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Montag, 21. März 2016

Die Stachelschweine | Höflichkeit und Sitte | Fabel von Arthur Schopenhauer


Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertag recht nahe zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch spürten sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder voneinander entfernte. 

Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, sodass sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden. Dieses Geschehen dauerte solange, bis sie eine mäßige Entfernung voreinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten miteinander aushalten konnten. 

Und diese Entfernung nannten sie Höflichkeit und feine Sitte. 





Freitag, 18. März 2016

Farbenphänomene | Orange | Johann Wolfgang Goethe

Da sich keine Farbe als stillstehend betrachten lässt, so kann man das Gelbe sehr leicht durch Verdichtung und Verdunklung ins Rötliche steigern und erheben. Die Farbe wächst an Energie und erscheint im Orange (Rotgelben) mächtiger und herrlicher. 

Alles was wir vom Gelben gesagt haben, gilt auch hier, nur im höheren Grade. Das Orange gibt eigentlich dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne, indem es die Farbe der höheren Glut sowie den milderen Abglanz der untergehenden Sonne repräsentiert. Deswegen ist sie auch bei Umgebungen angenehm und als Kleidung in mehr oder minderem Grade erfreulich oder herrlich. Ein kleiner Blick ins Rote gibt dem Gelben gleich ein anderes Aussehen; und wenn Engländer und Deutsche sich noch an blassgelben hellen Lederfarben genügen lassen, so liebt der Franzose, wie Pater Castel schon bemerkt, das ins Rot gesteigerte Gelb, wie ihn überhaupt an Farben alles erfreut, was sich auf der aktiven Seite befindet.





Montag, 5. Oktober 2015

Der wilde Hund • Vergessene Vorsätze • Fabel von Aesop

Ein wilder Hund fror im Winter jämmerlich. Er kroch in eine Höhle, rollte sich zusammen, zitterte vor Kälte und sprach vor sich hin: "Wenn es nur wieder Sommer und warm wird, dann will ich mir eine Hütte bauen, damit ich im nächsten Winter nicht mehr frieren muss." 

Als aber der Sommer mit seiner wohltuenden Wärme kam, hatte er all seine guten Vorsätze vergessen. Er lag da, reckte und streckte sich, blinzelte behaglich in die Sonne und dachte nicht im Entferntesten daran, sich eine Hütte zu bauen. 

Der nächste Winter war bitter kalt, und der Hund musste wieder erbärmlich frieren.

Nicht nur das Erkennen allein ist wichtig, die Umsetzung des Erkannten in die Tat ist noch von größerer Bedeutung.





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Dienstag, 2. Juni 2015

Der Wettstreit zwischen Sonne und Wind • Fabel von Aesop

Der Wind und die Sonne bekamen eines Tages in einen Streit darüber, wer es von den beiden wohl schneller schaffen würde, einen Wanderer dazu zu bringen, seine Jacke auszuziehen. „Einverstanden!", sagte der Wind „Lass uns einen Wettkampf dazu machen." Der Wind begann. Er blies aus Leibeskräften und stürmte und tobte, um so dem Mann seine Jacke mit Gewalt vom Leib zu reißen. Doch der Wanderer zog seine Jacke nur immer fester um sich und hielt sie mit beiden Händen fest. Schließlich gab der Wind auf.

Nun war die Sonne an der Reihe. Sie wählte einen ganz anderen Weg. Sie sandte ihre warmen Strahlen auf die Erde, und die Luft erwärmte sich. Es dauerte nicht lange, bis der Wanderer die Jacke aufknöpfte und sie schließlich ganz auszog. Die Sonne aber freute sich über ihren Sieg.

Nicht jedes Mittel führt zum gewünschten Erfolg.






Montag, 10. Juni 2013

Monat März | Dem Frühling entgegen | Herbert Fritsche


Nie ist der Himmel so blau, sein Mond so blank und bei Tage das Licht so kraftvoll zum Blenden und Bleichen wie im März. Aus tausend Spiegeln antwortet die Bläue dem Himmel: Tümpel und Pfuhle, Bäche und Flüsse berauschen sich an so viel Blau - und des Abends, wenn die Sterne des Winterhimmels mehr und mehr gen Westen sinken, Orion und Sirius, die Plejaden und der Aldebaran, wenn der Löwe über den Südhimmel zieht und Capella vom Scheitelpunkt fortgleitet im sanften Abwärtsschwung zu jenem tiefen Nordpunkt am Horizont, den sie um die Sommersonnenwende als einsames Flimmergestirn innezuhalten gedenkt, dann schwimmt der rote Märzenstern Arktur, das Lenzgeschmeide im Bährenführer-Sternbild des Bootes, auf den Wasserflächen, nachdem er sich vom Ostrande des Himmels empor geatmet hat in die Vorfrühlingsnacht.

Der März hat seine besondere Tragik: er lockt, des Lenzes allzu gewiss, zahlreiche Vorläufer des jungen Jahres ins Freie: erste Falter, verfrühtes Käfervolk und manchen Frosch. Ist das Risiko für die Kaltblüter aus Tümpel und Graben gering, weil sie beim Wetterumschlag ins Winterliche ohne viel Einbuße  an Lebenskraft zurückzugleiten vermögen in das Erstarren, das die Sparkasse ihrer vitalen Prozesse ist, so müssen die Äthergeschöpfe mit den bunten Flügeln, die Falter, zugrundegehen, wenn eisiger Wind zu wehen beginnt und kein Blumen-Nektar zur Verfügung steht. Die sozial lebenden Insekten, die Bienen, haben den Heimweg in den Stock offen---: sie, die das Wagnis des Einzelseins dahingaben und von ihrer Gruppenseele gegängelbandelt werden nach Maßgabe dessen, was der übergeordnete Organismus Bienenstock zu tun oder zu lassen befiehlt, sind kein Gleichnis für Kolumbusse oder Giorgano Brunos.

Sieht man von denjenigen Faltern ab, die als Vollinsekt überwinterten, so kommen die Schmetterlinge des Frühjahrs aus der Puppe hervor, aus dem chitingezimmerten Insektensarg, der uns Goethes Wort vom Gleichnis-Charakter alles Vergänglichen deutlicher machen kann als jegliche sonstige Erbildung der Natur. Die Raupe, erdnah, gefräßig und dem Wurm zum Verwechseln ähnlich, lebt als ein niederes Wesen, auf das der Sensible oft mit Ekel reagiert. Ganz zu Unrecht! In jeder Raupe steckt, wie der Märchenprinz im Frosch, ein Falter. 

Wer nur das Aktuelle sieht, ist blind und dumm: erst der Blick auf das Werdeziel adelt den Wissenden.

Eine Raupe, die die Verpuppung für eine Einsargung ohne Auferstehung halten würde, wäre im Irrtum. Eine andere, die die Zeit im Sarge einfach als Raupe zu überleben hofft, irrte nicht minder. Und ein Falter, der sich nicht selber angestrengt dem Sarge entwindet, hätte kein Leben draußen in den Weiten des Luftmeeres. Der ganze Vorgang mutet wie ein Illustration zu dem alten Mystiker-Vers an:

Wer nicht stirbt,
bevor er stirbt,
der verdirbt,
wenn er stirbt ...

Die ersten Falter im März können uns das lehren. Und sie können uns auch warnen vor einem zu frühen Weg in eine Wirklichkeit, die noch nicht eindeutig und ohne Rückfälle am Regiment ist. Aber dem, der über alles Individuelle hinaus voller Vertrauen auf das Tao ist, den immer im Recht befindlichen Geist der Allheit, wiegt solche Warnung leicht --- und die Märztage der verfrühten Falter nimmt er statt mit Trauer mit Dankbarkeit hin. Die Kolumbusse und die Giordano Brunos sind edler als die Schulmeister, die ihre Lehrmeinungen erst zu dozieren wagen, wenn das Weltbild, dem sie verpflichtet sind, so fest geworden ist, dass es den Wirklichkeiten schon nicht mehr entspricht.

Am 21. März halten sich Tag und Nacht die Waage, die Sonne überschreitet auf der Himmelsbahn den Frühlingspunkt. Dass dieser Frühlingspunkt, der einmal am Beginn des Tierkreiszeichens Widder lag, auf einer langsamen Wanderung über den gesamten Tierkreis hin begriffen ist, welche rund 26.000 Jahre währt, war schon den weisen Völkern der Vorzeit bekannt. Man nannte diese Zeitspanne das große oder das Platonische Jahr und ordnete dem Weg des Frühlingspunktes durch ein Tierkreiszeichen von 30 Graden, also einer Zeitspanne von rund 2.100 Jahren, die Bedeutung eines Weltzeitalters zu, das im wesentlichen von den kosmischen Kräften seine Signaturen empfängt, die dem Tierkreiszeichen entsprechen, in dem der Frühlingspunkt sich dann befindet. So driftete vor kurzem der Frühlingspunkt aus dem Zeichen der Fische, das uns zwei Jahrtausende hindurch das Antlitz der Welt bestimmte, in das des Wassermann.

So befinden wir uns jetzt in einer Zeit des Umbruchs, der Bewusstseinswende, der wankenden Wirklichkeit. So wie wir von der Mikrophysik her, die saltomortalartige Korrektur unserer gesamten naturwissenschaftlichen Grundbegriffe geliefert bekamen, ist auch sonst, im Sozialen, im Religiösen, im Menschheitlichen, eine Neuwerdung am Werk, die wie der Aequinoktialsturm (Äquinoktium) daherbraust, der Sturm um die Tage der Tag- und Nachtgleiche. Ist es richtig, Ach und Weh zu schreien oder Weltuntergänge zu beklagen? Oder ist es richtig, die große Befreiung zu begrüßen, die dem Werden des jüngeren und echteren Lebens, dem Lenz und dem Licht der Wege bahnt um einer Saat willen, zu der wir selber gehören mit Haut und Haar? Und müssen wir nicht auch hier von dem Falter lernen, der nur dann sein Recht auf freien Flug in die Weiten erworben hat, wenn er sich aus der Umklammerung des Puppensarges mit eigener Kraft löste? Die Stürme, die dem neuen Zeitalter vorangehen, meinen ebensowenig wie die Stürme des März das Verderben, sondern den Sonnensieg.





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