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Dienstag, 6. November 2018

Der Mönch und der Ikonen-Maler

Der Mönch und der Ikonen-Maler:

In Maghrebinien gab es vor Zeiten einen Ikonen-Maler, der noch die hohe Kunst beherrschte, die Heiligen so darzustellen, wie es Vorschrift war von altersher.


Freitag, 2. Februar 2018

Vom Großkhan und dem Asketen Sage aus dem Maghreb

Vom Großkhan und dem Asketen Sage aus dem Maghreb:

Vom Großkhan und dem Asketen | Sage aus dem Maghreb


Dienstag, 6. Oktober 2015

Der Prophet, der Wein und die drei Hüllen • Sage aus Maghrebinien

Als der Prophet dereinst in die Wüste wanderte, um zu kontemplieren, fand er im Geröll der Einöde ein Pflänzchen vor, das dort - ein offenbares Wunder - gewachsen war. Dem Fingerzeig des Herrn folgend, grub er es aus, um es in saftigeres Erdreich zu verpflanzen. Um es aber vor dem Verdorren zu beschützen, barg er es  in einem Vogelknochen, den er unweit fand. 

Der Keimling aber wuchs und wucherte alsbald über das Vogelbein hinaus, und der Prophet sah sich nach einem größeren Behälter um. Was er fand, war der gebleichte Knochen eines Löwen, und er barg das Reis in dessen Röhre.

Aber weiter und immer weiter wuchs das Pflänzlein und hatte bald das Löwenbein umrankt. Da klaubte der Prophet das Schienbein eines Esels auf, barg es darin und brachte es in seinen Garten. Dort setzte er es in die Erde, und alsbald ward die Rebe daraus.

So wird ein jeder, der vom Weine trinkt, nach dem ersten Glase beschwingt wie ein Vogel; trinkt er ein zweites, so erfüllt ihn der Mut des Löwen; nach dem dritten aber wird er sich gebärden wie ein Esel -:

Dies sind die drei Hüllen, in denen der Prophet die Rebe geborgen hat.




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Donnerstag, 25. Juni 2015

Von der Geburt der Geige • Maghrebinische Geschichte

Ein König hatte drei Söhne: der erste war stolz, der zweite war kühn, der dritte war schön. Als sie herangewachsen waren, zogen sie in die Welt, um ein Handwerk zu erlernen. Der erste kam an den Hof des Großkhans, des Königs der Könige, und nachdem er sieben Jahre im Schatten seines Thrones hingebracht hatte, war er erfahren in aller Weisheit und Würde des Herrschens wie kein anderer. Und er kehrte heim und übernahm Thron und Szepter seiner Vaters und herrschte über sein Volk bis an seines Lebens Ende. 

Der zweite gelangte zu den Kriegern. Und er lernte die Härten des Lagers und das Getümmel der Schlachten ertragen und stärkte seinen Arm und Blick. Und als er ausgelernt hatte, setzte er sich an die Spitze der Truppen und wurde ein Held und Eroberer, wie es seinesgleichen nicht mehr gegeben hat. 

Ihrer beider Namen aber sind vergessen. 

Der dritte endlich zog durch die Welt und fand keinen Aufenthalt, denn er war ungenügsam von Wesen. Einmal aber gelangte er zu einem Asketen, der in der Wüste auf einer Säule lebte, und er blieb bei ihm und diente ihm sieben Jahre lang. Nachdem er ihm sieben Jahre lang gedient hatte, wanderte er weiter. Aber er hatte die Kunst erlernt, sich zu verwandeln in jegliche Gestalt. So ritt er einmal über Land, als er einen Hirsch gewahrte, der vor ihm flüchtete. Von Jagdlust gepackt, setzte er ihm nach. Aber der Hirsch war schneller als sein schnelles Pferd und fast hätte er ihn aus dem Blick verloren. Da erkannte er, dass es kein gewöhnlicher Hirsch war, den er verfolgte, und rasch verwandelte er sich in einen Geparden und setzte in weiten Sprüngen hinter ihm her, bis er ihn erreichte und mit einem Satz in seinem Nacken saß. Kaum aber hatte er ihn gepackt, so verwandelte sich der Hirsch in einen Stichling und schnellte sich in das Wasser des nahen Flusses. Der Königssohn aber verwandelte sich in einen Hecht und hatte ihn bald gefasst. Da verwandelte sich der Stichling in eine Taube, schwang sich von den Wellen des Flusses hoch und entflog mit klatschenden Schwingenschlägen. Der Königssohn aber verwandelte sich in einen Falken und war bald über ihr, stieß zu und hatte sie geschlagen. Die Taube aber verwandelte sich in ein Haar, der Königssohn aber in ein Messer: so spaltete er das Haar. Und als er es gespalten hatte, da verstand er mit einem Male die Sprache aller Dinge. 

So zog er weiter, und die Dinge redeten zu ihm ein jegliches in seiner Sprache und priesen die Schönheit der Schöpfung. Da begann der Königssohn zu singen von der Schönheit der Schöpfung. Dann aber hörte er, wie die Dinge sprachen vom Leid der Welt, und er verstummte. Er blieb in der Einsamkeit, bis er alt und müde wurde. Als er aber spürte, dass er sterben sollte, verfertigte er ein Kästchen aus Holz, und er weinte darüber alle Tränen der Welt und lachte hinein alle Lust und Freude der Welt. Dann zog er vier Haare aus seinem Bart, das eine mit der Stimme der Lerche am frühen Morgen, das andere mit der Stimme der Hummel im hohen Sommer, eines mit der Stimme des singenden Knaben und eines mit der Stimme des stolzen Hahnes. Sie spannte er über das Kästchen und verschloss es so. Dann starb er in der Einsamkeit. Erst viele hundert Jahre später schoss ein Zigeuner seinen Bogen ab, und der Pfeil flog weithin und blieb in der Erde stecken. Und als er hinging, ihn zu holen, fand er daneben das Kästchen mit den vier Haaren. Er verwunderte sich darüber und strich mit der Sehne seines Bogens prüfend über die Haare hin. Da ertönten die Stimmen der Haare und sangen von allem Leid und von aller Freude und Lust der Welt.

Der Zigeuner aber nahm das Kästchen mit sich. So wurde die Geige.





Donnerstag, 19. März 2015

Über die Verantwortung bei der Erziehung • Novelle aus dem Maghreb

Es versteht sich, dass in Maghrebinien, wo so gründliches Augenmerk auf die Bildung der Jugend geworfen wird, ein edler Wettstreit zwischen den Vätern herrsche: jeder nämlich wünscht seinem Sohn die beste und umfassendste der Erziehungen angedeihen zu lassen. 

So berichtet man von einem Mann, dem ein Sohn geboren worden war. Voll Stolz und voll von dem Bewusstsein der Verantwortung, die nunmehr auf ihm lastete, begab er sich in seinen Garten und schritt grübelnd auf und ab, beständig überlegend, welches die allerbeste und umfassendste der Erziehungen wäre, die er seinem Nachkommen geben könnte. So schritt er Stunde um Stunde und Tag um Tag in seinem Garten auf und ab, und eines Tages trat ein junger Mensch an ihn heran und klopfte ihm auf die Schulter -: Es war sein Sohn, der inzwischen zum Manne herangewachsen war.








Samstag, 14. März 2015

Von der Liebe eines Moslems und einer Christin • Maghrebinische Geschichte

Ein junger Moslem namens Hassan liebte eine kaum entknospte Christin namens Myriam. Der religiöse Eifer ihrer Sippen aber vereitelte ihre Vereinigung. Da die beiden sehr schön waren, nahm alles Volk an ihrem Kummer teil. Die Liebe dieser beiden hätte sein können wie die der hundertblättrigen Rose zur tausendstimmigen Nachtigall. 

Dann geschah, dass Myriam vor Kummer auf den Tod erkrankte. Da machte, von so viel Leid ergriffen, einer der großen Weisen des Landes, der Wunderrabbi Schalom Mardochaj, sich auf und ging hin zu ihr, um ihr nach Kräften beizustehen. Er traf sie sterbend an. "Bestelle Hassan", so flüsterte die Schöne dem gütigen Gelehrten zu, "dass ich, um wenigstens im Jenseits mit ihm vereint zu sein, dem Christentum entsage und mich bekenne zur alleinseligmachenden Lehre des Propheten." Damit senkte sie die Neumonde der Lider über die Gebetsnischen der Augen und war entschlafen. 

Schwankend unter dem Gewitter der Ergriffenheit begab sich Rabbi Schalom Mardochaj, der große Talmudist, zu Hassan, um ihm die letzten Worte der Geliebten zu bestellen. Unterwegs geriet er in einen Menschenauflauf. Ein junger Bursche hatte sich vom Minarett der ehrwürdigen Moschee gestürzt und lag sterbend auf dem Pflaster. Von einer fürchterlichen Ahnung überfallen, bebend im Gemüt, drängte Rabbi Schalom sich durch die schaulustige Menge. Er sah Hassan, der noch schwach die Lippen regte. Um die letzten Worte des Sterbenden zu hören, neigte Rabbi Schalom sich über ihn. "Bestelle Myriam", so hauchte Hassan, "dass ich, um wenigstens im Jenseits mit ihr vereint zu sein, der Lehre des Propheten entsage und im Glauben an das alleinseligmachende Christentum gestorben bin." Dann brachen seine Augen und sein Mund blieb stumm. 

Da richtete der gütige und wahre Rabbi Schalom Mardochaj sich auf und sprach zum Volk: "Seht, ihr Toren! Selbst im Jenseits werden sie nicht zueinander kommen wegen dem Starrsinn, mit welchem ihr anhängt an Namen, um zu dienen dem einen und alleinigen Gott!"






Mittwoch, 11. März 2015

Vom Großkhan und dem Asketen • Novelle aus dem Maghreb

Der Großkhan hatte befohlen, alle Bücher seines Reiches zusammenzutragen. Es waren zwanzigtausend Kamellasten. Als der Großkhan diesen ungeheuren Berg von Wälzern sah, gab er seinen Gelehrten den Auftrag, alle Weisheit, die in ihnen enthalten wäre, in einem Buche aufzuzeichnen. Die Gelehrten machten sich an die Arbeit, und eines Tages traten sie vor den Großkhan und überreichten ihm das Buch. Der Großkhan wog das Buch in seiner Hand und befahl den Gelehrten, alle Weisheit dieses Buches in einen Satz zu fassen. Die Gelehrten machten sich an die Arbeit, aber soviel sie auch von ihrer Weisheit und Gelehrsamkeit darauf verwendeten, sie mussten verzweifeln. Sie bekannten es dem Großkhan, und er ließ sie alle hinrichten. Darauf befahl er, in allen Provinzen, Städten, Marktflecken, Konaks und Jurten seines Landes bekanntzumachen, dass er jeden Schriftgelehrten töten lassen werde, bis nicht einer von ihnen imstande wäre, ihm den Satz zu sagen - einen Satz nämlich, der eine Weisheit enthalte, welche zu allen Zeiten und bei jeglicher Gelegenheit, in allen Umständen und Wechselfälle des Lebens die größte Einsicht und weiseste Tröstung enthalte. Jahre vergingen, und die Schriftgelehrten starben wie die Stallfliegen bei Frost. Davon hörte ein Asket, der in der Einsamkeit auf einer Säule lebte, und er stieg nieder von seiner Säule und begab sich vor den Herrn der Erde. "Weißt du den Satz", fragte ihn der Großkhan, "in dem alle Weisheit dieser Erde enthalten ist, so dass sie bei jeglicher Gelegenheit und immer, unter allen Umständen und Wechselfällen des Lebens die tiefste Einsicht und tröstlichste der Tröstungen ist?" "Ich weiß ihn", erwiderte der Asket. "So sage ihn!" befahl der Großkhan. Darauf antwortete der Asket: "Auch dieses wird vergehen."





Samstag, 31. Januar 2015

Der Kaufmann, ein Diener und der Tod | Sage aus dem Maghreb

aventin.blogspot.com

Ein Kaufmann in Maghrebinien besaß zur Lust und Labe seines Alters einen wundervollen Rosengarten und einen Diener, ihn zu pflegen. Als er sich einmal in der kühlen Abendstunde in diesem Garten ergehen wollte, kam sein Diener atemlos gelaufen, warf sich zu seinen Füßen und flehte: "Herr, gib mir dein schnellstes Pferd, dass ich nach Samarkand entfliehen kann. In deinem Garten ist der Tod, und ich weiß, er ist gekommen, um mich zu holen." Der Kaufmann, der seinen Diener liebte, gab ihm sein schnellstes Pferd und einen Beutel Gold, und nachdem der Diener sich unter Dank und Segenswünschen davongemacht hatte, ging er zurück in seinen Garten. Dort traf er einen Jüngling von hohem Ernst und großer Schönheit an. "Guten Abend", sagte der Kaufmann. "Du bist der Tod? Bist du in Geschäften zu mir gekommen?" - "Nein", erwiderte der Tod, "ich verweile hier, mit deiner gütigen Erlaubnis, und erfreue mich an der Schönheit dieser Blumen. Ich bin auf Reisen, aber ich habe keine sonderliche Eile. Morgen erst muss ich in Samarkand sein, um dort deinen Diener zu treffen."