Posts mit dem Label Mädchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mädchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 1. Juni 2018

Radi - Novelle von Wolfgang Borchert

Radi Novelle von Wolfgang Borchert:

Heute Nacht war Radi bei mir. Er war blond wie immer und er lachte in seinem weichen breiten Gesicht. Auch seine Augen waren wie immer: etwas ängstlich und etwas unsicher. Auch die paar blonden Bartspitzen hatte er. Alles wie immer. Du bist doch tot, Radi, sagte ich. Ja, antwortete er, lach bitte nicht.


Donnerstag, 26. April 2018

Fünfzehn Geschichte von Reiner Kunze

Fünfzehn - Geschichte von Reiner Kunze:

Geschichte von Reiner Kunze - Fünfzehn - Pubertät - Mädchen - Sie trägt einen Rock, den kann man nicht beschreiben, denn schon ein einziges Wort wäre zu lang. Ihr bunter Schal dagegen ähnelt einer Doppelschleppe: lässig um den Hals geworfen, fällt er in ganzer Breite über Schienbein und Wade.


Freitag, 9. März 2018

Weibliche Beschneidung Geschichte einer berufstätigen Frau aus Mali mit einem französischen akademischen Grad

Weibliche Beschneidung - Geschichte einer berufstätigen Frau aus Mali mit einem französischen akademischen Grad:

Geschichte aus Afrika - Mali - Afrika - Der Brauch der Infibulation und Exzision ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Trotzdem sind die jungen Frauen und Mädchen dagegen in Opposition, die älteren Leute sträuben sich gegen jede Veränderung. Was in meiner Familie geschah, zeigt das.


Donnerstag, 1. März 2018

Ein feiner Sonnenstrahl - Geschichte von Juan Ramón Jiménez

Ein feiner Sonnenstrahl - Geschichte von Juan Ramón Jiménez:

Geschichte von Juan Ramón Jiménez - Das Mädchen ist in seinem Bettchen von einem dünnen Sonnenstrahl geweckt worden, der durch eine Ritze im verschlossenen Fenster ins abgedunkelte Zimmer dringt. Wäre das Kind ohne Sonnenstrahl erwacht, hätte es zu schreien begonnen, um die Mutter herbeizurufen.


Dienstag, 14. Juni 2016

Der Zwerg von Volkringhausen und das Hirtenmädchen


In der Nähe von Volkringhausen liegt eine Höhle. Dort wohnte vor Zeiten ein Zwerg, dem ein Hirtenkind aus Volkringhausen gar wohl gefiel. Das Mädchen fand einst am Berghang ein zierliches Hämmerchen. Da es glaubte, das müsse einem Zwerg gehören, legte es das Werkzeug in den Eingang der Höhle. Als das Mädchen sich umdrehte, stand plötzlich der Zwerg vor ihr, der sie aus dem Gebüsch heraus still beobachtet hatte. Er bedankte sich bei der ehrlichen Finderin und schenkte ihr ein Paar Schuhe mit silbernen Spangen. Das Mädchen war darüber so überrascht, dass es ganz vergaß, dem Männlein zu danken. Und als sie sich darauf besann, war der Zwerg verschwunden. Da wand sie einen Strauß von Immergrün, Engelsüss und Tausendschön, legte ihn vor der Höhle nieder und trieb dann die Herde heim. 

Am anderen Morgen, als die Hirtin wieder oben auf dem Felsen saß, wo sie ihre Herde am besten überschauen konnte und wo sie auch gern ihre frohen Lieder sang, stand, wie aus den Wolken gefallen, wieder der Zwerg vor ihr. Er reichte ihr einen silbernen Haarreifen und sprach: "Du bist ein gutes Kind. Bring mir in jedem Sommer einen Strauß, wie du es gestern getan hast, und ich will es dir lohnen. Den frischen Blumenstrauß aber lege unter den Rosendorn, der dort am Felsen steht." 

Das Hirtenkind erfüllte nun alljährlich den bescheidenen Wunsch des Zwerges, pflückte Immergrün und Engelsüss am Felshang und Tausendschön im Tal, trug den Strauß zur rechten Stelle hin und erhielt ein jedes Mal reichen Lohn. 

Nach sieben Jahren aber, als das Mädchen zur blühenden Jungfrau herangewachsen war, bat es den Zwerg, er möge sie doch einmal in das Reich der Zwerge führen und ihr zeigen, wo seine Wohnung sei. Das bekümmerte den guten Zwerg gar sehr, und er warnte es eindringlich und sprach: "Kind, lass ab von deinem Begehren, oder es wird dein Unglück sein!" Doch das Mädchen bestand auf ihrem Willen, denn die Schätze hatten ihr das Herz betört. Da nahm der Zwerg ein Eibenreis, steckte es ihr ins Haar, dass sie die Heimat nicht vergäße, hauchte ihr auf die Augen, damit ihr das unterirdische Licht nicht schade, und ging dann voran in den Berg. Das Mädchen schaute sich noch einmal um, ließ ihre Herde im Tal und folgte ihm. 

Als die Hirtin durch eine Pforte von leuchtendem Bergkristall geschritten war, stand sie ganz im Zauber der Unterwelt. Ihre Sinne waren verwirrt von all der Pracht und Herrlichkeit. Sprachlos folgte sie ihrem Führer und wanderte weiter und immer weiter. Und sie sah auch den König der Zwerge in Gold und Purpur auf dem Thron sitzen. Wie sie zuletzt an einen kleinen See kam, in welchem sich tausend farbige Lichter widerspiegelten, erblickte sie im Wasser ihr eigenes Bild. Und als sie das Eibenreis im Haar sah, gedachte sie der Mutter daheim und der trauten Gespielinnen und der Wiese im Tal. Und sie wünschte sich fort aus der Unterwelt, damit sie wieder unter Menschen wäre. 

Daraufhin wurde sie zurückgeführt und sah bald wieder das Sonnenlicht und stand am Berghang, dort, wo sonst der Rosendorn grünte. Aber der Dorn stand nicht mehr am Felsen, und die Bäumchen, die sonst am Berg wuchsen, waren in haushohe Stämme mit ausgedehnten Kronen verwandelt, und von der Herde war kein einziges Tier mehr zu finden. Da stand das Mädchen wie im Traum und glaubte, sie befände sich an einem fremden Ort. Schnell eilte sie hinunter ins Tal und suchte das Haus ihrer Mutter. Das Heimatdorf lag im stillen Frieden der Abendsonne, aber an der Stelle, wo sonst die Mutter wohnte, befand sich nur zerfallenes Gemäuer, und Brombeerranken legten sich darüber. Nur der alte Birnbaum mit der breiten Bank aus Stein war noch da. 

Wie das Mädchen nun auf der Bank saß, die Hände rang und klagte, kamen die Nachbarn herbei und fragten, was ihr Begehren sei; denn sie war allen fremd und unbekannt. Als sie aber ihren Namen nannte und erzählte, sie sei am Morgen in den Berg gestiegen, und nun nach wenigen Stunden habe sich alles so verändert, trat eine alte Frau hervor, schloss das Mädchen unter Tränen in die Arme und sprach: "Kind, Kind, was ist mit dir geschehen? Vor vielen Jahren bist du verschwunden, und alles Suchen war umsonst. - Deine Mutter ist gestorben, und als nach Jahren euer Haus in Rauch und Flammen aufging, sind Bruder und Schwester in die weite Welt gezogen, und keiner weiß wohin." Da wollte dem Mädchen die Brust zerspringen, und sie starb noch  am gleichen Tag vor lauter Herzeleid.






Donnerstag, 31. Dezember 2015

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern ⋅ Silvestergeschichte ⋅ Hans Christian Andersen


E
s war entsetzlich kalt; es schneite, und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahre, Silversterabend. In dieser Kälte und in dieser Finsternis ging auf der Straße ein kleines armes Mädchen mit bloßen Kopfe und nackten Füßen. Es hatte wohl freilich Pantoffel angehabt, als es von Hause fortging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Pantoffeln, sie waren früher von seiner Mutter gebraucht worden, so groß waren sie, und diese hatte die Kleine verloren, als sie über die Straße eilte, während zwei Wagen in rasender Eile vorüberjagten; der eine Pantoffel war nicht wiederaufzufinden und mit dem anderen machte sich ein Knabe aus dem Staube, welcher versprach, ihn als Wiege zu benutzen, wenn er einmal Kinder bekäme.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten zierlichen Füßchen, die vor Kälte ganz rot und blau waren. In ihrer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund hielt sie in der Hand. Während des ganzen Tages hatte ihr niemand etwas abgekauft, niemand ein Almosen gereicht. Hungrig und frostig schleppte sich die arme Kleine weiter und sah schon ganz verzagt und eingeschüchtert aus. Die Schneeflocken fielen auf ihr langes blondes Haar, das schön gelockt über ihren Nacken hinabfloß, aber bei diesem Schmucke weilten ihre Gedanken wahrlich nicht. Aus allen Fenstern strahlte heller Lichterglanz und über alle Straßen verbreitete sich der Geruch von köstlichem Gänsebraten. Es war ja Silvesterabend, und dieser Gedanke erfüllte alle Sinne des kleinen Mädchens.

In einem Winkel zwischen zwei Häusern, von denen das eine etwas weiter in die Straße vorsprang als das andere, kauerte es sich nieder. Seine kleinen Beinchen hatte es unter sich gezogen, aber es fror nur noch mehr und wagte es trotzdem nicht, nach Hause zu gehen, da es noch kein Schächtelchen mit Streichhölzern verkauft, noch keinen Heller erhalten hatte. Es hätte gewiß vom Vater Schläge bekommen, und kalt war es zu Hause ja auch; sie hatten das bloße Dach gerade über sich, und der Wind pfiff schneidend hinein, obgleich Stroh und Lumpen in die größten Ritzen gestopft waren. Ach, wie gut mußte ein Schwefelhölzchen tun! Wenn es nur wagen dürfte, eins aus dem Schächtelchen herauszunehmen, es gegen die Wand zu streichen und die Finger daran zu wärmen! Endlich zog das Kind eins heraus. Ritsch! wie sprühte es, wie brannte es. Das Schwefelholz strahlte eine warme helle Flamme aus, wie ein kleines Licht, als es das Händchen um dasselbe hielt. Es war ein merkwürdiges Licht; es kam dem kleinen Mädchen vor, als säße es vor einem großen eisernen Ofen mit Messingbeschlägen und Messingverzierungen; das Feuer brannte so schön und wärmte so wohltuend! Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen - da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand - sie saß mit einem Stümpchen des ausgebrannten Schwefelholzes in der Hand da.

Ein neues wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und an der Stelle der Mauer, auf welche der Schein fiel, wurde sie durchsichtig wie ein Flor. Die Kleine sah gerade in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem blendend weißen Tischtuch und feinem Porzellan gedeckt stand, und köstlich dampfte die mit Pflaumen und Äpfeln gefüllte, gebratene Gans darauf. Und was noch herrlicher war, die Gans sprang aus der Schüssel und watschelte mit Gabel und Messer im Rücken über den Fußboden hin; gerade die Richtung auf das arme Mädchen schlug sie ein. Da erlosch das Schwefelholz, und nur die dicke kalte Mauer war zu sehen.

Sie zündete ein neues an. Da saß die Kleine unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum; er war noch größer und weit reicher ausgeputzt als der, den sie am Heiligabend bei dem reichen Kaufmann durch die Glastür gesehen hatte. Tausende von Lichtern brannten auf den grünen Zweigen, und bunte Bilder, wie die, welche in den Ladenfenstern ausgestellt werden, schauten auf sie hernieder, die Kleine streckte beide Hände nach ihnen in die Höhe - da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und höher, und sie sah jetzt erst, daß es die hellen Sterne waren. Einer von ihnen fiel herab und zog einen langen Feuerstreifen über den Himmel.

"Jetzt stirbt jemand!" sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die sie allein freundlich behandelt hatte, jetzt aber längst tot war, hatte gesagt: "Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele zu Gott empor!"

Sie strich wieder ein Schwefelholz gegen die Mauer; es warf einen weiten Lichtschein ringsumher, und im Glanze desselben stand die alte Großmutter hell beleuchtet mild und freundlich da.

"Großmutter!" rief die Kleine, "oh, nimm mich mit dir! Ich weiß, daß du verschwindest, sobald das Schwefelholz ausgeht, verschwindest, wie der warme Kachelofen, der köstliche Gänsebraten und der große flimmernde Weihnachtsbaum!" Schnell strich sie den ganzen Rest der Schwefelhölzer an, die sich noch im Schächtelchen befanden, sie wollte die Großmutter festhalten; und die Schwefelhölzer verbreiteten einen solchen Glanz, daß es heller war als am lichten Tag. So schön, so groß war die Großmutter nie gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihren Arm, und hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; Kälte, Hunger und Angst wichen von ihm - sie war bei Gott.

Aber im Winkel am Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit Lächeln um den Mund - tot, erfroren am letzten Tage des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging über der kleinen Leiche auf, die mit den Schwefelhölzern, wovon fast ein Schächtelchen verbrannt war, dasaß. "Sie hat sich wärmen wollen!" sagte man. Niemand wußte, was sie schönes gesehen hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war. 





Mittwoch, 20. Mai 2015

Der Samurai und die Flöte • Teil 1 von 2 • Sage aus Japan

Vor vielen Jahren reiste ein junger Samurai im Auftrag seines Gebieters mit einem Brief nach der Stadt Shimizu. Er schritt rüstig voraus und ließ sich nirgendwo aufhalten. Er war bereits einige Tage unterwegs, und da er ein guter Wanderer war, kam er rasch seinem Ziel näher. Er war nur noch wenige Stunden von der Stadt entfernt, als er an eine liebliche Wasserlandschaft am Mogami-Fluß kam. Der Strom hat an dieser Stelle Seitenarme, die sich zu Seen und Mooren ausweiten. Der junge Mann beschloss, hier ein wenig zu rasten. Er zog seinen Imbiss hervor, und als er sich gesättigt hatte, holte er seine Flöte aus dem Gürtel und ergötzte sich für eine Weile mit zarten Melodien. Er glaubte sich ganz allein, nur mit den Wasservögeln als Gesellschaftern. Einige alte Weidenbäume standen in der Nähe und ließen ihre biegsamen langen Zweige wie hellgrüne Schleier auf das Wasser hängen.

Bald hatte der Samurai sich ausgeruht, er steckte seine Flöte weg und wollte aufstehen, um weiter zu gehen. Und wie er hochblickte, stand dicht vor ihm ein schönes Mädchen. Ganz leise musste es gekommen sein, es lächelte zart und sprach: "Lieber Herr, spielt doch noch ein wenig weiter, es ist gar zu schön!" Der Mann war erschrocken, er konnte sich nicht erklären, was ein junges Mädchen so allein in dieser Wildnis zu tun hatte. "Ja, woher kommst du denn? Was machst du in dieser Einsamkeit?" "Ich wohne hier ganz in der Nähe. Ich erging mich in meinem Garten, und dabei habe ich Euer liebliches Musizieren gehört. Ich bitte Euch, spielt doch noch ein wenig für mich!" Der junge Mann betrachtete die Erscheinung jetzt genauer. Es war ein schlankes, zartes Mädchen mit feiner, weißer Haut und langen fließenden Haaren. Aber es fiel ihm auf, dass es fast rote Augen hatte. Und dann erschrak er gewaltig: Das Mädchen stand nicht auf dem Ufer, es stand auf dem Wasser! Es konnte kein Menschenkind sein! Er wich zurück und wollte so schnell wie möglich den unheimlich gewordenen Ort verlassen. Das Mädchen aber bat ihn weiter: "Spielt doch bitte noch einmal für mich, selten habe ich solch zarte Melodien gehört." Der Ritter wehrte sich und sprach: "Ich reise im Auftrag meines Herrn, und ich habe schon viel zu lange hier gerastet, nun muss ich mich beeilen. Ich kann jetzt nicht mehr für dich spielen." Das Wesen fasste ihn sanft am Ärmel und antwortete: "So geht denn, Herr, aber wollt Ihr mir versprechen, auf Eurer Rückreise wieder hier vorbeizukommen und mich noch einmal mit Eurer Flöte zu erfreuen?" Der junge Mann versprach hastig, um was er gebeten wurde, er hätte jedes Ding versprochen, nur um von hier wegkommen zu können. "So warte ich denn auf Euch, und Herr Ritter, enttäuscht mich nicht!"

Mit diesen Worten drehte sich das Mädchen um, und bald war es lautlos zwischen den Schleiern der Weidenbäume verschwunden. Der Samurai atmete auf und verließ eilig das einsame Ufer. Er schritt kräftig weiter und hatte bald die Stadt Shimizu erreicht. Er erledigte seinen Auftrag, und bereits am nächsten Morgen konnte er den Heimweg antreten. Und er wollte das Versprechen, das er dem fremden Mädchen gegeben hatte, nicht halten. Aus diesem Grund wählte er für die Heimreise einen anderen Weg, einen, der die Seenlandschaft umgehen sollte. Mit mehreren Reisenden mietete er deshalb ein Boot, um den Mogami-Fluß eine Strecke hinab zufahren, und erst dann, wenn er die unheimliche Gegend hinter sich gebracht hatte, zu Fuß weiterzugehen. Er hielt das Mädchen für einen Wassergeist, wie er in den Sümpfen und Seen haust, und der sich sicherlich nicht aus seinem eigenen Gebiet heraus bis in den Fluss wagen würde. Und er war nicht allein, er hatte ein ganzes Boot voll Reisegefährten. Der Geist würde sich nicht zeigen wollen.

Fortsetzung folgt ......      Teil-2-von-2







Dienstag, 31. März 2015

Knobel - Rätsel • Ein Ehepaar hat mehrere Kinder ...


Ein Ehepaar hat mehrere Kinder, Jungen und Mädchen. Jedes Mädchen hat ebenso viele Schwestern wie Brüder, jeder Junge dagegen nur halb so viele Brüder wie Schwestern. 

Wie viele Jungen und Mädchen sind es?



▂ ▃ ▄ ▅ ▆ ▇   Antwort   ▇ ▆ ▅ ▄ ▃ ▂









Freitag, 27. April 2012

Das Mädchen und der Klopfgeist | Novelle von Goethe


aventin.blogspot.com

Bei einem wackeren Edelmann, meinem Freunde, der ein altes Schloss mit einer großen Familie bewohnte, war eine Waise erzogen worden, die, als sie herangewachsen und vierzehn Jahre alt war, meist um die Dame vom Hause sich beschäftigte und die nächsten Dienste ihrer Person verrichtete. Man war mit ihr wohl zufrieden, und sie schien nichts weiter zu wünschen, als durch Aufmerksamkeit und Treue ihren Wohltätern dankbar zu sein. Sie war gebildet, und es fanden sich einige Freier um sie ein. Man glaubte nicht, dass eine dieser Verbindungen zu ihrem Glück gereichen würde, und sie zeigte auch nicht das mindeste Verlangen ihren Zustand zu ändern. 

Auf einmal begab es sich, dass man, wenn das Mädchen in dem Hause geschäftlich herum ging, unter ihr, hier und da, pochen hörte. Anfangs schien es zufällig, aber da das Klopfen nicht aufhörte und beinahe jeden ihrer Schritte bezeichnete, ward sie ängstlich und traute sich kaum aus dem Zimmer der gnädigen Frau heraus zu gehen, als in welchem sie allein Ruhe hatte. 

Dieses Pochen ward von jedermann vernommen, der mit ihr ging oder nicht weit von ihr stand. Anfangs scherzte man darüber, endlich aber fing die Sache an unangenehm zu werden. Der Herr vom Hause, der von einem lebhaften Geist war, untersuchte nun selbst die Umstände. Man hörte das Pochen nicht eher, als bis das Mädchen ging, und nicht sowohl indem sie den Fuß aufsetzte, als indem sie ihn zum Weiterschreiten aufhob. Doch fielen die Schläge manchmal unregelmäßig, und besonders waren sie sehr stark, wenn sie quer über einen großen Saal den Weg nahm. 

Der Hausvater hatte eines Tages Handwerksleute in der Nähe und ließ, da das Pochen am heftigsten war, gleich hinter ihr einige Dielen aufreißen. Es fand sich nichts, außer dass bei dieser Gelegenheit ein paar große Ratten zum Vorschein kamen, deren Jagd viel Lärm im Hause verursachte. 

Entrüstet über diese Begebenheit und Verwirrung griff der Hausherr zu einem strengen Mittel, nahm seine größte Hetzpeitsche von der Wand und schwor, dass er das Mädchen bis auf den Tod prügeln wolle, wenn sich noch ein einziges Mal das Pochen hören ließe. Von der Zeit an ging sie ohne Anfechtung im ganzen Hause herum, und man vernahm von dem Pochen nichts mehr weiter







LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...