Posts mit dem Label Worte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Worte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Juli 2020

Aus ägyptischen Gräbern

Montag, 17. September 2018

Viper und Wasserschlange

Viper und Wasserschlange:

Eine Viper kroch regelmäßig zu einem Teich, um zu trinken. Dort aber wohnte eine Wasserschlange, die sie daran hindern wollte, weil sie sich ärgerte


Donnerstag, 23. Juli 2015

Vom Fluss lernen, dass es keine Zeit gibt • Hermann Hesse

Freundlich lebte Siddhartha neben Vasudeva, und zuweilen tauschten sie Worte. Vasudeva war kein Freund der Worte, selten gelang es Siddhartha, ihn zum Sprechen zu bewegen. "Hast du" so fragte er ihn einst, "hast auch du vom Flusse jenes Geheime gelernt: dass es keine Zeit gibt?" Vasudevas Gesicht überzog sich mit hellem Lächeln. "Ja, Siddhartha", sprach er. "Es ist doch dieses, was du meinst: dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall, zugleich, und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Zukunft?" "Dies ist es", sagte Siddhartha. "Und als ich es gelernt hatte, das sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas frühere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rückkehr zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart."





Mittwoch, 20. Mai 2015

Der Samurai und die Flöte • Teil 1 von 2 • Sage aus Japan

Vor vielen Jahren reiste ein junger Samurai im Auftrag seines Gebieters mit einem Brief nach der Stadt Shimizu. Er schritt rüstig voraus und ließ sich nirgendwo aufhalten. Er war bereits einige Tage unterwegs, und da er ein guter Wanderer war, kam er rasch seinem Ziel näher. Er war nur noch wenige Stunden von der Stadt entfernt, als er an eine liebliche Wasserlandschaft am Mogami-Fluß kam. Der Strom hat an dieser Stelle Seitenarme, die sich zu Seen und Mooren ausweiten. Der junge Mann beschloss, hier ein wenig zu rasten. Er zog seinen Imbiss hervor, und als er sich gesättigt hatte, holte er seine Flöte aus dem Gürtel und ergötzte sich für eine Weile mit zarten Melodien. Er glaubte sich ganz allein, nur mit den Wasservögeln als Gesellschaftern. Einige alte Weidenbäume standen in der Nähe und ließen ihre biegsamen langen Zweige wie hellgrüne Schleier auf das Wasser hängen.

Bald hatte der Samurai sich ausgeruht, er steckte seine Flöte weg und wollte aufstehen, um weiter zu gehen. Und wie er hochblickte, stand dicht vor ihm ein schönes Mädchen. Ganz leise musste es gekommen sein, es lächelte zart und sprach: "Lieber Herr, spielt doch noch ein wenig weiter, es ist gar zu schön!" Der Mann war erschrocken, er konnte sich nicht erklären, was ein junges Mädchen so allein in dieser Wildnis zu tun hatte. "Ja, woher kommst du denn? Was machst du in dieser Einsamkeit?" "Ich wohne hier ganz in der Nähe. Ich erging mich in meinem Garten, und dabei habe ich Euer liebliches Musizieren gehört. Ich bitte Euch, spielt doch noch ein wenig für mich!" Der junge Mann betrachtete die Erscheinung jetzt genauer. Es war ein schlankes, zartes Mädchen mit feiner, weißer Haut und langen fließenden Haaren. Aber es fiel ihm auf, dass es fast rote Augen hatte. Und dann erschrak er gewaltig: Das Mädchen stand nicht auf dem Ufer, es stand auf dem Wasser! Es konnte kein Menschenkind sein! Er wich zurück und wollte so schnell wie möglich den unheimlich gewordenen Ort verlassen. Das Mädchen aber bat ihn weiter: "Spielt doch bitte noch einmal für mich, selten habe ich solch zarte Melodien gehört." Der Ritter wehrte sich und sprach: "Ich reise im Auftrag meines Herrn, und ich habe schon viel zu lange hier gerastet, nun muss ich mich beeilen. Ich kann jetzt nicht mehr für dich spielen." Das Wesen fasste ihn sanft am Ärmel und antwortete: "So geht denn, Herr, aber wollt Ihr mir versprechen, auf Eurer Rückreise wieder hier vorbeizukommen und mich noch einmal mit Eurer Flöte zu erfreuen?" Der junge Mann versprach hastig, um was er gebeten wurde, er hätte jedes Ding versprochen, nur um von hier wegkommen zu können. "So warte ich denn auf Euch, und Herr Ritter, enttäuscht mich nicht!"

Mit diesen Worten drehte sich das Mädchen um, und bald war es lautlos zwischen den Schleiern der Weidenbäume verschwunden. Der Samurai atmete auf und verließ eilig das einsame Ufer. Er schritt kräftig weiter und hatte bald die Stadt Shimizu erreicht. Er erledigte seinen Auftrag, und bereits am nächsten Morgen konnte er den Heimweg antreten. Und er wollte das Versprechen, das er dem fremden Mädchen gegeben hatte, nicht halten. Aus diesem Grund wählte er für die Heimreise einen anderen Weg, einen, der die Seenlandschaft umgehen sollte. Mit mehreren Reisenden mietete er deshalb ein Boot, um den Mogami-Fluß eine Strecke hinab zufahren, und erst dann, wenn er die unheimliche Gegend hinter sich gebracht hatte, zu Fuß weiterzugehen. Er hielt das Mädchen für einen Wassergeist, wie er in den Sümpfen und Seen haust, und der sich sicherlich nicht aus seinem eigenen Gebiet heraus bis in den Fluss wagen würde. Und er war nicht allein, er hatte ein ganzes Boot voll Reisegefährten. Der Geist würde sich nicht zeigen wollen.

Fortsetzung folgt ......      Teil-2-von-2







Freitag, 15. Mai 2015

Für Augenblicke Götter sein • Novelle von Hermann Hesse

Foto: piqs.de - Luis Cernadas Iglesias
Es gibt Güte und Vernunft in uns, in uns Menschen, mit denen der Zufall spielt, und wir können stärker sein als die Natur und als das Schicksal, sei es auch nur für Stunden. Und wir können einander nahe sein, wenn es not tut, und einander in verstehende Augen sehen, und können einander lieben und einander zum Trost leben. Und manchmal, wenn die finstere Tiefe schweigt, können wir noch mehr. Da können wir für Augenblicke Götter sein, befehlende Hände ausstrecken und Dinge schaffen, die vordem nicht waren und die, wenn sie geschlossen sind, ohne uns weiterleben. Wir können aus Tönen und aus Worten  und aus andern gebrechlichen wertlosen Dingen Spielwerke erbauen, Weisen und Lieder voll Sinn und Trost und Güte schöner und unvergänglicher als die grellen Spiele des Zufalls und Schicksals. Wir können Gott im Herzen tragen, und zuzeiten, wenn wir seiner innig voll sind, kann er aus unsern Augen und aus unsern Worten schauen und auch zu andern reden, die ihn nicht kennen oder kennen wollen. Wir können unser Herz dem Leben nicht entziehen, aber wir können es so bilden und lehren, dass es dem Zufall überlegen ist und auch dem Schmerzlichen ungebrochen zuschauen kann.






Dienstag, 17. Februar 2015

Das gestohlene Schwein | Poggio Bracciolini | Fabel aus Italien

aventin.blogspot.com

In einer Stadt der Umgebung Anconas war es Sitte, dass, wer im Winter ein Schwein schlachtete, die ganze Nachbarschaft zum Schmaus einlud. Einer aber, der sich davor gern drücken wollte, fragte seinen Vetter um Rat, wie er das wohl anstellen könnte. Der erwiderte: "Sag nur morgen, dein Schwein ist dir in der Nacht gestohlen worden." Nun stahl ihm der Vetter, ohne dass der andere eine Ahnung davon hatte, in derselben Nacht das Schwein. 

Wie der Bestohlene am anderen Morgen das Schwein nicht mehr fand, lief er zu seinem Vetter und schrie laut: "Mein Schwein ist mir gestohlen worden!" Da sagte der: "Das machst du ganz ausgezeichnet und ganz, wie ich dir es gesagt habe." Wie der Bestohlene nun wieder und wieder die Worte wiederholte und bei Gott schwur, es sei wahr, sagte der Vetter: "Bravo, du verstehst es wirklich ganz prächtig!" Als der Bestohlene nun seine Eidesbeteuerungen abermals erneute, meinte der Vetter: "Siehst du, so muss man es machen. Hab ich dir nicht einen guten Rat gegeben?" 

Lehre:
So straft sich Geiz und Lüge, und so kommt zum Verlust auch noch der Spott.







Montag, 26. Januar 2015

Der Löwe, der Wolf und der Fuchs | Gute Gesinnung | Fabel von Aesop

aventin.blogspot.com

Ein alter Löwe lag krank in seiner Höhle. Alle Tiere erschienen, um den König zu besuchen, nur der Fuchs nicht. Dies bot dem Wolf die Gelegenheit, den Fuchs bei dem Löwen zu verleumden. Er sagte dem Löwen, dass der Fuchs den Herrscher über alle Tiere nicht achte und deshalb nicht zu Besuch käme.

Mittlerweile war aber auch der Fuchs erschienen und hatte die letzten Worte des Wolfes noch vernommen. Der Löwe brüllte den Fuchs an. Der aber bat um Frist zu seiner Verteidigung und sprach: "Wer von allen hier Versammelten hat dir so viel genützt wie ich, der ich überall herumgegangen bin, um mir von einem Arzt ein Heilmittel für dich empfehlen zu lassen?" 

Als nun der Löwe befahl, dieses Heilmittel auf der Stelle zu nennen, antwortete der Fuchs: "Es besteht darin, dass du einem Wolf lebendig das Fell abziehst und dich darin hüllst, solange es noch ganz warm ist." Im Nu lag der Wolf niedergestreckt am Boden. 

Da sagte der Fuchs scheinheilig: "Man muss nicht üble, sondern gute Gesinnung bei den Herrschern erwecken." 

Lehre: 
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein oder wer zuletzt lacht, lacht am besten.






Freitag, 7. September 2012

Von Gesetzen und Anwälten | Khalil Gibran

aventin.blogspot.com

Es bereitet euch Freude, Gesetze aufzustellen. Aber noch größere Freude bereitet es euch, sie zu brechen, wie spielende Kinder am Meeresufer, die mit Ausdauer Sandburgen bauen und sie dann lachend zerstören. Während sie Sandburgen bauen, trägt das Meer weiteren Sand an den Strand und wenn sie sie einreißen, lacht der Ozean mit ihnen.

Doch was ist mit denen, für die das Leben kein Ozean ist und menschliche Gesetze keine Sandburgen, sondern für die das Leben ein Fels ist und das Gesetz ein Meißel, mit dem sie es zu ihrem Bild gestalten möchten? Was ist mit dem Krüppel, der den Tänzer verabscheut? Was ist mit dem Ochsen, der sein Joch liebt und den Hirsch und das Reh des Waldes für hauslose Vagabunden erachtet? Was ist mit der alten Schlange, die ihre Haut nicht mehr abwerfen kann und alle anderen schamlos und nackt nennt? Und mit dem, der als erster zum Hochzeitsmahl kommt und sich dann, übersättigt und müde, mit den Worten entfernt, jedes Fest sei ein Frevel und jeder Feiernde ein Gesetzesbrecher?

Was soll ich von all diesen sagen außer, dass auch sie im Sonnenlicht stehen, aber mit dem Rücken zur Sonne! Sie sehen nur ihren eigenen Schatten und ihr Schatten ist ihr Gesetz. Und was ist die Sonne für sie mehr als eine Schattenwerferin? Was ist die Befolgung des Gesetzes für sie anderes, als sich nieder zu beugen und ihren eigenen Schatten auf den Boden nach zu zeichnen.

Ihr aber, die ihr mit dem Gesicht in der Sonne wandelt, welche Zeichen im Staub könnten euch schon aufhalten? Ihr Gefährten des Windes, welche Wetterfahne sollten wohl euren Kurs bestimmen? Welches Menschengesetz sollte euch binden, wenn ihr euer Joch zerbrecht, doch vor niemandes Kerkertür? Welche Gesetze solltet ihr fürchten, wenn ihr tanzt, aber über niemandes Ketten stolpert und wer dürfte euch richten, wenn ihr euer Gewand von euch reißt, es aber auf niemandes Weg liegen lasst?

Menschen von Orfalis, ihr könnt die Trommeln dämpfen und die Saiten der Leier entspannen, doch wer soll der Lerche das Singen verbieten?

(Khalil Gibran *1883 +1931)






Samstag, 26. November 2011

Die Rose | Gedicht | Quelle unbekannt

aventin.blogspot.com

Weißt du, wie die Rose spricht,
wenn sie so sanft mit ihren Dornen sticht,
dich weckt in allen Sinnen
so kannst du nicht entrinnen.

Sie spricht in tausend Worten,
von hier und andren Orten
in deines tiefsten Herzens Grund
tut sie dir ihr´ Weisheit kund.

Ihr Duft wird dich betören,
so du weißt auf sie zu hören.
Hast einmal ihn gerochen,
so sie zu dir gesprochen.

Sie tut dir ihre Wahrheit kund,
die kommt aus innerer Seele Grund.
So freue dich in dem Wissen,
dass sie dich wird auf ewig küssen.

(Quelle unbekannt)