Posts mit dem Label Rat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. Juli 2020

Ratgeber und Influencer

Montag, 17. Februar 2020

Der Rat des Esels

Der Rat des Esels

Fabel aus Tausendundeine Nacht


Montag, 24. September 2018

Schlange und Froschkönig

Schlange und Froschkönig:

Ein Frosch sah am Ufer eines Teiches eine Schlange liegen. Warum liegst du hier so müßig rum? fragte er sie, und gehst nicht auf Beute aus?


Dienstag, 10. Juli 2018

Die drei Ratschläge des Vogels - Parabel

Die drei Ratschläge des Vogels - Parabel:

Jemand fing mit List einen Vogel. Der Vogel sagte zu ihm: “Oh edler Herr, Du hast viele Ochsen u. Schafe gegessen und viele Kamele geopfert; du bist niemals auf dieser Welt davon satt geworden, und meine Glieder werden dich auch nicht sättigen.


Donnerstag, 2. Juli 2015

Der kluge Richter • Novelle von Johann Peter Hebel

Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, weIche in ein Tuch eingenäht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern, an. Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. „Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird's wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!“ So sprach er mit dem Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte. „Guter Freund“, sprach er hierauf, „es waren eigentlich achthundert Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch siebenhundert Taler. Ihr werdet also eine Naht aufgetrennt und eure hundert Taler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt ihr wohl daran getan. Ich danke euch.“ Das war nicht schön. Aber wir sind auch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.

Der ehrliche Finder, dem es weniger um die hundert Taler als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu tun war, versicherte, dass er das Päcklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie er's gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestanden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, dass achthundert Taler seien eingenäht gewesen, der andere, dass er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe. Da war guter Rat teuer. 

Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des anderen zum voraus zu kennen schien, griff die Sache so an: Er ließ sich von beiden über das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und tat hierauf folgenden Ausspruch: „Demnach, wenn der eine von euch achthundert Taler verloren, der andere aber ein Päcklein mit nur siebenhundert Talern gefunden hat, so kann auch das Geld des letzteren nicht das nämliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurück und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur siebenhundert Taler verloren hat. Und dir da weiß ich keinen Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine achthundert Taler findet.“ So sprach der Richter, und dabei blieb es.





Dienstag, 23. Juni 2015

Nibelungen Sage 6/28 | Wie Siegfried zum ersten Male Kriemhild sah


Zu Pfingsten war das große Fest angesagt, und bald zogen auf allen Wegen die edlen Herren heran, die von König Gunther geladen waren. Gernot und Giselher hießen die Gäste in Worms willkommen. Zweiunddreißig Fürsten fanden sich ein und an fünftausend Ritter mit ihrem Geleit. Geschäftiges und frohes Treiben herrschte in der ganzen Stadt, und die Frauen richteten das Beste, was sie an Kleidern und Schmuck hatten.

Am Pfingstmorgen begann das Fest. Gunther befragte seine Getreuen, wie man sich den besonderen Dank der Gäste verdienen könne. Da meinte Ortwin von Metz: "Soll das Fest recht gelingen, so lasst die Frauen des Hofes daran teilnehmen, vor allem aber Eure Schwester Kriemhild, die so mancher Held zu sehen gekommen ist." Der Rat gefiel Gunther, und es erging an Frau Ute und Kriemhild die Aufforderung, mit ihren Frauen vor den Gästen zu erscheinen. 

Da gab es kein Säumen. Die schönsten Gewänder und der kostbarste Schmuck wurden hervorgeholt, und hundert Recken standen zum Geleit bereit, als Ute und Kriemhild mit der Schar edler Frauen ihre Gemächer verließen. Sogleich drängten von allen Seiten die Ritter heran, denn niemand wollte sich diesen Augenblick entgehen lassen.

Wie das Morgenrot aus trüben Wolken bricht, so kam Kriemhild daher. Edle Steine funkelten an ihrem Gewand, und wie Rosen blühten ihre Wangen. Keine der Frauen kam ihr an Schönheit gleich, und keiner der Ritter hatte je ein lieblicheres Bild gesehen. Siegfried, der in der Menge der Zuschauer stand, wurde es im Herzen froh und traurig zugleich. "Wie konnte ich nur hoffen, dich zu gewinnen",  ging es ihm durch den Sinn, "das ist ein eitler Wahn! Aber wenn ich dich meiden soll, so wollte ich doch lieber tot sein." Als wäre er auf ein Pergament gemalt, so stand Siegfried da, herrlich vor allen anderen Recken.

Da wandte sich Gernot an seinen Bruder Gunther: "Jetzt ist es an der Zeit, Siegfried zu belohnen für die Dienste, die er uns erwiesen hat. Kriemhild sollte ihm ihren Gruß entbieten, das würde den Helden ehren und noch fester mit uns verbinden." Gunther tat nach Gernots Rat, und Siegfried wurde zu der Königstochter geleitet. Noch tiefer erglühte das Rot auf Kriemhilds Wangen, als sie den Helden vor sich sah. "Willkommen, Herr Siegfried, edler Ritter!" grüßte sie ihn, und voll Anmut neigte er sich vor ihr in Freude und Dank. Nur heimlich wagten sie es, einander mit liebenden Blicken anzuschauen, und nie erlebte Siegfried ein tieferes Glück als in dieser Stunde, da er Kriemhilds Hand in der seinen hielt. Jeder der hochgemuten Recken hätte an seiner Stelle sein mögen.

Zum Münster ging nun der festliche Zug, Siegfried an der Seite der schönen Kriemhild. Dort wurden sie voneinander getrennt, wie es in der Kirche Sitte war, und der Held von Niederland konnte kaum das Ende der Messe erwarten, so sehr verlangte ihn nach der Nähe der Holdseligen, die er im Herzen trug. Als die Ritter und Frauen das Münster verließen, trat er wieder zu Kriemhild, um sie heim zu geleiten, und jetzt erst fand sie Worte des Dankes für sein tapferes Streiten. "Ich tat es für Eure Brüder und für Euch", erwiderte Siegfried, "und ich will nicht ablassen, Euch zu dienen mein Leben lang, wenn Ihr mir Eure Minne gewährt."

Zwölf Tage währte das Fest, und jeden Tag weilte Siegfried an der Seite Kriemhilds bei den Kampfspielen, in denen Gunthers Recken und die fremden Helden miteinander wetteiferten im Schwertstreit und Lanzenstechen. König Gunther kargte nicht mit Speise und Trank, und als die Gäste Abschied nahmen, ließ er ihnen kostbare Gaben reichen. Auch die gefangenen Sachsen und Dänen durften mit ihren Königen den Heimweg antreten. Gunther entließ sie auf Siegfrieds Rat ohne Lösegeld, doch mussten sie für künftige Zeiten Frieden geloben.

Abermals drängte es nun Siegfried zur Heimkehr, denn unerreichbar schien ihm immer noch Kriemhilds Hand. Da war es Giselher, der ihn mit seinen Bitten am Burgundenhof zurückzuhalten suchte. Und wieder ließ Siegfried sich nicht lange bitten. Wie hätte er wegreiten können von Kriemhild, die er nun Tag für Tag sehen durfte!





Mittwoch, 10. Juni 2015

Nibelungen Sage 19/28 | Wie die Burgunden zu den Hunnen fuhren


Mehr als tausend Ritter und neuntausend Knechte standen in Worms zur Fahrt an Etzels Hof bereit. Da träumte Frau Ute, alle Vögel lägen tot im Land, und sie riet, die Reise zu lassen. Doch Hagen antwortete: "Wer sich an Träume hält, geht leicht fehl. Unserer Ehre wegen können wir jetzt nicht mehr zurück." Vorher hatte er wohl anders gesprochen, aber als Gernot spottete: "Hagen scheut die Fahrt, weil er an Siegfried denkt", da blieb ihm keine andere Wahl.

Gunther übertrug dem wackeren Rumhold die Sorge für seine Getreuen als Vogt, damit Frauen und Kinder in guter Hut seien. Dann riefen die Hörner zum Aufbruch, die Fähnlein wurden erhoben, und frohen Mutes ging es zu Schiff über den Rhein. Drüben standen die Rosse schon gesattelt, und nicht lange währte der Abschied von den Frauen, die mit den Scheidenden über den Strom gefahren waren. Brunhild weinte, und mit ihr so manche, die dem reisigen Zug nachschaute. Nie sollten sie die hochgemuten Recken wiedersehen! 

In zwölf Tagen führte Hagen die Schar durch das Frankenland bis an die Donau. Der Strom war über die Ufer getreten und weit und breit kein Fährmann zu sehen. Da machte sich Hagen auf die Suche. Ein Schiff fand er nicht, wohl aber führte das Rauschen eines Gießbaches ihn zu einer Stelle, wo zwei Meerfrauen in der kühlen Flut badeten. Als sie den Fremden gewahrten, flüchteten sie erschreckt in den Strom hinaus und ließen ihre Kleider am Strand zurück. Der Tronjer wollte die Schwanenhemden als gute Beute davontragen, da rief ihm eine der Frauen zu: "Gebt Ihr uns das Gewand zurück, edler Herr, so sollt Ihr wissen, wie es Euch auf der Reise ins Hunnenland ergeht."

Wie zwei Wundervögel schwebten sie auf der Flut, und Hagen glaubte ihnen, dass sie mit Zauberkraft die Zukunft zu enthüllen vermöchten. So versprach er, nach ihrem Wunsch zu tun, und erhielt den Bescheid: "Guten Mutes mögt ihr in Etzels Land reiten. Nie gingen Helden so großen Ehren entgegen, wie sie euch allen am Hunnenhof zuteil werden."

Erfreut gab Hagen ihnen die Gewänder zurück. Kaum hatten sie aber die Schwanenhemden übergestreift, da ließ sich die andere Meerfrau vernehmen: "Ich will dich warnen, Hagen! Der Kleider wegen hat meine Muhme dich getäuscht. Tod und Verderben erwarten euch im Hunnenland. Nur des Königs Kaplan wird die Heimat wiedersehen, wenn ihr nicht umkehrt. Noch ist dazu Zeit, ich rate es euch gut!"

In grimmigem Zorn erwiderte Hagen: "Verhöhnen würde man mich, wenn ich meinen Herren und allen Gefährten den Tod an Etzels Hof kündete! Sag mir lieber, wie wir über das Wasser kommen!"

"Drüben am anderen Ufer, eine Strecke flußaufwärts, wohnt der einzige Fährmann", beschied sie ihn, "ihn musst du rufen, wenn ihr nicht lassen wollt von der Reise; aber bitte ihn freundlich und versprich ihm guten Lohn, denn er ist Gelfrats Mann, des Herrn im Bayernland, und dessen Bruders Else, und er ist ein gar ungefüger Geselle."

Hagen rief ihr Dank zu und schritt das Ufer entlang, bis er drüben das Fährhaus erblickte. Mit dem Schwert hub er eine Goldspange hoch und ließ laut die Stimme über das Wasser schallen: "Hol über, Ferge! Reichen Lohn biete ich dir!" Da ließ der Fährmann das Boot vom Strand und kam herüber. Doch als er den fremden Recken erblickte, wurde ihm die Sache leid, und er verweigerte die Überfahrt. "Viel Feinde hat mein Herr, und kein Fremder darf in sein Land", fuhr er den Tronjer an, der sogleich den Fuß an Bord gesetzt hatte, und forderte ihn auf, wieder auszusteigen. Das war jedoch nicht nach Hagens Sinn, und auf der Stelle kam es zum Streit zwischen den beiden. Ingrimmig schlug der Fährmann seine Ruderstange auf Hagens Haupt, dass sie zersprang, aber da zog der Tronjer sein Schwert, fällte den Tobenden mit tödlichem Streich und stieß den Leichnam in die Wogen. Mit dem Schildriemen band er dann die zerbrochene Ruderstange wieder zusammen und lenkte das Boot stromab zu den Gefährten, die am Strand auf ihn warteten.

Den ganzen Tag über war er nun selbst als Fährmann tätig und brachte die Ritter und ihre Waffen sicher über die Flut, während die Rosse nebenher schwammen. Hin und her ging die Wasserfahrt, bis er plötzlich den Kaplan König Gunthers im Schiff bemerkte. Da kamen ihm die Worte der Meerfrau in den Sinn, und ehe jemand ihn zurückhalten konnte, hatte er den erschrockenen Priester über Bord gestürzt. Den Tod hatte der grimme Tronjer dem Unglücklichen zugedacht, um die Weissagung der Meerfrau zuschanden zu machen, und unbarmherzig stieß er ihn wieder ins Wasser zurück, als er nach der rettenden Planke griff. Da wandte der Kaplan sich um und erreichte schwimmend glücklich das Ufer, das er eben verlassen hatte. Nun wusste Hagen, welches Schicksal ihn und die Burgungen im Hunnenland erwartete. Keine Rückkehr gab es mehr!

Daher zerschlug er, als alle drüben waren, das Boot und ließ die Stücke davontreiben. Verwundert fragten ihn die Gefährten, was ihn dazu treibe. "Sollte ein Feigling unter uns sein, so mag er sehen, dass er uns nicht mehr im Stich lassen und heimlich nach Hause entweichen kann", entgegnete finster der Tronjer und stieß die letzte Planke in die Flut.

Auf dem Weg durch das Bayernland hatten sie noch ein weiteres Abenteuer zu bestehen. Hagen hatte es vorausgesehen, als er den Fährmann erschlug. Deshalb ließ er Volker den Vortrab führen und übernahm selber mit seinem Bruder Dankwart die Nachhut. Die erprobten Recken von Tronje ritten mit ihnen. Am Abend vernahmen sie hinter sich und zu beiden Seiten der Straße Hufschlag. Da ließ Dankwart die Helme aufbinden, und Hagen rief durch das Dunkel: "Wer reitet da auf der Straße hinter uns her?"

Es war, wie der Tronjer erwartet hatte, Gelfrat, der Bayernherzog, mit seinem Bruder Else und siebenhundert Reisigen. "Ihr habt mir den Fergen am Fluss erschlagen, nun geht es euch ans Leben!" drohte zornig Gelfrat. "Ich leugne die Tat nicht: er weigerte uns die Überfahrt, deshalb fand er den Tod. Zur Sühne im Schwerterkampf bin ich dir bereit!" rief Hagen zurück und spornte sein Roß.

Es ward ein grimmiges Streiten. Gelfrats Lanze warf den Tronjer aus dem Sattel, doch gleich war dieser wieder auf den Füßen und ging den Bayernfürsten mit dem Schwert an. Wieder geriet er in Not, als Gelfrat ihm mit gewaltigem Streich ein Stück aus dem Schild hieb. Dankwart, der eben Else eine Wunde geschlagen hatte, musste herbeieilen, und von seiner Hand fand der tapfere Herzog den Tod. Da wandten die Bayern sich zur Flucht, und die Tronjer setzten in ungestümer Verfolgung nach, bis Dankwart, froh des Sieges, sie zurückrief. Mehr als hundert Bayern lagen tot auf dem Feld. Den Tronjern war mancher Schild zerhauen, aber sie zählten nur vier Gefallene. 

Kein Feind begegnete ihnen nunmehr im Bayernland, und in Passau hielten die wegmüden Recken gute Rast. Bischof Pilgrim nahm seine Neffen und ihre Getreuen aufs beste auf, und da nicht alle in der Stadt selbst Herberge fanden, schlugen die Knechte auf einer Wiese am Fluss Zelte und Laubhütten auf. Einen Tag und eine Nacht verbrachten sie dort, ehe sie sich auf den Weg machten nach Rüdigers Mark.

An der Grenze trafen sie auf einen schlafenden Ritter. Hagen nahm ihm das Schwert weg. Es war der Markgraf Eckewart, der mit Kriemhild ins Hunnenland gezogen war. Rüdiger hatte ihn ausgeschickt, die Gäste zu begrüßen. "Weh der Schande, dass man mich hier schlafend fand, ein schlechter Grenzhüter bin ich!" klagte er, als er erwachte. Hagen aber gab ihm mit freundlichen Worten sogleich das Schwert zurück und dazu sechs Goldspangen. Da dankte ihm Eckewart bewegt: "Gott lohne Euch Eure Milde, Herr Hagen! Doch lieber wäre mir, ich hätte Euch hier vergebens erwartet, den Siegfrieds Tod hat man in Etzelnburg noch nicht verschmerzt, und ich rate Euch deshalb in Treuen: seid wohl auf der Hut!"

"Sei bedankt für deinen Rat", entgegnete Hagen, "aber vorerst haben wir nur Sorge um eine gute Herberge. Unsere Rosse sind müde und unsere Vorräte aufgezehrt. Ein sorglicher Wirt tut uns allen not."

"Den weiß ich euch", versprach Eckewart. "Marktgraf Rüdiger in Bechlaren ist es. Voll Freude wartet er auf die Gäste vom Rhein. Lasst mich vorausreiten und ihm die Nachricht bringen!"







Dienstag, 5. Mai 2015

Von Falschheit und Untreue • Umgang • Fabel von Martin Luther

Eine Maus wäre gern über ein Wasser geschwommen, konnte aber nicht und bat einen Frosch um Rat und Hilfe. Der Frosch war ein Schalk und sprach zur Maus: "Binde deinen Fuß an meinen Fuß, so will ich schwimmen und dich hinüberziehen." Da sie aber aufs Wasser kamen, tauchte der Frosch unter und wollte die Maus ertränken. Während aber die Maus sich wehrt und abmüht, fliegt ein Bussard daher, ergreift die Maus, zieht auch den Frosch mit heraus und frisst sie beide. 

Siehe dich vor, mit wem du umgehst. Die Welt ist voller Falsch und Untreue. Wo einer etwas über den anderen vermag, da steckt er ihn in den Sack. Doch schlägt Untreue allzeit ihren eigenen Herrn, wie dem Frosch hier geschah. 







Montag, 2. März 2015

Die Stute und der Ackergaul • Fabel von Leo Tolstoi

Eine hübsche Stute war Tag und Nacht auf der Weide und nie vor dem Pflug; ein Ackergaul aber weidete nur des Nachts und musste tagsüber pflügen. Die Stute sagte zum Ackergaul: "Warum rackerst du dich so ab? Ich an deiner Stelle würde einfach nicht hingehen. Und wenn dir der Bauer mit der Peitsche kommt, komm du ihm mit deinen Hufen!"

Am andern Morgen tat der Ackergaul genau das, was ihm die Stute geraten hatte. Und der Bauer sah, wie störrisch der Ackergaul war, und nahm die Stute ins Geschirr, ehe sie recht merkte, was mit ihr geschah.





Dienstag, 17. Februar 2015

Das gestohlene Schwein | Poggio Bracciolini | Fabel aus Italien

aventin.blogspot.com

In einer Stadt der Umgebung Anconas war es Sitte, dass, wer im Winter ein Schwein schlachtete, die ganze Nachbarschaft zum Schmaus einlud. Einer aber, der sich davor gern drücken wollte, fragte seinen Vetter um Rat, wie er das wohl anstellen könnte. Der erwiderte: "Sag nur morgen, dein Schwein ist dir in der Nacht gestohlen worden." Nun stahl ihm der Vetter, ohne dass der andere eine Ahnung davon hatte, in derselben Nacht das Schwein. 

Wie der Bestohlene am anderen Morgen das Schwein nicht mehr fand, lief er zu seinem Vetter und schrie laut: "Mein Schwein ist mir gestohlen worden!" Da sagte der: "Das machst du ganz ausgezeichnet und ganz, wie ich dir es gesagt habe." Wie der Bestohlene nun wieder und wieder die Worte wiederholte und bei Gott schwur, es sei wahr, sagte der Vetter: "Bravo, du verstehst es wirklich ganz prächtig!" Als der Bestohlene nun seine Eidesbeteuerungen abermals erneute, meinte der Vetter: "Siehst du, so muss man es machen. Hab ich dir nicht einen guten Rat gegeben?" 

Lehre:
So straft sich Geiz und Lüge, und so kommt zum Verlust auch noch der Spott.







Dienstag, 3. Februar 2015

Die beiden Wanderer und die gefundene Axt | Fabel von Aesop

aventin.blogspot.com

Zwei Wanderer gingen denselben Weg. Der eine von ihnen fand ein Beil und nahm es an sich. Da gab der andere seinem Gefährten den Rat, nicht zu sagen: "Ich habe", sondern: "Wir haben" gefunden. 

Über Kurzem stießen die beiden auf jene, welche das Beil verloren hatten. Als sie es in der Hand des einen Wanderers erblickten, ergrimmten sie sich in der Meinung, er habe es ihnen gestohlen und bedrängten ihn. "Wir sind verloren", sprach da der Finder zu seinem Gefährten. Doch der erwiderte: "Sage lieber: 'Ich bin' und nicht 'wir sind' verloren, denn als du das Beil fandest, hast du ja auch gesagt: 'Ich habe' und nicht 'wir haben' gefunden." 

Lehre:
Wahre Freundschaft teilt Gutes und Schlechtes, denn geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid.