ebenbürtig ist."  Hochmütig erwiderte Brunhild: "Als dein Bruder auf dem Isenstein um mich warb, sagte Siegfried selbst, er sei Gunthers Lehnsmann; ich erinnere mich noch ganz genau seiner Worte."

Da begehrte Kriemhild auf: "Nie hätten meine Brüder mich einem Eigenmanne gegeben! Ich bitte dich sehr, solche Worte in Zukunft zu lassen!" Doch Brunhild gab nicht nach in ihrem stolzen Sinn. "Keineswegs lass ich sie" erwiderte sie, "ebenso wenig wie ich verzichten will auf die Dienste der Männer, die uns lehnspflichtig sind." "Auf Siegfrieds Dienste wirst du wohl immer verzichten müssen", gab Kriemhild zornig zurück, "er ist der Erste der Helden, weit vor Gunther, meinem Bruder. Im Übrigen aber wundert es mich, dass er euch zehn Jahre lang nicht dienstbar war, wenn er doch, wie du sagst, euer Lehnsmann ist."

"Überhebe dich nur mit Worten", höhnte Brunhild, "wer von uns beiden den Vorrang hat, das wird sich ja erweisen!"

"Gewiss, heute noch beim Kirchgang wird es sich zeigen!" entgegnete Kriemhild mit zornfunkelndem Blick. In feindlichem Groll schieden die Königinnen voneinander.

Kriemhild liess ihre Frauen die kostbarsten Gewänder und den reichsten Schmuck anlegen. Dann ging sie an ihrer Spitze in königlicher Pracht zur Kirche. An den Stufen des Münsters stand bereits mit ihren Begleiterinnen Brunhild. Hochmütig herrschte sie die Schwägerin an, als diese vorüberschreiten wollte: "Nichts da! Eine Eigenholdin soll nie vor der Königin gehen!" Da loderte Kriemhilds Zorn auf: "Hättest du doch geschwiegen! Jetzt sollst du vor allem Volke hören, was ich seit langem weiß: nicht Gunther hat dich bezwungen, Siegfried war es, der dir zum Herrn und Meister wurde und deinen hochfahrenden Sinn beugte. Willst du ihn und mich jetzt noch deine Eigenholden nennen?"

Tränen stürzten aus Brunhilds Augen, als sie diese Worte vernahm. "Das will ich Gunther sagen!" klagte sie laut.

"Tue es nur", erwiderte Kriemhild, "unsere Freundschaft hat ohnehin ein Ende", und stolzen Schrittes betrat sie mit ihren Frauen vor der Burgundenkönigin das Münster.

Wie lang währten Brunhild diesmal Gesang und Gebete! Nach der Messe wartete sie inmitten ihres Gefolges auf dem Münsterplatz. Kriemhild sollte ihr Rede und Antwort stehen, und hatte Siegfried sich wirklich solcher Tat gerühmt, so konnte es für ihn nur den Tod geben.

Als Kriemhild durch das hohe Portal des Münsters schritt, trat Brunhild ihr entgegen und forderte sie auf, stehen zu bleiben. "Wo sind die Beweise für die bösen Worte, die ich eben von Euch hören musste?" fragte sie mit kalter Stimme. Da wies Kriemhild ihr Ring und Gürtel, die sie einst von Siegfried erhalten hatte, und sprach: "Da habt Ihr die Beweise, die Ihr fordert! Kennt Ihr diesen Ring und diesen Gürtel noch? Siegfried nahm sie Euch in der Nacht, da er Euch bezwang!"

Weinend wandte Brunhild sich ab und ließ Gunther herbeirufen. "In Schimpf und Schande hat mich deine Schwester gestürzt", klagte sie ihm. "Meinen Ring und Gürtel zeigte sie mir zum Zeichen, dass Siegfried mich bezwungen habe. Nimmst du diese Schmach nicht von mir, so kann ich nicht länger mehr hier Königin sein."

Sogleich ließ der König Siegfried kommen und erzählte ihm von dem Streit der beiden Königinnen. "Dass es so weit gekommen ist, tut mir von Herzen leid", sprach Siegfried, "und ich schäme mich der übermütigen Worte, mit denen Kriemhild dein Weib gekränkt hat. Halten wir doch die Frauen an, dass sie in Zukunft alle heftigen Reden lassen!"

Damit schien ihm die Sache abgetan, und auch Gunther wusste keinen besseren Rat.  





Freitag, 12. Juni 2015

Nibelungen Sage 17/28 | Wie Kriemhild ins Hunnenland fuhr


Kriemhild rüstete nun zu der weiten Reise ins Hunnenland. In ihren Truhen hatte sie noch einen Rest des Nibelungengoldes. Diesen Schatz  wollte sie mitnehmen, um den Hunnen davon zu spenden. Aber auch dieses letzte Gold nahm ihr Hagen, da er argwöhnte, sie wolle ihm zum Schaden mit freigebiger Hand Anhänger werben in der neuen Heimat. Wieder begehrte sie voll Unmut auf, doch Rüdiger tröstete sie heiteren Sinnes: "Weshalb klagt Ihr, edle Herrin, um Eure Schatztruhen? Bei König Etzel findet Ihr so viel Gold, dass Ihr Euer ganzes Leben lang mit vollen Händen davon austeilen könnt."

Ehe Kriemhild aus der Heimat schied, ließ sie noch Seelenmessen lesen für Siegfried. Dann brach sie auf mit Rüdiger und dem getreuen Markgrafen Eckewart, der seit langem in ihren Diensten stand und sich nun erboten hatte, ihr mit fünfhundert Recken ins Hunnenland zu folgen. König Gunther geleitete die scheidende Schwester bis vor die Stadt, Gernot und Giselher aber ritten mit stattlichem Gefolge mit bis zur Donau. Schnelle Boten eilten voraus, um dem König Etzel die frohe Kunde vom Nahen Kriemhilds zu bringen. 

An der Donau kehrten die Brüder um. "Was immer kommen mag, liebe Schwester, meiner Hilfe kannst du stets gewiss sein", versprach Giselher, als er Kriemhild zum Abschied küsste. Durch das Bayernland ging nun die Reise nach Passau, wo Bischof Pilgrim, Frau Utes Bruder, die Gäste freundlich aufnahm, und von dort weiter gen Bechlaren, Rüdigers feste Burg. Mit herzlicher Freude empfingen Frau Gotelind und ihre Tochter Dietlinde die neue Herrin, und frohe Stunden verlebten sie miteinander im festlichen Saal, an dem unten die Donau mächtig vorbeiströmte. Gerne wäre Kriemhild noch länger in Bechlaren geblieben. Zwölf goldene Armspangen schenkte sie zum Abschied der lieblichen Dietlinde, die ihr Herz gewonnen hatte. 

Mit königlichem Gefolge hatte Etzel sich sogleich aufgemacht, als Rüdigers Boten bei ihm eintrafen. Vierundzwanzig Fürsten, darunter sein Bruder Blödel, der kühne Hawart und der schnelle Iring vom Dänenland, Irnfried von Thüringen und der ruhmreiche Dietrich von Bern, und noch Tausende von glänzenden Recken ritten mit ihm, um der neuen Königin zu huldigen. 

Bei Tulln im Donautal trafen sie auf Kriemhild und ihr Geleit. Etzel stieg vom Pferd und grüßte mit edlem Anstand die schöne Braut. Auch die Fürsten kamen zur Begrüßung herbei und empfingen den Dank Kriemhilds. Dann wurden Zelte zur Rast aufgeschlagen und ritterliche Kampfspiele ausgetragen, denen die Frauen zuschauten. Vor allen andern zeichneten sich dabei die jungen Recken des Bernes aus. 

Am nächsten Tag ging es weiter nach Wien, und dort wurde mit königlicher Pracht die Hochzeit des Hunnenkönigs und der Burgundenfürstin gefeiert. Pfingsten begann das Fest, und siebzehn Tage lang dauerte es. Ritterspiele und Lustbarkeiten aller Art folgten einander in buntem Reigen, und nie gab es reichere Geschenke für die Gäste und die Spielleute. Nicht nur Etzel und Kriemhild ließen die Schatztruhen auftun, auch die anderen Fürsten und der Markgraf Rüdiger wetteiferten miteinander an Freigebigkeit. Es war die glanzvollste Hochzeit, die je ein Königspaar beging, und Kriemhild gestand sich, dass sie nie so viel tapfere Recken beisammen gesehen hatte, die ihr dienstbar waren. 

Am achtzehnten Morgen ging die Fahrt weiter, dem Hunnenland zu. Schiffe trugen das königliche Paar und sein Geleit die Donau hinunter bis Etzelnburg, der Hauptstadt des Hunnenreiches. Dort waltete Kriemhild fortan an Frau Helches Statt, und alle, die ihr dienten, rühmten laut ihren hohen Sinn und ihre milde Hand. 






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