Posts mit dem Label Sonnwendfest werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sonnwendfest werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 19. Juni 2015

Nibelungen Sage 10/28 | Wie Siegfried und Kriemhild nach Worms geladen wurden


Mit Unmut sah die stolze Brunhild, dass Siegfried und Kriemhild sich so viele Jahre dem Hof zu Worms fernhielten. Eines Tages sprach sie zu König Gunther: "Siegfried ist doch dein Lehnsmann, aber zehn Jahre lang blieb er dir seine Dienste schuldig. Nun ist es wohl Zeit, dass du ihn und Kriemhild aufforderst, an deinem Hof zu erscheinen." Gunther vernahm diese Worte nicht gern, er antwortete: "Sie wohnen uns zu fern. Wie könnte ich ihnen die lange Reise zumuten?" Doch Brunhild ließ nicht nach mit ihrem Drängen: "Wäre ein Lehnsmann noch so mächtig, und wohnte er noch ferner als Siegfried, was sein Herr ihm gebietet, das muss er tun. Und wie glücklich wäre ich", fügte sie hinzu, "wenn ich wieder einmal mit Kriemhild, deiner schönen Schwester, zusammen sein könnte wie damals bei unserer Hochzeit. Keinen größeren Wunsch habe ich." So lange bat sie, bis Gunther einwilligte und versprach: "Ich will ihnen Boten senden und sie zur Sonnwendfeier nach Worms laden."

So geschah es bald. An der Spitze von dreißig Rittern übernahm Markgraf Gere den Botendienst. Er wurde mit seinen Begleitern von Siegfried und Kriemhild aufs beste aufgenommen und richtete die Botschaft aus, die König Gunther ihm aufgetragen hatte. Auch von Brunhild und Frau Ute, von Gernot und Giselher überbrachte er Grüße und freundliche Einladung zum  Sonnwendfest in Worms. Wie hätten Siegfried und Kriemhild da ablehnen können! Selbst König Siegmund erbot sich, mit hundert Mannen die Reise ins Burgundenland mitzumachen. Mit reichen Gaben bedacht, wurden die Boten in die Heimat entlassen. Sie eilten sehr, die gute Nachricht nach Worms zu bringen. 

Gunther sprang vor Freude auf, als er die Kunde vernahm, und Brunhild ließ sich von dem Markgrafen berichten, dass Kriemhild noch so schön sei wie zuvor. Voll Stolz wiesen die Boten auch die kostbaren Geschenke vor, die sie in Xanten erhalten hatten. Hagen aber meinte: "Siegfried mag wohl leicht mit vollen Händen geben, seit er der Herr des Nibelungenhortes ist."

Nun ging es in Worms an ein emsiges Schaffen und Rüsten. Kämmerer, Schenken und Küchenmeister waren tagaus, tagein geschäftig in Gaststuben, in Keller und Küche, um das Fest würdig zu richten, und die Frauen boten ihre ganze Kunst auf, die Kleider, die man beim Hofgelage tragen wollte, mit Goldborten und edlen Steinen zu schmücken.

In prächtigem Zug nahten bald die Gäste von Niederland. Tausend Ritter hatte Siegfried aufgeboten, hundert ritten mit Siegmund, ihrem alten König. Saumtiere trugen schwere Lasten voll der mannigfaltigsten  Kostbarkeiten. Ihren kleinen Sohn hatten Siegfried und Kriemhild in der Heimat zurückgelassen. -- Er sollte seine Eltern nicht mehr wiedersehen. 

Zum Empfang ritten Gunther und Brunhild mit stattlichem Gefolge vor die Stadt. Gunther bot Siegfried und Siegmund freundliches Willkommen, und die beiden Königinnen begrüßten sich so liebevoll, dass freudiger Beifall sich ringsum erhob. Auch die Frauen der Königinnen bezeigten einander ihre Zuneigung mit zierlicher Verneigung und anmutigem Kuss. 

Unverweilt ging es nun durch die Stadt zur Königsburg, wo der große Saal für die Gäste festlich gerichtet war. An langen Tafeln nahmen sie Platz, die Könige und Königinnen mit ihrem ganzen Gefolge, zwölfhundert Ritter und Frauen allein aus Niederland. König Gunther war ihnen ein guter und sorglicher Wirt, und auch Brunhild sah mit freundlicher Huld auf die stattliche Schar der Gäste. Am häufigsten weilte ihr Blick auf Kriemhild, deren Schönheit den lichten Glanz des Goldes übertraf. 

Der nächste Tag begann mit der Frühmesse im Münster, und dann riefen die  Posaunen und Trompeten zum ritterlichen Kampfspiel draußen vor der Stadt. Wieder zerspellten die Lanzen und brachen die Schilde, und kampffroh tummelten die Recken ihre Rosse vor den Augen  der Frauen, die voll Lust dem hin und her wogenden Turnier zuschauten. Auch Gunther und seine Freunde ritten zur Ehre der Gäste in die Schranken. 

Elf Tage gingen so hin mit froher Kurzweil, mit Reiten und Lanzenstechen und in festlicher Tafelrunde. Dann kam der Tag, da Brunhild ihren Groll und Unmut nicht länger zu zügeln vermochte.

Sparen Sie mit täglich neuem ebay Angebot

Montag, 8. Juni 2015

Nibelungen Sage 21/28 | Wie Kriemhild die Burgunden empfing


König Etzel selbst brachte Kriemhild die Kunde, dass die Burgunden nahten. "Aufs beste wollen wir deine Brüder empfangen", sagte er, "so, wie es Königen und lieben Verwandten geziemt."

"Wie freue ich mich über diese Nachricht!" entgegnete sie und eilte sogleich ans Fenster, um nach den Burgunden Ausschau zu halten. Bei sich aber dachte sie: "Nun ist die Stunde da, auf die ich so lange gewartet habe. Der mir so unermessliches Leid zugefügt hat, dem will ich heimzahlen, was ich vermag." In diesen Gedanken stand sie am Fenster und blickte ins Land hinaus, der Straße nach, auf der nun Hagen gegen Etzelnburg ritt.

Auch Hildebrand, der alte Waffenmeister Dietrichs von Bern, erfuhr von der Ankunft der Burgunden, und ohne Säumen ging er mit der Neuigkeit zu seinem Herrn. Dem Berner wurde das Herz schwer, als er die Kunde des getreuen Alten vernahm. Sogleich ließ er satteln und ritt den Nahenden entgegen.

Hagen erkannte den Gotenkönig schon von weitem. "Da kommt Dietrich von Bern mit seinen tapferen Amelungenrecken", sagte er zu Gunther. "Guter Dienste dürfen wir von ihnen gewiss sein, und wir müssen sie mit allen Ehren empfangen."

So geschah es, und Dietrich dankte mit freundlichen Worten: "Seid mir willkommen, ihr Herren vom Rhein, Herr Gunther, Gernot und Giselher, und auch ihr alten Freunde Hagen, Volker und Dankwart! Doch das sei euch gesagt: gerne sehe ich euch nicht hier im Hunnenland, denn immer noch weint Kriemhild um Siegfried, jeden Morgen höre ich sie klagen."

"Mag sie noch lange weinen und klagen", erwiderte hart und höhnisch Hagen, "Siegfried ist viele Jahre schon tot und begraben, und sie ist nun König Etzels Frau, der mag sie trösten."

Doch der Berner blieb bei seiner Warnung: "Hütet euch vor Kriemhild, das ist mein Rat. Nie wird sie vergessen, wie Siegfried zu Tode kam, und Ihr, König Gunther, solltet das wohl bedenken." Aber Gunther meinte: "Ihr seht wohl zu schwarz, edler Herr von Bern. König Etzel entbot uns zum Sonnwendfest nach Etzelnburg, und auch von meiner Schwester kam uns gute Botschaft. Als willkommene Gäste sind wir ins Hunnenland geladen", und Volker fügte hinzu: "Mag es nun so sein oder anders, jetzt bleibt uns nichts übrig, als an Etzels Hof zu reiten und zu sehen, was uns dort beschieden ist."

So setzten sie unverzagt die Reise fort und langten bald in Etzelnburg an. In geschlossenem Zug ritten sie dort ein, und Kopf an Kopf drängten sich in den Gassen die Hunnen. Alle wollten sie Hagen von Tronje sehen, der Siegfried von Niederland, den stärksten der Helden, erschlagen hatte. Stolz saß er auf seinem Ross, der hochgewachsene grimmige Recke mit den mächtigen Schultern und dem ergrauten Haar unter dem Eisenhelm, und Furcht überlief die Hunnen, als er so mit starrem Antlitz an ihnen vorüberritt.

Kriemhild trat den Burgunden schon im Burghof entgegen, als verlangte es sie, die Gäste mit aufrichtiger Freude zu begrüßen. Aber nur Giselher bot sie die Hand und küsste ihn. Hagen sah es und band sich den Helm fester. "Mit ungleichem Gruß empfängt man uns hier", spottete er, "es scheint, wir haben keine gute Reise getan."

"Man grüßt nur, wen man gerne sieht", antwortete Kriemhild mit kaltem Blick. "Weshalb sollte ich mich über Eure Ankunft freuen, Herr Hagen? Habt Ihr mir etwa den Nibelungenhort aus Worms mitgebracht?" Da lachte der Tronjer grimmig: "Ich hatte an meinem Harnisch, meinem Schild und Schwert genug zu schleppen. Das Gold liegt schon lange im Rhein, und es mag da lieben bleiben bis zum Jüngsten Tag!"

"Nun, um Gold ist es mir nicht zu tun", entgegnete die Königin drohend, "aber noch warte ich auf Vergeltung für einen Mord und Raub." Dann forderte sie die Burgunden auf, die Waffen abzulegen, ehe sie die Königshalle betreten. Sie selbst werde sie in gute Obhut nehmen.

"Nein", gab ihr abermals Hagen spottend zur Antwort, "das geschieht nicht. Es wäre zuviel der Ehre für mich, wenn eine Königin mit eigener Hand meinen Schild zur Herberge trüge. Mein Vater lehrte mich, selbst meine Waffen zu hüten."

Da merke Kriemhild, dass die Burgunden gewarnt waren, und zornig rief sie aus: "Wenn ich den Verräter wüsste, es sollte ihm den Kopf kosten!" Sogleich trat Dietrich von Bern vor: "Ich bin es, der sie gewarnt hatte, aber ich fürchte Eure Rache nicht, Königin." Beschämt wandte Kriemhild sich ab und ging ohne ein Wort der Erwiderung in den Palast zurück.

Dort stand Etzel noch am Fenster und blickte in den Hof hinab. "Wer ist der mächtige Recke dort neben Herrn Dietrich?" fragte er einen seiner Getreuen. -- "Das ist Hagen von Tronje, Aldrians Sohn. So freundlich er jetzt mit dem Fürsten von Bern spricht, er ist ein grimmiger Mann, und wir werden es noch erfahren."

Da erkannte der König den Tronjer wieder, der in jungen Jahren mit Walter und Hildegunde am Hunnenhof geweilt hat, und er dachte zurück an vergangene schöne Zeiten.







Montag, 1. Juni 2015

Nibelungen Sage 28/28 | Wie Gunther, Hagen und Kriemhild endeten

aventin.blogspot.com

Da ging Herr Dietrich selbst zur Rüstkammer und waffnete sich. Hildebrand half ihm die Brünne anlegen und reichte ihm Schwert und Schild. Dann geleitete er seinen Herrn zum Saal der Burgunden.

Gunther und Hagen sahen die beiden kommen. "Da naht der Berner", sagte der Tronjer, "nun wird es sich erweisen, wer der Beste im Kampf ist. Ich getraue mir wohl, ihn zu bestehen."

Der Gotenkönig trat heran und stieß den Schild auf. "Meine Mannen habt ihr erschlagen. Jetzt fordere ich als Sühne, dass ihr euch als Geiseln in meine Hand begebt. Kein Hunne wird dann Gewalt über euch haben."

"Das wird nicht geschehen", antwortete sogleich Hagen, "nie soll man von den Burgunden sagen, dass sie sich mit dem Schwert in der Hand feige ergeben haben."

Kein Zureden Dietrichs und Hildebrands half. Stolz lehnten die beiden Burgundenrecken sogar sicheres Geleit in die Heimat ab, das der Gotenkönig ihnen bot. Wieder mussten die Waffen entscheiden, zum letzten Mal.

Der Berner nahm den Schild hoch und drang auf Hagen ein. Balmung, das Nibelungenschwert, blieb nicht müßig in des Tronjers Hand. Dicht schmetterten seine Hiebe auf des Gegners Schild und Helm, doch was vermochte ein müder Arm gegen die gewaltige und frische Kraft des Gotenhelden? Dietrich schlug dem Burgunden eine tiefe Wunde. Dann ließ er den Schild fallen, sprang auf den Wankenden zu und rang mit ihm, bis der Tronjer gebunden in seiner Hand lag. So führte er ihn vor Kriemhild, deren Augen aufleuchteten in grimmiger Freude. Wie hatte sie diesen Augenblick ersehnt!

Bald stand auch Gunther, der letzte der Burgunden, von Dietrich in hartem Kampf bezwungen, gebunden vor der Königin. Spottend grüßte sie ihn: "Seid mir willkommen, König Gunther! Wie freue ich mich, Euch hier vor mir zu sehen!"

Da bat Dietrich für die Gefangenen: "So edle Helden habt Ihr noch nie als Geiseln gehabt, Frau Königin. Schont ihr Leben, ich bitte Euch in alter Freundschaft."

"Gern tue ich, was ich vermag", erwiderte kalt Kriemhild und ließ die beiden gesondert in den Kerker führen. Traurig wandte der Berner sich ab. Er ahnte, dass die Königin schreckliche Rache sann.

Nicht lange währte es, da trat Kriemhild in Hagens Kerker. In unverhohlener Feindseligkeit sprach sie: "Wenn Ihr mir den Nibelungenhort zurückgebt, Hagen von Tronje, so sollt Ihr das Leben behalten und an den Rhein zurückkehren dürfen."

Verächtlich erwiderte Hagen: "Das sind müßige Worte! Mein Eid bindet mich. So lange einer meiner Herren lebt, darf ich den Ort nicht nennen, wo der Hort verborgen ist."

Da fasste Kriemhild einen furchtbaren Entschluss. Sie ließ ihrem Bruder das Haupt abschlagen und trug es selbst an den Haaren in Hagens Kerker. In wildem Grimm lachte der Tronjer auf, als er das blutige Haupt seines Herrn erblickte, und voll Hohn schleuderte der Kriemhild die Worte entgegen: "So habe ich es mir gedacht: Giselher und Gernot sind tot, und nun ist auch Gunther nicht mehr! Jetzt weiß niemand als Gott und ich allein um den Hort. Dir, du Teufelin, soll er nun für immer verborgen sein!"

"So bleibt mir denn nichts als Siegfrieds Schwert", rief sie in wildem Hass, riss Balmung von des Tronjers Seite und trennte ihm mit einem einzigen Hieb den Kopf vom Rumpf.

Entsetzen ergriff die beiden Berner ob der grausigen Tat. Selbst König Etzel klagte: "Da liegt er, in Fesseln erschlagen, der Erste aller Recken! So feind ich ihm war, solches Ende geht mir nahe!" Und der alte Hildebrand rief: "Er brachte mich in große Not, der schreckliche Tronjer, aber seinen schimpflichen Tod will ich doch rächen!" In grimmigem Zorn griff er nach seinem Schwert und streckte Kriemhild tot neben Hagen hin.

Da lagen sie beide in ihrem Blut, die einander tödlichen Hass im Herzen getragen hatten, und tot lagen sie alle, die herrlichen Helden, die in König Etzels Saal beisammen gesessen hatten: die Burgundenfürsten, die kühnen Streiter Iring und Irnfried, Wolfhart, der junge Degen, und der edle Rüdiger von Bechlaren, und mit ihnen lagen da die Scharen ihrer Getreuen.

So endete in Jammer und Leid das Sonnwendfest im Hunnenland.