Donnerstag, 5. April 2012

Johannes Reuchlin und das Rätsel einer jungen Frau

Ein Rätsel, das im Jahre 1497 eine schöne junge Frau dem Johannes Reuchlin aus Pforzheim im Schwarzwald aufgab.
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Als ich mit meinen Gespielinnen im Grünen spazieren ging, begegnete mir an der Quelle, an der ich oft wusch, auf der Wasserfläche eine schöne Gestalt, die mich auch begleitete, als ich nach Hause ging. Bald erschien sie in der Nähe, bald verbarg sie sich hinter den steinigen Höhen; schließlich versuchte sie, mich an der Nase herumzuführen und sich an mich zu schmiegen. Ja, sie wollte mir sogar auf meinem Lager beiwohnen. Sie liebt die Sonne mehr als alles andere und verschwindet im Dunkeln betrübt. Sag mir doch: Was es ist?


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Johannes Reuchlin

Er ist der berühmteste Sohn der Stadt Pforzheim. Johannes Reuchlin wurde im Jahre 1455 geboren und trug zeit seines Lebens stolz den Beinamen „Phorcensis“ („aus Pforzheim“). Neben Erasmus von Rotterdam zählt Reuchlin zu den wichtigsten europäischen Humanisten. Eines seiner Hauptanliegen war es, durch Studium der Sprachen die lateinischen, griechischen und hebräischen religiösen und philosophischen Urtexte wieder zu erschließen. Er wurde somit zu einem Vorläufer der Reformation. Reuchlin gilt als Vorbild der Toleranz, da er sich immer vehement für die Aussagen und den Erhalt alten Schrifttums einsetzte.  







Dienstag, 27. März 2012

Pygmalion und Galatea | Metamorphosen von Ovid

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Der Künstler Pygmalion von Zypern ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit sexuell zügellosen Frauen (Propoetiden) zum Frauenfeind geworden und lebt nur noch für seine Arbeit bzw. Bildhauerei. So erschafft sich, ohne sich dessen bewusst zu sein oder speziell an Frauen zu denken, eine Elfenbeinstatue, die fast wie eine lebendige Frau aussieht. Er behandelt das Abbild mit der Zeit auch immer mehr wie einen echten Menschen und verliebt sich schließlich und endlich in seine eigene Kunstfigur. 

Am Festtag der Venus fleht Pygmalion die Götter mit folgenden Worten an: „Ihr Götter, ihr vermögt mir alles zu geben. Gebt mir ein Frau die nur ihr gleicht“. Er traute sich nicht zu sagen, seine Statue möge zum Menschen werden, doch bittet er darum, seine künftige Frau möge so sein wie die von ihm erschaffene Statue. 

Venus, die Göttin der Liebe, versteht sein Gebet und als er nach Hause zurückkehrt und die Statue wie üblich zu liebkosen beginnt, wird diese langsam lebendig. Aus der Verbindung geht ein Kind namens Paphos hervor. Im 18. Jahrhundert erhält die zum Leben erweckte Statue den Namen Galatea.





Montag, 19. März 2012

Der Löwe und die Mücke | Stolz | Fabel von Aesop


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Eine Mücke forderte mit den übermütigsten Worten einen Löwen zum Zweikampf heraus: "Ich fürchte dich nicht, du großes Ungeheuer", rief sie ihm zu, "weil du gar keine Vorzüge vor mir hast; oder nenne sie mir, wenn du solche zu haben glaubst; etwa die, dass du deinen Raub mit Krallen zerreißt und mit Zähnen zermalmst? Jedes andere feige Tier, wenn es mit einem Tapferen kämpft, tut dasselbe, es beißt und kratzt. Du sollst aber empfinden, dass ich stärker bin als du!" Mit diesen Worten flog sie in eines seiner Nasenlöcher und stach ihn so sehr, dass er sich vor Schmerz selbst zerfleischte und sich für überwunden erklärte.

Stolz auf diesen Sieg flog nun die Mücke davon, um in alle Welt hinaus zu posaunen, wie stark sie sei. Dabei übersah sie aber das Gewebe einer Spinne und verfing sich in demselben. Gierig umarmte sie die Spinne und sog ihr das Heldenblut aus. Sterbend empfand die Mücke ihre Nichtigkeit, indem sie, die Siegerin über den Löwen, einem so verächtlichen Tier, einer Spinne, erlag.

Lehre:
Hochmut kommt vor dem Fall.






Mittwoch, 14. März 2012

Baum-Rätsel von Aesop | Ein Baum hat zwölf Äste

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Es wächst ein Baum, der hat 12 Äste; 
auf jedem Ast sitzen 30 Nester; 
in jedem Nest liegen 24 Eier. 
Aus jedem Ei schlüpft ein Vogel, 
der sechzig hoch zwei Töne singt. 
Eine weiße und eine schwarze Maus nagen daran, 
bis eine grimmige Katze alles auffrißt. 



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Sonntag, 11. März 2012

Sag doch, wer ist's | Rätsel von Hieronymus Emser



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Er trägt eine Königskrone, sagt die Zeit voraus 
und trägt als Kämpfer einen goldenen Sporn.
Sag doch, wer ist's?


Glatt und rund kommt er aus dem Mutterleib hervor, 
ohne Kopf, Glieder und Lebenshauch. 
Sag doch, wer ist's? 

Wenn die Natur ihm dann hold ist, 
bekommt er Empfindung, Seele, Gestalt, 
nimmt teil am Leben und verfällt auch dem Tod. 
Sag doch, wer ist's? 

Bevor er stirbt, wird er mit heiligem Wasser 
entsühnt und schön weiß gemacht; 
dann geht er für uns Arme ins Feuer. 
Sag doch, wer ist's?


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Mittwoch, 7. März 2012

Philemon und Baucis | Mythologie | Metamorphosen von Ovid


aventin.blogspot.comAlle erstarrten und billigten mitnichten solcherlei Worte. Besonders Lelex, ein Mann in Jahren und im Geiste gereift, erzählte folgendes: „Des Himmels Gewalt ist unendlich und grenzenlos. Was immer die Götter nur wollen, sogleich ist es vollendet. Hört, damit ihr nicht zweifelt! Es stehen auf dem phrygischen Hügel, von mittlerer Mauer umschlossen, nebeneinander Eiche und Linde. Ich selber sah den Ort, denn Pittheus sandte mich einstmals in die Gefilde des Pelops, die sein Vater früher regierte. Nahe dabei befindet sich ein Teich, einst wohnliche Gegend, doch jetzt hausen dort im Wasser sumpfliebende Hühner und Taucher. Jupiter kam einmal in Menschengestalt dorthin, wie auch der Enkel des Atlas, der Stabsträger, welcher ohne Flügel erschien, mit seinem Vater. Sie gingen tausend Behausungen ab, ein Obdach zu finden, tausend Behausungen wurden ihnen versperrt. Nur eine Behausung, klein, mit Stroh und mit Schilfrohr gedeckt, empfing sie. Dort hausten die alte fromme Baucis und der gleichfalls betagte Philemon, welche seit ihrer frühen Jugend verbunden waren. Sie waren in dieser Hütte gealtert und machten aus ihrer Armut kein Hehl, sie ertrugen sie mit Gelassenheit. Egal, ob man nach Herr oder Diener hier fragte, es blieb sich gleich: Diese Zwei waren die ganze Familie, beide befehligten und beide gehorchten.

Wie nun die Himmelsbewohner das winzige Häuschen erreichten und mit gesenktem Kopfe die niedere Türe durchschritten, lud sie der Greis sofort ein, es sich auf dem bereiteten Sitz behaglich zu machen. Die emsige Baucis breitete darüber schnell ein raues Gewebe und zerteilte im Herde die laue Asche. Sie schürte das vorherige Feuer an, legte Blätter und trockene Rinde nach und entfachte es mit altersgeschwächtem Atem zu Flammen. Sie holte vom Estrich ganz klein gespaltenes Kienholz und dürres Reisig und schob es dem ehernen Kessel zerkleinert unter. Dann entblätterte sie den Kohl, den der liebe Gemahl im bewässertem Garten eingesammelt hatte, mit doppelzinkiger Gabel, hob den schwärzlichen Schweinerücken vom finsteren Balken, der schon lange aufbewahrt wurde, und schnitt ein kleines Stück davon ab, um es hernach im siedenden Wasser auf dem Herd zu kochen. 

Beide verkürzten den Gästen mit Geplauder die Zeit, damit ihnen nicht langweilig wurde. Sie füllten eine Wanne mit großem Henkel aus Buchenholz, welche am Pflocke hing, mit lauem Wasser, damit sich die Gäste die Glieder wärmen konnten. Im Raume gab es noch eine weiche Seegras Matratze, welche auf dem Divan lag, dessen Gestell und Füße aus Weidenholz bestanden. Diese war mit Decken zugedeckt, da sie nur an festlichen Tagen gebraucht wurde. Alles war billiges, altes Zeug und passte irgendwie zum Divan aus Weidenholz. Sodann legten sich die Götter dort hin. Die Alte, bekleidet mit Schürze, stellte zitternd den Tisch vor die Gäste. Doch es hinkte ein Tischbein, eine Scherbe ward aber schnell unter gelegt und beseitigte die Neigung. Alsdann fegte sie die Tischplatte mit grünem Pfefferminzkraut und tischte auf in irdenen Gefäßen: Grüne und schwarze Oliven der keuschen Minerva, späte Kornelkirschen in flüssige Hefe gelegt, Endivien, Rettich, Käse und Eier, welche man nur leicht in nicht mehr glühender Asche gewendet hatte. Auch ward ein aus Silber getriebener Mischkrug und Becher aus geschnitztem Buchenholz aufgestellt, welche innen mit gelblichem Wachs bestrichen waren. Nach einer kurzen Weile holte sie das warme Essen vom Herde und kredenzte einen noch sehr jungen Wein. Nach dem Essen ward alles zur Seite geräumt und der Nachtisch wurde serviert. Da gab es Nüsse und Feigen, gemischt mit runzligen Datteln, und Pflaumen, duftende Äpfel und frisch gepflückte, purpurne Trauben. Alles ward in weiten Körbchen gebettet und in der Mitte prangte eine glänzende Honigwabe. Zu allem gesellten sich freundliche Mienen und ein guter, nicht geizender Wille. 

aventin.blogspot.comIndes bemerkten sie aber, dass der Krug, der so manchmal geleert ward, sich ganz von selber wieder füllte und dass der Wein sich sachte mehrte. Ängstlich erhoben sie die beiden, bestürzt ob dem Wunder, und die arme Baucis und der ebenso erschrockene Philemon stammelten nun Gebete und flehten für das Mahl und den bescheidenen Tisch um Vergebung. Sogleich schickten sie sich an ihre einzige Gans, die ihnen zu eigen war, welche auch das winzige Häuschen hütete, den göttlichen Gästen zu opfern. Doch die Gans wehrte sich mit regem Flügelschlag und spielte gar lange mit ihnen, sodass die schwächlichen Alten schnell ermüdeten. Just flüchtete die Gans zu den Göttern, die die Schlachtung nun verwehrten und sprachen: „Ja, wir sind Götter. Die bösen Nachbarn werden die Strafe erleiden, die sie verdienen. Doch euch ist vergönnt, frei und ledig vom Unheil zu bleiben. Nur müsst ihr euer Haus verlassen, uns begleiten und mit uns zusammen die steile Höhe dort drüben ersteigen!“ Beide gehorchten und die Götter schritten voran. Sie folgten langsam und, alt wie sie waren auf Stäbe gestützt, erklommen sie sacht die ansteigende Höhe. Wie sie nur noch einen Pfeilschuss weit vom Gipfel des Berges entfernt waren, blickten sie um sich um und sahen, dass die ungastlichen Häuser alle versunken waren. Suchend spähten sie nach dem First ihrer freundlichen Hütte. Ihr Häuschen, das den mächtigen Göttern ein Obdach gewährt hatte, war noch da. Während sie staunend alles sahen und das Unglück der Ihren beklagten, wandelte sich indessen das alte Gebäude, das selbst den Besitzern zu eng war, zum Tempel. Die Holzstützen waren zu Säulen geworden, das einstige rot-gelbe Strohdach schimmerte nun golden und es glänzten Marmorböden und prächtig getriebene Türen. 

Alsdann sprach der Sohn des Saturn in friedlichen Worten: „Sagt, rechtschaffener Greis, und du, würdiges Weib eines solchen Gemahls, was wünscht ihr?“ Philemon besprach sich kurz mit Baucis und teilte sodann den Himmlischen ihrer beider Entscheidung mit: „Priester wollen wir sein und euren Tempel behüten. Und da wir stets die Jahre in Eintracht gelebt haben, soll, wenn wir sterben, uns beide dieselbe Stunde treffen. Ich möchte nie das Grab meiner Gemahlin erblicken, noch sie ihres Gatten Begräbnis vollziehen!“ 

aventin.blogspot.comSprach und der Wunsch ward ihnen erfüllt. Sie waren die Hüter des Tempels, solange sie lebten. Und später, da standen sie von Alter geschwächt einmal vor den heiligen Stufen und besprachen, was hier früher geschah, da sah Philemon, wie Baucis sich umlaubte, und Baucis sah an Philemon dasselbe. Und als schon über beider Gesichter der Wipfel empor wuchs, tauschten sie, solange es noch möglich war, folgende Worte: „Leb wohl, oh du mein Gatte!“ Beide riefen sie zugleich und zugleich verbarg und umhüllte das Laubwerk ihr Antlitz. Noch jetzt zeigen Bewohner von Thynien Fremden die Stämme, die einst aus den beiden Körpern entstanden. Wahrheitsliebende Greise haben mir solches erzählt, was hätten sie mich täuschen sollen? Und wirklich, ich sah um die Äste Kränze geschlungen und sprach und befestigte ebenfalls neue Gewinde: „Gott sei, wenn Götter umsorgten, verehrt soll werden, wer ehrte!“






Dienstag, 6. März 2012

Der Esel im Löwenfell | Verkleidung | Fabel von Aesop


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Ein Esel fand ein Löwenfell, bekleidete sich damit und bedeckte seine Glieder, so gut er konnte. Nachdem er seinen unförmigen Kopf mit den viel zu großen Ohren unter das Fell gesteckt hatte, erschien er anderen unheimlich und Furcht erregend, zertrat den Schafen und Lämmern ihre Speise und erschreckte in den Wäldern die ängstlichen Tiere, Hasen, Hirschkälber, Hirsche und andere.

Der Bauer aber erkannte seinen verlorenen Esel in stolzer Haut mit trägen Gliedern und ergriff ihn bei den Ohren, die er nicht verdecken konntfe. Er band ihn fest, zog ihm das Löwenfell aus und sprach zu dem elenden Tier: "Du kannst diejenigen, die dich nicht kennen, leicht in Furcht und Schrecken versetzen, aber wer dich kennt, hat keine Angst vor dir. Bleibe daher ein Esel, wie du es bisher immer gewesen bist. Ziehe wieder dein ursprüngliches Kleid an und begehre nicht fremdes Gut, damit du nicht geschmäht wirst, wenn man es dir wieder auszieht."

Lehre:
Auch wenn er sich mit fremden Federn schmückt, ein Esel bleibt ein Esel!






Sonntag, 4. März 2012

Was ist Glück | Zitate von Lincoln und Bacon

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Die meisten Menschen sind in dem Maße glücklich, wie sie es sich selbst gestatten.
(Abraham Lincoln)

Der Pfad des Glückes gleicht der Milchstraße am Himmel, die eine Anhäufung oder ein Knäuel von einer Anzahl kleiner, nicht einzeln wahrnehmbarer, doch im Verein lichtstrahlender Sterne ist. 
(Francis Bacon)






Sonntag, 26. Februar 2012

Zwei Freunde und ein Bär | Freundschaft | Fabel von Aesop

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Zwei Freunde gelobten gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an. Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. 

Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, dass der Bär keine Toten verzehre. Der Bär kam nun herbei, leckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt. 

Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baum herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm denn der Bär zugeflüstert habe? "Eine vortreffliche Warnung", antwortete dieser, "nur schade, dass ich sie nicht früher gewusst habe." 

Lehre:
Man solle sich nie mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.






Montag, 20. Februar 2012

Karneval in Venedig | Commedia dell' arte | Italien

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Der große Karneval in Venedig ist mit seiner Maskenfreiheit, seinen Tierhatzen, Herkulesspielen und Feuerwerken der bekannteste neben denen von Florenz und Rom. Der Fasching dauert allgemein vom Fest Epiphania (6. Januar) bis zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch; in Venedig fängt der Karneval jedoch bereits am Stefanitag (26. Dezember) an. Bis 1796 folgte ihm während der Himmelfahrtsmesse stets ein kleineres Fest. Der Begriff „Carnevale di Venezia“ wurde erstmals 1094 in einem Schriftstück des Dogen Vitale Falier verwendet. 



Ausgehend von den italienischen Fürstenhöfen entwickelten sich seit dem Spätmittelalter immer prunkvollere und aufwändigere Formen des Karnevals. Zu Lebzeiten Casanovas im 18. Jahrhundert erreichte der Karneval seine größte Pracht, zugleich wurden die Sitten immer lockerer. 1797 verlor die Adelsrepublik durch Napoléon Bonaparte ihre Selbstständigkeit und wurde bis 1805 bzw. 1806 an Österreich angegliedert. Die damit verbundenen Verbote und die gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert brachten den Karneval in Venedig für fast 200 Jahre zum völligen Erliegen. Erst 1980 fand die alte Tradition ihre Fortsetzung als Touristenattraktion. Seitdem sieht man in den 10 Tagen vor Aschermittwoch auf Venedigs Straßen und Plätzen wieder die klassischen Masken und die historischen Kostüme, allerdings auch immer mehr Phantasiemasken. Zugleich wurden verschiedene traditionelle Veranstaltungen wieder aufgegriffen. So ist zum Beispiel die Theaterform der Commedia dell’arte auf die Bühne zurückgekehrt und wird sowohl im Theatersaal als auch im Freien aufgeführt. (Wikipedia)







Montag, 13. Februar 2012

Daedalus und Icarus | Mythologie | Metamorphosen von Ovid


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Daedalus sah sich von Meer umschlossen. Er hasste Kreta und seine lange Verbannung. Ergriffen von Heimweh, rief er: „Mag er mir die Erde und die Wellen versperren, aber der Himmel ist mir sicher offen. Hier wollen wir fliehen! Minos mag gar vieles besitzen, aber die Luft besitzt er nicht!“ So sprach er und richtete sein Sinnen auf fremde Künste und schuf etwas Neues. Er legte Federn, mit der kleinsten beginnend, in eine Reihe und ließ auf die kürzeren stets längere folgen, so wie man Gräser am Abhang sieht. Er baute die Federn der Länge nach wie eine Panflöte auf. Dann verband er sie in der Mitte mit Faden und Wachs und bog sie leicht, so dass sie die Gestalt von Vogelschwingen hatten. 

Der kleine Icarus war mit dabei, nicht wissend, dass er seine eigene Gefahr anfasste. Bald haschte er strahlend vor Lust nach dem Flaum, den ein leichtes Lüftchen bewegte, bald knetete er gelbliches Wachs mit seinem Daumen und behinderte durch sein Spiel des Vaters erstaunliches Tun. Nachdem die letzte Hand an das Unternehmen gelegt worden war, schwang sich der Baumeister selbst mit Leichtigkeit in die doppelten Flügel und schwebte schon in der Luft.

Er unterrichtete seinen Sohn, und sagte ihm, "Ich ermahne dich, Icarus, halte dich stets auf der mittleren Bahn, damit, wenn du zu tief fliegst, nicht die Wellen die Federn beschweren, oder wenn du zu hoch bist, nicht das Feuer der Sonne sie versengt. Fliege also stets in der Mitte! Ich befehle dir auch, nicht den Bootes, den großen Wagen oder das gezückte Schwert des Orion anzusehen. Nimm deinen Weg unter meiner Führung." Er gab ihm zugleich noch Flugvorschriften und passte die neuen Flügel seinen Schultern an.

Zwischen dieser Arbeit und seinen Mahnungen waren dem greisen Vater die Wangen nass geworden und die väterlichen Hände hatten zu zittern begonnen. Jetzt gab er seinem Sohn noch Küsse, die nicht wiederholt werden sollten. Durch die Federn erhoben, flog er voraus und fürchtete zugleich um seinen Begleiter wie ein Vogel, der vom Nest seine zarten Nachkommen zum ersten Mal in die Luft führt. Er ermahnte ihn nochmals ihm zu folgen und warnte ihn von verhängnisvollen Künsten abzusehen. Er bewegte seine Flügel und schaute auf die seines Sohnes zurück.

Irgendein Mensch, ein Fischer beim Angeln, ein Hirte, gestützt auf seinen Stab oder ein Bauer beim Pflügen, der sie so sehen mochte, wäre erstaunt gewesen sein und hätte sicherlich geglaubt, die Segler der Lüfte wären wohl Götter gewesen. 

Schon lag zur linken Seite Samos, die Insel der Juno, da sie an Delos und Paros vorübergeflogen waren, und rechts breitete sich Lebinthos und das an Honig so reiche Kalymnos aus. Da begann sich der Knabe des kühnen Flugs zu erfreuen und verließ die Bahn und seinen Führer. Von Himmelssehnsucht angezogen, stieg er noch höher hinauf. Die Nähe der raffenden Sonne aber schmolz das duftende Wachs, das Bindemittel der Federn. Schon war das Wachs zerflossen; er schwang nur noch die Arme, fasste keine Luft mehr, es fehlten im gleichsam die Ruder, und nach der Hilfe des Vaters schreiend, versank er im blauen Wasser. Dieses Meer hat nach ihm seinen Namen erhalten. 

Der unselige Vater rief „Icarus! Icarus, wo bist du? Wo muss ich dich suchen, mein lieber Icarus?“ Er rief und rief, da sah er auf den Wellen Federn schwimmen. Er verfluchte seine Kunst des Fliegens, barg die Leiche und brachte sie an Land zu Grabe. Die Insel, wo Icarus seitdem ruht, ist nach seinem Namen benannt - Ikaria.









Freitag, 3. Februar 2012

Leitsatz für das Leben | Bleiben und Werden | Franz Grillparzer

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Werde, was du nicht bist und 
bleibe, was du jetzt schon bist. 

In diesem Bleiben und diesem Werden 
liegt alles Schöne hier auf Erden. 










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