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Dienstag, 26. Juni 2018

Wien ist immer eine Reise wert

Wien ist immer eine Reise wert:

Wohl über kaum eine andere Stadt gibt es so viele vorgefertigte Bilder wie über Wien: die Stadt der Operette, des Walzers und des Fiakers.


Freitag, 22. Juni 2018

Montag, 19. März 2018

Der überlistete Teufel Sage aus Soest

Der überlistete Teufel Sage aus Soest:

Der überlistete Teufel | Sage aus Soest - In Soest lebte ein Schuster, ein armer Tropf zwar, aber ein Kerl, der nicht auf den Kopf gefallen war. Obwohl er sein Handwerk verstand wie nur wenige in der Stadt, gelang es ihm nicht, auf einen grünen Zweig zu kommen.


Mittwoch, 3. August 2016

Aus dem Tagebuch eines Hundes 1 von 37 | Oskar Panizza


Wurde heute an meinen neuen Herrn verkauft. Ich komme vom Land. Seit gestern bin ich in der Stadt. Alles ist mir, neu und drängt sich in Form merkwürdiger Eindrücke auf. Ich kann sagen, seit gestern fühle ich, dass ich ein Hund bin. Ich denke. Früher tat ich dies Alles unbewusst. Ich sehe, Denken ist eine Arbeit, die oft Schmerz bereitet. Was mich beunruhigt, ist, dass man sie nicht freiwillig verrichtet. Ich bin nicht mehr so glücklich wie früher, aber stolzer.

Dass die Menschen in kleinen Hüttchen beieinander wohnen, wusste ich aus meinem früheren Aufenthaltsort. Aber hier geht Alles ins Schauerliche, Steinerne, Unermessliche. Ganze Äcker lang dehnen sich hier die Straßen, beiderseits mit wuchtigen, pfundigen Stein-Anlagen besetzt, die weit über die Baugeschicklichkeit des Dachses hinausgehen. Diese Stein-Anlagen sind mit Gucklöchern versehen, aus denen die Menschen oft blitzschnell den Kopf herausstrecken. Dabei kommt es vor, dass, während auf der einen Seite Einer einen Kopf herausstreckt, auf der andern Seite Jemand antwortet. Der Eine nimmt dann einen weißen Fetzen, und streckt ihn in kurzen, unbeholfenen Stößen zum Vis-à-vis hinüber. Die Person drüben steht erst lang steif und regungslos dort; dann hebt sich bei ihr die Oberlippe und die obere Reihe weißer Zähne wird sichtbar. Wozu? Was soll das dumme Zeug?

Wie die Häuser sind auch die Menschen hier von meinem früheren Aufenthaltsort sehr verschieden. Dort schlappte Alles ruhig gleichmäßig durcheinander, dieselben spitzen Gesichter, die gleiche meckernde Sprechmanier. Hier die entsetzlichsten Gegensätze; der Eine hüpft, der Andere scharrt; der Eine treibt das Hinterteil hinaus, der Andere die Brust nach vorn; Der wackelt, Jener zirpt; Dieser zeigt fortwährend Zunge und Zähne, Der dort stiert mit weißen Augäpfeln durch künstlich angeschnallte kleine Guck-Fensterchen. Welcher Wirrwarr! Welche unübersehbare Verschiedenheit! Anfangs wollte ich mich nicht drum kümmern. Doch sehe ich, ich muss. Ich muss diese ganze Bagage registrieren, einteilen und schablonieren. Einteilung der Menschenbagage! Wo fang ich nur an? Wo find ich das Allen gemeinsame Moment, um daran die Veränderungen anzuschließen? – Ich glaub, ich fang beim Hinterteil an.






Mittwoch, 4. Mai 2016

Berlin - Ein großes Dorf | Redegewandtheit | Johann Wilhelm von Archenholtz


Eine preußische Hofdame, die einst in dem Gemach der Königin einen französischen Obersten unterhielt, fragte ihn, was er von Berlin dächte. Die Antwort des Franzosen war: "Ich betrachte es wie ein großes Dorf."

Die durch diese so unerwartete Grobheit beleidigte Hofdame hatte aber Gegenwart des Geistes genug, um folgende schöne Antwort zu geben: "Sie haben wohl recht, mein Herr, seitdem die französischen Bauern in Berlin sind, hat es mit einem Dorf viel Ähnliches, sonst aber ist es eine recht gute Stadt."





Mittwoch, 23. Dezember 2015

Ein Weihnachtslicht für Alle ⋅ Münchner Frauenturmbeleuchtung


Wer sich vor über fünfzig Jahren während der Adventszeit der Stadt München näherte, konnte etwas entdecken, was es vorher noch nicht gegeben hatte: Hoch über den Dächern der Altstadt erstrahlten die Fenster der beiden Frauentürme in heimeligem Licht und verliehen der nächtlichen Stadtsilhouette einen beinahe biedermeierlichen Reiz.

Nur wenige Eingeweihte mussten, dass die Idee und Durchführung dieser Festbeleuchtung allein der Initiative eines einzelnen Münchner Bürgers zu verdanken war.

Man ist es ja gewohnt, dass Künstler immer ihre eigenwilligen Vorstellungen verwirklichen wollen. Als aber der Schwabinger Holzbildhauer Albin Schuster die dafür zuständigen Stellen für seinen Frauenturmplan gewinnen wollte, hielt man diesen für absolut absurd und undurchführbar. Nicht von ungefähr bedurfte es deshalb einer unerschütterlichen Überzeugungskraft, bis die kirchlichen und behördlichen Bedenken zerstreut und der Initiator mit Hilfe eines sachkundigen Freundes endlich ans Werk gehen konnte. Es ist nicht zuviel gesagt, dass dieses Unternehmen, von dem nur ein kleiner Kreis erfuhr, einer Pioniertat gleichkam. Denn vor allem der Aufstieg im liftlosen nördlichen Turm brachte nicht geahnte technische Probleme mit sich. Doch dies war für die beiden damals 70jährigen Männer, die mit jugendlichem Elan und ganz erfüllt von ihrem Vorhaben ans Werk gingen, kein Grund, zu resignieren. 

Ab dem Jahr 1974 gelang es somit den beiden, die Frauenturmfenster bereits zur Vorweihnachtszeit als ein Zeichen der adventlichen Hoffnung und der frohen Botschaft zum Leuchten zu bringen und sich, aber auch allen, die in diesen Wochen durch die nächtlichen Straßen und über den Kripperlmarkt gingen, eine besondere Weihnachtsstimmung zu vermitteln.





Dienstag, 15. Dezember 2015

Der Rattenfänger von Hameln • Sage aus Deutschland


Im Jahre 1284 ließ sich in Hameln ein sonderbarer Mann sehen. Er trug einen Rock von vielfarbigem, buntem Tuch, weswegen er Bundting geheißen haben soll, und gab sich für einen Rattenfänger aus. Er versprach für einen bestimmten Lohn die Stadt von allen Ratten und Mäusen zu befreien. Die Bürger wurden mit ihm einig und sicherten ihm den verlangten Betrag zu. Der Rattenfänger zog demnach ein Pfeifchen aus der Tasche und begann eine eigenartige Weise zu pfeifen. Da kamen sogleich die Ratten und Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum. Sobald der Fänger glaubte, es sei keine mehr zurückgeblieben, schritt er langsam zum Stadttor hinaus, und der ganze Haufen folgte ihm bis an die Weser. Dort schürzte der Mann seine Kleider, stieg in den Fluss, und alle Tiere sprangen hinter ihm drein und ertranken.

Nachdem die Bürger aber von ihrer Plage befreit waren, reute sie der versprochene Lohn, und sie verweigerten dem Mann die Auszahlung unter allerlei Ausflüchten, so dass er sich schließlich zornig und erbittert entfernte. Am 24. Juni, am Tage Johannis des Täufers, morgens früh um sieben Uhr erschien er wieder, diesmal in Gestalt eines Jägers, mit finsterem Blick, einen roten, wunderlichen Hut auf dem Kopf. Wortlos zog er seine Pfeife hervor und ließ sie in den Gassen hören. Und in aller Eile kamen diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern Kinder, Knaben und Mädchen, vom vierten Lebensjahr angefangen, in großer Zahl dahergelaufen. Darunter war auch die schon erwachsene Tochter des Bürgermeisters.

Der ganze Schwarm von Kindern zog hinter dem Mann her, und er führte sie vor die Stadt zu einem Berg hinaus, wo er mit der ganzen Schar verschwand. Dies hatte ein Kindermädchen gesehen, das mit einem Kind auf dem Arm weit rückwärts nachgezogen war, dann aber umkehrte und die Kunde in die Stadt brachte. Die Eltern liefen sogleich haufenweise vor alle Tore und suchten jammernd ihre Kinder. Besonders die Mütter klagten und weinten herzzerreißend. Sofort wurden Boten zu Wasser und zu Land an alle Orte umhergeschickt, die nachforschen sollten, ob man die Kinder oder auch nur einige von ihnen irgendwo gesehen habe; aber alles Suchen war vergeblich.

Hundertdreißig Kinder gingen damals verloren. Zwei sollen sich, wie man erzählt, verspätet haben und zurückgekommen sein, wovon aber das eine blind, das andere taubstumm war. Das blinde Kind konnte den Ort nicht zeigen, wo es sich aufgehalten hatte, wohl aber erzählen, wie sie dem Spielmann gefolgt waren, das taubstumme Kind nur den Ort weisen, da es nichts gehört hatte und auch nicht sprechen konnte. Ein kleiner Knabe war im Hemd mitgelaufen und nach einiger Zeit umgekehrt, um seinen Rock zu holen, wodurch er dem Unglück entgangen war; denn als er zurückkam, waren die andern schon in der Senkung hinter dem Hügel verschwunden. Die Straße, auf der die Kinder zum Tor hinausgezogen waren, hieß später die bunge-lose (trommeltonlose, stille) Straße, weil kein Tanz darin abgehalten und kein Saitenspiel aufgeführt werden durfte. Ja, wenn eine Braut mit Musik zur Kirche geführt wurde, mussten die Spielleute in dieser Gasse ihr Spiel unterbrechen. Der Berg bei Hameln, wo die Kinder verschwanden, heißt der Poppenberg. Dort sind links und rechts zwei Steine in Kreuzform zur Erinnerung an dies traurige und seltsame Ereignis errichtet. Die Bürger von Hameln haben diese Begebenheit in ihrem Stadtbuch verzeichnen lassen. Im Jahre 1572 ließ der Bürgermeister die Geschichte auf den Kirchenfenstern abbilden.






Donnerstag, 12. November 2015

Wien ist immer eine Reise wert • Mythos einer Kaiserstadt


Wohl über kaum eine andere Stadt gibt es so viele vorgefertigte Bilder wie über Wien: die Stadt der Operette, des Walzers und des Fiakers, eines Schubert und Beethoven oder das Wien, wo auch die 'Gute Alte Zeit' noch immer ihren Platz hat. Diese Stadt aber so zu beschreiben, wie sie tatsächlich ist, ohne sie der Wirklichkeit zu entrücken, ist wohl ein schwieriges Unterfangen. 

Wien ist stolz darauf, auf eine große Vergangenheit zurückblicken zu können. Nicht zuletzt bedingt durch eine überaus günstige geographische Lage, spielte Wien durch nahezu zwei Jahrtausende eine bedeutsame historische Rolle: Wien, im Herzen Europas gelegen, liegt zwischen den Alpen und den Karpaten, wo sich im sogenannten Wiener Becken uralte Verkehrs- und Handelswege kreuzen. 

Wiens Seele lässt immer wieder neue Aspekte zu. Die Stadt wurde geprägt durch die Ausstrahlung verschiedenster Kulturen. Besucher sind immer wieder überrascht, wie hier das Widersprüchlichste zur Harmonie bewegt werden kann. Wolfgang Amadeus Mozart bezeichnete Wien als den herrlichsten Ort für sich und sein Metier. Die Stadt sei der beste Ort der Welt, erzählte er jedem, den er kannte.

Kaum anderswo ist das Studium der Architektur leichter als in dieser Donaustadt, wo sämtliche Stilarten und Stilepochen vorhanden sind. Berühmt sind die Wiener Malerschule, die seit dem 14. Jahrhundert besteht und auch die Wiener Literatur, die ihren Ursprung auf 'Fahrende und Scholaren' wie auf 'Neidhart von Reuental' zurückführt. Besonders erwähnt sei hier der Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170-1230), der bereits am Hof der Babenberger ein beredtes Zeugnis für die damalige Pflege der Musik und Dichtkunst in Wien ablegte.   

Kult sind die Wiener Kaffeehäuser, sie bilden gleichsam eine Insel der Seligen. Diese sind keine gewöhnlichen Lokale, in denen man nur Kaffee trinkt, nein, sie wollen sich vielmehr als Institution verstanden wissen, die zur Stadt gehören wie das Riesenrad oder der Stephansdom. Wien ist immer eine Reise wert.






Mittwoch, 20. Mai 2015

Der Samurai und die Flöte • Teil 1 von 2 • Sage aus Japan

Vor vielen Jahren reiste ein junger Samurai im Auftrag seines Gebieters mit einem Brief nach der Stadt Shimizu. Er schritt rüstig voraus und ließ sich nirgendwo aufhalten. Er war bereits einige Tage unterwegs, und da er ein guter Wanderer war, kam er rasch seinem Ziel näher. Er war nur noch wenige Stunden von der Stadt entfernt, als er an eine liebliche Wasserlandschaft am Mogami-Fluß kam. Der Strom hat an dieser Stelle Seitenarme, die sich zu Seen und Mooren ausweiten. Der junge Mann beschloss, hier ein wenig zu rasten. Er zog seinen Imbiss hervor, und als er sich gesättigt hatte, holte er seine Flöte aus dem Gürtel und ergötzte sich für eine Weile mit zarten Melodien. Er glaubte sich ganz allein, nur mit den Wasservögeln als Gesellschaftern. Einige alte Weidenbäume standen in der Nähe und ließen ihre biegsamen langen Zweige wie hellgrüne Schleier auf das Wasser hängen.

Bald hatte der Samurai sich ausgeruht, er steckte seine Flöte weg und wollte aufstehen, um weiter zu gehen. Und wie er hochblickte, stand dicht vor ihm ein schönes Mädchen. Ganz leise musste es gekommen sein, es lächelte zart und sprach: "Lieber Herr, spielt doch noch ein wenig weiter, es ist gar zu schön!" Der Mann war erschrocken, er konnte sich nicht erklären, was ein junges Mädchen so allein in dieser Wildnis zu tun hatte. "Ja, woher kommst du denn? Was machst du in dieser Einsamkeit?" "Ich wohne hier ganz in der Nähe. Ich erging mich in meinem Garten, und dabei habe ich Euer liebliches Musizieren gehört. Ich bitte Euch, spielt doch noch ein wenig für mich!" Der junge Mann betrachtete die Erscheinung jetzt genauer. Es war ein schlankes, zartes Mädchen mit feiner, weißer Haut und langen fließenden Haaren. Aber es fiel ihm auf, dass es fast rote Augen hatte. Und dann erschrak er gewaltig: Das Mädchen stand nicht auf dem Ufer, es stand auf dem Wasser! Es konnte kein Menschenkind sein! Er wich zurück und wollte so schnell wie möglich den unheimlich gewordenen Ort verlassen. Das Mädchen aber bat ihn weiter: "Spielt doch bitte noch einmal für mich, selten habe ich solch zarte Melodien gehört." Der Ritter wehrte sich und sprach: "Ich reise im Auftrag meines Herrn, und ich habe schon viel zu lange hier gerastet, nun muss ich mich beeilen. Ich kann jetzt nicht mehr für dich spielen." Das Wesen fasste ihn sanft am Ärmel und antwortete: "So geht denn, Herr, aber wollt Ihr mir versprechen, auf Eurer Rückreise wieder hier vorbeizukommen und mich noch einmal mit Eurer Flöte zu erfreuen?" Der junge Mann versprach hastig, um was er gebeten wurde, er hätte jedes Ding versprochen, nur um von hier wegkommen zu können. "So warte ich denn auf Euch, und Herr Ritter, enttäuscht mich nicht!"

Mit diesen Worten drehte sich das Mädchen um, und bald war es lautlos zwischen den Schleiern der Weidenbäume verschwunden. Der Samurai atmete auf und verließ eilig das einsame Ufer. Er schritt kräftig weiter und hatte bald die Stadt Shimizu erreicht. Er erledigte seinen Auftrag, und bereits am nächsten Morgen konnte er den Heimweg antreten. Und er wollte das Versprechen, das er dem fremden Mädchen gegeben hatte, nicht halten. Aus diesem Grund wählte er für die Heimreise einen anderen Weg, einen, der die Seenlandschaft umgehen sollte. Mit mehreren Reisenden mietete er deshalb ein Boot, um den Mogami-Fluß eine Strecke hinab zufahren, und erst dann, wenn er die unheimliche Gegend hinter sich gebracht hatte, zu Fuß weiterzugehen. Er hielt das Mädchen für einen Wassergeist, wie er in den Sümpfen und Seen haust, und der sich sicherlich nicht aus seinem eigenen Gebiet heraus bis in den Fluss wagen würde. Und er war nicht allein, er hatte ein ganzes Boot voll Reisegefährten. Der Geist würde sich nicht zeigen wollen.

Fortsetzung folgt ......      Teil-2-von-2







Donnerstag, 14. Mai 2015

Der überlistete Teufel • Sage aus Deutschland

In Soest lebte ein Schuster, ein armer Tropf zwar, aber ein Kerl, der nicht auf den Kopf gefallen war. Obwohl er sein Handwerk verstand wie nur wenige in der Stadt, gelang es ihm nicht, auf einen grünen Zweig zu kommen. Er wusste kaum noch das Leder zu bezahlen, und schon lange war Schmalhans Küchenmeister im Hause und setzte den Kindern ein dünnes Süppchen auf den Tisch. 

Eines Abends hatte der Meister wiederum bis Mitternacht den Pechdraht gezogen bis ihm die Arme lahm waren. Er saß auf dem Schemel und sann über sein Elend nach. Und wie es so geht, wenn einem Menschen die Verzweiflung ankommt, ohne es recht zu bedenken, sagte er vor sich hin: "Geld muss mir her, und wenn es vom Teufel kommt." 

Er hatte wohl selbst nicht geglaubt, dass ein solches Wort Wahrheit werden könnte. Als er aufblickte, stand wirklich der Belzebub vor ihm, aber bekleidet wie ein vornehmer Herr im Wams mit Silberknöpfen und Schuhen mit kostbaren Spangen, begrüßte ihn lächelnd, tat, als sähe er das Erschrecken des Meisters gar nicht und sprach: "Ihr habt von mir gesprochen, und nun bin ich da. Das Geld, das ihr begehrt, habe ich gleich mitgebracht, erst in zehn Jahren muss ich es zurückhaben." Dabei stellte er ein Maß auf den Tisch, das bis über den Rand hinaus mit blanken Goldstücken gefüllt war. "Nehmt das", sagte er, "und wenn ihr es mir zurückgebt, braucht es nicht gerade so gehäuft zu sein wie jetzt, sondern nur gestrichen voll. Ich will nicht so genau rechnen, weil ihr mir in eurem Jammer leid tut. Und nun unterschreibt mir den Vertrag." 

Der Schuster wollte wohl oder übel schon die Feder nehmen, die er ihm hinhielt. Da aber schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, und den sprach er auch aus. "Darf ich euch das Geld auch schon früher zurückgeben?" fragte er. "Das dürft ihr zu jeder Zeit, Meister. Aber in zehn Jahren muss ich es bestimmt wieder haben, sonst gehört mir eure Seele." Damit schob der Teufel ihm das Maß mit dem Gold zu. Der Meister aber fuhr mit seiner großen Hand darüber hin und wischte alle Stücke, die über den Rand quollen, weg, so dass sie auf den Tisch fielen, strich sie zusammen, steckte sie zu sich und gab dem Teufel das Maß selber zurück. "Hier", sagte er, "ich bedanke mich auch schön. Das brauche ich nicht mehr. Ich habe an dem, was Ihr nicht wiederhaben wolltet, genug", und er klopfte auf seine Tasche. 

So war denn der Teufel in Soest an einen geraten, der klüger war als er selber. Es blieb ihm nach seinen Worten nichts anders übrig, als zu gehen, woher er gekommen war. Dem Meister aber, der sich so klug wie bescheiden gezeigt hatte, war das Glück wieder hold und verhalf ihm zu dem alten Wohlstand.






Mittwoch, 4. März 2015

Prag • Die goldene Stadt • Tschechien

Prag, auch die goldene oder die Stadt der 1000 Türme genannt, ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik und politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Staates. Darüber hinaus ist die Stadt aber auch ein bedeutendes europäisches Kulturzentrum mit einer Reihe von Theatern, Museen, Galerien, Ausstellungssälen und Veranstaltungen. Im Jahre 1992 wurde der historische Stadtkern in das Verzeichnis des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen.

Seit jeher trafen sich in Prag Händler, Handwerker, Bauherren, Architekten, Bildhauer, Musikanten, Schriftsteller, Maler, Wissenschaftler und Reisende, sie alle prägten das heutige Stadtbild. So finden wir in der Stadt bekannte Denkmäler wie z.B. die Prager Burg, die Karlsbrücke, das Altstädter Rathaus, die Altstadt, das Judenviertel, das Kloster Břevnov und andere wunderschönen Barockpaläste, welche von Besuchern gern gesehen und bewundert werden. Zu den großen Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen ebenfalls das Obecní dům (Stadthaus), das Haus U Černé Matky boží (Zur Schwarzen Gottesmutter) und das sog. Tanzende Haus. Prag ist sicherlich eine Reise wert, was nicht nur Menschen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Rainer Maria Rilke und Albert Einstein, welcher als Professor der Physik an der Prager Karls Universität von 1911-1912 lehrte, zu schätzen wussten.







Dienstag, 17. Februar 2015

Das gestohlene Schwein | Poggio Bracciolini | Fabel aus Italien

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In einer Stadt der Umgebung Anconas war es Sitte, dass, wer im Winter ein Schwein schlachtete, die ganze Nachbarschaft zum Schmaus einlud. Einer aber, der sich davor gern drücken wollte, fragte seinen Vetter um Rat, wie er das wohl anstellen könnte. Der erwiderte: "Sag nur morgen, dein Schwein ist dir in der Nacht gestohlen worden." Nun stahl ihm der Vetter, ohne dass der andere eine Ahnung davon hatte, in derselben Nacht das Schwein. 

Wie der Bestohlene am anderen Morgen das Schwein nicht mehr fand, lief er zu seinem Vetter und schrie laut: "Mein Schwein ist mir gestohlen worden!" Da sagte der: "Das machst du ganz ausgezeichnet und ganz, wie ich dir es gesagt habe." Wie der Bestohlene nun wieder und wieder die Worte wiederholte und bei Gott schwur, es sei wahr, sagte der Vetter: "Bravo, du verstehst es wirklich ganz prächtig!" Als der Bestohlene nun seine Eidesbeteuerungen abermals erneute, meinte der Vetter: "Siehst du, so muss man es machen. Hab ich dir nicht einen guten Rat gegeben?" 

Lehre:
So straft sich Geiz und Lüge, und so kommt zum Verlust auch noch der Spott.







Montag, 1. Oktober 2012

Gent in Flandern | Hauptstadt von Ostflandern


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Gent (niederländisch [ɣɛnt], französisch Gand [gɑ̃]) ist eine Stadt in Flandern. Sie ist zugleich die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern und des Arrondissements und Wahlbezirks. Gent entstand aus keltischen Ansiedlungen im Gebiete des Zusammenflusses von Schelde und Leie. Im Mittelalter wuchs Gent durch den blühenden Tuchhandel zu einer der größten Städte Europas heran. Auch Flachs- und Leinengewerbe und das von der Stadt erworbene Stapelrecht auf Getreide trugen ansehnlich zur Wohlfahrt der Stadt bei. Nach einer kurzen calvinistischen Periode verfiel die Stadt zusehends bis zur erneuten Blüte gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Gent zu einer der ersten industrialisierten Städte auf dem europäischen Festland wurde. Im Hof ten Walle, dem späteren Prinzenhof, wurde am 24. Februar 1500 der spätere Kaiser Karl V. geboren. In der Stadt wurden auch die Pazifikation von Gent (1576) und der Friede von Gent (1814) unterzeichnet. Gent wird auch die stolze Stadt (de fiere stad) oder Arteveldestadt genannt. Aufgrund ihrer Lage in einem ausgedehnten Gebiet von Blumen- und Pflanzenzüchtungsbetrieben wird Gent darüber hinaus auch Blumenstadt genannt. Patronheilige von Gent sind Sankt Lieven und Pharaïldis. Der Heilige Bavo ist Patronheiliger des Bistums Gent, nach ihm ist die Sankt Bavo Abtei benannt. (Wikipedia) 






Freitag, 21. September 2012

Die Stadt- und die Landmaus | Fabel von Aesop


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Eine Landmaus hatte ihre Freundin, eine Stadtmaus, zu sich eingeladen und empfing sie in ihrer sehr bescheidenen Wohnung aufs freundlichste. Um ihren Mangel der sehr verwöhnten Städterin nicht merken zu lassen, hatte sie alles, was das Landleben Gutes bot, herbeigeschafft und aufgetischt. Da waren frische Erbsen, getrocknete Traubenkerne, Hafer und auch ein Stückchen Speck, wovon die Landmaus nur bei außergewöhnlichen Gelegenheiten aß. Mit großer Genugtuung überschaute sie ihre Tafel und unterließ nicht, ihrer Freundin unablässig zuzusprechen. Aber die Stadtmaus, durch die vielen gewohnten Leckereien verwöhnt, beroch und benagte die Speisen nur sehr wenig und stellte sich der Höflichkeit halber so, als wenn es ihr schmecke, konnte aber doch nicht umhin die Gastgeberin merken zu lassen, dass alles sehr wenig nach ihrem Geschmack gewesen sei. "Du bist eine recht große Törin", sprach sie zu ihr, "dass du hier so kümmerlich dein Leben fristest, während du es in der Stadt so glänzend führen könntest wie ich. Gehe mit mir in die Stadt unter Menschen, dort hast du Vergnügen und Überfluss." Die Landmaus war bald entschlossen und machte sich zum Mitgehen bereit. 

Schnell hatten sie die Stadt erreicht, und die Städterin führte sie nun in einen Palast, in welchem sie sich hauptsächlich aufzuhalten pflegte; sie gingen in den Speisesaal, wo sie noch die Überbleibsel eines herrlichen Abendschmauses vorfanden. Die Stadtmaus führte ihre Freundin nun zu einem prachtvollen, mit Damast überzogenen Sessel, bat sie, Platz zu nehmen, und legte ihr von den leckeren Speisen vor. Lange nötigen ließ sich die Landmaus nicht, sondern verschlang mit Heißhunger die ihr dargereichten Leckerbissen. Ganz entzückt war sie davon und wollte eben in Lobsprüche ausbrechen, als sich plötzlich die Flügeltüren öffneten und eine Schar Diener hereinstürzte, um die Reste des Mahles zu verzehren. Bestürzt und zitternd flohen beide Freundinnen, und die Landmaus, unbekannt in dem großen Hause, rettete sich noch mit Mühe in eine Ecke der Stube. Kaum hatte sich die Dienerschaft entfernt, als sie auch schon wieder hervorkroch und noch vor Schrecken zitternd zu ihrer Freundin sprach: "Lebe wohl! Einmal und nie wieder! Lieber will ich meine ärmliche Nahrung in Frieden genießen, als hier bei den ausgesuchtesten Speisen schwelgen und stets für mein Leben fürchten müssen."

Lehre:
Genügsamkeit und Zufriedenheit macht glücklicher als Reichtum und Überfluss unter großen Sorgen.





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