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Dienstag, 9. Juni 2015

Der Wolf und die Tiere • Unersättlichkeit • Fabel von Hanakdan

Der Kanzler des Löwen, der Wolf, ward von allen Tieren verklagt, dass kein lebendiges Geschöpf vor seinem Räuberzahn sicher sei. "Der Unersättliche", klagten sie, "macht den Wald zur Einöde, unsere Weiber zu Witwen und unsere Kinder zu Waisen." Der König zürnte und verwies dem Wolf seine Grausamkeit mit harten Worten. "Das Vergangene ist nicht mehr zu ändern", setzte er königlich hinzu; "aber in Zukunft hüte dich vor Gewalttätigkeit. Begnüge dich mit den toten Tieren, die du auf dem Felde findest, und schwöre, dich zwei ganze Jahre alles Fleisches zu enthalten für jedes lebendige Tier, das du dich zu erwürgen gelüsten lässest." Der Wolf schwur und ging von dannen. 

Wenige Tage nachher überfiel ihn ein grausamer Hunger, und er sah ein fettes Schaf auf der Wiese weiden. Da kämpften in ihm Gedanken mit Gedanken. "Zwei Jahre kein Fleisch zu genießen. - Die Strafe ist hart, und ich habe geschworen. - Doch in jedem Jahre sind dreihundertundfünfsechzig Tage. Tag ist, wenn ich sehen, und Nacht, wenn ich nicht sehen kann. So oft ich also die Augen verschließe, ist Nacht, und wenn ich sie wieder auftue, so wird es Tag." - Schnell blinzte er die Augen zu und tat sie wieder auf; da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Er zählte zwei volle Jahre. "Nun", sprach er, habe ich für die Sünde zum Voraus gebüßt", ergriff das Schaf und würgte es. 

Die Fabel lehrt, dass ein Räuber leicht Mittel findet, den kräftigsten Eid zu vereiteln.







Dienstag, 2. Juni 2015

Der Wettstreit zwischen Sonne und Wind • Fabel von Aesop

Der Wind und die Sonne bekamen eines Tages in einen Streit darüber, wer es von den beiden wohl schneller schaffen würde, einen Wanderer dazu zu bringen, seine Jacke auszuziehen. „Einverstanden!", sagte der Wind „Lass uns einen Wettkampf dazu machen." Der Wind begann. Er blies aus Leibeskräften und stürmte und tobte, um so dem Mann seine Jacke mit Gewalt vom Leib zu reißen. Doch der Wanderer zog seine Jacke nur immer fester um sich und hielt sie mit beiden Händen fest. Schließlich gab der Wind auf.

Nun war die Sonne an der Reihe. Sie wählte einen ganz anderen Weg. Sie sandte ihre warmen Strahlen auf die Erde, und die Luft erwärmte sich. Es dauerte nicht lange, bis der Wanderer die Jacke aufknöpfte und sie schließlich ganz auszog. Die Sonne aber freute sich über ihren Sieg.

Nicht jedes Mittel führt zum gewünschten Erfolg.