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Montag, 4. Juli 2016

Stein und Feuer | Die Lernenden | Fabel von Leonardo da Vinci


Der Stein verwunderte sich sehr, als das Feuer ihn schlug, und sagte zu ihm in strenger Stimme: "Was für ein anmaßender Patron bist du, mich zu belästigen. Mir scheint, du warst im Irrtum, als du mich hernahmst. Tu mir nicht Schmerz an; ich vertrug mich noch mit jedermann." 

Da gab das Feuer zur Antwort: "Sei nur geduldig und du wirst sehen, welch wunderbare Frucht ich mit dir erzeuge." Auf diese Worte hin raffte der Stein sich zusammen und hielt geduldig der Marter stand. 

Da sah er, wie aus ihm neues Feuer geboren wurde, und sah, wie die wundervolle Kraft des Feuers in neuen zahllosen Dingen wirkte und wiederum Neues schuf. 

Lehre:
Das Gleichnis hierzu will sagen: Es sind die Lernenden. Zu Anfang ihrer Studien erschrecken sie und verzagen; dann aber nehmen sie sich selbst in Zucht und tun mit Geduld und strengem Fleiß ihre Arbeit. Und so wird in ihren Studien wunderbare Kraft sein und neue überzeugende Gedanken werden aus ihnen entsprießen. (Leonardo da Vinci)






Donnerstag, 22. Oktober 2015

Über die Wunder dieser Welt • Novelle von Ralph Waldo Emerson

Foto: pigs.de - FZ18
"Es gibt keine Wunder mehr." Gibt es sie wirklich nicht mehr? Seit wann? Heute Nachmittag gab es sie noch, als ich in den Wald ging und, vor dem tosenden Wind geschützt, in einen hellen, wundersamen Sonnenschein trat. 

Wer kann einen Tannenzapfen betrachten oder das Harz, das aus der Rinde tropft, oder ein Blatt, dieses in sich vollkommene Stück der Pflanzenwelt, wie es im Sonnenlicht leuchtet; wer kann in dem stillen, bewaldeten Tal das fröhliche Zirpen der Grillen hören oder über einen hohen Felsgrat gehen, der wie ein natürlicher Damm das Moor überquert; wer kann den ziehenden Wolken nachsehen oder zu seinen Füßen ein Moos oder einen Stein anschauen und behaupten, es gebe keine Wunder mehr? Sag mir, guter Freund und gute Freundin, wann dieser Hügel, auf dem du stehst, durch vulkanische Kraft aus der Erdoberfläche getrieben wurde. Hebe den Kieselstein auf, betrachte seine grauen Flächen und scharfen Kristalleinschlüsse, und sage mir, durch welch feurige Sintflut die Minerale wie Wachs zerschmolzen und wie dieser Stein, als wäre der Erdball ein glühender Mörser, seine Gestalt erhielt. Der Kiesel selbst spricht die Wahrheit aus und bezeugt endlosen Zeitaltern, dass es also geschah. Sag mir, wo wird diese Luft erzeugt, die so dünn und blau und beweglich ist, die dich umfächelt, in der dein Leben schwebt und die sich der Lungen nur als eines Organs bedient, diese Luft, aus der du melodische Worte bildest? 

Mich drängt mein Wissensdurst, das Geheimnis der Natur zu ergründen. Warum kann die Geologie, warum kann die Botanik nicht sprechen und mir sagen, was früher war und was jetzt ist, während ich durch die Wälder gehe und mich frage, wann das Vorgebirge sich aufwarf wie eine Blase auf glühendem Stahl? Dann blickte ich nach oben und sah, wie die Sonne am weiten Himmel stand. Ich hörte den Wind brausen, und das Wasser glitzerte im Tal. Das sind die Kräfte, die jene Erscheinungen hervorbrachten und die immer noch tätig sind. Ja, sie sprechen noch immer mit mächtiger, klarer Stimme für diejenigen, die sie verstehen.






Montag, 29. Juni 2015

Drei Stiere und der Löwe • Eintracht • Fabel von Aesop

Drei Stiere schlossen miteinander ein Bündnis, jede Gefahr auf der Weide mit vereinten Kräften abzuwehren; so vereinigt, trotzten sie sogar dem Löwen, dass dieser sich nicht an sie wagte. 

Als ihn aber eines Tages der Hunger arg plagte, stiftete er Uneinigkeit unter den Stieren. Diese trennten sich, und nach nicht acht Tagen hatte er alle drei, jeden einzeln, angegriffen und verzehrt. 

Eintracht gibt Stärke und Sicherheit, Zwietracht bringt Schwäche und Verderben.





Freitag, 20. März 2015

Bäume sind Heiligtümer • Urgesetz des Lebens • H. Hesse

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethofen und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum. Wenn ein Baum umgesägt worden ist und seine nackte Todeswunde der Sonne zeigt, dann kann man auf der lichten Scheibe seines Stumpfes und Grabmals seine ganze Geschichte lesen: in den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, dass das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat, dass hoch auf Bergen und in immerwährender Gefahr die unzerstörbarsten, kraftvollsten, vorbildlichsten Stämme wachsen. Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens. (Hermann Hesse)







Samstag, 21. Februar 2015

Über die Musik und die Menschen | Hermann Hesse

Hippie Dude
Die Ursprünge der Musik liegen weit zurück. Sie entsteht aus dem Maß und wurzelt in dem großen Einen. Das große Eine erzeugt die zwei Pole; die zwei Pole erzeugen die Kraft des Dunkeln und des Lichten. Wenn die Welt in Frieden ist, wenn alle Dinge in Ruhe sind, alle in ihren Wandlungen ihren Oberen folgen, dann lässt sich die Musik vollenden. Wenn die Begierden und Leidenschaften nicht auf falschen Bahnen gehen, dann lässt sich die Musik vervollkommnen. Die vollkommene Musik hat ihre Ursache. Sie entsteht aus dem Gleichgewicht. Das Gleichgewicht entsteht aus dem Rechten, das Rechte entsteht aus dem Sinn der Welt. Darum vermag man nur mit einem Menschen, der den Weltsinn erkannt hat, über die Musik zu reden. Die Musik beruht auf der Harmonie zwischen Himmel und Erde, auf der Übereinstimmung des Trüben und des Lichten. 

Die verfallenen Staaten und die zum Untergang reifen Menschen entbehren freilich auch nicht der Musik, aber ihre Musik ist nicht heiter. Darum: je lauter und rauschender die Musik, desto melancholischer werden die Menschen, desto gefährdeter wird das Land, desto tiefer sinkt der Staat. Auf diese Weise geht auch das Wesen der Musik verloren.





Mittwoch, 18. Februar 2015

Der Löwe und die Maus | Der Gegendienst | Fabel von Aesop

http://aventin.blogspot.de/2015/02/der-lowe-und-die-maus-der-gegendienst.html

Ein paar Mäuse sprangen mutwillig um einen schlafenden Löwen herum, und da er sich nicht rührte, begannen sie sogar auf ihm herumzutanzen. 

Da wurde er wach und hatte gleich eine von ihnen gepackt. "Ich bitte dich" flehte die Maus, "schone mein Leben, ich will es dir auch gerne mit einem Gegendienst vergelten." Da musste der Löwe lachen und ließ sie los. Nach einiger Zeit aber verfing er sich in den Netzen der Jäger und vermochte sich auch mit aller Kraft nicht mehr aus den Schlingen zu befreien. Da kam die Maus herzugelaufen und nagte mit emsigem Zahn eine von den Schleifen entzwei, eine einzige nur, aber auch die anderen begannen davon aufzugehen, und der Löwe konnte seine Fesseln zerreißen. 

Lehre:
Keiner ist so gering, dass er nicht auch einmal einem Mächtigen zu helfen vermag. 





Mittwoch, 25. April 2012

Lao-Tsé | Weisheit | Lebensweisheit | Wer andre kennt


aventin.blogspot.com



Wer andre kennt, ist klug.


Wer sich selber kennt, ist weise.

Wer andre besiegt, hat Kraft.

Wer sich selber besiegt, ist stark.

Wer sich durchsetzt, hat Willen.

Wer sich genügen lässt, ist reich.

Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer.

Wer im Tode nicht untergeht, der lebt.


(Lao-Tsé)





Sonntag, 15. April 2012

Calderon | Wer ist's? | Rätsel | Ich will mich definieren


Ich will mich definieren:

Kraft der Kräfte, die da zieren mein und dein unsterblich Sein, bin das Licht ich, das allein Menschen scheidet von den Tieren.

Bin der zauberische Duft, der da spiegelt Lust und Qualen, flüchtiger als die Sonnenstrahlen, wandelbarer als die Luft.

Habe kein beständig Haus, darin zu sterben, darin zu leben; wandre meines Weges eben und weiß nimmer, wo hinaus.

Hohes Glück und schlimmes Los sehnen mich stets an ihrer Seite, Knecht und Ritter ich geleite, keine Dame wird mich los.

Auf dem Throne mit dem König überwache ich den Staat und als sein geheimer Rat sorge ich viel und schlafe wenig.

Sitze beim Schwelger zu Gericht, baue dem Fleißigen goldene Brücken, brüte in dem Schleicher Tücken und die Schuld im Bösewicht.

Schönheit bin ich bei den Frauen, bei dem Geizhals Schatz auf Schatz, bei dem Spieler Satz um Satz, beim Soldaten Siegsvertrauen.

Frauengunst bei dem Verliebten, bei dem Bettler bitteres Leid, bei dem Heiteren Fröhlichkeit und Betrübnis beim Betrübten.

Kurz, wohin ich immer schwanke, bin ich, mit dem raschen Sinn, nichts und alles, denn ich bin, Freund, ______________________________.




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Montag, 21. November 2011

Das Pferd und der Esel | Helfen und Hilfe leisten | Fabel von Sebastian Brant

aventin.blogspot.com
Ein Pferd und ein Esel, beide gleichmäßig beladen, wurden von einem Landmann zu einem Markt geführt. Als sie eine gute Strecke gegangen waren, fühlte der Esel seine Kräfte abnehmen. "Ach", bat er das Pferd kläglich: "Du bist viel größer und stärker als ich, nimm mir doch einen Teil meiner Last ab, sonst erliege ich." 

Hartherzig schlug ihm das Pferd seine Bitte ab: "Ich habe selbst meinen Teil zu tragen." Keuchend schleppte sich der Esel weiter, bis er endlich erschöpft zusammenstürzte. Vergeblich hieb der Bauer noch auf ihn ein, doch er war tot. Es blieb nun nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels dem Pferde aufzupacken. 

Zu spät bereute dieses seine Hartherzigkeit. "Mit leichter Mühe", so klagte es, "hätte ich dem Esel einen kleinen Teil seiner Last abnehmen und ihn vom Tode retten können. Jetzt muss ich seine ganze Last alleine tragen." 


Lehre:
Hilf zeitig, wo du helfen kannst. Hilf dem Nachbarn das Feuer löschen, ehe es auch dein eigenes Dach ergreift. 









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