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Mittwoch, 7. Februar 2018

Was ist Kunst Betrachtung über Kunst - Wirkung und Bewusstsein - Thesen und Ästhetik

Was ist Kunst Betrachtung über Kunst - Wirkung und Bewusstsein - Thesen und Ästhetik:

Kunst - Betrachtungen aus verschiedenen Seiten - Kunst ist für den Kunstschaffenden Ausdruck in Form von Symbolen oder Symbolprozessen. Für ihn ist nur das Kunst, was er als Kunst versteht oder zur Kunst erklärt hat. Für den Betrachter oder Hörer andererseits ist Kunst Eindruck und Wirkung.


Mittwoch, 8. Juni 2016

Über die Freundschaft | Zitat von Johann Gottfried Herder


Einzeln ist der Mensch ein schwaches Wesen, aber stark in der Verbindung mit anderen. Einsam müht er sich umsonst.

Ein Blick des Freundes oder der Freundin in sein Herz, ein Wort des Rates und des Trostes weitet und hebt den niedrigen Himmel und rückt die Decke des Trauerns hinweg.






Donnerstag, 23. Juli 2015

Vom Fluss lernen, dass es keine Zeit gibt • Hermann Hesse

Freundlich lebte Siddhartha neben Vasudeva, und zuweilen tauschten sie Worte. Vasudeva war kein Freund der Worte, selten gelang es Siddhartha, ihn zum Sprechen zu bewegen. "Hast du" so fragte er ihn einst, "hast auch du vom Flusse jenes Geheime gelernt: dass es keine Zeit gibt?" Vasudevas Gesicht überzog sich mit hellem Lächeln. "Ja, Siddhartha", sprach er. "Es ist doch dieses, was du meinst: dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall, zugleich, und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Zukunft?" "Dies ist es", sagte Siddhartha. "Und als ich es gelernt hatte, das sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas frühere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rückkehr zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart."





Freitag, 10. Juli 2015

Vom Chaos zum Kosmos • Metamorphosen von Ovid

Ehe das Meer und die Erde bestand und der Himmel, der alles deckt, da besaß die Natur im All nur ein einziges Antlitz, Chaos genannt, eine rohe und ungegliederte Masse, nichts als träges Gewicht, und geballt am nämlichen Orte disharmonierende Samen nur lose vereinigter Dinge. Titan gab es noch nicht, die Welt mit Licht zu erhellen, Phoebe bewirkte noch nicht, dass die Sichel des Mondes sich dehnte, noch nicht schwebte die Erde in Lüften, die rings sich ergossen, hängend im eigenen gleichen Gewichte; nicht streckte die Arme Amphitrite am weit sich dehnenden Saume der Länder. Zwar war Erde daselbst vorhanden und Heer und auch Lufthauch, aber die Erde gewährte nicht Stand, das Wasser kein Schwimmen, lichtlos waren die Lüfte. Es schwankten die Formen der Dinge, eines hemmte das andre, in ein und dem nämlichen Körper kämpften das Kalte und Warme, es rangen das Trockne und Feuchte, Weiches stritt mit dem Harten, was ohne Gewicht, mit dem Schweren. 

Aber es gab eine Schlichtung des Streites: ein Gott, eine bessre Kraft der Natur schied Himmel und Erde und Erde und Wasser, und er trennte den heiteren Himmel vom dickeren Luftdunst. Als er nun alles entwirrt, aus der finsteren Masse entnommen, band er das örtlich Getrennte zusammen in friedlicher Eintracht; und so schnellte die leichte, die feurige Kraft des gewölbten Himmels empor und gewann sich den Platz in der obersten Höhe. Ihr zunächst ist die Luft an Leichtigkeit wie auch im Raume; dichter als sie ist die Erde, die größere Stoffe herbeizog, durch ihre Schwere zusammengepresst; die umfließende Feuchte nahm den Rand in Besitz und umschloss den festeren Erdkreis. 

Als so der Gott, wer immer es war, die Materie geordnet, so sie zerteilt und die Teile zu wirklichen Gliedern gestaltet, ballte er gleich zu Beginn die Erde, damit sie auf jeder Seite sich gänzlich gleiche, zur Form einer riesigen Kugel. Alsdann ließ er die Meere sich breiten; in reißenden Stürmen sollten sie schwellen und rings die Gestade der Erde umgürten. Quellen gesellte er bei, unermessliche Teiche und Seen; mit sich krümmenden Ufern umzog er die Flüsse, die hierhin abwärts rinnen und dorthin; die einen verschwinden im Boden, andre gelangen ins Meer: in freierem Laufe durchströmen sie die Ebne, statt Ufer umzieht sie Küstengelände. Felder ließ er sich dehnen und Täler hernieder sich senken, Wälder sich decken mit Laub und steinige Berge sich heben. Und wie den Himmel zwei Zonen zur Rechten und ebensoviele Links durchschneiden - die fünfte jedoch ist heißer als alle -, so zerteilte der sorgliche Gott die umschlossene Kugel nach den nämlichen Zahlen: es decken fünf Zonen die Erde. Wo sich die mittlere dehnt, da verwehrt es die Hitze zu wohnen; zwei deckt tiefer Schnee; zwei hat er dazwischen geschoben und ihnen Milde verliehn: mit Kälte vermischte er Wärme. 

Luft ist darüber gebreitet; so viel ist sie schwerer als Feuer, als des Wassers Gewicht nachsteht dem Gewichte der Erde. Nebel ließ es daselbst, dort ließ er Wolken sich sammeln, auch die Donner, bestimmt, auf menschliche Herzen zu wirken, und die Winde, die Wetterleuchten erzeugen und Blitze. Doch auch den Winden verwehrte der Weltenschöpfer zu hausen, wo in den Lüften sie wollten; noch jetzt ist es schwer, sie zu zähmen, wenn sie auch, jeder für sich, in den eigenen Zonen sich tummeln, dass sie die Welt nicht zerreißen: so groß ist die Zwietracht der Brüder. Eurus wich zu Aurora zurück, nach dem Reich Nabataea und nach Persien, hinweg zu den Höhn, die im Morgenglanz leuchten; doch dich Gestade, die milde durchsonnt sind von Strahlen des Abends, liegen dem Zephyr am nächsten; ins Land der Scythen, gegen Norden, brauste der schaurige Boreas, aber das Land gegenüber wird vom Auster mit Regen und dauernden Wolken befeuchtet. Über das alles legt er den flüssigen Äther, der jeder Schwere ermangelt und frei ist von jeglichem irdischen Unrat.

Kaum hat er alles durch feste Begrenzung umhagt und geschieden, als die Gestirne, die lang in der Masse gepresst und verborgen waren, allüberall jetzt am Himmel zu leuchten begannen. Auf dass keine der Zonen der lebenden Wesen ermangle, sollten die Sterne, Gestalten von Göttern, den Himmel bevölkern. Glänzenden Fischen gewährten die Wasser die Wohnung, die Erde bot den Tieren das Heim, die beweglichen Lüfte den Vögeln. 

Aber ein reineres Wesen, Gefäß eines höheren Geistes, über die andern zu herrschen befähigt, es fehlte noch immer. Und es entstand der Mensch, sei es, dass ihn aus göttlichem Samen jener Meister erschuf, der Gestalter der besseren Weltform, sei es dass die Erde, die jugendfrische, erst kürzlich vom hohen Äther geschieden, die Samen, die himmelsverwandten, bewahrte. Denn sie mischte des Iapetus Sohn mit dem Wasser des Regens, formte sie dann nach dem Bild der alles regierenden Götter. Während die anderen Wesen gebückt zur Erde sich neigen, ließ er den Menschen das Haupt hochtragen: er sollte den Himmel sehen und aufgerichtet den Blick nach den Sternen erheben. Also war nun die Erde verwandelt: soeben noch formlos roh, ward sie jetzt geschmückt mit den Menschengestalten, den neuen. (Ovid)







Mittwoch, 18. Februar 2015

Die Eule und das unwillkommene Lied | Fabel aus China

http://aventin.blogspot.com

"Wohin des Weges?", fragte eine Turteltaube eine vorüber fliegende Eule. "Ach, ich möchte auswandern", antwortete diese. "Ich fliege nach dem Westen." "Ja, weshalb denn?", erkundigte sich die Turteltaube. "Den Leuten hier gefällt mein Gesang nicht" erwiderte die Eule betrübt. "Wäre es da nicht besser, du würdest deinen Gesang ändern?", meinte die Turteltaube. "Bei den Leuten im Westen wird er vielleicht auch keinen Anklang finden." 

Lehre: 
Wer allen gefallen will, verleugnet seine Art.






Dienstag, 4. Juni 2013

Monat September | Der süße Nachsommer | Herbert Fritsche

Die Wolken der Zugvögel rauschen über uns dahin. Das Obst ist reif, Äpfel und Birnen klopfen zu Boden, wenn der Wind weht - und in der gläsernen Klarheit des Tage riecht es nach Efeu und Lebensbaum, abends aber, wenn das Dunkel immer früher hereinbricht und die Kühle uns bald schon Ausschau halten lässt nach dem teefarbenen Licht des Fensters daheim, blinkt vom Osthimmel her das Siebengestirn zu uns hernieder. Nun kann es nicht mehr lange dauern, dann ist der uralt-babylonisch-chaldäische Vorhang des Winterhimmels über den Süden gespannt: Stier und Vorhund, das Dioskuren-Paar Kastor und Pollux, endlich Orion, der riesige Jäger mit dem diamanthell funkelnden Hundsstern Sirius zu Füßen. 

Wenn der neue Tag beginnt, kann es sein, dass er die ganze heimliche Süße des Nachsommers bringt, die wohlausgewogene Schönheit, in der kein Kampf und Krampf, kein Prunk und Rausch mehr ist, sondern nur noch ein holdes Daheimsein der Natur in der leisen Wehmut einer Harmonie, welche das Wissen um den Abschied verzaubert. Wundervoll passt diese unaufdringliche, nachgiebige und ausgeglichene September-Schönheit zur Wesenart des Tierkreiszeichens Waage, das um den 23. September von der Sonnenbahn erreicht wird, wenn die Tag- und Nachtgleiche den Herbstbeginn kennzeichnet. Als ob das Edelste des schwindenden Sommers noch einmal geerntet würde, als ob aus dem Kühlerwerden des Blutes zuvor noch die Schönheit des Lebens blass und sanft in den Tag hinein destilliert werden müsse, so bietet sich die vorherbstliche Jahresstunde dar, die leise Lyrik unter den zwölf Strophen, von der man oft glauben möchte, dass das Wort des Lao-Tse an ihr wahr werde:

Das Zarte wird das Starke besiegen,
dies ist die geheime Erleuchtung ...

Am Rande der Stadt breitet sich das Schuttfeld aus, auf dem die Hexenkräuter wuchern, die dem Herbst uns seinen Eremiten Räusche sonderlicher Art versprechen: Nachtschatten und Bilsenkraut, Stechapfel und Teufelszwirn, Tollkirsche und Zaunrübe finden sich beisammen im Grenzrevier, um dem Grenzgänger und Grenzüberschreiter auf ihre Art von der Verwandtschaft alles Kreatürlichen zu berichten. Ein Absud aus ihren Säften verwirrt die Menschenseele auf so kuriose Art, dass sie E.T.A. Hoffmanns Gesichte erlebt, im Fluge durch die künstlichen Paradiese Charles Baudelaires schweift und mit verdoppeltem Schwunge durch die infernalischen Ameisenhaufen des seltsamsten Geziefers, die uns Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel gemalt und gezeichnet haben; das skurrile Spiel mit Brocken des Kosmos, das Paul Klee so souverän beherrschte, wird nicht minder zur zwanghaften Wirklichkeit im vergifteten Innern wie die gleich wirrem Wurzelwerk verfilzten und zerschrumpften Gespenster Alfred Kubins, des Schloßherrn zu Zwickledt am Inn. Wenige Tropfen dessen, was der Sommer im Unkraut zusammenbraute und was der Frühherbst garkochte, vermögen den Mensch eines Hexensabbats teilhaftig werden zu lassen, den wir nur begreifen können, wenn wir es ernstnehmen, dass auch hier ein Geist zum andern Geiste spricht.

Wilhelm Raabe hat einmal gesagt, es würde wohl manches Stück Erde recht kahl und armselig aussehen, wenn kein Unkraut darauf wüchse. Er konnte nicht ahnen, in einem wie wörtlichen Sinne die Wissenschaft der dynamischen Botanik diesem Ausspruch recht gibt. Der Herbst, der Säftekoch und Teebereiter, leitet nicht das Sterben, sondern das Leben ein -: auch dort, wo wir nur ein Welken wahrnehmen. Es gibt rings im All nur Leben, nichts als Leben, der Tod ist nur eine Maske, hinter der das Lebendige seine intimsten Wandlungen vollbringt. 






Montag, 3. Juni 2013

Monat Oktober | Geist verdichtet zu Samen | Herbert Fritsche

Alles Pflanzliche, das jetzt, von der Kühle genötigt, aus seinem grünen Herzen heraus des nahenden Winters ansichtig wird, kennt nur eine einzige Methode des Überdauerns, wenn es nicht Baum oder Gesträuch ist, sondern: die Zusammenziehung des eigenen Wesens in den Samen. Gewiss, auch Tanne und Linde, Apfelbaum und Himbeerbusch haben ihre Samenbildung, jedoch dient sie lediglich der Verbreitung der Art, während das pflanzliche Einzelwesen auch ohne die Flucht in den Samen den Winter überdauert. Anders steht es mit denjenigen Geschöpfen der Flora, die nunmehr endgültig zu welken beginnen und auf den weiten Komposthaufen der Landschaft geraten. Ihre Auferstehung im nächsten Lenz geht vom Samen her vonstatten. 

Im April lernen wir vor dem Katheder des großen Paracelsus, dass die Pflanze - wie jede Kreatur - Anteil hat an den drei Prinzipien Sal, Mercurius und Sulphur: mit der Verwurzelung ist ihr salinisches, erdenfestes Prinzip gegeben, mit Stängel und Blätterfülle ihr merkurisches Strömen und Vermitteln zwischen Erdensein und Kosmos-Kräften, mit der Blüte das sulphurische Verströmen und sublimieren in Farbe und Duft. Nun ist es gerade die Blüte, der brennende Sulphur, woraus sich ein neues Sal-Gebilde formt: der Same. 

Der Same gleicht winterlicher Erde: rund, kahl und ohne jedes Entfaltetsein, ist er dennoch Leben in der Latenz, reicher an unsichtbaren Potenzen als alles, was sich dereinst aus ihm in die Manifestation hinein verausgaben wird. Die Kugel, die im kleinsten Raume das Größtmögliche birgt und ballt, die Gestalt des Samenkorns darf als verinnerlichtes Feuer aufgefasst werden, das sich erhärtet hat zu geheimer Erdfigur und der Erde anheimgegeben werden will, um darin zu wurzeln, auf dass es aus der Wurzel grüne und blühe. Was ein Pflanzensame im Sinne seiner Potenzenballungen bedeutet, das können wir an einem Beispiel aus der Welt der Genussmittel erkennen. Trinken wir chinesischen Tee, der aus Blattorganen bereitet ist - atmenden, assimilierenden Blattorganen, die überdies, bei der Tee-Vorbereitung, einem langwierigen Fermentationsprozeß  unterworfen wurden -, so nehmen wir, was wenig bekannt ist, bei normaler Zubereitung ein Getränk ein, dessen Gehalt an Coffein (Thein ist chemisch dasselbe wie Coffein) stärker ist als der der gleichen Menge ebenfalls normal zubereiteten Kaffees. Dennoch wirkt der Tee, eben weil er aus Blättern stammt, als Philosophengetränk, das tiefgründige Gespräch befördernd und das weitausholende Denken anregend. Die Tasse Kaffee, aus Pflanzensamen - den Kaffeebohnen - zubereitet, Pflanzensamen, die überdies im Röstprozeß noch feurig aktiviert wurden, enthält zwar etwas weniger Coffein als die Tasse Tee, aber sie wirkt elektrisierend bis in jeden Nerv, trommelt das Gedankenleben bis zur Ideenflucht mobil und überstürzt das Hirn mit Katarakten von Einfällen: aus dem Coffein, das den Tee zum Philosophen- oder Diplomatengetränk machte, ist das Coffein des Literaten- und Journalistengetränks geworden, das Weckmittel, welches Menschen und Geister verquecksilbert und zu raschen Reaktionen aufpeitscht. 

Kraftvolle Naturen lieben den Oktober vor allen anderen Monaten. Man muss ihn nur aus rechter Haltung menschgemäßen Kräftigseins verstehen: Kräutersame, lodernd buntes Laub, brausender Sturm und Hirschbrunst besagen alle dasselbe, nämlich dass es nicht der Sinn des Winters ist, uns verarmen zu lassen oder gar zu töten, sondern dass jetzt Hand angelegt werden muss, um, von kühler Luft erfrischt und von überwältigender Farbensymphonie angefeuert, des Jahres Natur- und Schicksalsgeschenke einzukellern im tiefsten Herzen, von wo her alle Entscheidungen fallen, die der Welt vom Menschen her zuteil werden - im Sinne der Worte aus dem buddhistischen Dhammapadam:

Vom Herzen gehn die Dinge aus,
sind herzgeboren, herzgefügt ...






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